Kurz und knapp – darum geht’s
Weihnachten steht vor der Tür, doch für den 13-jährigen Norbert Pfeiffer ist es eine einsame Zeit. Beide Eltern arbeiten, und der Vater verschwindet nach Feierabend sofort hinter seinem Computer. Am wohlsten fühlt sich der Junge bei Tante Reni, wo es Spielkameraden, Trubel und ein Baby gibt. Als Norbert vor der Kaufhalle einen Kinderwagen mit einem schreienden Säugling entdeckt, will er das Kind eigentlich nur ein wenig spazieren fahren. Dann hört er die Suchmeldung der Polizei. In Panik versteckt er das Baby, während die Oberleutnants Jürgen Hübner und Thomas Grawe die Fahndung aufnehmen und die Mutter vor Verzweiflung zusammenbricht …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Gestohlenes Glück“
Draußen herrscht vorweihnachtliche Betriebsamkeit, in der Wohnung der Pfeiffers dagegen gähnende Leere: Der 13-jährige Norbert ist die meiste Zeit allein. Mutter Elke und Vater Jürgen sind beide berufstätig, und kommt der Vater abends heim, gilt seine Aufmerksamkeit vor allem seinem liebsten Spielzeug, dem Computer. An modernen Spielsachen fehlt es dem Einzelkind zwar nicht, gegen die Langeweile helfen sie allerdings wenig.
Ganz anders geht es bei Tante Reni zu, der Schwester seines Vaters. Bei ihr und Onkel Mischa ist immer etwas los: Zwei Kinder sind da, mit denen Norbert spielen kann, und dazu die kleine Claudia, ein Baby, das der Junge besonders ins Herz geschlossen hat. Kein Wunder, dass er sich zu Hause sehnlichst ein Geschwisterchen wünscht. Doch bei den Eltern beißt er damit auf Granit, sie sind erleichtert, dass die anstrengenden ersten Jahre hinter ihnen liegen. Mehr noch – sie verbieten ihrem Sohn, ohne ihre Erlaubnis zur Tante zu gehen, die mit den eigenen Kindern schließlich genug um die Ohren habe.
Am nächsten Tag findet Norbert nur einen Zettel vor: Die Eltern kommen später, er soll einkaufen gehen. Vor der Kaufhalle stehen mehrere Kinderwagen, deren Mütter drinnen ihre Besorgungen erledigen. Aus einem dringt besonders lautes Geschrei, und Norbert beschließt kurzerhand, den Säugling mit einer kleinen Runde zu beruhigen. Die Mutter, Heidrun Gröning, steckt derweil im Weihnachtsgedränge fest und muss eine halbe Stunde an der Kasse warten. Als sie im TV-Krimi „Gestohlenes Glück“ endlich mit ihren Einkäufen aus dem Laden kommt, ist der Kinderwagen verschwunden. Frau Gröning bricht zusammen.
Sofort läuft die Fahndung an. Die Oberleutnants Jürgen Hübner und Thomas Grawe nehmen sich all jene vor, die schon einmal wegen ähnlicher Delikte aufgefallen sind, und über Lautsprecher schallen Suchmeldungen durch die Stadt. Eine davon erreicht Norbert in einem Park – und versetzt ihn in Panik. Statt sich zu melden, schiebt er den Wagen in eine Gartensiedlung, wo die Eltern eines Freundes ein Häuschen besitzen, und verschafft sich dort Zugang.
Was bei Tante Reni so mühelos aussah, wird nun zur Überforderung. Norbert versucht sich am Wickeln und stellt ein Wärmegerät neben den Kinderwagen. Als er merkt, dass das Kind Hunger hat, besorgt er Fläschchen, Sauger, Babynahrung und Milch. Doch kurz nach der Mahlzeit erbricht das Baby die Milch, Windeln sind keine mehr übrig, und der Junge ist mit seinem Latein am Ende.
Im Polizeiruf 110 „Gestohlenes Glück“ ahnt bislang niemand, wo der Säugling steckt, und Norbert hat längst die Kontrolle über die Lage verloren. Verzweifelt macht er sich auf den Heimweg, während das Baby in dem verlassenen Gartenhäuschen ganz allein zurückbleibt …
Hinter den Kulissen
„Gestohlenes Glück“ ist die 128. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt hier in seinem 56. Fall, sein Kollege Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) in seinem 19. Im Mittelpunkt des Films steht allerdings der junge Norbert Pfeiffer (Danny Awege), dessen Eltern Elke und Jürgen Pfeiffer von Karin Ugowski und Klaus Hecke gespielt werden. Karin Düwel verkörpert Tante Reni, Angelika Perdelwitz die verzweifelte Mutter Heidrun Gröning.
Regie führte Thomas Jacob, das Drehbuch stammt von Ulrich Waldner. Produziert wurde der Kriminalfilm vom Fernsehen der DDR unter dem Arbeitstitel „Die Entführung“. Die Dreharbeiten fanden vom 15. März bis zum 30. April 1988 in Berlin statt. Für die Kostüme war Guido Bednarz zuständig, die Filmbauten entwarf Maria Rodewald.
Die Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR erreichte eine Zuschauerbeteiligung von 30,6 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Hübner – Jürgen Frohriep
Oberleutnant Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Kriminalistin – Gabriele Möller-Lukasz
Leiter des Fahndungsstabes – Lothar Schellhorn
Norbert Pfeiffer – Danny Awege
Elke Pfeiffer, Norberts Mutter – Karin Ugowski
Jürgen Pfeiffer, Norberts Vater – Klaus Hecke
Reni Pfeiffer, Norberts Tante – Karin Düwel
Onkel Mischa – Klaus Gehrke
Heidrun Gröning – Angelika Perdelwitz
Herr Gröning – Joachim Nimtz
Leutnant Gröbner – Klaus Tilsner
Ärztin SMH – Birgit Frohriep
Lebensmittelverkäufer – Günter Drescher
Junge Frau mit Kinderwagen – Anne Kasprik
Frau Lehmann – Regina Nitzsche
Herr Lehmann – Frank Schenk
Obermeister – Holger Franke
Vater Ehlert – Norbert Speer
Arzt – Eckhard Bilz
Älterer Ehemann – Horst Hamann
Kaufhallenangestellte – Christl Jährig
Jüngerer Ehemann – Guido Mauersberger
Junger Mann mit Baby – Hans-Jürgen Pabst
Junge Mutter – Siegrid Reintsch
Jüngere Frau – Brigitte Scholz-Lindenberg
Diensthabender – Michael Telloke
Frau – Gabriele Schäfer
Frau – Angelika Graubaum
Frau – Gisela Graupner
Alte Frau an der Bushaltestelle – Erika Stiska
Alter Mann Bushaltestelle – Walter Wickenhauser
Kind – Anja Stepke
Kind – Susann Stepke
Kind – Sebastian Jakob
Kind – Jessica Witt
Kind – Sabrina Fenske
u. v. a.
Stab
Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Ulrich Waldner
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Wolfram Huth
Schnitt – Marion Fiedler
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR
Foto HR / DRA / Wolfram Zeuch
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 3 Tagen).
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