Kurz und knapp – darum geht’s

Klirrende Kälte, Schnee und ein Binnenschiff, das sich im Eis festgefahren hat: An Bord der „Hohen Luckow“ stoßen Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Woltersdorf auf die Überreste eines ausschweifenden Gelages, hinter dem Schiff auf einen Toten. Bootsmann Hubert Göpfert ist an den Folgen eines Schlags auf den Kopf gestorben. Sein Kollege Ernst Klamroth wurde sturzbetrunken auf einer Landstraße aufgelesen. Er hat Blut an der Hand und keinerlei Erinnerung an die Nacht. Schiffsführer Uwe Wiechert ist spurlos verschwunden, und das ausgerechnet jetzt, wo seine Frau gerade einen Sohn zur Welt gebracht hat. Schnell zeigt sich, dass auf dem Kahn nicht nur gearbeitet wurde: Zwei Frauen waren an Bord, und zwischen den Männern brodelte es gewaltig …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die letzte Fahrt“

Früher Morgen auf einer verschneiten Landstraße, weit und breit kaum ein Haus: Plötzlich taumelt Familie Zimmermann ein Mann vor den Wagen und bricht reglos zusammen. Betrunken, vermuten die Eheleute, und der Notarzt gibt ihnen recht. Ausweispapiere trägt der Fremde nicht bei sich. Für Oberleutnant Jürgen Hübner, der bei Eis und Schnee zu nachtschlafender Zeit ausrücken muss, sieht die Sache zunächst nicht nach Arbeit für die Kriminalpolizei aus. Trotzdem folgt er den Fußspuren, die der Mann im Schnee hinterlassen hat. Sie führen ihn zu einem Motorgüterschiff, das im Eis feststeckt.

Die „Hohen Luckow“ wirkt wie ausgestorben, und doch läuft an Bord Musik. Auf den Tischen stehen die Reste einer Feier, bei der offenbar hemmungslos gezecht wurde. Den eigentlichen Fund macht Hübner hinter dem Schiff: Auf dem Eis liegt ein Toter. Es ist Hubert Göpfert, der Bootsmann der Besatzung. Der Oberleutnant ruft seinen Kollegen Leutnant Woltersdorf hinzu, der bei diesen Temperaturen vor allem eines mitbringen soll: warme Sachen. Inzwischen ist auch geklärt, wer der Betrunkene von der Landstraße ist. Er heißt Ernst Klamroth und gehört ebenfalls zur Mannschaft.

Bleibt die Frage nach dem Dritten im Bunde. Schiffsführer Uwe Wiechert hatte den wichtigen Winterauftrag angenommen, obwohl seine Frau Elke kurz vor der Entbindung stand. Jetzt ist der Sohn auf der Welt, und Wiechert taucht tatsächlich bei ihr im Krankenhaus auf. Den Weg zur Polizei sucht er allerdings nicht. Die Kripo leitet eine Fahndung ein.

Die Obduktion klärt im TV-Krimi „Die letzte Fahrt“ zwar die Todesursache, nicht aber die Umstände. Göpfert ist an einem Blutgerinnsel im Gehirn gestorben, das ein Schlag auf den Kopf ausgelöst hat. Als Tatwerkzeug stellen die Ermittler einen Schiffsnagel sicher, den jemand zum Flaschenöffner umgebaut hat. Auf Ernst Klamroth fällt ein schwerer Verdacht. Er wurde mit drei Promille ins Krankenhaus gebracht, an seiner Hand klebt Göpferts Blut, doch an die vergangene Nacht kann er sich beim besten Willen nicht erinnern.

Und dann sind da noch die Frauen. Klamroths Verlobte Waltraut Stoll fuhr als Gast mit. Er hatte ihr versprochen, dass dies seine letzte Fahrt sein werde, danach wollen die beiden heiraten. Noch bevor das Schiff festfuhr, verließ sie nach einem Streit mit Klamroth den Kahn. Vernehmen kann Hübner sie vorerst nicht, denn sie hat einen Nervenzusammenbruch erlitten. Die zweite Frau ist die Kellnerin Loni Fielenz, die Göpfert an Bord geholt hatte. Mit Klamroth hat sie schon seit Langem eine Wochenendbeziehung, und ihr Erscheinen löste zwischen den beiden Männern einen handfesten Streit aus.

Je tiefer Hübner und Woltersdorf im DDR-Polizeiruf „Die letzte Fahrt“ graben, desto klarer wird ein Widerspruch: Bei der Arbeit war auf diese Mannschaft immer Verlass, im Privaten aber regierten Unaufrichtigkeit, Eifersucht und reichlich Alkohol. Was sich in dieser Nacht an Bord tatsächlich abgespielt hat, liegt noch völlig im Dunkeln …

Hinter den Kulissen

„Die letzte Fahrt“ ist die 62. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt hier in seinem 28. Fall, Leutnant Woltersdorf (Werner Tietze) in seinem sechsten. Regisseur Manfred Mosblech, der nach einem Drehbuch von Gerhard Stübe inszenierte, ist in einer kleinen Rolle als Dispatcher auch selbst vor der Kamera zu sehen.

Gedreht wurde vom 1. Dezember 1978 bis zum 31. Januar 1979 unter dem Arbeitstitel „Entscheidung im Hafen“. Drehorte waren der Schwielowsee mit Umgebung und der Zeuthener See sowie Königs Wusterhausen, Lebus, Caputh, Karnin, Niederfinow und der Hafen Anklam. Die Kostüme entwarf Katrin Johnsen, die Filmbauten stammen von Klaus Winter.

Geplant war ursprünglich, nur ein Schiff des VEB Binnenreederei Berlin einzusetzen: das Motorschiff „Luckau“, das im Film durch Austausch der letzten beiden Buchstaben „Luckow“ heißen sollte. Wegen des schweren Wintereinbruchs konnte der Betrieb das Schiff aber nicht mehr bereitstellen. Das Team musste deshalb auf drei Motorgüterschiffe ausweichen. Die „Zittau“ diente für die Aufnahmen in Anklam und Karnin, die „Nünchritz“ für das Schiffshebewerk Niederfinow und die „Teterow“ für die Hauptdreharbeiten im Berliner Umland. Einige dieser Schiffe hatten längere Namen, die mit einer austauschbaren Plane abgedeckt wurden. Deshalb wurde auch der Name im Film verlängert, und so entstand die „Hohen Luckow“. Der Wechsel zwischen drei Schiffen bedeutete erheblichen Mehraufwand. Bei der Erstausstrahlung im Fernsehen der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 61,7 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Woltersdorf – Werner Tietze
Leutnant Griese – Klaus-Jürgen Steinmann
Hauptwachtmeister Lembke – Klaus Nietz
Hubert Göpfert, Bootsmann – Gunter Schoß
Waltraut Stoll, Ernst Klamroths Verlobte – Regina Beyer
Elke Wiechert, Uwe Wiecherts Frau – Manja Göring
Uwe Wiechert, Schiffsführer – Jürgen Heinrich
Ernst Klamroth, Besatzungsmitglied – Horst Weinheimer
Loni Fielenz, Kellnerin – Evelyn Fuchs
Frau Zimmermann – Evamaria Bath
Herr Zimmermann – Hubert Hoelzke
Frau Stoll – Ruth Kommerell
Frau Göpfert – Erika Funk
Herr Damerow – Berthold Schulze
Dr. Brosius – Jochen Diestelmann
Johanna – Anne Wollner
Säuglingsschwester – Angela Brunner
Wirtin – Sonja Deutsch
Kriminaltechniker – Hans-Joachim Leschnitz
Dispatcher – Manfred Mosblech
Gerichtsmediziner – Victor Keune
Fahrer der K – Lothar Hans
Melker – Gerd Staiger
u. v. a.

Stab

Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Gerhard Stübe
Produktion – Heinz Herrmann
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Günter Eisinger
Schnitt – Ilona Thiel
Produktionsunternehmen – DEFA, für Fernsehen der DDR

Bilder DRA / Klaus Mühlstein