Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Einbruch in der Mittagspause ruft Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt auf den Plan: Eine Bankangestellte wurde in eine fensterlose Kammer gesperrt, aus der Kasse fehlen 12.000 Mark. Für viele im Ort steht schnell fest, wer dahinterstecken muss – der Stuckateur Peter Januschowitz. Seit dem Unfalltod seiner Frau Monika, an dem er sich moralisch schuldig fühlt, wächst dem labilen Witwer alles über den Kopf: die beiden Kinder, der Haushalt, die Arbeit. Er trinkt und steckt bis zum Hals in Schulden. Ein Motiv hätte er also, ein handfestes Alibi nicht. Doch Vera Arndt zögert, einen Mann, der ohnehin schon am Boden liegt, vorschnell zum Täter zu stempeln …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Am Abgrund“
Eine Landstraße, ein Traktor, ein entgegenkommendes Auto – mehr braucht es im Polizeiruf 110 „Am Abgrund“ nicht, um eine Familie aus der Bahn zu werfen. Monika Januschowitz unternimmt gerade ihre ersten Fahrversuche, als sie beim Überholen des Traktors einem Pkw ausweichen muss und mit dem Wagen einen Abhang hinunterstürzt. Das Auto geht in Flammen auf, Monika überlebt den Unfall nicht. Zurück bleiben ihr Mann Peter und die beiden kleinen Kinder Gabi und Tommy – und eine Last, die der Witwer nicht abschütteln kann: Moralisch gibt er sich die Schuld am Tod seiner Frau.
Den Alltag allein zu stemmen, gelingt dem gelernten Stuckateur von Anfang an nicht. Monikas Schwester Krümel hilft zwar, wo sie kann, doch der ohnehin labile und unbeholfene Peter greift immer öfter zur Flasche. Bei der Arbeit lässt er spürbar nach, aber seine Brigade hält schützend die Hand über ihn: Die Kollegen fangen seine Aussetzer ab, drücken beide Augen zu, wenn er während der Arbeitszeit in einer Bar verschwindet, und schicken ihn betrunken früher nach Hause. Woher er das Geld für seine Zechereien nimmt, weiß niemand so genau – zumal sein Schuldenberg bei Kollegen und Verwandten stetig wächst.
Dann sorgt ein Einbruch in der Bank für Landwirtschaft für Aufregung im Ort. Während der Mittagspause wird die Angestellte Marion Seiffert in eine Abstellkammer eingesperrt, und aus der Kasse verschwinden 12.000 Mark. Den Täter beschreiben kann die Frau nicht. Für Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt, die im TV-Krimi „Am Abgrund“ die Ermittlungen übernehmen, steht trotzdem schnell fest, dass sich der Unbekannte in dem Gebäude bestens ausgekannt haben muss: Vom Eingang aus ist die Kammer nicht zu sehen, und als einziger Raum im ganzen Haus hat sie kein Fenster.
Also bitten die Kriminalisten die Bankangestellten, alle Personen aufzulisten, die von der Kammer wussten. Vierzig Namen kommen zusammen, vierzig Befragungen folgen – und am Ende der mühsamen Kleinarbeit steht nicht eine einzige brauchbare Spur. Nur ein Name lässt sich nicht so einfach abhaken: Peter Januschowitz. Zur fraglichen Zeit war er nach eigener Darstellung trinken. Und an Geldsorgen mangelt es ihm weiß Gott nicht – ein Motiv wäre also vorhanden.
Unter den Leuten im Ort ist das Urteil ohnehin längst gefallen, bevor es überhaupt einen konkreten Verdacht gibt: Viele schneiden Januschowitz, und selbst seine Brigade, die ihm so lange den Rücken freigehalten hat, beäugt ihn plötzlich argwöhnisch – zumal er auf einmal einen Teil seiner Schulden begleichen kann. Allein Vera Arndt tut sich schwer damit, eine Hausdurchsuchung zu beantragen. Hat sie einen Dieb vor sich oder einen Mann, dem nach dem Tod seiner Frau schlicht der Boden unter den Füßen weggebrochen ist? Doch je mehr sich die Menschen um ihn herum abwenden, desto näher rückt Peter Januschowitz an den Abgrund …
Hinter den Kulissen
„Am Abgrund“ ist die 60. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 36. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ermittelt bereits zum 37. Mal. Den verwitweten Stuckateur Peter Januschowitz spielt Wolfgang Winkler, als seine Kinder Gabi und Tommy sind Yvonne Dießner und Steffen Beier zu sehen.
Regie führte Hans Werner, das Drehbuch stammt von Fred Unger. Gedreht wurde vom 6. Dezember 1978 bis zum 28. Februar 1979 in Berlin, Halle und Köthen, damals noch unter dem Arbeitstitel „Ein kleiner gelber Teddybär“. Für die Kostüme war Tamara Schramm-Bansen zuständig, die Filmbauten schuf Werner Hölzel. Als Titelmusik ist das Lied „Ehrlich will ich bleiben“ der Gruppe Karussell zu hören.
Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 55,1 Prozent.
Musik
Karussell – Ehrlich will ich bleiben
Besetzung
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Peter Januschowitz – Wolfgang Winkler
Monika Januschowitz, Schwägerin „Krümel“ – Viola Schweizer
Dr. Mattsen – Christian Steyer
Marion Seiffert – Helga Labudda
Frau Kröpelin – Mathilde Danegger
Gabi Januschowitz, Tochter – Yvonne Dießner
Tommy Januschowitz, Sohn – Steffen Beier
Küchenfrau – Gertrud Brendler
Bankangestellter – Peter Dommisch
Straßenbahnfahrer – Werner Godemann
Junge Bankangestellte – Marina Hartmann
Ehemann Vera Arndts – Jörg Hermann
Wartburg-Fahrer – Hubert Hoelzke
Herr Seiffert – Uwe-Detlev Jessen
Gläubiger – Dieter Knust
Klempner – Johannes Maus
Älterer Stuckateur – Benno Mieth
Wirt – Arnim Mühlstädt
Brigadier Hugo – Carl-Hermann Risse
Assistent Rasche – Gerald Schaale
Zecher am Stammtisch – Siegfried Seibt
Frau Zander, Nachbarin – Ursula Staack
Hugo Kröpelin – Curt Trepte
Blondine im Lokal – Ingeborg Westphal
u. v. a.
Stab
Regie – Hans Werner
Drehbuch – Fred Unger
Produktion – Fritz Delp
Musik – Jens-Uwe Günther
Kamera – Winfried Kleist
Schnitt – Renate Földesi
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR









Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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