Kurz und knapp – darum geht’s

Nach fünf Jahren Ehe ist zwischen Heidemarie Göbel und ihrem Mann, dem Biologen Dr. Friedhelm Göbel, nur noch Verachtung übrig. Die Scheidung ist eingereicht, der Streit ums Vermögen in vollem Gange – da wird Heidemarie in der Nacht, in der ihr Mann zur Kur aufbricht, in ihrem Haus überfallen und betäubt. Der Täter erbeutet kostbaren Familienschmuck und wertvolle Uhren. Oberleutnant Jürgen Hübner stellt fest, dass die Spritze aus dem Institut des Ehemanns stammt, eines Mannes mit Geldsorgen und ohne eindeutiges Alibi. Doch auch die Frau gerät ins Blickfeld der Ermittlungen: Hat sie den Überfall nur inszeniert, um sich den Schmuck zu sichern – und wenn ja, mit wessen Hilfe …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Heidemarie Göbel“

Fünf Jahre lang hat Heidemarie Göbel ihrem Mann den Haushalt geführt, jetzt ist ihre Geduld aufgebraucht. Auf Wunsch des Biologen Dr. Friedhelm Göbel hat sie einst ihr Medizinstudium aufgegeben, und Stück für Stück hat der egoistische Wissenschaftler sie in die Rolle der dienenden Ehefrau gedrängt. Zwischen den beiden herrschen längst nur noch Kälte und gegenseitige Geringschätzung. Als Friedhelm zu einer Kur nach Bad Elster aufbrechen will und wie selbstverständlich verlangt, dass sie ihm die Koffer packt, weigert sich Heidemarie rundheraus. Stattdessen fährt sie früh zur Arbeit – denn gegen seinen Willen hat sie eine Stelle als Atelierassistentin beim Film angetreten, wo auch ihre Schwester Kerstin Bremer beschäftigt ist.

Friedhelm schaut an diesem Morgen noch kurz in seinem Institut vorbei, und dort wartet eine unangenehme Überraschung in der Post: die Scheidungspapiere, die Heidemarie ihm über ihren Anwalt hat zustellen lassen. Umgehend macht er sich auf den Weg zum Drehort und stellt seine Frau am Set zur Rede. Alles, was sie habe, verdanke sie ihm, wirft er ihr vor, jahrelang habe sie ihn bloß ausgenutzt. Gehen dürfe sie gern – aber nur mit dem, was sie damals mitgebracht habe. Heidemarie denkt nicht daran klein beizugeben und kündigt an, ihm sämtliche Arbeit in Rechnung zu stellen, die sie all die Jahre für ihn erledigt hat. Der Kampf ums Vermögen ist eröffnet.

Dabei steht Friedhelm finanziell mit dem Rücken zur Wand: Seine Leidenschaft für alte Uhren hat hohe Summen verschlungen. Um wieder flüssig zu werden, hat er den Familienschmuck im Wert von 200.000 Mark aus der Bank nach Hause geholt – einen Teil davon will er heimlich verkaufen. In der Nacht, in der er sich auf den Weg zur Kur macht, klingelt es bei Heidemarie an der Tür. Sie telefoniert gerade mit ihrer Schwester, und Kerstin muss am anderen Ende der Leitung mit anhören, wie der Überfall seinen Lauf nimmt. Sofort alarmiert sie die Polizei. Der Täter hat Heidemarie betäubt und ihr ein Barbiturat gespritzt; den Familienschmuck sowie mehrere antike Uhren im Wert von 10.000 Mark hat er mitgehen lassen.

Oberleutnant Jürgen Hübner übernimmt die Ermittlungen im TV-Krimi „Heidemarie Göbel“, und die erste Spur führt ihn geradewegs ins Institut des Ehemanns: Die Spritze, mit der das Opfer betäubt wurde, stammt von dort. Allerdings fehlt im Bestand kein einziges Betäubungsmittel. Zwar ist der Chef bei seinen Mitarbeitern alles andere als beliebt, ein Motiv für die Tat hat jedoch keiner von ihnen. Umso genauer nimmt Hübner den Hausherrn selbst unter die Lupe. Der fachlich anerkannte Biologe hat Zugang zu Barbituraten, er steckt in Geldnöten, und für die Tatzeit kann er kein eindeutiges Alibi vorweisen. Hat er den Einbruch vorgetäuscht, um den Schmuck bei der Scheidung nicht mit seiner Frau teilen zu müssen?

Ganz so einfach macht es sich der Oberleutnant im Polizeiruf 110 „Heidemarie Göbel“ allerdings nicht. Denn auch die Frau hätte gute Gründe, den Schmuck an sich zu bringen, bevor ein Gericht über das Vermögen entscheidet. Was, wenn der Überfall nur Theater war? Doch hätte Heidemarie das alles allein bewerkstelligen können – oder hatte sie einen Komplizen …

Hinter den Kulissen

„Heidemarie Göbel“ ist die 59. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es bereits der 26. Fall; an seiner Seite ermittelt Leutnant Sabine Berghoff (Bettina Mahr). Die Titelrolle spielt Monika Woytowicz, ihren Ehemann Dr. Friedhelm Göbel verkörpert Dieter Wien, und Helga Sasse ist als Schwester Kerstin Bremer zu sehen.

Hans Joachim Hildebrandt schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Gedreht wurde unter dem Arbeitstitel „Rosi G.“ vom 1. November bis zum 15. Dezember 1978, unter anderem in Berlin und Mittenwalde; das Wohnhaus der Göbels fand das Team in Kleinmachnow. Die Kostüme entwarf Doris Wolf, die Filmbauten stammen von Karin Schmidt.

Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 52,8 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Sabine Berghoff – Bettina Mahr
Heidemarie Göbel – Monika Woytowicz
Dr. Friedhelm Göbel, Biologe – Dieter Wien
Kerstin Bremer, Heidemaries Schwester – Helga Sasse
Ingo Reimers – Michael Narloch
Herr Möller – Günter Wolf
Frau Bremer – Brigitte Lindenberg
Biologe Peters – Heinz Behrens
Biologe Hebenstreit – Klaus Bamberg
Biologin Meyer – Ursula Am Ende
Krankenschwester – Wiebke Fuhrken
Kriminaltechniker – Hans Klima
Sekretärin – Eva-Maria Eisenhardt
Barfrau – Claudia Kutzera
Taxifahrer – Gerhard Pumperla
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Helga Lüdde
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Karola Mittelstädt
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR