Kurz und knapp – darum geht’s
Hoch oben auf dem Dach eines Hochhauses steht ein junger Mann und droht, sich in die Tiefe zu stürzen: Gerd Paulus, einst Medizinstudent, inzwischen Hochstapler und Trickdieb, sieht sich von der Polizei in die Enge getrieben. Während Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt alles daransetzen, das Schlimmste abzuwenden, wird Schritt für Schritt deutlich, wie es so weit kommen konnte. Vom Vater, einem Arzt aus Überzeugung, ins Studium gedrängt, von der Universität geworfen und für ehrliche Arbeit angeblich zu schade, hat Gerd sein Talent lieber in krumme Touren gesteckt – und dabei einen Menschen nach dem anderen verprellt. Ob seine Freundin Elfie ihn dort oben noch erreichen kann …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die letzte Chance“
Wo andere die Aussicht genießen würden, sieht Gerd Paulus nur noch den Abgrund: Auf der Flucht vor der Polizei ist der junge Mann auf das Dach eines Hochhauses gelaufen, und nun kündigt er an, hinunterzuspringen. Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt werden alarmiert, um genau das zu verhindern. Was folgt, ist im Polizeiruf 110 „Die letzte Chance“ ein zermürbendes Ringen um ein Menschenleben – und zugleich eine Reise in Gerds Vergangenheit. Denn während die Polizei fieberhaft nach einem Ausweg sucht, ziehen vor seinem inneren Auge die Stationen vorbei, die ihn an diese Dachkante geführt haben.
Dabei schien sein Weg eigentlich vorgezeichnet. Gerds Vater, Mediziner mit Leib und Seele, hat den Sohn ebenfalls zum Medizinstudium gedrängt. Doch die Möglichkeiten, die ihm die Gesellschaft in der DDR eröffnet, wirft der junge Mann leichtfertig über Bord. Weil er sich vor dem Lernen drückt und bei einer Prüfung betrügt, wird er zwangsexmatrikuliert. Der Vater zieht daraus seine ganz eigenen Konsequenzen: Er sagt sich von seinem Sohn los.
Seither hält sich Gerd mit Ach und Krach über Wasser, ohne seine hohen Ansprüche ans Leben auch nur ein Stück herunterzuschrauben. Die Stelle als Pfleger hat er hingeschmissen, weil er keine Lust hatte, sich um alte Menschen zu kümmern, und auf dem Bau mit anzupacken kommt für jemanden mit Abitur schon gar nicht infrage. Unterschlupf findet er bei Elfie Bösler, einer alleinerziehenden Arbeiterin, die ihm vorlebt, wie man sein Leben mit ehrlicher Arbeit meistert – ein Beispiel, mit dem Gerd herzlich wenig anfangen kann. Allmählich begreift Elfie, dass er sie bloß ausnutzt. Und als er trotzdem regelmäßig Geld nach Hause bringt, beschleicht sie die Sorge, ihr Freund könnte auf die schiefe Bahn geraten sein.
Mit ihrer Befürchtung liegt sie nicht falsch. Gerd hat längst eine Methode gefunden, seinen wachen Verstand zu Geld zu machen: Im Warenhaus gibt er sich als Kaufhausdetektiv aus, nimmt Kunden ins Visier, die etwas mitgehen lassen wollten, und kassiert bei ihnen ab. Hochstapelei und Trickdiebstahl werden im TV-Krimi „Die letzte Chance“ zum Broterwerb eines Mannes, der sich zu Höherem berufen fühlt und für die Mühen des Alltags nur Verachtung übrighat.
Doch mit jeder neuen Masche wird es stiller um ihn. Bekannte und Freunde wenden sich ab, und auch Elfies Geduld ist irgendwann aufgebraucht. Als die Ermittler ihm schließlich zu nahe kommen, scheint Gerd nur noch ein einziger Ausweg zu bleiben. Auf dem Dach wird nun jedes Wort zur Gratwanderung: Seine Freundin und einer der Kriminalpolizisten versuchen, dem verzweifelten jungen Mann klarzumachen, dass sein Leben noch längst nicht verspielt ist. Doch ob Gerd überhaupt noch jemandem zuhören will …
Hinter den Kulissen
„Die letzte Chance“ ist die 56. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 35. Fall, für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits der 36. Den gescheiterten Medizinstudenten Gerd Paulus spielt Henry Hübchen, als Elfie Bösler ist Simone von Zglinicki zu sehen. Helmut Krätzig, der Regie führte und das Drehbuch schrieb, tritt zudem selbst in einer kleinen Rolle als Straßenhändler auf.
Gedreht wurde unter dem Arbeitstitel „Gefehlt“ vom 27. März bis zum 12. Mai 1978 in Berlin, unter anderem im Ortsteil Schmöckwitz. Das Gebäude, auf dessen Dach Gerd steht, gehörte zu den Elektro-Apparate-Werken Berlin-Treptow „Friedrich Ebert“; weitere Szenen entstanden im Kaufhaus am Alexanderplatz. Für die Kostüme war Doris Wolf verantwortlich, die Filmbauten stammen von Gudrun Müller.
Die Musik steuerten die Puhdys bei. Eigens für diesen Film schrieb die Band den Song „Doch die Gitter schweigen“, der sich als Leitmotiv durch die Folge zieht und zu einem Hit der Gruppe wurde. Instrumental erklingt außerdem „Alt wie ein Baum“. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 61,9 Prozent.
Musik
Puhdys – Doch die Gitter schweigen
Puhdys – Alt wie ein Baum
Besetzung
Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Gerd Paulus – Henry Hübchen
Elfie Bösler, Arbeiterin – Simone von Zglinicki
Dr. Leopold Mauser – Otto Mellies
Rosalinde Binetti, Sängerin – Hildegard Alex
Hans Erich Franzke – Horst Weinheimer
Gerd Heidemann – Manfred Mosblech
Frau Mauser – Mathilde Danegger
Kriminalist Meisinger – Manfred Richter
Kriminalist Böller – Klaus Nietz
Feuerwehrkommandant Berg – Harald Warmbrunn
Herr Holzknecht – Hans Schmidt
Ursula – Regina Beyer
Bauarbeiter – Rudolf Ulrich
Klinikmitarbeiterin – Susanne Düllmann
Nachbarin – Ulrike Hanke-Hänsch
Kaufhausdiebin – Sonja Hörbing
Kaufhauskundin – Janina Hartwig
Krankenhaussekretärin – Ruth Glöss
Abschnittsbevollmächtigter – Heinrich Schramm
Straßenhändler – Helmut Krätzig
Reinigungskraft – Wiebke Fuhrken
Conferencier – Harald Moszdorf
u. v. a.
Stab
Regie – Helmut Krätzig
Drehbuch – Helmut Krätzig
Produktion – Helga Lüdde
Musik – Puhdys
Kamera – Helmut Borkmann
Schnitt – Bert Schultz
Kostüm – Doris Wolf
Filmbauten – Gudrun Müller
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR


Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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