Kurz und knapp – darum geht’s
Wolfgang Straub sitzt hinter Gittern, verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter Jasmin. Von den Mitgefangenen gequält, landet er schließlich in der psychiatrischen Abteilung der Haftanstalt. Dort erreicht ihn eine alarmierende Nachricht: Jasmin will nicht mehr leben. Als Kommissarin Vera Bilewski, die einer Serie grausam getöteter Pferde nachgeht, in der Anstalt auftaucht, um einen Mitpatienten zu befragen, ergreift Wolfgang die Gelegenheit. Er nimmt die Ermittlerin als Geisel und flieht. Ihm geht es nur um seine Tochter – doch je länger Vera mit dem Ausbrecher unterwegs ist, desto lauter wird in ihr die Frage, ob damals wirklich alles so war, wie das Gericht es gesehen hat …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Hetzjagd“
Hinter Gittern beginnt für Wolfgang Straub erst die eigentliche Strafe. Verurteilt wurde er wegen sexuellen Missbrauchs an seiner zwölfjährigen Tochter Jasmin, und gegen ihn ausgesagt hat im Prozess ausgerechnet seine Frau Martina, die inzwischen getrennte Wege geht. Unter den Mitgefangenen steht jemand mit einem solchen Delikt ganz unten in der Hackordnung: Wolfgang wird schikaniert und misshandelt, bis man ihn in die psychiatrische Abteilung der Haftanstalt verlegt. Dort beteuert er seine Unschuld – obwohl er die Tat vor Gericht zunächst zugegeben hat.
Draußen kämpft Martina derweil mit ganz anderen Sorgen. Gemeinsam mit Jasmin lebt sie auf ihrem Reiterhof, der sich kaum noch trägt. Zur Unterstützung ist ihr Vater August eingezogen, doch der erweist sich schnell als herrischer Patriarch, der im Haus das Kommando übernimmt. Er drängt seine Tochter, die eigenen Pferde zu verkaufen und künftig nur noch Pensionstiere zu versorgen – ein Plan, der vor allem Jasmin trifft, die an ihren beiden Pferden hängt. In ihrer Not schreibt das Mädchen dem Vater einen Brief: Sie will nicht mehr leben.
Überbracht wird ihm diese Botschaft auf denkbar seltsamem Weg. In der Psychiatrie lernt Wolfgang Dietmar Achthaler kennen, einen unberechenbaren Mitpatienten, der in der Poststelle arbeitet und das eingeschmuggelte Schreiben bei sich trägt. Wolfgang erfährt zwar, was Jasmin ihm mitteilen will, doch Dietmar vernichtet den Brief aus Versehen. Damit fehlt jeder Beleg, und niemand nimmt die Angst des Häftlings um seine Tochter ernst. Während er vergeblich nach Gehör sucht, macht Jasmin ihre Ankündigung wahr: Sie versucht, sich das Leben zu nehmen, und kommt ins Krankenhaus.
Kommissarin Vera Bilewski beschäftigt unterdessen ein Fall, der die ganze Gegend aufwühlt: Rund um das Städtchen Ichtenheim hat jemand bereits fünf Pferde auf bestialische Weise getötet. Eine heiße Spur gibt es nicht, und die Landwirte werden zusehends ungeduldig und zornig. Kein Wunder, dass sich die Ermittlerin im Polizeiruf 110 „Hetzjagd“ für Dietmar interessiert – schließlich hat der psychisch Kranke vor seiner Einweisung selbst ohne erkennbaren Grund mehrere Pferde umgebracht. Bei einem Termin mit der Anstaltspsychologin Dr. Susanne Reuter läuft Wolfgang der Kommissarin zufällig über den Weg. Dann rastet Dietmar aus, und in dem Durcheinander wittert Wolfgang seine Chance: Er nimmt Vera als Geisel und schafft es, gemeinsam mit ihr und Dietmar aus der Justizvollzugsanstalt zu entkommen.
Draußen beginnt im SDR-Polizeiruf „Hetzjagd“ eine Flucht mit ungewissem Ausgang. Wolfgang will nichts anderes, als zu seiner Tochter zu gelangen, Dietmar ist ein Begleiter, bei dem jederzeit alles passieren kann – und Vera steckt mittendrin. Doch je länger die unfreiwillige Schicksalsgemeinschaft hält, desto mehr fasst der Ausbrecher Vertrauen zu seiner Geisel. Er drängt die Kommissarin, sein Verfahren noch einmal aufzurollen. Und Vera, die eigentlich nur einen Pferdemörder sucht, muss sich fragen, ob hinter dem Urteil gegen Wolfgang mehr steckt, als im Gerichtssaal ans Licht gekommen ist …
Hinter den Kulissen
Mit „Hetzjagd“ verabschiedet sich Kommissarin Vera Bilewski (Angelica Domröse) aus der Krimireihe: Es ist ihr dritter und zugleich letzter Fall, die Reihe selbst ist damit bei Folge 197 angelangt. Hintergrund des Abschieds ist die Zusammenlegung von Süddeutschem Rundfunk und Südwestfunk zum Südwestrundfunk, in deren Zuge auch die vom SDR produzierten Polizeiruf-Folgen eingestellt wurden.
Angesiedelt ist die Geschichte in der fiktiven Stadt Ichtenheim in der Nähe von Heilbronn. Neben der Kommissarin stehen der verurteilte Wolfgang Straub (Stefan Reck), seine Tochter Jasmin (Lisa Schmalbrock), Jasmins Mutter Martina Viehbahn (Kathrin Waligura) und der Psychiatrie-Insasse Dietmar Achthaler (Erich Bar) im Mittelpunkt.
Regie führte Ute Wieland, das Drehbuch schrieben Ulrich Bendele und Klaus-Peter Wolf, hinter der Kamera stand Hagen Bogdanski. Für die Kostüme war Nadine Wittig verantwortlich, die Filmbauten stammen von Klaus Peter Platten und Regine Witzig.
Noch vor seiner Fernsehpremiere wurde der Film im Rahmen der Filmschau Baden-Württemberg vorgestellt. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 14,1 Prozent.
Besetzung
Kommissarin Vera Bilewski – Angelica Domröse
Edwin Schoettle – Bernd Gnann
Wolfgang Straub – Stefan Reck
Dietmar Achthaler – Erich Bar
August Viehbahn, Martinas Vater – Peter Ehrlich
Martina Viehbahn, Jasmins Mutter – Kathrin Waligura
Dr. Susanne Reuter, Anstaltspsychologin – Elke Czischek
Jasmin, Wolfgangs Tochter – Lisa Schmalbrock
Landwirt – Ernst Specht
Klaus Götte
u. v. a.
Stab
Regie – Ute Wieland
Drehbuch – Ulrich Bendele, Klaus-Peter Wolf
Musik – Ina Siefert
Kamera – Hagen Bogdanski
Schnitt – Jürgen Lenz
Kostüm – Nadine Wittig
Filmbauten – Klaus Peter Platten, Regine Witzig
Produktionsunternehmen – SDR







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