Kurz und knapp – darum geht’s

Zwei Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, halten gleich vier Ermittler auf Trab: Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Woltersdorf untersuchen den Tod von Eberhard Gantzer, der ein Jahr nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis leblos in einem Hotelzimmer gefunden wird. In jungen Jahren hatte er gemeinsam mit einem Komplizen einen Raubmord begangen – doch nur Gantzer musste dafür büßen. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt suchen derweil einen Unfallfahrer, der in derselben Nacht einen Fußgänger schwer verletzt hat und geflüchtet ist. Der Wagen gehört Gunter Söhnl, einem geachteten Abteilungsleiter und Familienvater, dessen Alibi die Ermittler stutzig macht. Und Gantzers Verlobte Ilse Lanning will nicht länger abwarten …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Vergeltung?“

Siebzehn Jahre hat Eberhard Gantzer hinter Gittern gesessen, verurteilt wegen Raubmordes. Sein Mittäter von damals dagegen konnte entkommen und hat nie vor einem Richter gestanden. Nach der Haft findet Gantzer bei seiner Verlobten Ilse Lanning ein neues Zuhause, doch zur Ruhe kommt er nicht: Beharrlich sucht er nach dem Mann, mit dem er einst das Verbrechen beging – und spürt ihn schließlich auf. Was Gantzer von ihm verlangt, ist Geld, allerdings nicht für die eigene Tasche. Der frühere Komplize soll so lange zahlen, bis er sich endlich freiwillig der Polizei stellt.

Ilse hält diese private Form der Gerechtigkeit irgendwann nicht mehr aus und setzt ihren Verlobten vor die Tür. Gantzer quartiert sich in einem Hotel ein – und wird dort wenig später tot aufgefunden. Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Woltersdorf übernehmen den Fall, und schon bald steht fest, dass Gantzer in seinem Zimmer nicht allein gewesen sein kann.

Zur selben Zeit haben Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt alle Hände voll mit einem ganz anderen Delikt zu tun: Ein Autofahrer hat am Abend einen Fußgänger erfasst, schwer verletzt und sich anschließend aus dem Staub gemacht. Der Regen hat sämtliche Spuren am Unfallort weggespült. Der Unglückswagen ist kurz zuvor als gestohlen gemeldet worden – von Dietmar Söhnl, der nach einem Theaterbesuch vergeblich nach dem Auto gesucht hat.

Besitzer des Fahrzeugs ist Dietmars Vater Gunter, ein unbescholtener Familienmensch, der als Abteilungsleiter in seinem Betrieb hohes Ansehen genießt. Doch der reagiert auffallend gereizt und wirft seinem Sohn vor, den Wagen nicht abgeschlossen zu haben. Für die fragliche Zeit kann Gunter Söhnl selbst kein Alibi vorweisen – also springt sein Freund Richard Ahrend ein und versichert, Söhnl sei bei ihm gewesen. Der Vorsitzende einer PGH hat gute Gründe dafür, denn die beiden Männer stecken gemeinsam in kleineren Betrügereien, die bei genauerem Hinsehen ans Licht kommen könnten. Die Kriminalisten jedenfalls trauen dem Frieden nicht.

Im Mordfall Gantzer bringt Ilse Lanning die Ermittler einen Schritt weiter: Sie berichtet von den Zahlungen, die ihr Verlobter seinem einstigen Mittäter abgepresst hat. Wie der Mann heißt, weiß sie allerdings nicht. Erst die alten Ermittlungsakten nennen einen Namen – Georg Schlauf. Er soll sich damals in die Bundesrepublik abgesetzt haben, und außer einem alten Foto findet sich keine Spur von ihm. Haben der Tod im Hotel und die Unfallflucht in derselben Nacht womöglich mehr miteinander zu tun, als es im TV-Krimi „Vergeltung?“ zunächst den Anschein hat?

Während die beiden Ermittlerteams noch im Dunkeln tappen, mag Ilse Lanning nicht länger stillhalten. Auf eigene Faust macht sie sich auf die Suche nach dem Mann, den sie für den Mörder ihres Verlobten hält …

Hinter den Kulissen

„Vergeltung?“ ist die 63. Folge der Reihe Polizeiruf 110 – und eine besondere: Zum ersten und einzigen Mal ermitteln alle vier Kriminalisten gemeinsam in einem Fall. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 39. Einsatz, für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) der 40., für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) der 29. und für Leutnant Woltersdorf (Werner Tietze) der siebte. Lutz Riemann ist in einer Nebenrolle als Schmied Haugwitz zu sehen.

Regie führte Peter Vogel, das Drehbuch stammt von Eberhard Görner. Der Film greift Motive aus Hasso Magers Roman „Mord im Hotel“ auf. Gedreht wurde vom 19. Juni bis zum 13. August 1979 in Berlin, Suhl, auf Rügen sowie in Greifswald und Stralsund. In Sassnitz entstanden die Hotelszenen rund um Eberhard Gantzer im Rügenhotel, Söhnls Arbeitsszenen im Hafen sowie eine Szene auf dem Hochuferweg an den Kreidefelsen. Für die Kostüme war Helga Dürwald verantwortlich, die Filmbauten schuf K. P. M. Wulff.

Bei der Erstausstrahlung im Fernsehen der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 59,7 Prozent.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Woltersdorf – Werner Tietze
Gunter Söhnl, Abteilungsleiter – Reimar J. Baur
Hella Söhnl – Otti Planerer
Dietmar Söhnl, Gunter Söhnls Sohn – Mario Melzer
Yvonne Söhnl – Ines Kraul
Eberhard Gantzer – Uwe Zerbe
Ilse Lanning, Gantzers Verlobte – Cornelia Schmaus
Sonja – Corinna Harfouch
Kellnerin – Renate Heymer
Zimmerwirtin Grund – Anne Wollner
Hoteldirektor – Gerd Ahrends
Richard Ahrend, PGH-Vorsitzender – Hans Bergermann
Paul Ahrend – Ezard Haußmann
Arthur Lendrich – Arthur Jopp
Gerhard Namroth – Manfred Kranich
Betriebsdirektor Meinlein – Peter Krieg-Helbig
Richard Krüger – Hasso von Lenski
Arzt im Krankenhaus – Uwe Lohse
Abschnittsbevollmächtigter – Hans-Joachim Martens
Kriminaltechniker – Wilfried Pucher
Schmied Haugwitz – Lutz Riemann
Brigadier – Johannes Terne
Betrunkener – Erik Veldre
Rentner Gustav – Friedrich Richter
u. v. a.

Stab

Regie – Peter Vogel
Drehbuch – Eberhard Görner
Produktion – Eva-Marie Martens
Musik – Hermann Anders
Kamera – Bernd Klockiewicz
Schnitt – Renate Földesi
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR