Kurz und knapp – darum geht’s

Ausgerechnet am Zahltag wird im VEB Karotex die Geldbotin Traudel Gröditz überfallen. Ihr Begleiter geht zu Boden, und mit dem Koffer verschwinden rund 250.000 Mark Lohngelder. Für Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Thomas Grawe scheint die Sache rasch erledigt: Trotz Perücke, falschem Bart und gestohlenem Kennzeichen wird der Räuber Udo Gernot schon nach wenigen Stunden gefasst und gibt die Tat zu. Doch als die Kriminalisten den Koffer aus einem Bahnhofsschließfach holen und öffnen, liegt darin kein einziger Geldschein, nur Papier. Gernot beteuert, nichts über den Verbleib der Beute zu wissen und ganz allein gehandelt zu haben. Damit stehen die Ermittler plötzlich wieder ganz am Anfang …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Zahltag“

Zahltag im VEB Karotex: Die Geldbotin Traudel Gröditz ist mit den Lohngeldern des Betriebes unterwegs, und zwischen Auto und Büro liegen nur ein paar Meter. Genau diese kurze Strecke nutzt ein Mann mit blonder Perücke und falschem Bart. Er schlägt den Begleiter der Botin nieder, reißt den Koffer an sich und braust mit dem Wagen davon. Rund 250.000 Mark sind damit verschwunden, und das am helllichten Tag mitten im Betrieb.

Ihr Fahrer Kiel setzt dem Flüchtenden zwar nach, wird aber ausgerechnet wegen zu hohen Tempos von der Polizei gestoppt, während der Räuber das Weite sucht. Immerhin hat sich Kiel das Kennzeichen des Fluchtwagens eingeprägt. Nur bringt diese Spur die Kripo nicht weiter, denn der Täter hatte die Nummernschilder ausgetauscht. Auch die Zeugen im Werk haben vor allem die Maskerade im Gedächtnis: helles Haar, blonder Bart. Einigen ist allerdings eine Kleinigkeit aufgefallen, die so gar nicht zum Rest passen will – die Augenbrauen des Mannes waren dunkel.

Für Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Thomas Grawe ist das im TV-Krimi „Zahltag“ der entscheidende Fingerzeig. Sie lassen ein Phantombild anfertigen, das den Räuber ohne Verkleidung zeigt. Und prompt erkennt darauf der örtliche Autovermieter einen Mann wieder: Udo Gernot. Nur wenige Stunden nach dem Überfall klicken die Handschellen, und Gernot legt ein Geständnis ab. Ein Schlüssel zu einem Gepäckschließfach führt die Kriminalpolizei anschließend zum Bahnhof, wo der geraubte Koffer deponiert ist. Alles scheint sauber gelöst, die Akte könnte geschlossen werden.

Doch als der Koffer auf der Dienststelle geöffnet wird, ist die Verblüffung groß: Statt Banknoten stecken darin bloß Zeitungen. Gernot gibt an, das Zahlenschloss nie geöffnet zu haben, weil er die Kombination gar nicht kannte. Das Geld habe er weder anderswo versteckt, noch habe er eine Ahnung, wohin es verschwunden sei. Die Frage ist nun, ob die Polizei diesem Mann glauben kann. Im Polizeiruf 110 „Zahltag“ beginnen jedenfalls die Ermittlungen, die schon abgeschlossen schienen, noch einmal von vorn.

Gernot lebt bei seiner Schwester, die sich um den naiven und leicht beeinflussbaren Bruder kümmert und ihn notfalls auch vor sich selbst in Schutz nimmt. Für sie steht fest, dass ihr Bruder kein Verbrecher ist. Für die Kriminalisten bleibt dagegen offen, was sich hinter der Fassade des geständigen Räubers verbirgt.

Fuchs und Grawe stecken damit in einer vertrackten Lage: Sie haben einen Täter, der alles zugibt, aber keine Beute, und es gibt nicht den kleinsten Anhaltspunkt für einen Komplizen. Gernot rückt keinen Millimeter von seiner Version ab, den Coup allein ausgeheckt und durchgezogen zu haben. Bleibt die Frage, wo die 250.000 Mark gelandet sind …

Hinter den Kulissen

„Zahltag“ ist die 135. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 78. Fall, Oberleutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ermittelt zum 24. Mal. Den Räuber Udo Gernot spielt Joachim Nimtz, Petra Kelling ist als Geldbotin Traudel Gröditz zu sehen.

Regie führte Hans Knötzsch, das Drehbuch schrieb Otto Bonhoff. Unter dem Arbeitstitel „Der Überfall“ entstand der Film vom 9. Juni bis zum 30. Juli 1989 in Berlin. Für die Kostüme war Ruth Völker zuständig, die Filmbauten stammen von Jürgen Malitz. Die Musik komponierte Rudi Werion, produziert wurde der Krimi vom Fernsehen der DDR.

Bei seiner Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR erreichte „Zahltag“ eine Zuschauerbeteiligung von 44,3 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Oberleutnant Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Leutnant Peschel – Matthias Zahlbaum
Udo Gernot – Joachim Nimtz
Kiel, Fahrer – Hanns-Jörn Weber
Traudel Gröditz, Geldbotin – Petra Kelling
Gisela Schuchhardt – Renate von Wangenheim
Renate Pickert – Monika Boysen
Anita Lehmann – Judith Schulz
Drogistin – Elke Brosch
Michel – Rolf Dietrich
Brigadier Brunner – Kaspar Eichel
VP-Meister Rohde – Bert Franzke
Ingenieur Mahler – Uwe Karpa
Nachbarin – Andrea Kathrin Loewig
Bärbel Hofmeister – Angelika Lietzke
Pförtner Schmitt – Arnim Mühlstädt
Wolfgang Paulsen, Hauptbuchhalter – Manfred Müller
Autovermieter – Dietmar Obst
Hauptwachtmeister Schreier – Peter Piepenhagen
Observant – Helmut Wenzlau
K-Techniker Bernhardt – Alexander Wikarski
Drogeristenkundin – Hildegard Walter
u. v. a.

Stab

Regie – Hans Knötzsch
Drehbuch – Otto Bonhoff
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Rudi Werion
Kamera – Michael Albrecht
Schnitt – Susanne Carpentier
Kostüm – Ruth Völker
Filmbauten – Jürgen Malitz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR