Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Streit im Auto, ein Mädchen allein im strömenden Regen, und wenig später eine junge Frau, die sich in einer abgelegenen Försterei die Pulsadern aufschneidet. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Helga Lindt finden rasch heraus, was der Schauspielstudentin Sybille Arnold zugestoßen ist: Ein Unbekannter hat sie vergewaltigt. Es ist bereits das zweite Verbrechen dieser Art in der Gegend, und den Kriminalisten sitzt die Zeit im Nacken, denn der offenbar krankhaft veranlagte Täter könnte jederzeit wieder zuschlagen. Die Spur führt zu einem nahen Schlachthof, wo gleich zwei Männer ins Visier geraten: der Fahrer Köhlermann und der vorbestrafte Fleischer Paulsen. Beide streiten alles ab – bis ein Bluttest Bewegung in die Sache bringt …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Blutgruppe AB“

Grau, nass und menschenleer ist die Landstraße im Brandenburgischen, auf der sich das Drama im Polizeiruf 110 „Blutgruppe AB“ anbahnt. Sybille Arnold ist mit ihrem Freund Dr. Pfeiffer, der zugleich ihr Dozent ist, im Wartburg von Leipzig nach Berlin unterwegs, als die Stimmung kippt: Die junge Frau ist überzeugt, dass er sich von ihr trennen will. Weil er schweigt, statt zu widersprechen, setzt sie ihren Kopf durch und steigt in einem Waldgebiet bei Lühnsdorf aus, mitten im Regen. Einige Zeit später erreicht sie völlig verstört ein Forsthaus und verletzt sich dort mit einer Sense an den Handgelenken. Nur weil Förster Möbius sie rechtzeitig entdeckt, kommt sie mit dem Leben davon.

Oberleutnant Jürgen Hübner und seine Kollegin, Leutnant Helga Lindt, übernehmen den Fall. Im Krankenhaus gibt Sybille an, am Vormittag im Wald vergewaltigt worden zu sein: Sie sei an der Landstraße in einen Lastwagen gestiegen, dessen Fahrer plötzlich in den Wald abgebogen sei. Mehr will sie zunächst nicht sagen – jede weitere Frage blockt sie ab, weil sie sich schlicht nicht erinnern will. Erst nach und nach rückt sie mit Details heraus. Auf der Ladefläche will sie eine fleischähnliche Masse gesehen haben, und dem Mann hat sie während der Tat einen Schlüssel entrissen.

Dann eröffnet der behandelnde Arzt Helga Lindt eine Neuigkeit, die das Bild verschiebt: Sybille ist im vierten Monat schwanger. Dr. Pfeiffer ahnt davon nichts. Was also hat die junge Frau in der Försterei zu ihrer Verzweiflungstat getrieben – die Gewalt, die ihr angetan wurde, der Krach mit ihrem Freund oder die Angst vor einer Zukunft, in der sie allein mit einem Kind dasteht?

Die Ladung des Lastwagens führt die Ermittler zu einem Schlachthof unweit des Tatorts. Dort gerät zunächst Köhlermann ins Blickfeld, denn er fährt den LKW, dessen Reifenspuren im Wald gesichert wurden. Der Fahrer hat allerdings eine Erklärung parat: Weil sich das Beladen verzögerte, habe er den Wagen frühmorgens auf dem Hof stehen lassen und erst gegen Mittag wieder abgeholt. Noch schlechter steht der etwas einfältige Fleischer Helmut Paulsen da. Er war an jenem Vormittag über eine Stunde verschwunden, ist wegen Einbruchsdiebstahls vorbestraft, und auch sein Schlüssel ist unauffindbar. Die Kollegen trauen ihm einiges zu. Paulsen beteuert, er habe den Schlüssel beim Beladen auf dem Hof verloren und sei danach zu Fuß losgezogen, um sich bei einem Zirkus zu bewerben – als Tierfreund sei die Arbeit im Schlachthof einfach nichts für ihn.

Viel Zeit zum Abwägen bleibt den Kriminalisten im DDR-Krimi „Blutgruppe AB“ nicht. Schon einmal hat in der Gegend ein Unbekannter eine Frau überfallen, und Hübner ist klar, dass ein Mann, der mit solcher Brutalität vorgeht, kaum von selbst aufhören wird. Dann liefert ausgerechnet eine Blutuntersuchung einen Befund, der die Ermittler in eine völlig unerwartete Richtung lenkt …

Hinter den Kulissen

„Blutgruppe AB“ ist die siebte Folge der Reihe Polizeiruf 110 und zugleich der Einstand von Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep), der hier seinen ersten Fall übernimmt. Auch für Leutnant Helga Lindt (Karin Ugowski) ist es die erste Ermittlung – und schon die vorletzte, denn danach ist sie nur noch in „Alarm am See“ im Einsatz.

Mit diesem Film betrat die Reihe Neuland: Erstmals stand in einer Folge ein psychisch motiviertes Verbrechen im Mittelpunkt, und erstmals war der Ermittler mit einer Schusswaffe in der Hand zu sehen. Mit nur 50 Minuten gehört der in Schwarz-Weiß gedrehte Krimi zu den kürzesten Episoden der Reihe.

Regie führte Bernhard Stephan, das Drehbuch stammt von Gerhard Jäckel. Unter dem Arbeitstitel „Notzucht“ produzierte das Fernsehen der DDR den Film vom 21. März bis Anfang Mai 1972 in Leipzig und Berlin. Zu den Berliner Schauplätzen gehörte der Kolonnadenhof der Alten Nationalgalerie, mit Blick auf den damaligen S-Bahnhof Marx-Engels-Platz, den heutigen Bahnhof Berlin Hackescher Markt.

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Helga Lindt – Karin Ugowski
Leutnant Bauer – Klaus Tilsner
Wachtmeister Zapf – Ernst-Georg Schwill
Sybille Arnold, Schauspielstudentin – Uta Schorn
Martin Rienacker – Hans-Joachim Hegewald
Helmut Paulsen, Fleischer – Manfred Karge
Jeanette Mertens – Beate Schade
Köhlermann, Fahrer – Werner Lierck
Dr. Pfeiffer, Sybilles Freund und Dozent – Uwe-Detlev Jessen
Dr. Windhorst – Dietmar Richter-Reinick
Frau Reimer – Ingeborg Krabbe
Frau Mertens – Erika Stiska
Förster Möbius – Ulrich Teschner
Paul – Paul Arenkens
Inge – Angela Brunner
Albert – Albert Zahn
Paul – Johannes Maus
Pförtner – Fritz Links
Hausmeister – Siegfried Seibt
Skoda-Fahrer – Manfred Schulz
Radfahrerin – Renate Gey
Frau – Brigitte Scholz
u. v. a.

Stab

Regie – Bernhard Stephan
Drehbuch – Gerhard Jäckel
Produktion – Rainer Crahé
Musik – Wolfgang Pietsch
Kamera – Bernd Sperberg
Schnitt – Brigitte Funk
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR