Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Geständnis, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet: Segellehrer Bodo Jansen meldet sich bei der Polizei und gibt an, seine Frau Astrid erwürgt zu haben. Die junge Seglerin liegt tot im Bootshaus, nachdem sie am Abend zuvor noch ihren Sieg beim Bootsrennen gefeiert hat. Für Oberleutnant Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt könnte der Fall damit erledigt sein – doch je genauer sie hinschauen, desto weniger fügt sich das Bild. Ein Motiv hätte der ruhige, allseits geschätzte Jansen durchaus gehabt, denn Astrid betrog ihn seit Langem. Hinzu kommt: In der Nacht brachte er seine fiebernde Tochter ins Krankenhaus, während seine Frau das Fest mit einem Fremden verließ. Für wen hält Jansen den Kopf hin …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Gesichter im Zwielicht“
Eben noch Pokal und Blumen, am nächsten Morgen der Tod: An der Küste hat Astrid Jansen beim Segelwettstreit den ersten Platz in ihrer Klasse geholt, am Abend wird der Triumph ausgelassen gefeiert. Wenige Stunden später wird die junge Frau erwürgt im Bootshaus gefunden. Und noch bevor sich die Ermittler ein Bild machen können, erscheint ihr Ehemann Bodo bei der Polizei und bezichtigt sich selbst der Tat. Oberleutnant Peter Fuchs, Leutnant Vera Arndt und Kriminalmeister Lutz Subras übernehmen den Fall – und stehen vor der ungewöhnlichen Aufgabe, ein Geständnis zu widerlegen.
Nach außen wirkte die Ehe wie aus dem Bilderbuch. Astrid, deutlich jünger und weit lebhafter als ihr zurückhaltender Mann, war sportlich und ehrgeizig, und so mancher an der Küste beneidete Jansen um seine zweite Frau. Hinter der Fassade sah es freilich anders aus: Astrid ließ ihre Launen an ihm aus, hielt ihn für einen Schwächling und betrog ihn seit Monaten – ohne ein Geheimnis daraus zu machen. Jansen tat alles, damit niemand etwas davon bemerkte, und entfremdete sich ihr zugleich immer mehr. Selbst ihr Stil auf dem Wasser war ihm zuwider, zu egoistisch, ganz wie sie selbst. Als ihm ein Freund anbietet, sich einmal auszusprechen, winkt er trotzdem ab.
Wer Bodo Jansen kennt, kann sich ihn kaum als Mörder vorstellen. Sämtliche Zeugen schildern ihn als gutmütigen Menschen, und selbst seine erste Frau findet nur freundliche Worte für ihn. Die beiden kannten sich seit der Schulzeit, ihre Ehe verlief ohne Streit – und ohne große Höhepunkte. Als Bodo Astrid kennenlernte, ging sie von sich aus, überzeugt, dass er Abwechslung brauchte. Jansen plagte deshalb ein schlechtes Gewissen. Aus dieser ersten Ehe stammt der 17-jährige Detlef, mit Astrid hat er die kleine Mareike, die gerade erst ins Schulalter kommt.
Entsprechend skeptisch begegnen Fuchs und Arndt dem Geständnis im Polizeiruf 110 „Gesichter im Zwielicht“. Jansen jedoch bleibt bei seiner Version, so beharrlich die Ermittler auch nachhaken. Dabei spricht schon seine Reaktion Bände: Als Vera Arndt ihm aus dem Protokoll vorliest, welche Spuren die Tat am Körper seiner Frau hinterlassen hat, wird ihm übel. Ein kaltblütiger Täter sieht anders aus – und mit dem besonnenen Wesen des Segellehrers lässt sich die Gewalttat ohnehin kaum in Einklang bringen.
Bleibt die Frage, was in jener Nacht geschah. Schon während des Rennens hatte Mareike gefiebert, weshalb Jansen den abendlichen Seglerball am liebsten abgesagt hätte. Erst als sein Sohn anbot, bei der Kleinen zu bleiben, ging er doch mit. Gegen Mitternacht kam der Anruf ins Ballhaus: Das Fieber war gestiegen. Jansen fuhr sofort nach Hause und brachte die Tochter ins Krankenhaus, während Astrid weiterfeierte und den Ball bald darauf mit einem Unbekannten verließ. Für wen also nimmt Bodo Jansen im DDR-Polizeiruf „Gesichter im Zwielicht“ einen Mord auf sich …
Hinter den Kulissen
„Gesichter im Zwielicht“ ist die 14. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und zugleich eine Premiere: Sie ist der erste Film der Reihe in Farbe. Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ermitteln hier zum zwölften Mal, Kriminalmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) ist in seinem fünften Fall dabei. Das Ehepaar Jansen spielen Horst Drinda und Regina Beyer.
Regie führte Manfred Mosblech, der gemeinsam mit Fred Unger auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde vom 15. November 1972 bis zum 15. Januar 1973 an der Ostseeküste, damals noch unter dem Arbeitstitel „Die zertanzten Schuhe“. Zu den Drehorten gehörten Altwarp, Bad Doberan, das Oderhaff, Stralsund und Umgebung sowie Ueckermünde. Im Film sind Fuchs und Arndt im Rostocker Hotel Warnow untergebracht, das 2003 abgerissen wurde.
Die Kostüme entwarf Ruth Karge, die Filmbauten stammen von Günter Broberg. Für seine Filmmusik griff Hartmut Behrsing Motive aus Ludwig van Beethovens „Für Elise“ auf; das Stück wird im Film auch am Klavier gespielt. Daneben erklingen ein Ausschnitt aus Beethovens „Mondscheinsonate“ sowie Michel Polnareffs „Please Love Me“, das die Ermittler auf dem Plattenspieler hören.
Musik
Ludwig van Beethoven – Für Elise
Ludwig van Beethoven – Mondscheinsonate
Michel Polnareff – Please Love Me
Besetzung
Oberleutnant Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Kriminalmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Leutnant Falkenstein – Jürgen Zartmann
Bodo Jansen – Horst Drinda
Astrid Jansen – Regina Beyer
Detlef Jansen – Erwin Berner
Mareike Jansen – Beate Schade
Knud Hinrichs – Peter Bause
Frau Jansen – Helga Raumer
Herr Merzfinger – Hans-Joachim Martens
Dr. med. Pink – Fred Mahr
Eisenbahner – Werner Kamenik
Fotograf – Siegfried Seibt
Bootswart – Erich Brauer
Kriminaltechniker – Freimut Götsch
Eisenbahnerin – Traudi Harprecht
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Fred Unger, Manfred Mosblech
Produktion – Marianne Birkholz
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Winfried Kleist
Schnitt – Silvia Hebel
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR










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