Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich zählt für die Studentenmannschaft im Trainingslager nur noch eines: der internationale Pokalwettbewerb im Eissegeln. Doch dann taucht im Koffer ihres Kapitäns Klaus Grabowski eine wertvolle Grafik von William Hogarth auf, die wenige Wochen zuvor einem Sammler gestohlen wurde. Klaus versichert, das Blatt nie zuvor gesehen zu haben. Trotzdem lastet der Verdacht auf Diebstahl und geplanten Schmuggel ins Ausland schwer auf ihm und einigen seiner Kameraden. Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Helga Lindt bleiben gerade einmal 48 Stunden bis zur Abreise der Sportler. Solange der Fall offen ist, darf Klaus das Land nicht verlassen, und ohne ihn scheint der Pokal kaum zu holen. Dann stoßen die Kriminalisten auf ein Detail, das die Grafik in ganz anderem Licht erscheinen lässt …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Alarm am See“
Weite Eisflächen, knatternde Segel, eine eingeschworene Truppe kurz vor dem großen Wettkampf – und dann steigt plötzlich dichter Rauch aus der Unterkunft der Mannschaft auf. Als die Sportler vom See zurückkehren, steht das Haus bereits lichterloh in Flammen. Hausmeister Krenzel wagt sich trotzdem hinein und kommt mit einem Koffer wieder heraus. Er gehört Mannschaftskapitän Klaus Grabowski, und zwischen dessen Sachen liegt etwas, das dort nichts zu suchen hat: eine Grafik von William Hogarth, die dem Sammler Sander sechs Wochen zuvor gestohlen wurde.
Mit dem Fall werden Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Helga Lindt betraut. Für die Mannschaft kommt der Fund einer Katastrophe gleich, denn bis zur Klärung darf Klaus nicht ins Ausland reisen. Dabei ruhen die Hoffnungen des ganzen Teams auf ihm: Zusammen mit seinem Partner Richard bildet er im Zweiersegler das stärkste Gespann der Studenten. Ersatzweise soll Richard nun mit Kurt Löwe trainieren, der sportlich nicht annähernd an Klaus heranreicht.
Doch Richard denkt gar nicht daran mitzuspielen. Aus Solidarität mit seinem Freund verweigert er das Training mit dem Ersatzmann – und bringt damit die Frage auf den Tisch, die das ganze Team umtreibt: Was wiegt schwerer, das Vertrauen in den eigenen Kapitän oder die Aussicht auf den Pokal? Während die Sportler um ihren Zusammenhalt ringen, rückt der Abreisetermin unaufhaltsam näher.
Die Kriminalisten haben derweil ganz andere Sorgen. Bei einer Röntgenuntersuchung entdeckt Leutnant Leissig unter der Hogarth-Grafik eine zweite, gelöschte Arbeit des Künstlers. Hübner und Lindt beginnen zu grübeln: Haben sie es womöglich gar nicht mit einem Original zu tun? Wurde die kleinere Grafik erst nach Hogarths Tod getilgt, kann die größere jedenfalls nicht echt sein. Hinzu kommt eine pikante Spur: Das Blatt mit dem Titel „A Harlot’s Progress“ gehört zu einer ganzen Reihe, und deren übrige Teile befinden sich in Privatbesitz – ausgerechnet in jener Stadt, in der die Mannschaft ihren Wettkampf austragen soll.
Um Licht ins Dunkel zu bringen, setzt Hübner im Polizeiruf 110 „Alarm am See“ gleich an mehreren Fronten an. Der Kunstkenner Dr. Elsholz soll herausfinden, ob die gelöschte Grafik irgendwo katalogisiert ist. Sander wiederum wird gebeten, ein Gutachten über die Echtheit seines Hogarth-Blattes zu erstellen. Doch Expertisen brauchen Zeit, und genau die fehlt den Ermittlern.
Klaus selbst kann kaum noch stillsitzen. Er weiß, dass er unschuldig ist, aber beweisen kann er es nicht, und jeder Tag ohne Ergebnis nagt an ihm und an der Mannschaft. Also beschließt der Kapitän im DDR-Krimi „Alarm am See“, sich nicht länger auf andere zu verlassen und selbst nach der Wahrheit zu suchen …
Hinter den Kulissen
In „Alarm am See“ ermittelt Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) in seinem vierten Fall. Für Karin Ugowski ist es nach „Blutgruppe AB“ der zweite und zugleich letzte Einsatz als Leutnant Helga Lindt. Andreas Schmidt-Schaller, der später als Leutnant Andreas Schöpke und danach als Leutnant Thomas Grawe zu den bekanntesten Polizeiruf-Ermittlern zählte, steht hier zum ersten Mal in einem für die Reihe produzierten Film vor der Kamera – noch auf der anderen Seite, als tatverdächtiger Klaus Grabowski.
Gedreht wurde vom 24. Januar bis zum 20. Februar 1972 unter den Arbeitstiteln „Die Markowsky-Falle“ und „Doppeltrick“ am Zegrze-Stausee in Polen sowie in Gernrode und Friedrichsbrunn, die Bahnhofsszenen entstanden im Leipziger Hauptbahnhof. Die Kostüme schuf Isolde Müller-Claud, die Filmbauten stammen von Christian Neugebauer und Werner Ölschläger.
Nach der Fertigstellung wurde der Film mehrfach überarbeitet und gekürzt. Bei seiner Premiere im DDR-Fernsehen 1973 lief er in einer nur 54 Minuten langen Fassung ohne Polizeiruf-Vorspann im Nachmittagsprogramm; die Reihe nahm ihn erst nachträglich in ihre offizielle Sendekartei auf. Seit 2001 wird er mit Serienvorspann ausgestrahlt. Bei der Grafik im Mittelpunkt handelt es sich um die zweite Tafel aus Hogarths Zyklus „A Harlot’s Progress“, der aus sechs Blättern besteht – im Film ist allerdings von einer achtteiligen Reihe die Rede.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Helga Lindt – Karin Ugowski
Leutnant Leissig – Peter Köhncke
Klaus Grabowski, Mannschaftskapitän – Andreas Schmidt-Schaller
Kurt Löwe – Frank Obermann
Richard Friedel – Dieter Bellmann
Sander, Sammler – Siegfried Weiß
Krenzel, Hausmeister – Emil Karewicz
Jankow – Berko Acker
Dr. Elsholz, Kunstkenner – Manfred Zetzsche
Kern – Zdzislaw Salaburski
Evi – Brigitte Scholz
Sportlerin – Doris Schmude
Trainer – Lothar Schellhorn
Mannschaftsleiter – Paul Berndt
u. v. a.
Stab
Regie – Jerzy Bednarczyk, Jan Laskowski
Drehbuch – Jerzy Bednarczyk, Jan Laskowski, Gerhard Branstner (Szenarium)
Produktion – Fred Retzlaff
Musik – Wolfgang Pietsch
Kamera – Jan Laskowski
Schnitt – Sylvia Desch
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR










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