Kurz und knapp – darum geht’s

Auf der Bühne will es für Jens Briener einfach nicht klappen: Seit Jahren zieht der erfolglose Schauspieler von Theater zu Theater, und als er sein Glück nun in Berlin versuchen will, zieht seine Frau Marlies die Reißleine und lässt sich scheiden. In der Hauptstadt hält sich Briener mit Gelegenheitsjobs über Wasser, beim Besetzungsbüro des Fernsehens geht er jedes Mal leer aus. Bis er durch Zufall entdeckt, dass sein Können auch fernab jeder Kamera Wirkung zeigt: In wechselnden Masken täuscht er arglose Menschen und bestiehlt sie. Mit dem Geld will er seine Familie zurückgewinnen. Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Lutz Zimmermann und Leutnant Thomas Grawe bekommen es mit einem Gegner zu tun, der sein Publikum offenbar zu nehmen weiß …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Ein großes Talent“

Die Probe zu Goethes „Faust“ an einem kleinen Provinztheater gerät für Jens Briener zum Debakel: Der Schauspieler erscheint unvorbereitet und hat seinen Text nicht gelernt. Selbstkritik gehört allerdings nicht zu seinen Stärken. Schuld an seinen Misserfolgen sind in seinen Augen stets die anderen – mal der Regisseur, mal die Kollegen, die er ohnehin für Dilettanten hält. Dass es ihm selbst an Talent und Disziplin fehlen könnte, kommt dem Antihelden im TV-Krimi „Ein großes Talent“ nicht in den Sinn.

Entsprechend unstet verläuft sein Leben. Dreimal hat die Familie in den vergangenen sechs Jahren schon die Koffer gepackt, weil es am nächsten Theater angeblich endlich aufwärtsgehen sollte. Nun träumt Briener von Berlin, von großen Rollen, vom Durchbruch. Doch diesmal macht seine Frau Marlies nicht mehr mit: Sohn Marcus ist inzwischen schulpflichtig, und ständige Schulwechsel will sie dem Jungen ersparen. Zieht Jens wieder um, so ihre Ansage, lässt sie sich scheiden. Briener setzt trotzdem alles auf eine Karte.

Ein Jahr später ist von den großen Plänen wenig übrig. Marlies hat ihre Drohung wahr gemacht; sie und Marcus leben weiterhin in der Kleinstadt, und zu seinem Sohn hat Jens kaum noch Kontakt. In der Hauptstadt schlägt er sich als Zeitungsausträger, Lagerist und Reitlehrer durch – Letzteres auf dem Reitplatz seines Freundes Bernd Wust, der dort als Sektionsleiter das Sagen hat. Im Besetzungsbüro des Fernsehens steht Briener regelmäßig auf der Matte, doch eine Rolle springt nie heraus: Sein schlechter Ruf ist ihm nach Berlin vorausgeeilt.

Ausgerechnet ein Zufall weist ihm einen anderen Weg. Bei einem seiner vergeblichen Besuche lässt Briener heimlich ein Drehbuch mitgehen. Mit dem Manuskript unter dem Arm begegnet er Frau von Waldow, die gerade von einer Reise heimkehrt und ihn bittet, ihr die Koffer in die Wohnung zu tragen. Kurzerhand gibt er sich als Szenenbildner aus, der nach geeigneten Räumen für Dreharbeiten sucht, und lässt sich sämtliche Zimmer zeigen. Erst als der hilfsbereite Besucher verschwunden ist, bemerkt die Frau, dass wertvoller Familienschmuck fehlt.

Die Anzeige landet bei Hauptmann Peter Fuchs, Oberleutnant Lutz Zimmermann und Leutnant Thomas Grawe. Schnell wird klar, dass die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Ein großes Talent“ es mit einem gewitzten Täter zu tun haben, der in immer neue Masken schlüpft. Für Briener ist das Ganze längst mehr als ein schneller Coup: Endlich scheint er eine Bühne gefunden zu haben, auf der seine Darbietung überzeugt. Und mit dem erbeuteten Geld, so seine Hoffnung, kann er Marlies und Marcus zurückgewinnen. Doch was einmal geklappt hat, verlangt nach einer Fortsetzung – und Briener plant bereits seinen nächsten Auftritt …

Hinter den Kulissen

„Ein großes Talent“ ist die 103. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 61. Fall, Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) ermittelt zum siebten Mal. Neu im Team ist Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller), der hier seinen Einstand gibt – im Abspann wird sein Name allerdings noch „Crawe“ geschrieben.

Den glücklosen Schauspieler Jens Briener spielt Justus Fritzsche, Ute Lubosch ist als seine Frau Marlies zu sehen. Thomas Jacob führte bei dem Fernsehfilm des Fernsehens der DDR Regie und schrieb das Drehbuch; als Horst steht er zudem selbst vor der Kamera.

Gedreht wurde vom 26. März bis zum 26. Mai 1985 unter dem Arbeitstitel „Sarafino“, unter anderem in Berlin, Dresden, Meißen und Bärnsdorf. Für die Kostüme war Ruth Völker verantwortlich, die Filmbauten stammen von Hans-Georg Völker. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 32,7 Prozent.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Thomas Grawe (im Abspann „Crawe“) – Andreas Schmidt-Schaller
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Jens Briener, Schauspieler – Justus Fritzsche
Marlies Briener, Jens’ Frau – Ute Lubosch
Marcus, Sohn von Jens und Marlies – Danny Awege
Nossek – Fred Delmare
Claudia – Peggy Marmuth
Bernd Wust, Sektionsleiter des Reitplatzes – Wolfgang Gorks
Frau Roeder – Blanche Kommerell
Frau Wiedner – Hilde Kneip
Herr Berner – Werner Ehrlicher
Frau von Waldow – Marga Legal
Frau Malesch – Karin Schröder
Constanze – Petra Dobbertin
Dagmar – Kerstin Thielemann
Herr Matusche – Willi Schrade
Sekretärin – Renate Bahn
Regisseur – Giso Weißbach
Darsteller – Wolfgang Sörgel
Taxifahrer – Günter Drescher
Nachbar – Curt W. Franke
Hans Simon – Hans Grzesczak
Horst – Thomas Jacob
Kriminaltechniker – Uwe Jellinek
Dr. Klamm – Hans-Hartmut Krüger
Schauspieler – Herbert Köfer
Frau Simon – Margit Meller
Tierarzt – Joachim Nimtz
Kriminaltechniker – Hans-Jürgen Pabst
Prof. Hans-Werner Malesch – Lothar Schellhorn
Inspizient – Gerhard Vogt
u. v. a.

Stab

Regie – Thomas Jacob
Drehbuch – Thomas Jacob
Szenarium – Joachim Goll
Produktion – Hans-Jörg Gläser
Musik – Arnold Fritzsch
Kamera – Horst Klewe
Schnitt – Wilfried Hübner
Kostüm – Ruth Völker
Filmbauten – Hans-Georg Völker
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR