Kurz und knapp – darum geht’s
Fast zwei Jahre lang haben die Oberleutnants Lutz Zimmermann und Wolfgang Dillinger nach einem Einbrecher gesucht, der in 17 Wohnungen eingestiegen ist und bei seinem letzten Bruch eine alte Frau so schwer verletzt hat, dass sie starb. Dann bringt ausgerechnet ein gestohlenes Foto die Kriminalisten zu Eberhard Sebnitz, genannt „Ebse“. Der Sporttrainer hat sich inzwischen ein geordnetes Leben aufgebaut, er ist verheiratet, und seine Frau Elke erwartet ein Kind. Die Spuren sprechen gegen ihn, doch Sebnitz bestreitet jeden Vorwurf. So beginnt im Vernehmungszimmer ein zähes Duell, in dem die Ermittler nicht nur Beweise brauchen. Sie müssen auch einen Zugang zu einem Mann finden, der sich hinter seinem Schweigen verschanzt …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die alte Frau im Lehnstuhl“
Der Einbrecher hat sie nicht bemerkt: Still sitzt die alte Dame in ihrem Lehnstuhl, als er in ihre Wohnung eindringt, und plötzlich steht sie ihm gegenüber. Sie wehrt sich, er stößt sie zu Boden, und die Rentnerin verblutet noch in ihrer Wohnung an einer schweren Kopfwunde. Es ist der traurige Schlusspunkt einer Serie von 17 Einbrüchen. Meist hat der Täter nur kleinere Geldbeträge mitgehen lassen, einmal aber auch das Foto einer Frau und ein anderes Mal Briefe, die eine Mutter ihrem Kind geschrieben hatte. Seit rund zwei Jahren sind die Oberleutnants Wolfgang Dillinger und Lutz Zimmermann dem Unbekannten auf der Spur. Die Hoffnung, ihn noch zu fassen, haben sie beinahe aufgegeben.
Dann kommt Bewegung in den festgefahrenen Fall, und zwar durch einen Zufall. Ein Junge entdeckt im Wohnzimmer seines Sporttrainers Eberhard Sebnitz ein Bild, das er sofort wiedererkennt: Es zeigt seine Großmutter und wurde ihr vor zwei Jahren bei einem Einbruch gestohlen. Heimlich nehmen die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Die alte Frau im Lehnstuhl“ die Fingerabdrücke des Trainers und gleichen sie mit den Spuren von mehreren Tatorten ab. Sie stimmen überein. Lange fackeln Dillinger und Zimmermann daraufhin nicht, denn Sebnitz soll schon am nächsten Tag mit seiner Jugendmannschaft zu einem Wettkampf nach Ungarn reisen. Also holen sie ihn direkt vom Training weg.
Wer ist dieser Mann, den alle nur Ebse nennen? Sebnitz ist im Heim aufgewachsen. Seine Mutter starb, als er noch ein Kleinkind war, und kennengelernt hat er sie nie. Vor zwei Jahren ist ihm Elke begegnet, ein halbes Jahr später hat er sie geheiratet, und nun erwartet das Paar ein Kind. Seit zwei Jahren führt der Sporttrainer also ein ganz normales Leben. Dazu gehört auch das Foto in der Schrankwand, denn seiner Frau hat Ebse stets erzählt, es zeige seine Mutter.
Im DDR-Krimi „Die alte Frau im Lehnstuhl“ beginnt nun ein regelrechter Nervenkrieg. Obwohl die Beamten ihm eine Tat nach der anderen nachweisen, bleibt Sebnitz dabei, er sei unschuldig. Zimmermanns Verhörmethoden prallen an ihm ab, und irgendwann reicht es dem Oberleutnant. Entnervt überlässt er die Vernehmung seinem ruhigeren Kollegen Dillinger, und zwischen ihm und dem Beschuldigten entwickelt sich ein Duell der Köpfe. Tag um Tag verbringt Sebnitz in Untersuchungshaft. Nur wenn es um Elke geht, wird er hellhörig und will immer wieder wissen, wie es ihr geht. An seiner Schweigetaktik ändert das nichts.
Parallel graben die Ermittler in Ebses Vergangenheit. Im Heim, so stellt sich heraus, hat der Junge viele Stunden bei Hausmeister Kichler verbracht und sich besonders für Schlösser und Schlüssel interessiert. Ein sehr guter Schlosser wäre aus ihm geworden, versichert Kichler. Auch die Nachbarn berichten, dass Ebse ihnen so manche Reparatur erledigt hat. Das passt ins Bild, denn an keinem der Tatorte fanden sich Spuren an den Schlössern. Einen Vorwurf weist Sebnitz allerdings besonders vehement zurück: den Tod der Rentnerin. In ihrer Wohnung sei er nie gewesen, beteuert er, die Frau habe er folglich auch nie gesehen. Dillinger muss einen Weg finden, wie er einen Mann überführt, der selbst unter der Last der Beweise beharrlich schweigt …
Hinter den Kulissen
„Die alte Frau im Lehnstuhl“ ist die 110. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und zugleich ein Einstand. Oberleutnant Wolfgang Dillinger (Wolfgang Dehler) ermittelt hier zum ersten Mal, während sein Kollege Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) bereits seinen zwölften Fall bestreitet. Im Mittelpunkt steht Gert-Hartmut Schreier als Sporttrainer Eberhard „Ebse“ Sebnitz. Heidrun Welskop spielt seine Frau Elke, Horst Schulze ist als Hausmeister Kichler zu sehen.
Regie führte Edgar Kaufmann. Der Film entstand unter dem Arbeitstitel „Treffen mit Otto“ und wurde vom 20. Mai bis zum 20. Juli 1986 in Potsdam gedreht. Die Kostüme entwarf Elke Hersmann, die Filmbauten stammen von Werner Pieske.
Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 39,4 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Wolfgang Dillinger – Wolfgang Dehler
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Eberhard „Ebse“ Sebnitz, Sporttrainer – Gert-Hartmut Schreier
Elke Sebnitz, Ebses Frau – Heidrun Welskop
Herr Kichler, Hausmeister – Horst Schulze
Frau Scholze – Marga Legal
Frau Meinke – Brigitte Krause
Trainer – Reiner Heise
Frau Altei – Ingrid Rentsch
Holger – Jens Kaiser
Arbeiter – Klaus Bamberg
Kriminalist – Karl Ernst Horbol
Alte Frau im Lehnstuhl – Gertraud Last
Pförtner – Karl Heinz Oppel
Polizeiarzt – Hans Jürgen Plust
Haftrichter – Joachim Schönitz
Kriminaltechniker – Johannes Achtelik
Schutzpolizist – Peter Hiller
Schutzpolizist – Roland Kuchenbuch
Erzieherin – Regina Nitzsche
Blumenhändlerin – Thea Schmidt-Keune
Trainer – Willi Schrade
Frau Schmitz – Eva Schäfer
u. v. a.
Stab
Regie – Edgar Kaufmann
Drehbuch – Edgar Kaufmann, Wolfgang Dehler
Produktion – Kurt Lichterfeld
Musik – Werner Pauli
Kamera – Rolf Sohre
Schnitt – Lotti Mehnert
Kostüm – Elke Hersmann
Filmbauten – Werner Pieske
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des Fernsehens der DDR









Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 3 Tagen).
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