Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Bagger, eine Wiese am Ortsrand und ein Starkstromkabel, das nicht gekennzeichnet war: Für den Baufachmann Herbert Wilke enden die abendlichen Schachtarbeiten tödlich. Für die Oberleutnants Jürgen Hübner und Lutz Zimmermann sieht alles nach einem tragischen Unglück aus – ein erfahrener Mann, der einen Moment zu sorglos war. Doch der Schachtplan, nach dem Wilke hätte arbeiten müssen, ist spurlos verschwunden. Und seine Frau Sonja hat den Ermittlern verschwiegen, dass sie nicht allein zur Unglücksstelle geeilt ist, sondern mit ihrem Geliebten Sebastian Brauer – ausgerechnet dem Leiter des Bauamtes. Herbert Wilke hatte sich hartnäckig geweigert, in eine Scheidung einzuwilligen …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Tod durch elektrischen Strom“
Frühjahr 1989, ein gewöhnlicher Abend in der Provinz: Herbert Wilke will mit den Aushubarbeiten für eine geplante Abwasserleitung noch ein gutes Stück vorankommen. Doch plötzlich hängt der Greifer seines Baggers im Erdreich fest, offenbar in Wurzelgestrüpp, wie er glaubt. Mit einer Eisenstange versucht der Baufachmann, die Schaufel wieder freizubekommen – und beschädigt dabei ein Starkstromkabel. Der Stromschlag ist tödlich. Seine Frau Sonja sieht die Blitze, verständigt die Rettung und eilt zur Baustelle, doch für ihren Mann kommt jede Hilfe zu spät.
Als Oberleutnant Jürgen Hübner und Oberleutnant Lutz Zimmermann mit ihrem Team die Ermittlungen übernehmen, scheint die Sache schnell geklärt. Wilke hat die Trasse eigenhändig abgesteckt und dabei den Schachtplan allem Anschein nach links liegen lassen. Ein Unfall aus Leichtsinn also, wie er auf Baustellen leider vorkommt? Nur passt das so gar nicht zu einem Mann, der als gewissenhaft und erfahren gilt. Und eine Frage lässt die Kriminalisten nicht los: Wo ist der Schachtplan geblieben? Unter Wilkes Papieren findet er sich jedenfalls nicht.
Je genauer die Ermittler hinsehen, desto deutlicher zeigt sich, wie nachlässig hier gearbeitet wurde. Bürgermeister Pfühlberg und der Beauftragte des Kreisbauamtes haben die von Wilke markierte Trassenführung zwar abgezeichnet und genehmigt, sich die Wiese aber nie selbst angesehen. Auf dem Papier ist alles in bester Ordnung, draußen im Gelände hat niemand nachgeprüft. Dann taucht im Polizeiruf 110 „Tod durch elektrischen Strom“ doch noch ein Schachtplan auf – und in dem ist das Starkstromkabel überhaupt nicht eingezeichnet. Wusste Wilke womöglich gar nichts von der Leitung unter der Wiese?
Auch im Haus der Wilkes bröckelt die Fassade. In der Vernehmung räumt Sonja ein, dass sie sich von ihrem Mann trennen wollte – er dagegen hatte von einer Scheidung nichts wissen wollen. Für Sohn Thomas ist das eine bittere Erkenntnis: Erst jetzt, nach dem Tod des Vaters, erfährt er, dass die Ehe seiner Eltern längst am Ende war.
Doch Sonja Wilke hat den Ermittlern im TV-Krimi „Tod durch elektrischen Strom“ noch mehr vorenthalten. Sie war in jener Nacht keineswegs allein unterwegs, als sie ihrem Mann zu Hilfe eilte, sondern in Begleitung von Sebastian Brauer, dem Mann, mit dem sie ein Verhältnis hat. Warum hat sie das verschwiegen? Brisant ist vor allem Brauers Position: Als Leiter des Bauamtes ist er für die Schachtgenehmigung verantwortlich. Hübner und Zimmermann müssen sich fragen, ob jemand die Unterlagen gezielt manipuliert hat – und ob Herbert Wilkes Weigerung, seine Frau gehen zu lassen, das Motiv für einen Mord war …
Hinter den Kulissen
„Tod durch elektrischen Strom“ ist die 141. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es der 61. Fall, für Oberleutnant Lutz Zimmermann (Lutz Riemann) der 23. In weiteren Rollen sind unter anderem Renate Blume als Sonja Wilke, Peter Prager als Sebastian Brauer und Olaf Hais als Thomas Wilke zu sehen.
Regie führte Peter Hagen, das Drehbuch stammt von Horst Ansorge. Gedreht wurde vom 15. Januar bis zum 10. April 1990 in Potsdam sowie in Bergholz-Rehbrücke – zu einer Zeit, als die DDR noch existierte, die Mauer aber bereits gefallen war. Die Kostüme schuf Marion Mentel, die Filmbauten Harry Leupold. Angesichts der politischen Entwicklungen verzichtet der Film konsequent auf die unter Polizisten damals übliche Anrede „Genosse“.
„Tod durch elektrischen Strom“ war der erste Polizeiruf, der nach der Deutschen Einheit seine Fernsehpremiere erlebte. Die Zuschauerbeteiligung lag bei 31,7 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Oberleutnant Lutz Zimmermann – Lutz Riemann
Leutnant Rödel – Jörg Kleinau
Sonja Wilke – Renate Blume
Thomas Wilke – Olaf Hais
Sebastian Brauer, Leiter des Bauamtes – Peter Prager
ABV Karl Teterow – Otmar Richter
Hermann Meißner – Helmut Schellhardt
Matthes – Peter Mohrdieck
Bürgermeister Pfühlberg – Wilfried Pucher
Nachbarin – Rose Becker
Mitarbeiterin Kreisbauamt – Iris Bohnau
Marianne Teterow – Solveig Müller
Schulz – Bertram Bolz
Bungalowbesitzer – Hans-Joachim Brieske
Leiter VPKA – Werner Ehrlicher
Energiewirtschaftler – Holger Franke
Energiewirtschaftler – Gerd Funk
Schichtleiter Konsum-Großbäckerei – Roman-Eckhard Galonska
Bauarbeiter – Werner Kanitz
Bauherr – Herbert Manz
Kriminaltechniker – Detlef Neuhaus
Bauleiter – Gerd Staiger
Bauarbeiter – Rainer Doering
Bauarbeiter – Gunnar Helm
Weigel – Peter Kaden
Mitarbeiter Bauaufsicht – Werner Kos
Willi – Dieter Perlwitz
Bauarbeiter – Knut Schultheiß
u. v. a.
Stab
Regie – Peter Hagen
Drehbuch – Horst Ansorge
Produktion – Hans-Erich Busch
Musik – Conrad Aust
Kamera – Rolf Sohre
Schnitt – Christine Schöne
Produktionsunternehmen – DEFA im Auftrag des DFF
Bild: rbb / DRA / Knospe
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 2 Tagen).
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