Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich will Eva Rickelmann nur ein paar Frühjahrssachen aus ihrer eigenen Wohnung holen. Doch dort stößt ihr neuer Freund in der Küche auf die mumifizierte Leiche von Jochen Schober, Evas Ex-Freund, der seit einigen Monaten in der Wohnung lebte. Der Gashahn ist aufgedreht, die Pulsadern sind aufgeschnitten, ein Abschiedsbrief liegt bereit. Die Obduktion ergibt allerdings etwas anderes: Schober starb an einem Schädelbruch. Der frisch zum Hauptmann beförderte Peter Fuchs und Leutnant Vera Arndt haben es nun mit einem Gewaltverbrechen zu tun, und Verdächtige gibt es in Evas Umfeld mehr als genug. Arndt hat dabei auch mit sich selbst zu kämpfen: Der Fall setzt ihr schwer zu, und sie zweifelt zunehmend an ihrem Beruf …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Schuldig“
Im Hausflur eines Mietshauses in Prenzlauer Berg quillt der Briefkasten über, und die Wohnungstür ist gleich mehrfach verschlossen – kein gutes Zeichen. Eva Rickelmann, früher Lehrausbilderin in einem Krankenhaus und inzwischen als Reinigungskraft tätig, will im März nur ein paar Frühjahrssachen aus ihrer Wohnung holen. Allein traut sie sich nicht hinein. Ihren Ex-Freund Jochen Schober, der sie geschlagen hatte, bevor sie auszog, hat sie seit Dezember nicht mehr gesehen. Deshalb begleiten sie ihr neuer Freund Ullrich Peters und ihr Arbeitskollege Paul Sternsdorff. Drinnen herrscht heilloses Durcheinander, und in der Küche findet Peters schließlich Schobers mumifizierte Leiche. Der Gashahn steht seit Wochen offen. Eine Nachbarin hat den Geruch durchaus bemerkt, statt aber die Polizei zu rufen, hat sie einfach regelmäßig gelüftet.
Für Peter Fuchs kommt der Einsatz zur Unzeit. Gerade ist er vom Oberleutnant zum Hauptmann befördert worden, und Vera Arndt, Leutnant Woltersdorf und der Polizeifotograf haben ihn mit Blumen überhäuft. Am Abend soll gefeiert werden. Stattdessen wartet im TV-Krimi „Schuldig“ ein Fall, der an die Nieren geht. Vor allem Leutnant Vera Arndt bringen der Gasgeruch und der Anblick des Toten aus der Fassung. Sie wirkt so verstört, dass Fuchs sie vorzeitig nach Hause schickt. Als er sie abends zur Beförderungsfeier abholt, hadert sie mit ihrer Arbeit, bei der sie nur die Schattenseiten der Gesellschaft zu sehen bekommt.
Was zunächst wie ein Freitod aussieht, ist in Wahrheit etwas anderes. Die Obduktion zeigt, dass weder das Gas noch die aufgeschnittenen Pulsadern Schober getötet haben. Todesursache war ein Stoß, der ihm den Schädel brach. Am Körper finden sich außerdem Trittspuren, und auch der Zustand der Wohnung spricht für einen Kampf. Ein Abschiedsbrief, den die Ermittler entdecken, wirft zusätzliche Fragen auf: Er bezieht sich auf ein früheres Schreiben, das jedoch unauffindbar bleibt.
Wer war dieser Mann? Nach der siebten Klasse hatte Jochen Schober die Schule verlassen und sich über mehr als 20 Jahre bei der Reichsbahn bis zum Rangiermeister hochgearbeitet. Dann verursachte er angetrunken auf dem Bahnhof einen Unfall mit Sachschaden und sollte strafversetzt werden. Diese Maßnahme war vor allem als Warnung an die Kollegen gedacht und stand in keinem Verhältnis zu seiner Verfehlung. Schober warf alles hin, verfiel dem Alkohol und hielt sich mit wechselnden Jobs über Wasser, zuletzt als Kohlenträger an der Seite seines einzigen Freundes Hans Spiering. Mit ihm besserte er seine Kasse auch durch Diebstähle auf. Eva kam erst bei der Familie ihrer Tochter unter, später bei den Sternsdorffs, bei denen sie weit mehr fand als nur ein Bett für die Nacht. Paul Sternsdorff versuchte auch Schober zu helfen, und ein Familienrat brachte diesen tatsächlich dazu, es noch einmal mit ehrlicher Arbeit zu versuchen.
Verdächtig sind im DDR-Polizeiruf „Schuldig“ gleich mehrere Menschen aus Evas Umfeld. Ullrich Peters zum Beispiel hätte durchaus ein Motiv gehabt: Solange Schober in Evas Wohnung saß, war auch seine Beziehung zu ihr in Gefahr. Beim Verhör geht Arndt ihn jedoch so unbeherrscht an und verurteilt ihn so vorschnell, dass Fuchs sie zurechtweisen muss. Es dauert eine Weile, bis die Kollegin sich wieder im Griff hat. Dann berichtet eine Nachbarin von einem Vorfall kurz vor Weihnachten: In Schobers Wohnung habe es einen lauten Streit gegeben, der nach einem heftigen Schlag plötzlich verstummt sei …
Hinter den Kulissen
„Schuldig“ ist die 55. Folge der Reihe. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 34. Fall, für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) der 35. Leutnant Woltersdorf (Werner Tietze) hat in seinem vierten Fall nur einen kurzen Gastauftritt.
Rolf Römer schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielt selbst Evas neuen Freund Ullrich Peters. Es blieb der einzige Fernsehfilm, bei dem er Regie führte. Von der DEFA erhielt Römer nach „Schuldig“ keinen weiteren Regieauftrag. Der Film löste nach seiner Ausstrahlung einen Skandal aus. Er orientiert sich an der Ästhetik der Filme von Rainer Werner Fassbinder und rückt das Innenleben der Figuren in den Mittelpunkt, vor allem das von Leutnant Arndt. Dazu nutzt er lange, oft dialogfreie Nahaufnahmen, Rückblenden und Bewegungsstudien von Rangierloks und Güterwagen auf dem Güterbahnhof, die die Handlung unterbrechen. Der Film enthält explizite Gewaltszenen und sexuell aufgeladene Szenen und spricht gesellschaftliche wie persönliche Probleme bis hin zum Suizid offen an.
Gedreht wurde vom 1. März bis zum 20. April 1978 in Berlin. Die Kostüme entwarf Margarete Salow, die Bauten stammen von Günther Möller und Karin Schmidt. Ein kleiner Insider-Gag: Auf dem Liefer-Lkw prangt der Name des Kohlehandels „Godemann“, und dessen Chef wird von Werner Godemann gespielt. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 65,9 Prozent.
Besetzung
Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Leutnant Woltersdorf – Werner Tietze
Eva Rickelmann, Reinigungskraft – Annekathrin Bürger
Jochen Schober, ehemaliger Rangiermeister – Hans-Peter Reinecke
Ullrich Peters, Evas neuer Freund – Rolf Römer
Paul Sternsdorff, Evas Arbeitskollege – Dieter Mann
Inge Sternsdorff – Ursula Werner
Heidrun Fischer – Jacquéline Pöggel
Klaus Fischer – Bernd Stichler
Hans Spiering, Schobers Freund – Jürgen Wolters
Ernst Schuster – Günter Junghans
Kohlenhändler – Werner Godemann
Studentin Gerti – Roswitha Marks
Freundin der Studentin – Rebeca Olivera Elosequi
Kriminalist – Hans-Peter Pieper
Kriminalist – Bernd Stegemann
Gerda Brendler – Gertrud Brendler
Kaderleiter Vogelsang – Carl-Hermann Risse
Ehemann Arndt – Jörg Hermann
Karl Rickelmann – Hans-Joachim Entrich
Frau Spiering – Sanije Torka
Rangierer – Oswald Foerderer
Rangierer – Klaus-Jürgen Steinmann
Angestellte Wohnungswesen – Sina Fiedler
Gerichtsmediziner – Matthias Molter
Spurensicherer – Hans Klima
Tänzerin – Emma Kourouma
Leutnant Ernst – Dietmar Irmer
Schweißer – Lutz Werner Brandt
Schweißer – Christian Bartmann
Schweißer – Hannes Donath
Schweißer – Gerry Herlinghaus
Schweißer – Eberhard Görner
Bernd Sternsdorff – Sören Biedermann
Polizeifotograf – Jochen Kramer
u. v. a.
Stab
Regie – Rolf Römer
Drehbuch – Rolf Römer
Produktion – Erich Biedermann
Musik – Franz Bartzsch, 4 PS (Ausführung)
Kamera – Peter Krause
Schnitt – Marion Fiedler
Kostüm – Margarete Salow
Szenenbild – Günther Möller, Karin Schmidt
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR









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