Kurz und knapp – darum geht’s

Am helllichten Tag schlägt ein junger Mann an einer Bushaltestelle einen älteren Mann nieder, ohne erkennbaren Grund und mit verheerender Wucht. Das Opfer, Lehrausbilder Leonhard Schmidt, ist lebensgefährlich verletzt. Ringsum standen genug Leute, doch eingegriffen hat keiner, und der Schläger ist längst verschwunden. Für Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Woltersdorf beginnt eine zähe Suche. Die meisten Augenzeugen haben sich davongemacht, die übrigen wollen kaum etwas bemerkt haben, und die Beschreibungen des Täters passen nicht zusammen. Ein Paar, das dem Flüchtenden ein Stück weit im Auto gefolgt ist, hält sich zunächst bedeckt. Erst als wenige Tage später wieder ein Mann grundlos zu Boden geschlagen wird, kommt Bewegung in die Ermittlungen. Doch was treibt jemanden zu solchen Ausbrüchen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Einzelgänger“

Ein ganz gewöhnlicher Tag, eine ganz gewöhnliche Haltestelle: Lehrausbilder Leonhard Schmidt steht vor dem Fahrplan, als sich ein junger Mann an ihm vorbeidrängelt. Schmidt macht seinem Unmut Luft, und schon das reicht. Der Fremde schlägt so heftig zu, dass Schmidt mit einem Bruch der Schädelbasis liegen bleibt. Dann rennt der Angreifer davon. An der Haltestelle warten etliche Menschen, aber niemand stellt sich ihm in den Weg.

Was danach geschieht, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Umstehenden. Marianne und Klaus nehmen zwar mit dem Auto kurz die Verfolgung auf, lassen den Flüchtenden dann aber ziehen. Klaus weiß nicht recht, wie er sich verhalten soll, und besteht hinterher darauf, gar nicht sicher zu sein, ob er wirklich den Täter gesehen hat. Auch das Ehepaar Kunze und andere Wartende machen sich aus dem Staub. Als die Polizei eintrifft, ist ein Großteil der Augenzeugen fort. Wer noch da ist, hat angeblich kaum etwas mitbekommen, obwohl sich alles direkt vor seiner Nase abgespielt hat. Immerhin haben zwei der Zurückgebliebenen die Polizei gerufen.

Hauptmann Peter Fuchs und Leutnant Woltersdorf übernehmen einen Fall, der ihnen kaum einen Anhaltspunkt bietet. Auffällig ist allein die Verletzung des Opfers: Ein solcher Schlag ließe zum Beispiel an einen Karatekämpfer denken. Die beiden Zeugen vom Tatort schildern den Täter als sehr groß und sehr kräftig, beim Alter schwanken sie zwischen 22 und 29 Jahren. Mit dieser Beschreibung suchen die Ermittler im DDR-Krimi „Der Einzelgänger“ nach dem Schläger, finden aber niemanden. Außer einem Knopf, den sie am Tatort sichergestellt haben, halten sie wenig in der Hand.

Erst mit einiger Verspätung gelingt es Marianne, ihren zögernden Partner zum Gang auf die Wache zu bewegen. Ihre Aussage wirft alles über den Haufen: Der Täter sei um die 20 gewesen, eher schmal und mittelgroß. Von einem Hünen kann also keine Rede sein. Dafür kann sie Haarfarbe, Frisur und Kleidung genau angeben. Nun liegen zwei Täterbilder auf dem Tisch, die kaum weiter auseinanderliegen könnten, und Fuchs und Woltersdorf sind sich uneins, welchem sie trauen sollen.

Dann passiert es wieder: Wenige Tage später wird nachts auf der Straße ein Mann von einem Unbekannten niedergeschlagen, auch diesmal ohne jeden Anlass. Für das Ermittlerduo im Polizeiruf 110 „Der Einzelgänger“ ist es der Hinweis, auf den es gewartet hat. Allmählich zeichnet sich ab, wer hinter den Taten steckt: ein 19-Jähriger, der sein Leben nicht in den Griff bekommt und in dem sich Enttäuschung zu ständiger Wut aufgestaut hat, die jederzeit hervorbrechen kann. Seine Opfer kannte er nicht, und sie haben ihn weder angegriffen noch gereizt. Ist diese blinde Gewalt in Wahrheit ein verzweifelter Ruf nach Hilfe …

Hinter den Kulissen

„Der Einzelgänger“ ist die 64. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Hauptmann Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es bereits der 40. Fall. Für Leutnant Woltersdorf (Werner Tietze) ist es der achte und zugleich letzte Einsatz. In weiteren Rollen sind unter anderem Jürgen Kluckert als Lehrausbilder Leonhard Schmidt sowie Heidemarie Wenzel und Klaus-Peter Thiele als Zeugenpaar Marianne und Klaus zu sehen.

Regie führte Helmut Nitzschke, der auch das Drehbuch schrieb. Für den DEFA-Regisseur war es die erste Arbeit für den Polizeiruf. Die Dreharbeiten begannen Ende 1978 in Potsdam und im DEFA-Studio für Spielfilme in Babelsberg. Produziert wurde der Film von der DEFA für das Fernsehen der DDR, die Kamera übernahm Claus Neumann, die Musik stammt von Hermann Anders.

Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 58,4 Prozent. Seitdem wurde die Folge mehrfach wiederholt.

Besetzung

Hauptmann Peter Fuchs – Peter Borgelt
Leutnant Woltersdorf – Werner Tietze
Frank Gobel – Udo Schenk
Mutter Gobel – Lissy Tempelhof
Hugo, Freund von Mutter Gobel – Herbert Köfer
Bruder Maik Gobel – Kaspar Eichel
Bruder Joachim Gobel – Michael Christian
Lehrausbilder Leonhard Schmidt – Jürgen Kluckert
Frau Schmidt – Katja Paryla
Zeugin Marianne – Heidemarie Wenzel
Zeuge Klaus – Klaus-Peter Thiele
Herr Bornmüller – Hans Teuscher
Frau Bornmüller – Ute Lubosch
Herr Kunze – Dieter Wien
Frau Kunze – Walfriede Schmitt
Außenmonteur Hans – Horst Lebinsky
Tiefbaubrigadier – Günter Naumann
Judotrainer – Klaus Gehrke
Streifenleiter der VP – Harald Warmbrunn
Unfallarzt – Willi Schrade
Buchhändler – Ezard Haußmann
Außenmonteurkollege – Günter Schubert
SMH-Helfer – Hans Bergermann
Mutter Schmidt – Trude Brentina
Finn – Axel Gärtner
Protokollführer – Hans Heinrich Gülzow
Boxer – Pedro Hebenstreit
Manuela – Birgit Hubatschik
Lehrausbilder – Roland Kuchenbuch
Oberschwester – Henny Müller
Volkspolizist – Peter Pauli
Faschingsgast – Thea Schmidt-Keune
Wartende – Theresia Wider
Lehrling – Peter Jahoda
Lehrling – Evelyn Fuchs
u. v. a.

Stab

Regie – Helmut Nitzschke
Drehbuch – Helmut Nitzschke
Produktion – Gerrit List
Musik – Hermann Anders
Kamera – Claus Neumann
Schnitt – Thea Richter
Produktionsunternehmen – DEFA, für Fernsehen der DDR