Kurz und knapp – darum geht’s
Er kommt in der Nacht, sticht das Fensterglas auf und steht plötzlich mitten im Schlafzimmer: Ein dreister Einbrecher hält die Kripo in Atem, und Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Meister Lutz Subras gelingt es einfach nicht, ihm das Handwerk zu legen. Wer ihm zufällig begegnet, ist hinterher vor Schreck kaum in der Lage, ihn zu beschreiben – so auch die junge Sabine Kroll, die eines Nachts einen Fremden vor ihrem Bett entdeckt. Einzig die resolute Witwe Berlepsch wagt es, den ungebetenen Gast mit dem Rollo einzuklemmen, doch auch sie kann seine Flucht nicht verhindern. Bald geraten gleich drei Männer aus Sabines Umfeld ins Blickfeld der Ermittler – nur beweisen lässt sich nichts …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Fensterstecher“
Mitten in der Nacht schreckt Sabine Kroll aus dem Schlaf hoch – und blickt auf einen Fremden, der reglos vor ihrem Bett steht. Ihr Schrei schlägt den Mann in die Flucht, doch der Schock sitzt tief. Wie er in die Wohnung gelangt ist, wird schnell klar: Der Eindringling hat das Fensterglas aufgestochen, es eingedrückt und sich so Zugang verschafft. Mitgenommen hat er bei der jungen Frau augenscheinlich nichts. Trotzdem passt der Vorfall genau zu einer Serie, die der Kripo seit einiger Zeit Kopfzerbrechen bereitet: Zwölf Einbrüche nach demselben Muster, allesamt am Stadtrand, sind bislang ungeklärt.
Das Team um Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Meister Lutz Subras tappt im Dunkeln. Der Täter steigt in unregelmäßigen Abständen in fremde Wohnungen ein, lässt Geld und Wertsachen mitgehen und verschwindet anschließend auf einem gestohlenen Fahrrad, das die Polizei wenig später irgendwo abgestellt findet. Auch Sabines Nachbarin Frau Könnern, die in jener Nacht einen großen Mann in hellem Mantel davonlaufen gesehen haben will, kann den Kriminalisten nicht wirklich weiterhelfen. Mit einer derart vagen Beschreibung lässt sich in einer ganzen Stadt kaum jemand ausfindig machen.
Dann bekommt es der nächtliche Besucher mit einer Gegnerin zu tun, die sich nicht so leicht einschüchtern lässt: Sidonie Berlepsch, eine resolute Rentnerin aus Ruppenwalde, verfolgt den Eindringling bis zum Küchenfenster und klemmt ihn kurzerhand mit dem Rollo ein. Doch bis die Polizei vor Ort ist, hat er sich längst befreit und ist auf und davon. Immerhin reicht ihre Beschreibung für ein Phantombild – ein erster greifbarer Anhaltspunkt im Polizeiruf 110 „Der Fensterstecher“. Wirklich voran bringt aber auch die Zeichnung die Kriminalisten nicht: Frau Kuntze, zu der die Polizei ebenfalls gerufen wird, erkennt den Mann darauf nicht wieder, und ihr Sohn, den der Fremde auf der Toilette überrascht hat, ist überzeugt, einem ganz anderen begegnet zu sein.
Unterdessen rückt Sabine Kroll selbst immer stärker in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Die attraktive junge Frau lebt zwar allein, einsam ist sie deshalb aber keineswegs: Gleich drei Männer sind auf ihre jeweils eigene Weise mit ihr verbunden – Olaf Kähler, Elmar Lange und Herbert Lohmann. Jeder von ihnen erscheint der Kripo verdächtig, doch für einen Nachweis fehlt bei allen dreien die Handhabe. Je genauer Arndt, Hübner und Subras hinschauen, desto verworrener wirkt das Geflecht aus Beziehungen rund um Sabine.
Für das Trio wird der Fall damit zur echten Geduldsprobe. Ein Täter, der wie ein Phantom durch die Nacht zieht, Zeugen, die sich vor lauter Angst an kaum etwas erinnern, und Verdächtige, denen nichts anzuhängen ist – mehr als einmal scheinen die Kriminalisten auf der Stelle zu treten. Bis sich in einem anderen Ort ein schweres Verbrechen ereignet, das den Ermittlungen im DDR-Krimi „Der Fensterstecher“ eine völlig unerwartete Richtung geben könnte …
Hinter den Kulissen
„Der Fensterstecher“ ist die 39. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und zugleich ihr letzter Schwarzweißfilm. Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt hier in seinem 18. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits in ihrem 28. und Meister Lutz Subras (Alfred Rücker) in seinem 22. Einsatz.
In der Rolle der Sabine Kroll ist Uta Schorn zu sehen, die drei Männer aus ihrem Umfeld spielen Hans-Joachim Leschnitz (Olaf Kähler), Friedhelm Eberle (Elmar Lange) und Michael Gwisdek (Herbert Lohmann). Der Leipziger Schauspieler Eberle wurde allerdings von Heinz Behrens nachsynchronisiert. Die couragierte Sidonie Berlepsch verkörpert Liselott Baumgarten.
Regie führte Hans Knötzsch, der gemeinsam mit Gerhard Stübe auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde vom 13. Januar bis zum 8. Februar 1976 in Leipzig, Oschatz, Radebeul und Moritzburg. Der Rummelplatz mit der HO-Kaufhalle im Hintergrund stand auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Radebeul-West, und der Wandplan im Büro der Kriminalisten zeigt einen Stadtplan von Leipzig, auf dem die Ortsteile Lindenau und Plagwitz gut zu erkennen sind.
Bei ihrer Erstausstrahlung erreichte die Folge eine Zuschauerbeteiligung von 54,7 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Meister Lutz Subras – Alfred Rücker
Sabine Kroll – Uta Schorn
Herbert Lohmann – Michael Gwisdek
Olaf Kähler – Hans-Joachim Leschnitz
Elmar Lange – Friedhelm Eberle (Stimme: Heinz Behrens)
Sidonie Berlepsch – Liselott Baumgarten
Frau Könnern – Gisela Morgen
Frau Kuntze – Friederike Aust
Herr Felgendreher – Gert Hänsch
Herr Mischalla – Rudolf Seiß
Hauptmann Bechler – Rudolf Donath
Kriminalist – Siegfried Pappelbaum
Nachbar – Georg Helge
Laborantin – Dagmar Dempe
Objektleiterin – Gisela Graupner
Reni – Jutta Liebster
Laborantin – Hanna Mönig
u. v. a.
Stab
Regie – Hans Knötzsch
Drehbuch – Hans Knötzsch, Gerhard Stübe
Produktion – Ralf Siebenhörl
Musik – Rolf Zimmermann
Kamera – Helmut Borkmann
Schnitt – Renate Müller, Brigitte Wolfram
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR


Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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