Kurz und knapp – darum geht’s
Im Sommer haben Maurer Hochkonjunktur: In den Vororten schießen Lauben und Bungalows aus dem Boden, und wer mit der Kelle umgehen kann, ist heiß begehrt. Auch Betriebsmaurer Kreutz packt am Wochenende regelmäßig sein Werkzeug ein und fährt aus der Stadt. Irgendwann wird er jedoch tot in der Umkleidekabine eines Strandbads gefunden. An einen Badeunfall mögen Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Wachtmeister Lutz Subras nicht recht glauben, denn die Obduktion wirft zu viele Fragen auf. Zuletzt gesehen wurde der Tote bei einem verdächtigen Materialtransport auf dem Gelände eines Betriebsferienheims, wo seit Längerem deutlich mehr Baustoffe verschwinden, als dort je verbaut wurden. Wohin ist das Material gewandert, und wer hat etwas davon …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Das letzte Wochenende“
Sechs Doppel-T-Träger sind von einer Rekonstruktionsbaustelle spurlos verschwunden, und Bauarbeiter Meisel denkt nicht daran, das schweigend hinzunehmen. Beim Bau ist Material übrig geblieben, und einige Kollegen haben beschlossen, die Überschüsse für den Ausbau des Betriebsferienheims Seehaus abzuzweigen. Das ist eine halblegale Angelegenheit, über die man auf dem Bau nicht viele Worte verliert. Meisel hat aber genauer hingesehen und festgestellt, dass im Seehaus erheblich weniger verbaut wird, als dort gelagert war. Wo also bleibt der Rest?
Ein guter Teil davon landet in einem privaten Bauprojekt. Bauleiter Jörg Hartmann lässt sich von Betriebsmaurer Kreutz, der seit Monaten am Seehaus arbeitet, unter der Hand Baustoffe von der Baustelle besorgen. Daraus entsteht an den Wochenenden ein eigenes Haus. Als Meisel anfängt nachzubohren, wird Hartmann der Boden zu heiß, und er tritt vorsichtshalber auf die Bremse. Die Arbeiten an seinem Haus sollen vorerst ruhen, und Kreutz soll am Wochenende nicht mit dem Fliesen des Badezimmers beginnen. Auch diese Fliesen hätten nämlich aus dem Seehaus geholt werden sollen.
Das Haus ist für Hartmann und seine Freundin Inge Pfeiffer gedacht, doch Inge ist mit ihrer Geduld längst am Ende. Seit zwei Jahren ist das Haus eine Baustelle, und ein Abschluss ist nicht in Sicht. Mindestens ebenso zermürbt sie, dass sich Hartmann einfach nicht dazu durchringen kann, sich von seiner Ehefrau scheiden zu lassen.
Am letzten Wochenende packt Kreutz wie gewohnt sein Werkzeug ein und fährt hinaus, und am Montag liegt er leblos in einer Umkleidekabine des Strandbads. Für Oberleutnant Hübner, Wachtmeister Subras und Leutnant Arndt beginnt im TV-Krimi „Das letzte Wochenende“ eine Ermittlung voller Ungereimtheiten. Die Obduktion ergibt eine Hirnblutung als Todesursache. Am Kopf des Toten findet sich eine Verletzung, die zunächst mit einem Pflaster versorgt worden war, doch dieses Pflaster fehlt inzwischen. Ein Sturz, nach dem Kreutz noch eine ganze Weile normal weitergelebt haben könnte, lässt sich als Ursache nicht ausschließen. Baden war er jedenfalls nicht: Kreutz konnte nicht schwimmen, und auf seiner Haut haften Staubpartikel.
Bei der Befragung macht Meisel aus seiner Abneigung gegen den Toten keinen Hehl. Kreutz habe Baumaterial gestohlen, der Verdacht sei ihm schon länger gekommen. Am Sonnabend will Meisel ihn sogar auf der Seehaus-Baustelle beobachtet haben, wie er Fliesen in ein Auto verlud. Wohin die Ladung gebracht wurde, kann er allerdings nicht sagen. So stehen die drei Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Das letzte Wochenende“ vor mehreren Rätseln. Da ist ein Mann, der im Strandbad gefunden wurde und doch nie im Wasser war, und eine Wunde, deren Pflaster jemand entfernt hat. Außerdem verliert sich die Spur einer Ladung Fliesen irgendwo vor den Toren der Stadt …
Hinter den Kulissen
„Das letzte Wochenende“ ist die 36. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es der 17. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ermittelt zum 27. Mal und Kriminal-Wachtmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) zum 19. Mal. In weiteren Rollen sind unter anderem Dieter Wien als Bauleiter Jörg Hartmann, Monika Woytowicz als Inge Pfeiffer und Justus Fritzsche als Betriebsmaurer Heinz Kreutz zu sehen.
Regie führte Hans Joachim Hildebrandt, der zusammen mit Hans Siebe auch das Drehbuch schrieb. Der Film greift mehrfach die Probleme bei der Verteilung knapper Ressourcen in der DDR auf, bis hin zu kleinen Tauschgeschäften rund um Baumaterial.
Gedreht wurde vom 20. Mai bis zum 7. Juli 1975 in Dessau, Berlin und Umgebung. In Dessau diente unter anderem die Kiesgrube Adria mit dem gleichnamigen Strandbad als Drehort. Die Kostüme entwarf Waltraud Damm, die Filmbauten stammen von Reinhard Welz. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 61,2 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Kriminal-Wachtmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Inge Pfeiffer, Hartmanns Freundin – Monika Woytowicz
Jörg Hartmann, Bauleiter – Dieter Wien
Heinz Kreutz, Betriebsmaurer – Justus Fritzsche
Arno Pfeiffer, Kellner – Klaus-Jürgen Steinmann
Peter Rusch, Kollege von Kreutz – Jörg Panknin
Beate Krüger – Gertrud Adam
Herr Meisel, Bauarbeiter – Bruno Carstens
Herr Wenzel – Berthold Schulze
Herr Reinhold – Peter Dommisch
Herr Brock – Hans-Ulrich Lauffer
Herr Bastian – Günther Ballier
Frau Bastian – Charlotte Freygang
Angler – Hans Knötzsch
Staatsanwalt – Klaus Mertens
Optikerin – Astrid Much
Abschnittsbevollmächtigter – Klaus Tilsner
Maurer – Erich Braun
Arbeiter – Günter Maass
u. v. a.
Stab
Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt, Hans Siebe
Produktion – Heinz Wennemers
Musik – Ciril Cibulka
Kamera – Tilmann Dähn
Schnitt – Bert Schultz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR



Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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