Kurz und knapp – darum geht’s
Rund drei Jahrzehnte hat Franz Werker hinter Gittern verbracht, weil er als Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft eine Frau wegen eines Brotes tötete. Nun ist er vorzeitig frei und soll in einer Brigade an der Ostsee wieder Tritt fassen – doch die meisten Kollegen begegnen ihm mit Argwohn. Nur Brigadeleiter Schacht und Frieda Kirsch, die einzige Frau in der Kolonne, schenken ihm Vertrauen. Frieda lädt Franz sogar zu sich nach Hause ein, vor den Augen der ganzen Mannschaft. Als er bei ihr eintrifft, ist sie tot. Für Oberleutnant Jürgen Hübner und Meister Lutz Subras scheint der Fall zunächst klar zu sein. Doch gerade die erdrückende Menge an Indizien lässt die Kriminalisten stutzig werden …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Der Mann“
Für Franz Werker endet eine halbe Ewigkeit hinter Gefängnismauern: Nach rund 30 Jahren wird der verurteilte Mörder vorzeitig entlassen und kehrt in sein Elternhaus an der Ostsee zurück. Was ihn einst die Freiheit kostete, ist kaum zu begreifen – drei Tage nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft hatte er eine Frau umgebracht, und das wegen eines Brotes. Die Mutter hat all die Jahre zu ihm gehalten und ihn regelmäßig in der Haft besucht. Ganz anders der Vater: Verbittert wollte er den Sohn nie wiedersehen, und nun, da Franz wieder unter seinem Dach lebt, geht er ihm aus dem Weg.
Den Weg zurück in die Gemeinschaft soll Franz über die Arbeit finden, in einer Brigade unter der Leitung von Hannes Schacht. Leicht machen es ihm die neuen Kollegen nicht: Die meisten beäugen den Neuen mit unverhohlenem Misstrauen. Rückhalt findet er nur beim Brigadeleiter und bei Frieda Kirsch, der einzigen Frau im Trupp. Auch mit Heiner kommt Franz halbwegs zurecht – einem bequemen Zeitgenossen, der sich vor der Arbeit gern drückt und sich selbst für einen Lebenskünstler hält.
Frieda ist es auch, die Franz Mut macht. Sie drängt ihn, sich selbst mehr zuzutrauen, und verhehlt kaum, dass sie ihn mag. Bei einer Fahrradtour lädt sie ihn vor versammelter Brigade zu sich ein, um gemeinsam ein Fußballspiel im Fernsehen anzuschauen. Am verabredeten Tag kauft Franz Pralinen und radelt zu ihr. Doch auf sein Klingeln öffnet niemand, obwohl drinnen der Fernseher lärmt. Er betritt die Wohnung und findet Frieda leblos im Wohnzimmer – erschlagen. Statt die Polizei zu alarmieren, ergreift er die Flucht und betrinkt sich in einer Kneipe. Er weiß nur zu gut, wen man als Ersten verdächtigen wird: den ehemaligen Zuchthäusler.
Tatsächlich nehmen Oberleutnant Jürgen Hübner, Meister Lutz Subras und ihre Leute zunächst genau ihn ins Visier. Franz macht es ihnen auch nicht schwer, denn als die Polizei auf der Baustelle auftaucht, versucht er davonzulaufen. Seine Fuß- und Fingerspuren finden sich an Friedas Wohnungstür und im Flur. Und doch werden die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Der Mann“ gerade deshalb hellhörig: Zu viele Hinweise zeigen allzu bequem in eine Richtung, und dass Franz über den Flur hinausgekommen ist, lässt sich nicht beweisen.
Die Ermittlungen geraten ins Stocken, und im Ort wächst die Unruhe. Für viele Einwohner steht längst fest, wer Frieda auf dem Gewissen hat, und sie fühlen sich von dem Entlassenen bedroht. Auch Hübners Vorgesetzter Major Wagner beginnt zu zweifeln, ob sein Oberleutnant dem Fall gewachsen ist. Hübner lässt sich nicht beirren, durchleuchtet systematisch das Umfeld der Toten und spricht mit jedem, der Frieda auch nur flüchtig kannte. Von einer Bekannten erfährt er schließlich Erstaunliches: Frieda hatte 24.000 Mark im Lotto gewonnen und das Geld nie angerührt, sondern daheim aufbewahrt. In ihrer Wohnung jedoch fehlt davon jede Spur.
Damit gibt es im DDR-Krimi „Der Mann“ plötzlich ein handfestes Motiv – und neuen Druck: Auf Wagners Drängen ordnet Hübner eine Durchsuchung bei den Werkers an. Und während die Polizisten dort jeden Winkel durchkämmen, keimt in Franz ein Verdacht, der sich gegen jemanden aus seiner eigenen Brigade richtet …
Hinter den Kulissen
„Der Mann“ ist die 30. Folge der Reihe und der 13. Fall für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) und Meister Lutz Subras (Alfred Rücker). Im Mittelpunkt steht der Haftentlassene Franz Werker (Fred Düren), Barbara Dittus spielt seine Kollegin Frieda Kirsch. Nach „Vorbestraft“ (1973) war es der zweite Polizeiruf, der sich mit der Resozialisierung von Straftätern befasste. Deutliche Anleihen nimmt der Film beim sowjetischen Werk „Kalina Krassnaja – Roter Holunder“, das 1974 erstmals in der DDR zu sehen war: Die ersten Szenen zitieren dessen Anfang, und auch dort versucht ein verurteilter Mörder, nach der Entlassung in einer abgelegenen Gegend in der Gesellschaft Fuß zu fassen.
Regie führte Manfred Mosblech, der gemeinsam mit Horst Bastian auch das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde vom 10. September bis zum 1. November 1974 in Bad Doberan, Bergen auf Rügen und Caputh. Die Anfangsszenen spielen in Rostock, wo Franz Werker unter anderem den Sieben-Schwestern-Brunnen betrachtet. Die Kostüme entwarf Christel Richter, die Filmbauten stammen von Britta Bastian.
Beim Fußballspiel, das im Film über den Bildschirm flimmert, handelt es sich um eine Aufzeichnung des Rückspiels im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger zwischen dem 1. FC Magdeburg und Sporting Lissabon vom 24. April 1974, kommentiert von Heinz Florian Oertel. Die Zuschauerbeteiligung bei der Erstausstrahlung lag bei 61,9 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Meister Lutz Subras – Alfred Rücker
Major Wagner – Hans Lucke
Franz Werker – Fred Düren
Frieda Kirsch – Barbara Dittus
Brigadeleiter Hannes Schacht – Dietmar Richter-Reinick
Heiner Krüger – Peter Dommisch
Hermann Voß – Fritz Bartholdt
Frau Voß – Erika Müller-Fürstenau
Mutter Werker – Marga Legal
Vater Werker – Gerhard Bienert
Frau Fechner – Annelise Matschulat
Frau Krüger – Else Wolz
Frau Hübner – Susanne Peters
Staatsanwalt Hellsheimer – Wilhelm Koch-Hooge
Jürgen – Gerd Blahuschek
Wolfgang – Michael Narloch
Otto – Gerhard Lau
Nachbarin – Marion Wiegmann
Mitarbeiter der K – Jürgen Juhnke
Kriminaltechniker – Freimut Götsch
Gerichtsmediziner – Hans-Ulrich Lauffer
Hauptmann der K – Klaus Gehrke
u. v. a.
Stab
Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – Manfred Mosblech, Horst Bastian
Produktion – Hans W. Reichel
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Günter Eisinger
Schnitt – Margrit Schulz
Kostüm – Christel Richter
Filmbauten – Britta Bastian
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR


Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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