Kurz und knapp – darum geht’s

Eine nächtliche Tour endet für Kurt Großmann im Krankenhaus: Vor einer Baustelle wird der Taxifahrer überfallen, flieht vor seinen Angreifern und stürzt vom Balkon eines Rohbaus. Sein Geld ist verschwunden, er selbst schwer verletzt. Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Meister Lutz Subras haben es mit einem Fall zu tun, der verworrener ist, als er zunächst wirkt, denn offenbar war in jener Nacht noch jemand am Tatort. Als Hübner in Großmanns Vergangenheit gräbt, gerät der junge Uwe Kersten ins Blickfeld: Der Taxifahrer hatte ihn einst nach einer Fahrerflucht mit einem gestohlenen Wagen verfolgt und gestellt. Hat da jemand eine alte Rechnung beglichen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Nachttaxi“

Nacht in der Großstadt, ringsum halbfertige Neubauten: Vor einer Baustelle hält ein Taxi, und gerade als Kurt Großmann kassieren will, zerrt ihn ein vermummter Mann aus dem Wagen und schlägt mit einem Ochsenziemer auf ihn ein. Großmann rettet sich in den Rohbau, doch sein Angreifer bleibt ihm dicht auf den Fersen. Auf der Flucht stürzt der Fahrer von einem ungesicherten Balkon in die Tiefe. Ein anonymer Anruf alarmiert die Polizei, die den Mann schwer verletzt am Boden findet – von seinen Einnahmen keine Spur.

Für die Kriminalpolizei beginnt eine mühsame Rekonstruktion. Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Meister Lutz Subras finden heraus, dass Großmann vor der Tat in seiner Stammkneipe Pause gemacht und danach eine Frau als Fahrgast aufgenommen hatte. Wer die Unbekannte ist, kann vorerst niemand sagen. Am Tatort sichern die Beamten neben der Schlagwaffe eine zurückgelassene Tasche, deren Inhalt auf einen Bühnenarbeiter hindeutet – ein erster Anhaltspunkt, dem die Kriminalisten im Polizeiruf 110 „Nachttaxi“ nachgehen.

Schnell zeigt sich allerdings, dass hier mehr dahintersteckt als ein gewöhnlicher Raubüberfall. Nach der Attacke muss nämlich noch eine weitere Person an der Baustelle aufgetaucht sein, die sich das Geld des Verletzten eingesteckt hat. Für Hübner und sein Team bedeutet das: Spuren, die sich überlagern, und eine Tatnacht mit mehr Beteiligten als gedacht.

Der Oberleutnant richtet den Blick deshalb auf das Opfer selbst – und stößt auf eine Geschichte, die Großmann schon einmal mit der Polizei in Berührung gebracht hat. Damals hatte ein Jugendlicher mit einem gestohlenen Wartburg nach einem Unfall Fahrerflucht begangen. Der Taxifahrer, der die Szene beobachtet hatte, nahm kurzerhand die Verfolgung auf und stellte den jungen Mann.

Der Jugendliche von einst heißt Uwe Kersten, und für ihn hatte die Sache harte Konsequenzen: ein Jahr Jugendarrest und der Rauswurf von der Schule, kurz bevor er sein Abitur in der Tasche gehabt hätte. Inzwischen lernt Uwe in einem Betrieb das Mechanikerhandwerk und hat sich dort bislang bewährt. Doch ist er mit dem Mann, der ihn damals zur Strecke brachte, wirklich fertig? Für die fragliche Zeit gibt er an, mit seinen Eltern ein Konzert besucht zu haben. Im DDR-Polizeiruf „Nachttaxi“ machen sich die Ermittler daran, dieses Alibi gründlich zu überprüfen.

Daneben bleibt das ungewöhnliche Tatwerkzeug ein Rätsel: Wem gehört der Ochsenziemer, und wie ist er in die Hände des Angreifers gelangt? Je länger Hübner, Arndt und Subras ermitteln, desto drängender wird die Frage, ob der Überfall einem beliebigen Taxifahrer galt – oder ob jemand ganz gezielt auf Kurt Großmann gewartet hat …

Hinter den Kulissen

„Nachttaxi“ ist die 29. Folge der Reihe. Für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ist es bereits der 24. Fall, Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) und Meister Lutz Subras (Alfred Rücker) ermitteln zum zwölften Mal. Regie führte Werner Röwekamp, der gemeinsam mit Hans Siebe auch das Drehbuch schrieb.

Gedreht wurde vom 20. Mai bis zum 20. Juni 1974 in Berlin, Leipzig, Meißen, Niesky und Dresden. Für die Eingangsszene, eine Aufführung von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“, diente der Spiegelsaal von Schloss Rammenau als Kulisse. Die Go-Kart-Szene entstand auf einem Bauhof des BMK Kohle und Energie in der Mohorner Straße in Dresden-Löbtau, eine Szene im Kuhstall im damaligen Ausbildungsbetrieb für Zootechniker in Altroßthal – im Hintergrund führen dort Lehrlinge Milchkühe vorbei. Die Kostüme schuf Ruth Völker, die Filmbauten stammen von Hans Völker.

Zu hören ist außerdem die Coverversion von „Hell Raiser“ durch die Puhdys; das englischsprachige Original von The Sweet war 1973 ein Nummer-eins-Hit beim „Klassenfeind“. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 56,3 Prozent.

Musik

Wolfgang Amadeus Mozart – Eine kleine Nachtmusik
Puhdys – Hell Raiser

Besetzung

Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Meister Lutz Subras – Alfred Rücker
Jutta Kersten – Thea Elster
Bruno Kersten – Harry Pietzsch
Birgit Kersten – Viola Schweizer
Uwe Kersten – Ralph Christof
Kurt Großmann, Taxifahrer – Rudolf Donath
Willi Runge – Wolfgang Häntsch
Rudi Markwart – Bodo Wolf
Lucie Hinkel – Traute Richter
Herr Hinkel, Bühnenarbeiter – Rudolf Ulrich
Herr Kunze – Bert Brunn
Frau Zech – Gerti Eichler
Herr Schneidewind – Peter Hölzel
Herr Lachmann – Willi Liebau
Heinrich – Richard Stamm
Arzt – Wilfried Weschke
Tierpfleger – Thomas Thieme
Kriminalist – Freimut Götsch
Mechaniker – Lothar Krompholz
u. v. a.

Stab

Regie – Werner Röwekamp
Drehbuch – Werner Röwekamp, Hans Siebe
Produktion – Ralf Siebenhörl
Musik – Rainer Hornig
Kamera – Rolf Sohre
Schnitt – Susanne Carpentier
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR