Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Überfall am helllichten Tag reißt das Rostocker Ermittlerduo auseinander: Zwei Männer in Polizeiuniform stoppen einen Gefangenentransporter, holen den Häftling Kevin Schulz heraus und schlagen ihn brutal nieder. Als Kriminalhauptkommissar Alexander Bukow und LKA-Beamtin Katrin König am Tatort eintreffen, ist Schulz bereits tot – und kurz darauf fallen Schüsse. König wird lebensgefährlich getroffen und ins künstliche Koma versetzt. Bukow muss nun ohne seine Partnerin auskommen und wird von Schuldgefühlen geplagt, weil er sie nicht gesichert hat. Ein ähnlicher Überfall vor fünf Jahren lenkt seinen Verdacht auf einen Zuhälter und einen Drogendealer, denen schon damals nichts nachzuweisen war. Doch auch diesmal fehlen die Beweise – und Bukow droht, bei seiner Jagd auf die Täter selbst die Beherrschung zu verlieren …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Einer trage des anderen Last“
Die beiden Männer, die mitten am Tag einen Gefangenentransporter überfallen, tragen Polizeiuniform. Mit dem Gesetz haben sie allerdings nichts im Sinn. Sie holen den Insassen Kevin Schulz aus dem Wagen, doch eine Flucht in die Freiheit wird daraus nicht: Statt mit ihm zu verschwinden, schlagen die falschen Polizisten ihren Gefangenen brutal nieder. Als Alexander Bukow und Katrin König am Tatort ankommen, lebt Schulz nicht mehr. Ein Detail macht die Tat noch rätselhafter: In zwei Monaten hätte der Häftling seine Strafe ohnehin abgesessen gehabt. Warum also dieser Aufwand, wenn die Täter ihn am Ende nur aus dem Weg räumen wollten?
Lange bleibt keine Zeit zum Nachdenken. König bemerkt eine Bewegung im Gebüsch, zieht ihre Waffe und stürmt los – so schnell, dass ihr Kollege gar nicht reagieren kann. Dann fallen Schüsse. Die LKA-Beamtin wird lebensgefährlich verletzt, im Krankenhaus versetzen die Ärzte sie in ein künstliches Koma. Ihr Zustand ist kritisch. Für Bukow beginnt damit im Polizeiruf 110 „Einer trage des anderen Last“ ein doppelter Albtraum: Er hat nicht bemerkt, dass die Täter noch in der Nähe waren, und wirft sich vor, seine Partnerin nicht gedeckt zu haben.
Also stürzt sich der Hauptkommissar in die Ermittlungen, als könne er damit etwas wiedergutmachen. Von den Fahrern des Transporters erfährt er, dass Schulz finanziell gut dastand und beste Verbindungen nach draußen pflegte. Kriminalkommissar Volker Thiesler gräbt derweil in alten Akten und stößt auf einen Fall, der fünf Jahre zurückliegt: Damals traf es in Rostock keinen Gefangenen-, sondern einen Geldtransporter – nach genau demselben Muster.
Schon seinerzeit gerieten der Zuhälter Fred Hansen und der Drogendealer Mirco Lewandowski in Verdacht, doch nachweisen ließ sich ihnen nichts. Bemerkenswert findet Bukow vor allem eines: Beide haben Kevin Schulz mehrfach in der Justizvollzugsanstalt besucht. An einen Zufall mag er da nicht glauben, und so behält er das Duo fortan genau im Blick. Nur reicht ein Bauchgefühl vor Gericht eben nicht, und handfeste Beweise sind weit und breit nicht in Sicht. Auch Jessica, die Schwester des Getöteten, macht es den Ermittlern nicht leicht – sie hält sich mit Auskünften auffallend zurück.
Ohne Königs besonnenen Blick bewegt sich Bukow im NDR-Polizeiruf „Einer trage des anderen Last“ durch ein Milieu, in dem ein rauer Ton und ständige Gewaltbereitschaft zum Alltag gehören. Gemeinsam mit seinen Kollegen Thiesler und Anton Pöschel klappert er Kneipen, Hinterhöfe und Gefängnisflure ab. Doch die Wut über den Angriff auf seine Partnerin frisst sich immer tiefer in ihn hinein. Bukow droht, schubst, teilt auch mal einen Fausthieb aus und bewegt sich damit gefährlich nah an einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Und während König reglos im Krankenhausbett liegt, stellt sich zunehmend die Frage, wie weit ihr Kollege noch gehen wird, um die Täter zu überführen …
Hinter den Kulissen
„Einer trage des anderen Last“ ist die 325. Folge der Reihe und der fünfte gemeinsame Fall für Kriminalhauptkommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) und LKA-Beamtin Katrin König (Anneke Kim Sarnau). Dass König diesmal fast ausschließlich im Krankenhausbett zu sehen ist, hat einen realen Hintergrund: Ihre Darstellerin war während der Dreharbeiten schwanger. Die wichtigsten Gastrollen spielen Christian Ehrich, Hans Löw, Maria Kwiatkowsky und Gerdy Zint.
Für Maria Kwiatkowsky, die Jessica Schulz verkörpert, war es der letzte Filmauftritt. Die Schauspielerin starb am 4. Juli 2011.
Das Drehbuch stammt von Eckhard Theophil, dessen eigener Lebensweg ungewöhnlich ist: Als 18-Jähriger kam er in den Jugendstrafvollzug, später verbüßte er wegen schweren Raubes eine achtjährige Haftstrafe und holte in dieser Zeit mittlere Reife und Fachhochschulreife nach. Nach seiner Entlassung studierte er Pädagogik, arbeitete 15 Jahre als Sozialarbeiter, machte sein Diplom als Kriminologe und besuchte von 1992 bis 1994 die Drehbuchklasse von Peter Steinbach. Regie führte Christian von Castelberg, produziert wurde der Film von Filmpool Fiction im Auftrag des NDR.
Die Erstausstrahlung verfolgten 7,38 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei 19,7 Prozent.
Besetzung
Kriminalhauptkommissar Alexander Bukow – Charly Hübner
Katrin König, LKA – Anneke Kim Sarnau
Anton Pöschel – Andreas Guenther
Kriminalkommissar Volker Thiesler – Josef Heynert
Henning Röder – Uwe Preuss
Peter Dörner, Vollzugsbeamter – Christian Ehrich
Fred Hansen, Zuhälter – Hans Löw
Jessica Schulz, Schwester von Kevin Schulz – Maria Kwiatkowsky
Mirco Lewandowski, Drogendealer – Gerdy Zint
Rita Kemper – Beate Prahl
Jacob Stronach – Hendrik Arnst
Mannheimer – Uwe Dag Berlin
Vivian Bukow – Fanny Staffa
Veit Bukow – Klaus Manchen
Hans Reischke – Christian Koch
Gundula, Sozialarbeiterin – Annette Uhlen
Krankenschwester – Christina Geiße
Frau Dörner – Karolina Petrossian
Rudi Schulz – Jens Weisser
u. v. a.
Stab
Regie – Christian von Castelberg
Drehbuch – Eckhard Theophil
Produktion – Iris Kiefer
Musik – Ralf Wienrich, Eckhart Gadow
Kamera – Martin Farkas
Schnitt – Dagmar Lichius
Produktionsunternehmen – Filmpool Fiction, im Auftrag des NDR















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