Kurz und knapp – darum geht’s
Ein Säugling, gerade einmal zehn Tage alt, verschwindet am helllichten Tag samt Kinderwagen vor einem Tapetenladen, und niemand hat etwas gesehen. Für Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Kriminalmeister Lutz Subras beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Baby soll so schnell wie möglich gesund zu seiner Mutter Hannelore Jentsch zurückkehren. Ein Motiv ist nicht in Sicht: Die Familie hat weder Feinde noch Geld, mit dem sich jemand erpressen ließe. Arndt muss für den Einsatz ihren Urlaub verschieben, Subras hat eine aus der Psychiatrie geflohene Patientin im Verdacht. Und je tiefer die Kriminalisten in das Privatleben einiger Bürger eindringen, desto mehr Fragen tun sich auf …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Fall ohne Zeugen“
Zwei Frauen, ein Krankenzimmer, zwei Neugeborene: Die 35-jährige Maria Sander bringt in der Klinik ihr erstes Kind zur Welt, ihre Zimmernachbarin Hannelore Jentsch bereits den vierten Sohn. Dass es schon wieder ein Junge geworden ist, sorgt bei Ehemann Harald für lange Gesichter. Er hatte nämlich fest auf ein Mädchen gehofft.
Weitaus komplizierter liegen die Dinge bei Maria Sander. Der Vater ihres Kindes, Wolfgang Pressler, ist verheiratet, und zwar nicht mit ihr. Nun will er seine Frau Gisela verlassen, um mit Maria und dem Baby eine Familie zu gründen. Über die Seitensprünge ihres Mannes hat Gisela bislang großzügig hinweggesehen, doch diesmal ahnt sie, dass es ihm ernst ist. Kampflos aufgeben will sie ihre Ehe allerdings nicht.
Zehn Tage nach der Geburt ist Hannelore Jentsch mit dem Kinderwagen unterwegs. Vor einem Tapetenladen stellt sie ihn mitsamt dem kleinen Uwe kurz ab, und als sie nach wenigen Minuten wieder auf die Straße tritt, ist er verschwunden. Die übrigen Kunden halten das Ganze zunächst für einen schlechten Scherz, bis allen klar wird: Das Baby ist entführt worden. Im Polizeiruf 110 „Fall ohne Zeugen“ übernehmen Oberleutnant Jürgen Hübner und Kriminalmeister Lutz Subras die Ermittlungen.
Zur Verstärkung wird auch Leutnant Vera Arndt hinzugezogen – ausgerechnet in dem Moment, in dem sie mit Mann und Kindern in die Ferien aufbrechen will. Die Familie fährt also ohne sie los, und Arndt verspricht, in ein paar Tagen nachzukommen.
Viel haben die Ermittler nicht in der Hand. Zeugen der Tat gibt es keine, und der blaue Kinderwagen ist ein weit verbreitetes Modell. Auch ein Motiv will sich nicht finden: Die Jentschs haben sich keine Feinde gemacht, und ein Vermögen, das einen Erpresser anlocken könnte, besitzen sie ebenfalls nicht. Subras hat schnell eine Verdächtige im Blick, eine aus der Psychiatrie entwichene Patientin, die nicht weit von der Familie entfernt gewohnt hat. Doch von der Frau fehlt jede Spur. Vera Arndt setzt auf eine andere Überlegung: Weil der Säugling noch gestillt wird, muss er bald hungrig werden und mit lautem Schreien auf sich aufmerksam machen.
Die Volkspolizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe, freiwillige VP-Helfer halten die Augen offen, und wer mit einem Kinderwagen durch die Straßen geht, muss damit rechnen, sich ausweisen zu müssen. Jede Stunde zählt im TV-Krimi „Fall ohne Zeugen“. Und während die Kriminalisten Tür um Tür abklappern, stoßen sie in den Wohnungen und Lebensgeschichten der Menschen auf Dinge, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten …
Hinter den Kulissen
„Fall ohne Zeugen“ ist die 32. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ermittelt hier in seinem 14. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) bereits zum 25. Mal und Kriminalmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) zum 15. Mal. Bei der Erstausstrahlung lag die Zuschauerbeteiligung bei 58 Prozent.
Für Regisseur Roland Oehme gehört der Film zu seinen wenigen ernsten Arbeiten fürs Fernsehen. Schauspieler Edwin Marian schrieb hier zum einzigen Mal ein Drehbuch für den Polizeiruf und dachte sich dabei selbst die Rolle des Wolfgang Pressler zu.
Gedreht wurde vom 16. Dezember 1974 bis Februar 1975 in Berlin, unter anderem in Friedrichshain (Warschauer Straße mit dem Eingang zum S-Bahnhof sowie am Ostbahnhof), in Weißensee (Park am Weißen See) und in Mitte (Schleuse am Mühlendamm und Hochhaus Fischerinsel 1).
Ein kleiner Filmfehler blieb in der fertigen Fassung erhalten: Mehrfach wird Kriminalmeister Subras mit „Alfred“ angesprochen, dem Vornamen seines Darstellers Alfred Rücker – einmal von Oberleutnant Hübner, später auch von Kindern, die bei der Suche helfen.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Kriminalmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Leutnant Kurt Böhm, Abschnittsbevollmächtigter – Helmut Schellhardt
Oberstleutnant Müller – Harry Pietzsch
Maria Sander – Ursula Werner
Hannelore Jentsch – Gudrun Ritter
Harald Jentsch – Fritz Bartholdt
Wolfgang Pressler – Edwin Marian
Gisela Pressler – Karin Gregorek
Brigitte Riedel – Evelin Heidenreich
Kurt Dierich – Winfried Glatzeder
Harri Knopp – Walter Lendrich
Herbert Arndt – Reinhard Michalke
Elli Lehmann – Gertrud Brendler
Krankenschwester Monika – Brigitte Scholz
Rudi – Egon Geißler
Gerd – Gerald Hujer
Krankenschwester – Christl Jährig
junge Frau – Sonja Deutsch
ältere Frau – Wiebke Fuhrken
älterer Mann – Hans Bergermann
VP-Helfer – Wilfried Pucher
VP-Helfer – Harry Merkel
Einsatzleiter der VP – Klaus-Jürgen Steinmann
VP-Posten am Ostbahnhof – Peter Heiland
Drucker – Georg Helge
Sekretärin – Heidrun Polack
Mann vorm Hochhaus – Erich Breese
alter Mann – Peter Sturm
Fahrer Funkstreifenwagen – Alexander Leuschen
K-Techniker – Peter Kalisch
Arzt – Werner Riemann
Friedhofsverwalter – Walter Bechstein
Ärztin der Medizinischen Hilfe – Kerstin Sanders-Dornseif
Verkaufsstellenleiterin – Ursula Mundt
Drucker – Gerhard Hellbardt
Zimmerwirtin – Gerda Waldmann
junge Frau mit Kind – Hedi-Madeleine Hartung
u. v. a.
Stab
Drehbuch – Edwin Marian, Hans-Jürgen Kruse, Roland Oehme
Regie – Roland Oehme
Kamera – Hans-Jürgen Kruse
Schnitt – Gerti Gruner
Kostüm – Helga Dürwald
Filmbauten – Rose-Marie Kaufmann
Musik – Karl-Ernst Sasse
Produktion – Peter Jährig
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR









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