Kurz und knapp – darum geht’s
Ausgerechnet am Silvesterabend erscheint ein Mann in Bühnenkostüm und schwer betrunken in der Dienststelle von Oberleutnant Jürgen Hübner: Dietmar Schuchard, Zauberkünstler mit großen Träumen und bescheidenem Talent, will an Heiligabend seine Frau Liane im Streit getötet haben. In der Wohnung des Paares stoßen die Ermittler zwar auf Blutspuren, eine Leiche aber gibt es nicht, und Schuchards Selbstbezichtigung hält der Überprüfung nicht stand. Liane bleibt verschwunden, bis man sie schließlich tot auffindet, weit weg von zu Hause, in ihrem Heimatdorf Wernrode. Dort lebt und arbeitet ein Mann, der ihr einmal sehr nahestand: ihr früherer Verlobter Helfried Wipperling, dem Schuchard die Frau einst ausgespannt hat …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „In Maske und Kostüm“
Während andere das neue Jahr begrüßen, schiebt Oberleutnant Jürgen Hübner Silvesterdienst – und bekommt einen Besucher, wie ihn die Wache noch nicht gesehen hat. Geschminkt und im Kostüm, offenbar direkt von der Bühne weggelaufen, steht der Illusionist Dietmar Schuchard vor ihm. Er hat kräftig getrunken, doch seine Botschaft ist unmissverständlich: Zu Weihnachten habe er seine Frau umgebracht. Viel mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen, denn kurz darauf bricht der Mann zusammen und muss ins Krankenhaus gebracht werden.
Die Wohnung der Schuchards bietet ein seltsames Bild. Seit den Feiertagen scheint niemand mehr dort gewesen zu sein, Blutspuren deuten auf einen heftigen Streit hin – doch von Liane Schuchard keine Spur. Als Dietmar nach drei Tagen entlassen wird, bleibt er vor den Kriminalisten bei seiner Aussage. Am Heiligabend sei es zum Krach gekommen, weil er für 5.000 Mark den Nachlass eines verstorbenen Zauberers gekauft hatte. Das Geld wollte er sich ausgerechnet bei Helfried Wipperling leihen, jenem Mann, dem er Liane einst ausgespannt hatte und der deshalb nicht allzu gut auf ihn zu sprechen ist.
Nach und nach entsteht das Bild einer zerrütteten Ehe. Schuchard ist eigentlich gelernter Friseur, als Zauberer bekommt er nur selten ein festes Engagement und lebt trotzdem auf großem Fuß. Liane, ebenfalls Friseurin, stand früher als Assistentin mit ihm auf der Bühne, kehrte dann aber in ihren alten Beruf zurück und versuchte seither vergeblich, ihren Mann von der brotlosen Kunst abzubringen. An jenem Abend trug sie eine teure Kette, die sie sich selbst gegönnt hatte. Dietmar witterte einen Liebhaber, Liane warf ihm im Zorn Helfrieds Namen an den Kopf – und Schuchard schlug nach eigener Schilderung so lange auf sie ein, bis sie sich nicht mehr rührte. Danach floh er aus der Wohnung und kam bei einem Freund unter. Als er nun hört, dass seine Frau gar nicht dort lag, wirkt er regelrecht erleichtert.
Hübner beginnt zu zweifeln, ob er es im Polizeiruf 110 „In Maske und Kostüm“ überhaupt mit einem Verbrechen zu tun hat. Vielleicht hat sich Liane nach dem Streit einfach abgesetzt, und der Selbstbezichtigung liegt nur ein vom Alkohol vernebelter Kopf zugrunde? Doch dann kommt die Nachricht, die alle Spekulationen beendet: In einem ausrangierten Bahnwaggon in Wernrode, dem Heimatdorf der Vermissten, wird ihre Leiche entdeckt.
Damit stellt sich eine ganz neue Frage – wie ist die verletzte Frau überhaupt dorthin gelangt? Hübner versucht, Lianes letzte Stunden zu rekonstruieren, und befragt die Männer in ihrem Umfeld: Helfried Wipperling, der in der Nähe des Fundorts lebt und arbeitet, und den Raubtierdompteur Stefan Marwitz, mit dem Liane gut befreundet war. Im TV-Krimi „In Maske und Kostüm“ richtet sich der Verdacht bald auf den verschmähten Ex-Verlobten. Doch was hat sich in jener Weihnachtsnacht tatsächlich abgespielt …
Hinter den Kulissen
Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es der 23. Fall, für die Krimireihe insgesamt die 53. Folge. Dieter Wien spielt den Zauberkünstler Dietmar Schuchard, Renate Blume seine Frau Liane. In weiteren Rollen sind Dieter Bellmann als Helfried Wipperling und Horst Schulze als Stefan Marwitz zu sehen.
Hans Joachim Hildebrandt führte Regie und schrieb auch das Drehbuch. Gedreht wurde vom 25. Oktober bis zum 11. Dezember 1977 unter dem Arbeitstitel „Eine alte Geschichte (Die Volte)“ in Schierke, Wernigerode und Magdeburg; einige Bahnhofsszenen entstanden an den Stationen Drei Annen Hohne und Gernrode. Die Kostüme entwarf Helga Alschner, die Filmbauten stammen von Jürgen Malitz.
Bei der Erstausstrahlung im 1. Programm des Fernsehens der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 50,3 Prozent.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Unterleutnant Gerhard Schramm – Bert Brunn
Unterleutnant Günter Heinze – Bernd Vorpahl
Kriminalmeister Weschke – Roland Holz
Dietmar Schuchard, Zauberkünstler – Dieter Wien
Liane Schuchard, Friseurin – Renate Blume
Helfried Wipperling – Dieter Bellmann
Stefan Marwitz, Raubtierdompteur – Horst Schulze
Monika Marwitz – Kerstin Sanders
Wanda Büst – Traute Sense
Lutz Schönauer – Fred Alexander
Max Kräft – Jan Franz Krüger
Herr Retzlaff – Hansjoachim Beygang
Sybille – Lilo Grahn
Jenny – Jenny Sperlich
Rudolfo – Rudi Sperlich
Inspizientin – Renate Goerdes
Direktorin – Adelheid Hein
Rangierer – Wolfram Sense
Adelheid Wilbrot, Rentnerin – Ruth Kommerell
u. v. a.
Stab
Regie – Hans Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans Joachim Hildebrandt
Produktion – Ralf Siebenhörl
Musik – Lothar Kehr
Kamera – Franz Ritschel
Schnitt – Karola Mittelstädt
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR








Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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