Tatort Folge 569: Odins Rache

Kurz und knapp – darum geht’s

Ein Scharfschütze erschießt in Köln aus 300 Meter Entfernung einen Neonazi auf offener Straße. Das Opfer war in einen vier Jahre zurückliegenden Brandanschlag verwickelt, bei dem die Eltern der Geschwister Ayda und Özgur Aydin ums Leben kamen. Als kurz darauf ein zweiter Neonazi erschossen wird, der ebenfalls wegen des Brandanschlags angeklagt, aber freigesprochen wurde, beginnt für die Kommissare Ballauf und Schenk ein komplexer Fall. Die Ermittler müssen sich nicht nur mit einer undurchsichtigen Verfassungsschutz-Beamtin und ihrem zwielichtigen V-Mann auseinandersetzen, sondern auch die dritte Beschuldigte von damals, Astrid Gehrmeier, vor einem möglichen Anschlag schützen…

Inhalt der Tatort-Folge „Odins Rache“

Am helllichten Tag wird Michael Wimmer, ein Mann mit kahl geschorenem Kopf und Springerstiefeln, von einem Scharfschützen getötet. Die ersten Ermittlungen von Max Ballauf und Freddy Schenk zeigen: Der Skinhead war das Musterbeispiel eines „stolzen Deutschen“, der trotz des Hausverbots durch seinen Vater und der Versuche seiner Mutter, ihn umzustimmen, seiner rechtsradikalen Gesinnung treu blieb.

Noch während die Ermittler erste Spuren verfolgen, wird Torsten Schrader, ein weiterer Neonazi, auf die gleiche Weise getötet. Beide Opfer waren in einen Brandanschlag verwickelt, bei dem vor vier Jahren die türkische Familie Aydin ums Leben kam. Während Schrader damals mangels Beweisen freigesprochen wurde, erhielt der Haupttäter Kurt Keller eine lebenslange Haftstrafe.
Die Spur führt zu Ayda Aydin, die ein Kebab-Restaurant betreibt und ihre Eltern bei dem Anschlag verlor. Während Ballauf die Türkin aufsucht, wird er Zeuge und Opfer eines brutalen Überfalls durch Neonazis auf ihr Lokal. Trotz seiner Verletzungen ermittelt er weiter – nun sogar vom Krankenbett aus, das er sich vor seinen Schreibtisch karren lässt und wo ihn Assistentin Franziska Lüttgenjohann pflegt.

Schenk schaltet den Verfassungsschutz ein und trifft, getarnt in Bomberjacke, den V-Mann „Olaf“. Dieser deutet an, dass selbst der inhaftierte Haupttäter Kurt Keller aus dem Gefängnis heraus noch Macht ausübt. Die Ermittler prüfen auch Özgur Aydin als möglichen Täter, doch dieser war zur Tatzeit nachweislich im Afghanistan-Einsatz bei der Bundeswehr.
Eine weitere Spur führt zum Rechtsanwalt Helmut Hartmann, Vorsitzender der neonazistischen Partei NRA, der die erschossenen Neonazis beim Brandprozess verteidigte. Bei ihm versteckt sich die gesuchte Astrid Gehrmeier, die sich vom unauffälligen Mädchen von nebenan zur überzeugten Rechtsradikalen gewandelt hat. Ihre Geschichte ist besonders tragisch: Ohne Zukunftsperspektive säuft sie sich mit ihren falschen Freunden fast tot.

Die undurchsichtige Verfassungsschutz-Beamtin Ute Meier-Brinkmann schwört auf ihren V-Mann „Olaf“. Mit seiner Hilfe gelingt es dem Verfassungsschutz sogar, eine von Keller aus dem Gefängnis organisierte Waffenlieferung sicherzustellen und Hartmann festzunehmen. Doch Ballauf und Schenk kommen immer mehr Zweifel an der Rolle des V-Manns.

Hinter den Kulissen

Die Dreharbeiten zum WDR-Tatort fanden vom 11. März bis 10. April 2003 in Köln und Umgebung statt. Für das Drehbuch recherchierte Autor und Regisseur Hannes Stöhr intensiv bei der Aussteigerorganisation „Exit für Neonazis“. Seine Recherchen waren so gründlich und die Darstellung der rechten Szene so authentisch, dass er nach Drohanrufen aus der Szene sein Klingelschild entfernen musste.

Der Film besticht durch sein starkes Ensemble: Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk werden unterstützt von Barbara Rudnik als Verfassungsschutz-Beamtin Ute Meier-Brinkmann, Sandra Borgmann in der Rolle der Astrid Gehrmeier, Dirk Borchardt als V-Mann „Olaf“, Peter Rühring als Rechtsanwalt Hartmann und dem Ex-Skinhead Jürgen Drenhaus als Kurt Keller. Besonders Borgmann wurde für ihre „grandiose“ Darstellung der vom Punk zur Nazi-Braut gewandelten Astrid gelobt.

Die Erstausstrahlung von „Odins Rache“ am 11. Juli 2004 verfolgten 8,88 Millionen Zuschauer im Ersten, was einem Marktanteil von 27,3 Prozent entsprach. Der Film wird für seine Darstellung der komplexen Verflechtungen zwischen rechter Szene und Verfassungsschutz gelobt und gilt als zeitlos aktuell – behandelte er doch bereits sieben Jahre vor Bekanntwerden der NSU-Morde das Thema des Versagens von Polizei und Verfassungsschutz. Besonders hervorgehoben wird auch der düstere Soundtrack, der die beklemmende Atmosphäre des Films unterstreicht.

Videos zur Produktion

WDR Trailer (2016)

ARD Plus Trailer

Medienpreis CIVIS 2004 Nominierung

Besetzung

Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Ute Meier-Brinkmann – Barbara Rudnik
Astrid – Sandra Borgmann
Helmut Hartmann – Peter Rühring
Ayda Aydin – Nuray Sahin
Franziska – Tessa Mittelstaedt
V-Mann Olaf – Dirk Borchardt
u.a.

Stab

Drehbuch – Hanne Stöhr
Regie – Hannes Stöhr
Szenenbild – Jochen Schumacher
Musik – Florian Appl

Bilder: WDR/Thekla Ehling

16 Kommentare

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  1. vor 15 Jahren

    Gute Rolle von Barbara Rudnik!

  2. vor 15 Jahren

    Ob in dieser Rolle oder in einer anderen, Barbara Rudnik zieht mich immer in ihren Bann! Ihre Ausstrahlung ist atemberaubend! Es ist hart zu wissen, dass sie nicht mehr da ist…

  3. vor 11 Jahren

    Toller Krimi.
    Welcher Titel ist das eigentlich, als Freddy in den Laden geht, wo er sich die Bomberjacke zulegt, vielleicht kann mir jemand auskunft geben.

  4. vor 11 Jahren

    @ Didi: The Clash: This is England

  5. vor 9 Jahren

    ich habe diesen Tatort schon mal gesehen und ich finde den richtig schön die Komisare ballauf und schenk machen machen ihren arbeit sehr gut das fdinde ich nämlich dafür gibt 6000 sterne von mir

  6. vor 9 Jahren

    Der Tatort mit der Nummer 569 aus der Domstadt Köln am Rhein. Die Hauptkommissare der dortigen Mordkommission, Ballauf und Schenk, ermitteln in zwei aufeinander folgende funkelnde Morde, begangen an extrem politisch engagierte Männer. Die beiden Mordermittler geraten in einen Sumpf politischer Intrigen, in welchem auch Mitarbeiter des Verfassungsschutzes involviert sind. Die erste, augenscheinlich gelegte Spur, erweist sich als falsch. Die beiden Mordopfer waren vor Jahren an einen Überfall auf zugereiste Mitbürger beteiligt, aber Rache derer der Geschädigten scheidet aus. Was nun? Ein wirklich packender Tatort-Streifen aus dem politischen Untergrundsystem, spannend und interessant gedreht und logisch vermittelt. Wirklich sehenswert ist dieser Spielfilm aus dem Jahr 2004. Gute darstellerische Leistungen mit einer, wie immer sehenswerten, Barbara Rudnik.

  7. vor 9 Jahren

    Was ist das denn für eine sensationelle türkische Musik, die gespielt wird wärend der Kommissar sich mit der Restaurantbesitzerin unterhält, weiss man wer da der Künstler ist?

  8. vor 9 Jahren

    Ja, da kann man sich totgooglen – ich habe die Musik auch nicht im Ansatz finden können.
    Hat einer von Euch da draußen noch eine Idee???

  9. vor 5 Jahren

    Hallo Anton und Monika. Die Musik ist von Hakan. titel: I shall die from sorrow if I don’t see you aus dem Album : Music of Kurdistan.

    youtube.com/watch?v=69BdlOvMmUE

  10. vor 3 Jahren

    Ein guter Film und eine glänzende Leistung von Dirk Borchardt (Olaf).

  11. vor 2 Monaten

    Ach ja, der gute alte „Odins Rache“…
    Erstmal das Offensichtliche: Ein Krankenbett im Büro – sehr subtil, WDR. Und natürlich ein V-Mann namens „Olaf“, der zwielichtig durch die Gegend schleicht. Dazu ein Verfassungsschutz, der irgendwie alles weiß und nichts verhindert. Klassisches Tatort-Bingo eben.
    Und dann diese überzeichneten Charaktere: Der böse Nazi-Anwalt im schicken Anzug, die verlorene Ex-Punkerin als Nazi-Braut, der knallharte Knastarier… Moment. Irgendwie kommt mir das erschreckend bekannt vor. Fast so, als hätte ich das letztens erst in den Nachrichten gesehen.
    2004 konnte man das noch als überdramatisierte Fiction abtun. Klar, ein bisschen Systemkritik hier, ein paar Seitenhiebe auf den Verfassungsschutz da. Aber hey, ist ja nur ein Krimi, oder?
    Zwanzig Jahre später sitze ich hier und mir bleibt das Lachen im Hals stecken. Was damals wie ein überzogenes Szenario wirkte, liest sich heute wie eine Prophezeiung. NSU, rechte Netzwerke in Behörden, V-Leute, die mehr Teil des Problems als der Lösung sind… Der Film hat nicht nur den Finger in die Wunde gelegt, er hat die Wunde vorhergesehen.
    Dass der WDR diese Folge ausgerechnet jetzt wiederholt, wo eine vom Verfassungsschutz beobachtete Partei in Umfragen Rekordwerte erreicht, ist entweder brillantes oder verdammt erschreckendes Timing. Vermutlich beides.
    Der Regisseur musste damals sein Klingelschild abmontieren. Heute würde er wahrscheinlich sein Twitter-Konto löschen müssen. Fortschritt nennt man das wohl.
    Respekt an alle Beteiligten – sie hatten mehr Weitblick als uns lieb sein kann.

    1. vor 2 Monaten

      👍👍👍

    2. vor 2 Monaten

      Ja, aber die rechtsextremen Personen haben heute m.E. eine etwas andere Gestalt als damals (und einen höheren IQ?).
      Dumpfe Gestalten in Bomberjacke, welche nicht bis 3 zählen können, stehen heute eher nicht mehr im Vordergrund.

  12. vor 2 Monaten

    Sandra Borgmann als Darstellerin einer trinkenden ‚Nazi-Braut‘ anno 2004 klingt für mich spannend! 😯

  13. vor 2 Monaten

    Naja, habe mir mehr erwartet!
    In dieser Folge – welche dem
    üblichen Narrativ folgt – wirken nicht nur die Bomberjacken etwas aus der Mode geraten (und Sandra Borgmann hatte eigentlich nur eine relativ kleine Rolle) …

  14. vor 2 Monaten

    immer diese miserable Filmmusik.
    künstlerisch misslungen.

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