Kurz und knapp – darum geht’s
Eigentlich will Wolfgang Polisch, Küchenchef eines großen Hotelrestaurants, mit Freunden und Kollegen die Einweihung seines neuen Hauses feiern – doch mitten in der Party wird ein Eindringling ertappt. Polisch kennt den Mann: Es ist Udo Kröger, der das Hotel mit Fleisch beliefert. Statt den Vorfall anzuzeigen, spielt der Gastgeber die Sache herunter, und Kröger tischt der Polizei eine reichlich abenteuerliche Ausrede auf. Für Oberleutnant Jürgen Hübner, Leutnant Vera Arndt und Kriminalmeister Lutz Subras sieht das zunächst nach einer Lappalie aus. Bald aber ahnen die Kriminalisten, dass hinter dem merkwürdigen Schweigen der beiden Männer weit mehr steckt – und dass Kröger und Polisch längst nicht die Einzigen sind, die etwas zu verbergen haben …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Bitte zahlen“
Wer es zu etwas gebracht hat, zeigt das gern: Wolfgang Polisch, Lager- und Küchenchef eines großen Hotelrestaurants, hat sich ein neues Haus geleistet und lädt Freunde und Kollegen zur Einweihung ein. An seiner Seite feiert Freundin Christa, es wird getrunken, getanzt und auf die gute Zusammenarbeit angestoßen. Doch während die Gäste ausgelassen feiern, verschafft sich ein Mann unbemerkt Zutritt zum Haus. Weit kommt er allerdings nicht: Noch bevor er irgendetwas anrichten kann, wird er ertappt. Und der Gastgeber muss nicht lange überlegen, wen er da vor sich hat – es ist Udo Kröger, Fahrer vom Schlachthof, der das Hotel regelmäßig mit Fleisch beliefert.
Eigentlich ein klarer Fall, sollte man meinen. Doch Polisch reagiert auffallend gedämpft. Er ahnt offenbar, was Kröger in seinem Haus gesucht hat, und fürchtet, welche Folgen der nächtliche Besuch haben könnte. Auch manche seiner Gäste hätten von dem Zwischenfall lieber gar nichts mitbekommen. Erst als andere nachdrücklich darauf bestehen, verständigt der Hausherr widerwillig die Polizei.
Für Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt beginnt damit ein Fall, der auf den ersten Blick kaum der Rede wert ist. Gestohlen wurde nichts, und Kröger, obwohl man ihn im Haus erwischt hat, bestreitet beharrlich, dass er dort etwas mitgehen lassen wollte. Seine Version der Nacht klingt allerdings ziemlich an den Haaren herbeigezogen: Angetrunken will er Polischs Villa schlicht für eine Bar gehalten haben. Mehr ist aus dem Fleischfahrer nicht herauszuholen – er verweigert die Aussage. Und Polisch? Der tut den Vorfall als harmlose Episode ab, über die man am besten kein weiteres Wort verliert.
Gerade dieses seltsame Zusammenspiel macht die Ermittler im DDR-Polizeiruf „Bitte zahlen“ hellhörig: Hier hält einer eisern den Mund, während der andere alles kleinredet – zwei Männer, die sich offensichtlich mehr zu sagen hätten, als sie zugeben wollen. Dabei hätte Kröger allen Grund, Ärger aus dem Weg zu gehen. Er ist mit Gisela verlobt, und die beiden erwarten ein Kind. Was also treibt einen Mann, der kurz vor der Familiengründung steht, nachts in das Haus des Küchenchefs? Die Kriminalisten beschließen, den wortkargen Fahrer nicht mehr aus den Augen zu lassen.
Je genauer das Team hinschaut, desto klarer wird, dass der missglückte Einbruch nur der sichtbare Teil einer weit größeren Sache ist: Offenbar ist ein Betrug im großen Stil im Gange, und Kröger und Polisch sind nicht die Einzigen, die dabei mitmischen. Um Licht ins Dunkel zu bringen, muss Kriminalmeister Lutz Subras als verdeckter Ermittler ran – ausgerechnet als Kellner in jenem Hotelrestaurant, das Kröger beliefert und in dem Polisch über Küche und Lager wacht. Zwischen Tabletts, Bestellungen und Rechnungen soll er herausfinden, wer im TV-Krimi „Bitte zahlen“ an wem verdient. Noch ahnt allerdings niemand, wie viele hinter den Kulissen des feinen Hauses tatsächlich etwas zu verlieren haben …
Hinter den Kulissen
„Bitte zahlen“ ist die 43. Folge der Reihe Polizeiruf 110. Für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) ist es der 20. Fall, Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ermittelt zum 30. Mal und Kriminalmeister Lutz Subras (Alfred Rücker) zum 24. Mal. In den Episodenrollen sind unter anderem Klaus Piontek als Küchenchef Wolfgang Polisch und Kaspar Eichel als Udo Kröger zu sehen. Regie führte Peter Vogel, der gemeinsam mit Rudolf Böhm auch das Drehbuch schrieb.
Gedreht wurde vom 12. Mai bis zum 26. Juni 1976 in Ost-Berlin, Frankfurt an der Oder und Halle (Saale). In Berlin entstanden Aufnahmen unter anderem in einem Café im Hochhaus Rüdersdorfer Straße 21 am Franz-Mehring-Platz in Friedrichshain, an der Ecke Kaskelstraße/Hauffstraße nahe dem S-Bahnhof Nöldnerplatz, in der Schulze-Boysen-Straße sowie in der Moll- und der Berolinastraße unweit des früheren Interhotels Berolina; eine Einstellung wurde im Haus des Reisens gedreht. In Halle filmte das Team in der damaligen Klement-Gottwald-Straße, der heutigen Leipziger Straße. In einer Szene in einer Fußgängerunterführung ist kurz ein Schild nach Art eines Wegweisers zu sehen, auf dem der Name von Kameramann Dähn steht.
Mit einer Zuschauerbeteiligung von 69,8 Prozent hält „Bitte zahlen“ einen Rekord: Seit Einführung der Zuschauerbeteiligungsermittlung hat keine andere Polizeiruf-Folge prozentual mehr Publikum erreicht.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Kriminalmeister Lutz Subras – Alfred Rücker
Wolfgang Polisch, Küchenchef – Klaus Piontek
Erwin Loderer, Kellner – Reimar J. Baur
Christa, Polischs Freundin – Heidrun Welskop
Eva – Ilona Grandke
Udo Kröger, Fleischfahrer – Kaspar Eichel
Rohrwetter – Wilfried Pucher
Partygast – Wilhelm Gröhl
Partygast – Gert Hänsch
Hoteldirektor Bertram – Arthur Jopp
Zimmerwirtin Schöbel – Gertraud Last
Fleischermeister Schramm – Heinrich Schramm
Hotelkoch – Klaus-Jürgen Steinmann
Gisela Krämer, Krögers Verlobte – Evelyn Opoczynski
Staatsanwalt – Reinhard Michalke
Frau Loderer – Ingrid Barkmann
u. v. a.
Stab
Regie – Peter Vogel
Drehbuch – Peter Vogel, Rudolf Böhm
Produktion – Hans W. Reichel
Musik – Hermann Anders
Kamera – Tilmann Dähn
Schnitt – Gisela Schmidt
Kostüm – Ursula Wolf
Filmbauten – K.P.M. Wulff
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 5 Tagen).
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