Kurz und knapp – darum geht’s

Kaum hat Leutnant Vera Arndt Burg Wittgenstein im Harz erreicht, ist ihr Fall auch schon erledigt: Hinter dem Verschwinden zweier kostbarer Gewehre steckt nur ein Jungenstreich. Die Kriminalistin beschließt, zwei Urlaubstage auf der Burg zu verbringen, doch daraus wird nichts. Am Abend stoßen angeheiterte Premierengäste im alten Kaminverlies auf eine frisch verputzte Stelle, und dahinter liegt die mumifizierte Leiche eines Mannes. Der Tote ist Siegfried Ewert, einst Direktor der Burg, von dem alle glaubten, er habe sich im Sommer 1961 in den Westen abgesetzt. Mehrere Menschen, die damals auf Wittgenstein lebten oder arbeiteten, halten sich auch jetzt wieder dort auf. Und dann rückt eine mittelalterliche Handschrift von unschätzbarem Wert ins Zentrum der Ermittlungen …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Die Entdeckung“

Hoch über dem Harz thront Burg Wittgenstein, ein Ort voller Geschichte und dunkler Gänge – und an diesem Tag voller Aufregung. Nach einer Führung durch die Burg bemerkt Ludwig Teska, das Faktotum des Hauses, dass zwei alte Gewehre fehlen, die zusammen mehr als 100.000 Mark wert sind. Burgdirektor Hans Reichelt verständigt umgehend die Kripo. Als Leutnant Arndt nach einem mühsamen Fußmarsch den Burgberg hinauf endlich oben ankommt, hat sich die Sache allerdings schon erledigt: Reichelts kleiner Sohn und das Kind eines anderen Gastes haben die laxen Sicherheitsvorkehrungen genutzt und mit den schussunfähigen Waffen Duell gespielt. Dem Direktor ist das sichtlich peinlich, die Kriminalistin dagegen nimmt es gelassen und hängt kurzerhand zwei Tage Urlaub auf der Burg an.

Ruhig wird es trotzdem nicht. Filmemacher Uwe Sandau zeigt am selben Tag einer kleinen Runde geladener Gäste seinen Film „Der Landesspiegel“. Gemeint ist eine mittelalterliche Gesetzesschrift des Busso von Heimburg, deren Wert kaum zu beziffern ist – und um deren verschollene Zweitschrift sich seit Jahrzehnten Legenden ranken. Historiker vermuten sie irgendwo in den Mauern von Wittgenstein, gefunden hat sie bislang niemand. Unter den Zuschauern sitzt auch Dr. Jochen Polenz, der über den Landesspiegel forscht. Ebenfalls auf der Burg: der Bildhauer und Restaurator Helmut Wolf.

Nach der Vorführung fließt reichlich Schnaps, und in dieser gelösten Stimmung führt Reichelt seine Gäste in das alte Kaminverlies, das seit 1945 angeblich niemand mehr betreten hat. Umso verblüffter sind alle, als sie dort auf einen Flecken frischen Putz stoßen. Die Wand klingt teilweise hohl – ist das endlich das sagenumwobene Versteck des Landesspiegels? Doch die Vorfreude schlägt in Grauen um: Hinter dem aufgebrochenen Mauerwerk kauert die mumifizierte Leiche eines Mannes. Aus dem Urlaub wird für die Ermittlerin im Polizeiruf 110 „Die Entdeckung“ ein Mordfall, und zu allem Überfluss ist die Telefonleitung gestört. Hilfe von außen kann Vera Arndt vorerst nicht anfordern.

Die Ärztin Dr. Gudrun Hammer und der alte Ludwig Teska erkennen in dem Toten Siegfried Ewert, den früheren Direktor der Burg. Bisher galt als ausgemacht, dass er am 11. August 1961 in den Westen gegangen ist. Angeblich wurde er damals beobachtet, wie er Wittgenstein mit einem Koffer verließ, später sollen sogar Grüße aus Nürnberg eingetroffen sein. Für Gudrun Hammer, damals Ewerts Freundin, bricht eine Welt zusammen: Den Brief, den sie seinerzeit von ihm bekam, hält sie jetzt für gefälscht. Jahrelang hat sie einen Mann gehasst, der sie nie verlassen hat.

Die Kriminalistin rollt die Ereignisse von 1961 neu auf und stellt fest, dass sich der Kreis der Beteiligten kaum verändert hat: Restaurator Wolf, Historiker Polenz, der damalige Student Sandau, Teska und Gudrun Hammer – sie alle waren in jenem Sommer schon auf der Burg. Die Gespräche bringen viele Erinnerungen ans Licht, aber keine heiße Spur. Bis Polenz mit einer Neuigkeit aufwartet, die alles verändert: Ewert hatte den Landesspiegel damals tatsächlich gefunden und wollte ihn von seinem Professor begutachten lassen. Wenn das stimmt, muss das kostbare Dokument noch immer irgendwo im TV-Krimi „Die Entdeckung“ zwischen den alten Mauern stecken – und jemand auf Wittgenstein weiß womöglich mehr, als er bisher zugibt …

Hinter den Kulissen

„Die Entdeckung“ ist die 66. Folge der Krimireihe Polizeiruf 110. Für Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) ist es bereits der 41. Fall. Das Drehbuch schrieb C. U. Wiesner, Regie führte Manfred Mosblech.

Der Landesspiegel des Busso von Heimburg, um den sich die Geschichte dreht, ist eine Anspielung auf den Sachsenspiegel des Eike von Repgow, eines der bedeutendsten Rechtsbücher des deutschen Mittelalters.

Gedreht wurde vom 1. November 1979 bis zum 19. Januar 1980 in Gernrode und Mägdesprung, zunächst unter den Arbeitstiteln „Ein Mann – Ein Wort“ und „Geisterstunde“. Als Kulisse für die fiktive Burg diente die Burg Falkenstein im Harz. Die Kostüme entwarf Ingrid Mogel, die Filmbauten stammen von Anna-Sabine Diestel. Bei der Erstausstrahlung im Fernsehen der DDR lag die Zuschauerbeteiligung bei 54,6 Prozent.

Besetzung

Leutnant Vera Arndt – Sigrid Göhler
Hans Reichelt, Burgdirektor – Heinz Behrens
Dr. Jochen Polenz, Historiker – Ezard Haußmann
Uwe Sandau, Filmemacher – Jürgen Heinrich
Helmut Wolf, Bildhauer und Restaurator – Günter Wolf
Ludwig Teska, Hausmeister – Fred Delmare
Dr. Gudrun Hammer, Ärztin – Helga Piur
Cornelia Pagel – Birgit Edenharter
Gisela Reichelt – Otti Planerer
Busso – Hans-Joachim Leschnitz
u. v. a.

Stab

Regie – Manfred Mosblech
Drehbuch – C. U. Wiesner
Produktion – Fritz Delp
Musik – Hartmut Behrsing
Kamera – Winfried Kleist
Schnitt – Gerti Gruner
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR