Kurz und knapp – darum geht’s
Mit überhöhtem Tempo rast ein Wagen bei Rot über eine Berliner Fußgängerampel, erfasst zwei Menschen und verschwindet: Die junge Anne Werdau stirbt, der Lehrer Winfried Walter bleibt querschnittsgelähmt. Am Steuer saß der Rallyefahrer Klaus Werker, der fortan alles daransetzt, seine Schuld zu verschleiern – auch gegenüber seiner Freundin Monika Habelt und seinem Kumpel Jürgen Dankert. Dann kracht es ein zweites Mal: Bei einer nächtlichen Fahrt in Dankerts Kleintransporter kommt der Freund ums Leben, und erneut strickt Werker an seiner eigenen Version der Ereignisse. Während Oberleutnant Jürgen Hübner in seinem 30. Fall nach dem Unfallfahrer sucht, verschafft Monika ihrem Freund ein Alibi. Doch je länger sie zu ihm hält, desto deutlicher zeigt sich ihr, mit wem sie es eigentlich zu tun hat …
Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „In einer Sekunde“
Ein ganz gewöhnlicher Freitagabend Ende November 1979 in Berlin-Baumschulenweg – und doch der Abend, der zwei Leben aus der Bahn wirft. Die junge Anne Werdau ist auf dem Weg zur Nachtschicht, der Lehrer Winfried Walter hat es eilig, denn zu Hause wartet seine Frau, die Geburtstag hat. An einer Ampel stehen beide nebeneinander, gehen bei Grün los und werden von einem Auto erfasst, das viel zu schnell und trotz Rot über den Fußgängerüberweg jagt. Anne stirbt wenig später im Krankenhaus, Winfried Walter wird für den Rest seines Lebens querschnittsgelähmt sein.
Oberleutnant Jürgen Hübner übernimmt den Fall, an seiner Seite der junge Leutnant Buchholz. Viel haben die beiden nicht in der Hand: Zeugen erinnern sich an einen hellen Lada oder Fiat und nennen gleich mehrere Kennzeichen. Eine groß angelegte Fahndung läuft an, schließlich müsste der gesuchte Wagen deutliche Spuren des Aufpralls tragen. Glasscherben, die unweit des Unfallorts auftauchen, bringen die Kriminalisten auf eine Theorie: Sie gehen davon aus, dass der Fahrer die zerstörte Frontscheibe komplett entfernt hat – ein Auto ganz ohne Scheibe fällt nun einmal weniger auf als eines mit zersplittertem Glas. Doch das Fahrzeug bleibt verschwunden, und die Ermittler wissen, dass jeder Tag gegen sie arbeitet: Ist der Schaden erst einmal behoben, lässt sich der Unfall kaum noch nachweisen. Also wenden sie sich mit einem Zeugenaufruf an die Presse.
Wer hinter dem Steuer saß, ist im Polizeiruf 110 „In einer Sekunde“ kein Geheimnis: Klaus Werker. Schon am nächsten Tag startet er mit seinem Beifahrer Jürgen Dankert bei einer Rallye und ist mit dem fünften Platz alles andere als zufrieden. Freundin wie Freund belügt er, um zu vertuschen, was er getan hat. Monika Habelt ist ohnehin gründlich genervt von seiner Autobesessenheit. Sie möchte, dass er die Nacht bei ihr verbringt, doch Werker lässt sich lieber von Dankert abholen. Der wiederum hat in der Zeitung den Zeugenaufruf gelesen – und weiß nun, dass bei dem Unfall eine Frau gestorben ist.
Auf der nächtlichen Heimfahrt in Dankerts Barkas folgt die nächste Katastrophe: Werker kommt mit dem Kleintransporter von der Fahrbahn ab, und Dankert, den an dem Unglück eine Mitschuld trifft, überlebt den Unfall nicht. Zurück bleiben seine Frau und eine kinderreiche Familie. Erneut biegt sich Werker die Tatsachen zurecht, bis er schließlich sogar behauptet, sein toter Freund habe auch die beiden Fußgänger überfahren. Von Monika verlangt er, auszusagen, er sei die ganze Nacht bei ihr gewesen.
Monika tut ihm den Gefallen und bestätigt das Alibi. Hübner traut ihrer Aussage allerdings nicht; immer wieder nimmt er die junge Frau im TV-Krimi „In einer Sekunde“ ins Gebet, weil er spürt, dass sie ihm etwas verschweigt. Doch Monika bleibt bei ihrer Version, mit Werker schmiedet sie sogar Hochzeitspläne. Nur: Je fester sie zu ihm steht, desto mehr bekommt sie zu spüren, wie selbstgerecht und egozentrisch der Mann ist, für den sie ihren Kopf hinhält …
Hinter den Kulissen
„In einer Sekunde“ ist die 65. Folge der Reihe Polizeiruf 110 und der 30. Fall für Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep). Unterstützt wird er diesmal vom jungen Leutnant Buchholz (Jörg Krüger). Im Zentrum der Geschichte stehen Klaus Werker (Peter Reusse), seine Freundin Monika Habelt (Hildegard Alex) und sein Freund Jürgen Dankert (Dieter Bellmann).
Hans-Joachim Hildebrandt schrieb das Drehbuch und führte zugleich Regie. Gedreht wurde vom 1. Oktober bis zum 10. Dezember 1979 unter dem Arbeitstitel „Der Blinde“ in Ost-Berlin, Pirna, Dresden und in der Sächsischen Schweiz. Produziert wurde der Film vom Fernsehen der DDR.
Bei seiner Erstausstrahlung erreichte der Krimi eine Zuschauerbeteiligung von 62,2 Prozent. Seither wurde er mehr als 20-mal wiederholt.
Besetzung
Oberleutnant Jürgen Hübner – Jürgen Frohriep
Leutnant Buchholz – Jörg Krüger
Staatsanwalt Domke – Dietrich Körner
Klaus Werker – Peter Reusse
Monika Habelt, Werkers Freundin – Hildegard Alex
Jürgen Dankert, Werkers Freund – Dieter Bellmann
Frau Dankert – Karin Schröder
Anne Werdau – Jacquéline Pöggel
Winfried Walter, Lehrer – Michael Narloch
Peter Seibt – Hans-Jürgen Müller-Hohensee
ABV Kleinlein – Jörg Panknin
Oberleutnant Weiss – Horst Manz
Frau Walter – Ellen Rappus
Betriebsdirektor Heinz – Fritz-Ernst Fechner
Dispatcher Seidel – Klaus Tilsner
Karl – Lutz Stückrath
Fritz – Manfred Mosblech
Gerichtsmediziner – Peter Kreusel
Herr Mohnhaupt – Hans-Hartmut Krüger
u. v. a.
Stab
Regie – Hans-Joachim Hildebrandt
Drehbuch – Hans-Joachim Hildebrandt
Produktion – Lutz Clasen
Musik – Karl-Ernst Sasse
Kamera – Walter Laaß
Schnitt – Margrit Schulz
Produktionsunternehmen – Fernsehen der DDR
Nächste Kommentarmöglichkeit: Sonntag, 01.11.2026 ab 17:00 Uhr (in ca. 4 Tagen).
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