Kurz und knapp – darum geht’s

Kaum ist Kriminalhauptkommissar Christian Thanner aus Duisburg nach Berlin versetzt worden, um dort eine Arbeitsgruppe der Kripo zu leiten, steht seine neue Truppe vor einer Bewährungsprobe auf Leben und Tod: Rechtsradikale Jugendliche haben eine Sparkasse überfallen und halten Kunden als Geiseln fest. Ausgerechnet in diesem Moment ist der neue Vorgesetzte nicht aufzufinden. Also handeln Hauptkommissar Peter Fuchs und Oberkommissar Thomas Grawe auf eigene Faust, und Fuchs bietet sich den Tätern im Austausch gegen die Geiseln an. Doch die in die Enge getriebenen Gangster sind zu allem bereit, und bald schwebt der erfahrene Ermittler in höchster Gefahr. Ost und West müssen nun zusammenarbeiten, ob sie wollen oder nicht …

Inhalt der Polizeiruf-110-Folge „Thanners neuer Job“

Die Einheit ist vollzogen, doch in den Köpfen verläuft die Grenze noch mitten durchs Kommissariat: Als die Ost-Berliner Kriminalisten um Hauptkommissar Peter Fuchs erfahren, dass sie einen neuen Chef aus Nordrhein-Westfalen bekommen, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Ein Unbekannter ist der Neue zwar nicht – Kriminalhauptkommissar Christian Thanner aus Duisburg hat schon einmal mit den Berlinern zusammengearbeitet –, sein Auftrag ist allerdings heikel. Er soll nicht nur eine Arbeitsgruppe führen, sondern auch prüfen, wie zuverlässig die ehemaligen Volkspolizisten sind.

Entsprechend gründlich geht der Antrittsbesuch daneben. Thanner verfügt, dass künftig keine Entscheidung mehr ohne sein Plazet fällt, und bei den gestandenen Kollegen kommt diese Ansage denkbar schlecht an. Mit beißendem Spott quittieren Fuchs, Oberkommissar Thomas Grawe und die anderen, dass ihnen nach 40 Jahren endlich jemand beibringen wolle, wie richtige Polizeiarbeit geht. Und auch ganz persönlich holt die neue Zeit Fuchs ein: Grawe spricht ihn auf den Vorruhestand an, eine Frage, mit der sich der altgediente Ermittler bislang kaum beschäftigt hat.

Viel Zeit, sich über den Neuen zu ärgern, bleibt ohnehin nicht. Kurz darauf geht die Meldung von einem Überfall auf eine Sparkasse ein: Zwei Rechtsradikale, Kalle und Helmut, haben zahlreiche Geiseln in ihre Gewalt gebracht, darunter Frauen und Rentner. Und der Mann, der jeden Schritt absegnen will? Ist wie vom Erdboden verschluckt. Thanner hat in Berlin eben nicht nur dienstliche Pflichten, sondern auch eine Geliebte, Adelheid, für die er gerade Blumen kauft und mit der er ausgeht. Fuchs und Grawe fackeln nicht lange und fahren ohne seine Zustimmung zum Tatort.

Dort fällt im Polizeiruf 110 „Thanners neuer Job“ eine folgenschwere Entscheidung: Fuchs bietet den Geiselnehmern an, selbst an die Stelle der Gefangenen zu treten, und die beiden lassen sich auf den Tausch ein. Damit ist der Hauptkommissar allein mit zwei Tätern, die mit dem Rücken zur Wand stehen und ihre Forderungen über ihn an die Polizei weitergeben.

Neuland ist das Milieu für die Kriminalisten nicht. Seit Längerem behalten sie die rechte Szene der Stadt im Auge, etwa den Druckereibesitzer Wilfried Ortner, der die Radikalen mit illegal hergestellten Schriften versorgt. Zum Umfeld gehört auch Kalles Freundin Birgit, die eine Kneipe betreibt, in der Rechtsradikale ein und aus gehen.

Für den Westimport und seine Ostkollegen heißt es im DFF-Polizeiruf „Thanners neuer Job“ deshalb: Gräben überwinden, und zwar schnell. Denn die Geiselnehmer schrecken auch vor Mord nicht zurück, es beginnt ein regelrechter Amoklauf – und für Fuchs geht es mit jeder Stunde mehr ums nackte Überleben …

Hinter den Kulissen

Mit „Thanners neuer Job“ geht eine Ära zu Ende: Die 153. Folge der Reihe ist der letzte Polizeiruf, den der Deutsche Fernsehfunk – das frühere Fernsehen der DDR – produziert und ausgestrahlt hat. Nur neun Tage nach der Premiere stellte der DFF seinen Sendebetrieb ein. Die Reihe pausierte daraufhin und wurde erst im Juni 1993 mit „und tot bist du“ fortgesetzt.

Für Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs (Peter Borgelt) ist es der 85. und zugleich letzte Fall, Kriminaloberkommissar Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) ermittelt zum 30. Mal. Als Gast ist Christian Thanner (Eberhard Feik) dabei, der aus den Duisburger Schimanski-Krimis des „Tatort“ stammt. Schon 1990 war er in „Unter Brüdern“ zu sehen, einer Folge, die anlässlich der Wiedervereinigung für beide Reihen gemeinsam entstand; hier hat er seinen zweiten und letzten Auftritt im Polizeiruf. Eine Woche später ermittelte Thanner im letzten Schimanski-„Tatort“, „Der Fall Schimanski“, wieder im Ruhrgebiet. Die Geiselnehmer Kalle und Helmut spielen Thomas Lawinky und Jens Knospe, Cathlen Gawlich ist als Birgit zu sehen.

Gedreht wurde der Krimi nach einem Drehbuch von Veith von Fürstenberg unter der Regie von Bodo Fürneisen vom 6. Juli bis 16. August 1991 in Berlin und Umgebung, zunächst unter den Arbeitstiteln „Tag der Verlorenen“ und „Thanner in Berlin“. Eine Einschaltquote der Erstausstrahlung wurde nicht veröffentlicht.

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs – Peter Borgelt
Kriminaloberkommissar Thomas Grawe – Andreas Schmidt-Schaller
Kriminalhauptkommissar Christian Thanner – Eberhard Feik
Kalle, Rechtsradikaler – Thomas Lawinky
Helmut, Rechtsradikaler – Jens Knospe
Birgit, Kalles Freundin – Cathlen Gawlich
Wilfried Ortner, Druckereibesitzer – Wolf Roth
Kai – Matthias Poppe
Arnold – Jens-Uwe Bogadtke
Adelheid, Thanners Geliebte – Astrid Bless
Dr. Fischer – Gerd Preusche
Frau Krause – Tana Schanzara
Frau Leonhardt – Anne Fröhlich
Dagmar – Regina Brandt
Kriminalbeamter – Gerald Schaale
Kreibaum – Peter Friedrichson
Kundin – Waltraud Kramm
Bereichsleiter Sparkasse – Gerd Blahuschek
Kunde im Reisebüro – Erik Veldre
Sparkassenangestellte – Hanna Bechstedt
Kundin – Brigitte Beier
Kriminalbeamter – Hans-Joachim Brieske
Techniker – Peter Fabers
Kriminalbeamter – Holger Franke
Sparkassenangestellte – Brigitte Möhring
Kriminalbeamter – Detlef Neuhaus
Polizeifotograf – Detlef Nier
Polizist – Hans-Jürgen Pabst
Kriminalbeamter – Peter Piepenhagen
Kommissar Hartwig – Wilfried Pucher
Polizist – Willi Schrade
Kunde – Ortwin Spieler
Alter Kunde – Hannes Stelzer
Polizist – Volkmar Witt
u. v. a.

Stab

Regie – Bodo Fürneisen
Drehbuch – Veith von Fürstenberg
Produktion – Marianne Birkholz
Musik – Hartmut Behrsing, Rainer Oleak, Bernhard Potschka
Kamera – Werner Helbig
Schnitt – Renate Müller
Produktionsunternehmen – DFF
Kostüm – Ingrid Mogel
Filmbauten – Manfred Glöckner