Kurz und knapp – darum geht’s
Eine Spaziergängerin beobachtet, wie ein freundlicher älterer Herr aus der Nachbarschaft am helllichten Tag einen Sarg im Wald vergräbt – ein verstörender Anblick, der die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr zu einem ihrer ungewöhnlichsten Fälle führt. Der todkranke Täter, bei Kindern als „Märchenonkel“ beliebt, spricht nach seiner Festnahme nur in rätselhaften Zitaten aus Grimms Märchen und scheint die Ermittler in ein perfides Spiel verwickeln zu wollen. Als plötzlich die kleine Tochter von Batics Hausmeisterin verschwindet und der Verdächtige kryptische Botschaften wie „Und übermorgen hole ich der Königin ihr Kind“ von sich gibt, beginnt für die Kommissare ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit…
Inhalt der Tatort-Folge „Ein mörderisches Märchen“
Unruhig wälzt sich Franz Leitmayr in seinem Bett, während der frühe Morgen bereits durch die Jalousien dringt. Die rätselhaften Worte des alten Schreiners Gruber lassen ihm keine Ruhe, immer wieder gehen ihm die verqueren Märchenzitate durch den Kopf. Einem Bauchgefühl folgend, steht er auf und macht sich mitten in der Nacht auf, um einer abwegigen Spur nachzugehen – sein Instinkt trügt ihn nicht.
Im frühlingshaften München scheint die Welt eigentlich in bester Ordnung. Die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen die Biergärten erwachen, doch für die Münchner Hauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr kommt keine Zeit zum Genießen. Der Fall beginnt ungewöhnlich: Eine Frau beobachtet, wie der Schreiner Ludwig Gruber einen Sarg im Wald vergräbt. In der Holzkiste findet sich die Leiche des Postbeamten Werner Klett – mit einem Schlüsselbund in der Hand, dessen Bedeutung den Ermittlern noch lange Rätsel aufgeben wird.
Batic ist zunächst skeptisch. Der schrullige Schreiner ist in seiner Nachbarschaft als „Märchenonkel“ bekannt, der Kindern Geschichten vorliest – kann dieser freundliche Mann wirklich ein Mörder sein? Leitmayr hingegen, sonst der Ruhigere der beiden, wird immer besessener von den kryptischen Hinweisen, die Gruber nach seiner Verhaftung von sich gibt: „NO:GINIK“ und „KCRABAU“ – Botschaften, die wie Hieroglyphen erscheinen und die Ermittler vor ein scheinbar unlösbares Puzzle stellen.
„Noch mehr Tod ist unter’m Wald“, sagt Gruber mit einem schaurigen Lächeln, das selbst den hartgesottenen Batic erschaudern lässt. Die Suche der Polizei gleicht bald der nach einer Stecknadel im Heuhaufen, während sie fieberhaft versuchen, die Märchenzitate zu entschlüsseln und ihren tieferen Sinn zu verstehen. Der kranke Schreiner sitzt derweil in seiner Zelle wie eine Spinne im Netz und scheint genau zu wissen, dass die Kommissare seiner Spur folgen müssen.
Als Anna, die kleine Tochter von Batics Hausmeisterin Maria Santiago, spurlos verschwindet, gewinnt der Fall eine neue, bedrohliche Dimension. Gruber scheint nicht überrascht. „Übermorgen hole ich der Königin ihr Kind“, zitiert er mit einem wissenden Blick, der den Ermittlern durch Mark und Bein geht. Die Zeit rinnt wie Sand durch ihre Finger, während das Leben eines unschuldigen Kindes auf dem Spiel steht. Hat Gruber die Kleine in einem Brunnen gefangen, wie sein Vater es einst mit ihm tat? Die Ermittler ahnen, dass hinter der Fassade des Märchenonkels eine zutiefst gestörte Seele lauert, gezeichnet von Qualen, die nun andere erleiden sollen…
Hinter den Kulissen
Der Tatort „Ein mörderisches Märchen“ ist der 28. Fall des Münchner Ermittlerduos Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und wurde als Folge 464 der Krimireihe am 4. März 2001 im Ersten Deutschen Fernsehen erstausgestrahlt. Mit dieser Produktion des Bayerischen Rundfunks feierten die beiden Hauptkommissare ihr zehnjähriges Jubiläum als Tatort-Ermittler – und entfernten sich dabei so weit wie nie zuvor von ihren sonst eher sozialkritischen Themen.
Unter der Regie von Manuel Siebenmann und nach einem Drehbuch von Daniel Martin Eckhart entstand ein psychologischer Thriller, der sich bewusst von gängigen Krimi-Konventionen abhebt. Neben den Stammschauspielern Nemec und Wachtveitl glänzt vor allem der renommierte Bühnenschauspieler Hilmar Thate in der Rolle des „Märchenonkels“ Ludwig Gruber. In weiteren Rollen sind Michael Fitz als Carlo Menzinger, Ellen Schwiers als Zeugin Klara Werdin und Yasmina Djaballah als Maria Santiago zu sehen. Die atmosphärische Filmmusik komponierte Andreas Hoge und ließ sie vom Sinfonieorchester der Stadt Prag einspielen.
Die Erstausstrahlung erreichte beachtliche 8,18 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 22,05 Prozent. Kritiker lobten besonders die ungewöhnliche Handlung und die darstellerische Leistung von Hilmar Thate, der mal als netter Märchenonkel, dann wieder als wahnsinniger Psychopath und schließlich als traumatisierter alter Mann überzeugt. Der Film wurde für den renommierten Adolf-Grimme-Preis 2002 nominiert.
Filmkenner entdeckten einen kleinen Fehler: Bei dem in Minute 62 und 64 zu sehenden Wort „Amtsstube“ wurde in der verwendeten Frakturschrift fälschlicherweise ein langes s anstelle des korrekten Endungs-s verwendet. Nach der Ausstrahlung kursierten unter Zuschauern zahlreiche Theorien zur Bedeutung der rätselhaften Botschaften des Mörders – manche versuchten sogar selbst, die verschlüsselten Märchenzitate zu entschlüsseln.
Für mich der beste Tatort aller Zeiten. Spannend mit Gänsehautfaktor…
Top Tatort Spannung pur ,Super Story und Darsteller.
Wie haben Sie den verschlag um Forst gefunden?
Der Tatort mit der Nummer 464 aus München mit den beiden Hauptkommissaren Batic und Leitmayr . Einer der besten Tatort-Psycho-Thriller im Jahr 2001 der beiden Ermittler von der Mordkommission, noch dazu emotionsgeladen und mit Gänsehauteffekt abgedreht. Mit dabei auch der Kommissar Menzinger in einer, wie ich meine, seiner stärksten Rolle. Ein absolut sehenswerter Tatort-Spielfilm, mit hervorragenden Schauspielern und ins Feinste in Szene gesetzt. Diesen Tatort kann man sich auch nach einer kurzen Sendepause jederzeit ein weiteres Mal anschauen. Ehrlich. Als Wächter fungierte der Johannes Thanheiser, auch einmal erwähnenswürdig.
Sehr spannend, ungewöhnliche Story.
Gegen Schuss schwächelt die Handlung etwas, dennoch insgesamt sehr gut.
Ja für mich ein klasse Tatort…tolle Schauspieler…interresante Story…!
Ein durchaus interessanter „alter“ TO aus München. Interessant auch zu sehen, wie sich die beiden Ermittler sowie deren Herangehensweise an deren Fälle im Laufe der letzten 19 Jahre geändert hat (nicht nur die damalige „Frische“ im Gesicht hat sich in den letzten Jahren Jahren geändert).
Zur Story: Warum der Täter ein unschuldiges Mädchen gequält hat, obwohl er ja eigentlich kein schlechter Mensch war, erschließt sich nicht für mich.
Hilmar Thate,…sensationell
Ein wirklich mörderisches Rätsel aus München. Hochspannung ist in diesem Münchner Highlight Krimi garantiert. Hilmar Thate als Gruber ist wirklich schaurig wie aus dem Märchen Grimms. Tolle Arbeit. 5 Sterne
Der Tatort mit der Nummer 464 aus München und aus dem Jahr 2001. Trau, schau, wann – diesen Tatort immer mal wieder.
Die Meinung vom 08.07.2016 halte ich.