Tatort Folge 407: Starkbier

Kurz und knapp – darum geht’s

Der Marketing-Direktor der Benedictus-Brauerei wird tot in seinem Auto gefunden – scheinbar ein Unfall unter Alkoholeinfluss, doch warum hätte ein bekannter Abstinenzler plötzlich trinken sollen? Während die Münchner Hauptkommissare Batic und Leitmayr noch mit einem anderen Fall beschäftigt sind, übernimmt ausgerechnet ihr Assistent Carlo Menzinger die Ermittlungen und taucht tief in die Welt seiner Fußball-Spezln und die Geheimnisse der Brauerei ein. Als Menzinger einem raffinierten System aus Schwarzbrauerei und Betrug auf die Spur kommt, ahnt er nicht, dass seine vermeintlichen Freunde ihn längst ins Visier genommen haben und sein Leben in tödlicher Gefahr schwebt…

Inhalt der Tatort-Folge „Starkbier“

Müde und gereizt durchstreifen die Münchner Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr die nächtlichen Straßen. Seit Wochen sind sie einem kroatischen Auftragskiller auf der Spur, doch der entscheidende Zugriff will einfach nicht gelingen. Die Anspannung hat ihre Nerven längst blank gescheuert – keine gute Voraussetzung für einen neuen Mordfall.

Im schroffen Kontrast dazu steht die ausgelassene Stimmung beim traditionellen Starkbieranstich in der Benedictus-Brauerei. Zwischen schäumenden Maßkrügen und dem Derblecken der Münchner Prominenz genießt auch Polizeiassistent Carlo Menzinger den Abend mit seinen Fußballkumpels. Besonders freut ihn die Anwesenheit von Sabine Irlbeck, der Frau seines Spezls Anton, für die er heimlich schwärmt.

Am nächsten Morgen die eiskalte Ernüchterung: Dr. Maximilian Meindl, Marketing-Direktor der Brauerei, wird tot in seinem verunglückten Wagen gefunden. Ein klassischer Alkoholunfall? Menzinger, der allein am Tatort erscheint, weil seine Kollegen noch immer im Einsatz gegen den kroatischen Killer sind, ist skeptisch. Sein Misstrauen wächst, als er erfährt, dass Meindl bekannt dafür war, selbst bei Bierfesten ausschließlich Wasser zu trinken. Die Obduktion bestätigt schließlich den Verdacht: Meindl wurde ermordet und der Unfall nur inszeniert.

Während Batic und Leitmayr bei einem nächtlichen Einsatz einen Schusswechsel mit dem kroatischen Killer haben, bei dem Leitmayr am Arm verletzt wird, stürzt sich Menzinger voller Eifer in die Ermittlungen. Seine Duzfreundschaft mit dem Braumeister Kiem und dem Vertriebsmann Anton Irlbeck erweist sich dabei als zweischneidige Klinge. Einerseits erhält er wertvolle Einblicke in die Strukturen der Brauerei, andererseits wird sein Blick durch die vermeintliche Loyalität getrübt wie ein ungefiltert eingeschenktes Weißbier.

„Der Fall Meindl ist dein Bier“, räumt Leitmayr ihm ein, aber Batic warnt ihn sofort: „Wenn du Murks machst, dann ist es unser Bier, weil wir tragen die Verantwortung.“ Die Skepsis ist nicht unbegründet, denn Menzinger lässt sich immer tiefer in die Brauereigeschäfte einweihen und nähert sich dabei auch Sabine Irlbeck gefährlich an. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass in der Benedictus-Brauerei etwas ganz und gar nicht stimmt: Offenbar hat Meindl vor seinem Tod Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, die mit dem geplanten Verkauf der Brauerei zusammenhängen könnten.

Als in der Brauerei ein Mitarbeiter tot mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden wird und ein anderer beinahe bei einem mysteriösen Fahrradsturz ums Leben kommt, wird klar, dass Menzingers anfänglicher Enthusiasmus ihn in ein Wespennest geführt hat. Seine Ermittlungen führen ihn zu den alten Gärbecken, die eigentlich nicht mehr benutzt werden sollten – doch die Spuren weisen darauf hin, dass dort heimlich zusätzliches Bier gebraut wird, das an der Buchhaltung vorbei durch den Getränkegroßhändler Irlbeck vertrieben wird.

Während Menzingers Verdacht zunächst auf den Braumeister Kiem fällt, spürt er immer deutlicher, dass sein Fußballkumpel Anton Irlbeck ihm nicht die volle Wahrheit sagt. In einem vermeintlich klärenden Gespräch in der nächtlichen Brauerei schnappt die Falle plötzlich zu: Irlbeck erkennt, dass Menzinger zu viel weiß und überwältigt ihn. Wie eine Opfergabe will er den Polizisten in einen leeren Braukessel werfen und mit tödlichem Kohlendioxid fluten. Der Kampf zwischen den einstigen Freunden in den kalten Stahlbehältern gleicht einem Todestanz in der gähnenden Leere der Brauerei, deren Metallgerippe im fahlen Licht wie gewaltige Skelette wirken.

Hinter den Kulissen

Der Tatort „Starkbier“ wurde von Telepool und Bavaria Film für den Bayerischen Rundfunk produziert und am 7. März 1999 als 407. Folge der Reihe im Ersten ausgestrahlt. Für die Münchner Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) war es bereits der 22. gemeinsame Fall, doch besonders im Mittelpunkt stand diesmal ihr Assistent Carlo Menzinger, gespielt von Michael Fitz.

Die Dreharbeiten fanden in authentischen Münchner Brauereibetrieben statt – sowohl in der Paulaner Brauerei AG als auch in der Löwenbräu AG wurden Szenen gedreht, um dem Film das authentische Lokalkolorit zu verleihen. Regisseur Peter Fratzscher, der auch für den Tatort „Der Finger“ verantwortlich zeichnete, inszenierte die Geschichte, die vom Drehbuchautor Michael Wogh stammte. Für Wogh war es sowohl die erste als auch die letzte Tatort-Arbeit. Er brachte jedoch besondere Fachkenntnisse mit, da sein Vater als Expedient beim Tegernseer Brauhaus gearbeitet hatte und er selbst dort regelmäßig Ferienjobs übernommen hatte.

Interessanterweise war der Arbeitstitel des Films „Menzingers Bier“ – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Figur des Assistenten von Anfang an im Zentrum der Handlung stehen sollte. Bei seiner Erstausstrahlung erreichte „Starkbier“ 9,57 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 26,05 Prozent – ein durchaus respektables Ergebnis.

Nach der Ausstrahlung sorgte besonders die Darstellung der Schwarzbrauerei für Gesprächsstoff. Einige Branchenkenner hielten die Geschichte für übertrieben, doch ein erfahrener Braumeister kommentierte angeblich: „Naa, des find i need. Wenn ma wollt’n, kannten mir des aa. Aber zum Glück woll’n mia ja need!“ – eine Aussage, die dem Krimi indirekt eine gewisse Authentizität bescheinigte. Beim Tatortblog erreichte die Episode Platz 283 von 911 möglichen, was sie im Mittelfeld der Beliebtheitsskala platziert.

Videos zur Produktion

Video 30 Sekunden aus den ersten 30 Minuten

Trailer

Besetzung

Hauptkommissar Ivo Batic – Miro Nemec
Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Carlo Menzinger – Michael Fitz
Sabine Irlbeck – Marie Munz
Josef Markovic – Ivo Virzal-Wiegand
Toni Irlbeck – Christoph Gareisen
u.a.

Stab

Drehbuch – Michael Wogh
Regie – Peter Fratzscher
Kamera – Jörg Schnieder
Gardobiere – Anne Katrlin Schwerdtfeger
Licht – Michael Beitz

Bilder: NDR/BR

6 Kommentare

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  1. vor 10 Jahren

    STARK

  2. vor 9 Jahren

    Der Tatort Nummer 407 aus München mit den beiden Hauptkommissaren Batic und Leitmayr von der Mordkommission, diese beiden Hütchenspieler. In diesem Tatort-Spielfilm ermitteln die beiden, zusammen mit dem Kollegen Menzinger, gleich in zwei auseinanderliegenden Fällen. Menzinger konzentriert sich auf die illegalen Aktivitäten innerhalb einer Brauerei, Leitmayr, der Arme, zusammen mit Batic, auf einen miesen fiesen Drogenhändler. In den jeweiligen Fällen gibt es auch Tötungsdelikte und alle drei Mordermittler müssen höllisch aufpassen, die verdiente Rente zu erhalten, was aber noch einige Jahre dauern dürfte. Trotz der Parallel-Stories kein überzeugender Tatort-Fernsehfilm, eher starker Tobak statt Starkbier. Trotzdem, ein netter Ausklang des 1999ziger Jahres.

  3. vor 7 Jahren

    Toll!
    Spannender und unterhaltsamer Tatort aus München.

  4. vor 4 Jahren

    Angenehm anzusehende Geschichte mit finaler Räuber & Gendarm- Hubschrauber-Verfolgungsjagd. Mit gewissem Lokalkolorit, deftig und würzig, einer kleinen Sexeinlage.
    Insgesamt recht gut gemacht aber auch kein Spitzenklassiker.

  5. vor 2 Jahren

    Mal wieder ein starker Tatort aus München. Gewohnte Klasse. Kommissar Leitmayr wird angeschossen und arbeitet sofort weiter. Was für ein Einsatz für diesen Fall. Carlo auch mal mehr im Vordergrund. Alles gut

  6. vor 2 Jahren

    Sympathischer Klassiker der ursprünglichen Art, sehr spannend, sehr unterhaltend, gute Dialoge und eine hervorragende Besetzung. Den hatte ich nun gestern zum ersten Mal gesehen und mich gewundert, dass ich nie zuvor auf eine Wiederholung gestoßen bin. Sehenswert!

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