Kurz und knapp – darum geht’s
In Bremen wird ein Journalist ermordet, der als politischer Reporter tätig war und offenbar seine ehemaligen Weggefährten aus der RAF-Sympathisantenszene erpresst hat. Für Hauptkommissarin Inga Lürsen wird der Fall zur persönlichen Belastungsprobe, als ihre eigene Vergangenheit als Teil dieser linken Politgruppe ans Licht kommt und sie selbst zur Verdächtigen wird. Als nach 26 Jahren plötzlich der untergetauchte Ex-Terrorist Sören Feldmann auftaucht und Lürsen unter Druck setzt, muss sie nicht nur einen Mörder finden, sondern auch ihre eigene Unschuld beweisen – bevor ihre Karriere und ihr Leben vollständig zerstört werden…
Inhalt der Tatort-Folge „Schatten“
Unruhig wandert Hauptkommissarin Inga Lürsen durch die grauen Dezemberstraßen Bremens. Die kalte Luft brennt in ihrer Lunge, während sie versucht, die aufsteigenden Erinnerungen zu verdrängen. An der Hafenkante findet das Ermittlerteam die Leiche eines Mannes – Dieter Blohm, ein Journalist, den Lürsen aus einer Zeit kennt, die sie längst hinter sich gelassen zu haben glaubte. „Die Vergangenheit ist wie ein Schatten, der uns folgt“, murmelt sie, als sie neben dem Toten niederkniet.
Für ihren Kollegen Stedefreund bleibt Lürsens Reaktion nicht unbemerkt. Er spürt die Veränderung, die plötzliche Anspannung in ihrer Stimme, die sonst so sachlich ist. Ihre Professionalität bröckelt, als sie in Blohms Tagebuch einen geplanten Treffpunkt im Hafengelände entdecken. Dort taucht unerwartet Sören Feldmann auf – ein untergetauchter ehemaliger RAF-Sympathisant, den Lürsen ebenfalls kennt. Die Festnahme wird vom SEK unterbrochen, und plötzlich steht Lürsen selbst im Fokus der Ermittlungen.
„Wie schnell aus der Jägerin die Gejagte werden kann“, bemerkt der Staatsanwalt mit kaum verhohlener Genugtuung, als er Lürsen vom Dienst suspendiert. Ihre Vergangenheit liegt nun offen da wie ein aufgeschlagenes Buch: Als junge, idealistische Frau gehörte sie einer Gruppe an, die in der Nacht von Ulrike Meinhofs Tod eine Zeitungsdruckerei stürmte, wobei ein Wachmann ums Leben kam. Feldmann bekannte sich zu der Tat und floh ins Ausland – nun ist er zurück und belastet Lürsen schwer.
Wie Nebelschwaden über dem Bremer Hafen hängen die Zweifel über Lürsens Kopf. Selbst ihr Partner Stedefreund ist unsicher, wem er vertrauen soll. „Manchmal erkennt man Menschen erst, wenn man ihre Geheimnisse kennt“, sagt er leise, während er Lürsen beobachtet, die trotz Suspendierung weiter ermittelt. Die Beerdigung von Blohm wird zum unheimlichen Klassentreffen einer Gruppe, deren Mitglieder heute angesehene Bürger sind: Politiker, Verleger, Rechtsanwälte.
Lürsen entdeckt, dass Blohm sie alle erpresst hat – doch gleichzeitig wurde auch er selbst erpresst. Die Spur führt zu Armin Wulf, einem alten Weggefährten, der ein düsteres Geheimnis zu hüten scheint. Die Ermittlungen gleichen einem Labyrinth, dessen Wände sich ständig verschieben. Als Lürsen endlich Verbindungen zwischen den Ereignissen von damals und dem aktuellen Mord herzustellen beginnt, ahnt sie noch nicht, dass die wahre Bedrohung viel näher ist, als sie vermutet…
Hinter den Kulissen
Der Tatort „Schatten“ aus dem Jahr 2002 ist die 506. Folge der renommierten Krimireihe und wurde unter der Regie von Thorsten Näter produziert, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Die Dreharbeiten fanden in Bremen, beim Bremer Sechstagerennen, in Berlin sowie in der Umgebung von Bremen statt.
In den Hauptrollen glänzen Sabine Postel als Kommissarin Inga Lürsen, für die es bereits der achte Fall ist, und Oliver Mommsen als Kommissar Stedefreund, der zum dritten Mal an ihrer Seite ermittelt. Eine besondere Überraschung für die Zuschauer war der Gastauftritt des James-Bond-Darstellers Roger Moore, der sich im Film selbst spielte und als Gast beim Bremer Sechstagerennen auftrat.
Bei seiner Erstausstrahlung am 28. Juli 2002 erreichte der Film beachtliche 5,39 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 23,0 Prozent für Das Erste. Die kritische Auseinandersetzung mit der RAF-Zeit und die persönliche Verstrickung der Hauptfigur sorgten für besondere Aufmerksamkeit – der Film wurde sowohl für den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als auch für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.
Als interessante Randnotiz gilt zu erwähnen, dass in dieser Folge Lürsen und Stedefreund erstmals zum „Du“ übergehen – ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Ermittlerduo, das in den folgenden Jahren zu einem der beliebtesten Tatort-Teams werden sollte.
Eine der besten Bremer Tatorte überhaupt!
Der Tatort aus Bremen mit der Nummer 506 aus dem Jahr 2002. Ein politisch recherchierender Journalist wird ermordet und die zuständige Mordermittlerin, Hauptkommissarin Lürsen, kennt den aus der gemeinsamen aktivistischen Jugendzeit in der Friedensbewegung. Zusammen mit ihrem Kollegen Stedefreund, trifft Lürsen im Laufe der Untersuchung auf eine zweite, nicht unbekannte, Person aus der Vergangenheit und das Ganze rutscht in Richtung RAF (Rote Armee Fraktion) und ihrem schweißigen Umfeld. Das beschert Lürsen eine Suspendierung durch den Dienstherrn und Kommissar Stedefreund informiert sie extern über dienstliche Belange, da Lürsen nun privat weiter schnüffelt und alte Kontakte aufleben lässt. Immerhin, ein Mord, welcher über ein viertel Jahrhundert zurück liegt, eine aktuelle Tötung sowie eine kriminelle Erpressung kann aufgedeckt werden, auch wenn dieses wiederum Menschenleben kostet. Kein knallharter Tatort-Thriller, aber spannend und interessant zu schauen, mit einer Hauptkommissarin, die eine politische Vergangenheit hat und diese geschickt bei der Aufklärung eines Kapitalverbrechens, auch im Sinne der Behörden, einsetzt. Sehens- und wiederholungswerter Tatort-Spielfilm der besseren Szenerie und Handlung und mit einer hervorragenden Besetzungsliste. Gut.
Sehr guter Tatort mit hochkarätiger Besetzung. Einen Gastauftritt hat hier Roger Moore.