Kurz und knapp – darum geht’s
In einem Münchner Gourmetrestaurant wird am Morgen nach einer Geburtstagsfeier des Starkochs Edgar Kaufmann ein abgetrennter Finger gefunden, der vermutlich dem plötzlich verschwundenen Restaurantkritiker Burkhard Faber gehört. Die Münchner Kommissare Leitmayr und Menzinger setzen ihren eigentlich urlaubenden Kollegen Batic als verdeckten Ermittler in der Küche des Nobelrestaurants ein, um den mysteriösen Fall aufzuklären. Als Batic hinter den glänzenden Kulissen des „La Belle Vigne“ ein Netz aus persönlichen Fehden, Eifersucht und verborgenen Geheimnissen aufdeckt, ahnt er nicht, dass er sich selbst in tödliche Gefahr begibt…
Inhalt der Tatort-Folge „Der Finger“
Der Duft exquisiter Speisen liegt in der nächtlichen Luft, während Weingläser klirren und Lachen durch das edle Restaurant „La Belle Vigne“ schallt. Spitzenkoch Edgar Kaufmann feiert ausgelassen seinen 50. Geburtstag im Kreis illustrer Gäste – darunter seine Ehefrau Ann, der Staatsanwalt Dr. Maier und der gefürchtete Restaurantkritiker Burkhard Faber. Doch die festliche Stimmung kippt jäh, als Faber verkündet, dass Kaufmanns Restaurant von seiner prestigeträchtigen Liste der zehn besten Lokale gestrichen wird. Ein heftiger Streit entbrennt, und am nächsten Morgen entdeckt Küchenhelfer Simon einen abgetrennten Finger zwischen Töpfen und Pfannen.
Kommissar Ivo Batic, eigentlich mitten in den Urlaubsvorbereitungen und von heimischen Heimwerkerarbeiten in Beschlag genommen, wird von seinen Kollegen Leitmayr und Menzinger überredet, undercover als Küchenhilfe im „La Belle Vigne“ anzuheuern. Widerwillig schlüpft er in die Rolle eines radebrechenden kroatischen Aushilfskochs – der Urlaubsplan ist durchkreuzt, und das ausgerechnet für einen Fall, der ihn mit den Abgründen der Haute Cuisine konfrontiert. Während er zwischen dampfenden Töpfen und scharfen Messern sein Talent als Hobbykoch unter Beweis stellen muss, offenbart sich ihm nach und nach das wahre Gesicht der schillernden Gastronomieszene.
Die Ermittlungen führen zu immer mehr Verdächtigen: War es der Meisterkoch Kaufmann selbst, der seine langjährige homosexuelle Beziehung zu Faber vor seiner Ehefrau verborgen hatte? Könnte es der belgische Küchenchef Jaap van Haalen gewesen sein, dessen eigene Karriere durch eine vernichtende Kritik Fabers ruiniert wurde? Oder hat Ann Kaufmann, die eifersüchtige Ehefrau, dem Nebenbuhler ein Ende gesetzt? Wie ein präzise durchgeführter Fleischzuschnitt wird die Wahrheit Schicht für Schicht freigelegt, während Batic immer tiefer in das Netz aus Lügen und Intrigen eintaucht.
Besonders zu der kroatischstämmigen Dessertköchin Milena Stepanovic baut Batic eine Verbindung auf – sie scheint in der gnadenlosen Hierarchie der Küche am unteren Ende zu stehen, gefangen in einem System, das keine Schwäche duldet. Ihre unsichere Situation als Migrantin macht sie verletzlich in der erbarmungslosen Gastronomiewelt, die wie ein Haifischbecken funktioniert: Entweder man schwimmt oben oder wird gefressen. Unter der glänzenden Oberfläche der Sterneküche brodelt es wie in einem überkochenden Topf – und bald schon muss Batic erkennen, dass die mörderische Hitze in dieser Küche nicht nur die Speisen, sondern auch die Gemüter zum Kochen bringt…
Hinter den Kulissen
Der Tatort „Der Finger“ ist der 664. Fall der beliebten Krimireihe und wurde vom Bayerischen Rundfunk produziert. Die Dreharbeiten fanden im Oktober und November 2006 in München und Umgebung sowie in Lenggries statt. Als Kulissen für das fiktive Gourmetrestaurant „La Belle Vigne“ dienten gleich mehrere Münchner Restaurants, darunter das Restaurant Hofer in der Burgstraße, das Orlando, Schuhbecks Hof am Platzl sowie Teile des Hotels Excelsior in der Schützenstraße.
In den Hauptrollen ermitteln wie gewohnt die Publikumslieblinge Miroslav Nemec als Ivo Batic, Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr und Michael Fitz als Carlo Menzinger. Als Stargast übernimmt der international bekannte Helmut Berger („Die Verdammten“, „Ludwig“) die Rolle des temperamentvollen Spitzenkochs Edgar Kaufmann. Weitere Gastrollen übernahmen unter anderem Philipp Moog als Chef de Cuisine Jaap van Haalen und die österreichische Schauspielerin Edita Malovcic als Dessertköchin Milena Stepanovic. Eine kleine Nebenrolle als Polizist übernahm übrigens der Regieassistent Martin Kinkel.
Bei der Erstausstrahlung am 29. April 2007 im Ersten Programm der ARD verfolgten 6,43 Millionen Zuschauer den kulinarischen Kriminalfall, was einem Marktanteil von 19,9 Prozent entsprach – für einen Tatort vergleichsweise niedrige Zahlen. Die Kritiken fielen gemischt aus: Während einige Rezensenten den unterhaltsamen Einblick in die Welt der Spitzengastronomie lobten, bemängelten andere die teils mangelnde Spannung und einige unglaubwürdige Wendungen in der Geschichte von Drehbuchautorin Carolin Otto.
Unter Tatort-Fans kursierten nach der Ausstrahlung übrigens zahlreiche Theorien über die Machbarkeit von Batics Undercover-Einsatz – ob man tatsächlich so einfach in einem Sternerestaurant als Aushilfe anfangen könne, ohne jemals zuvor in einer professionellen Küche gearbeitet zu haben, wurde lebhaft diskutiert.
Dieser Tatort ist ein sehr spannender aber auch eine etwas eklige Krimi .
Dieser wird wieder durch die guten Schauspieler geprägt die wie immer bestens zu ihren Rollen passen .
Dunkel erinner ich mich… der wird mal wieder aufgenommen und gesichtet 8-)
Super. Mal wieder ein spannender Fall mit viel Wortwitz.
Ganz klar 5 Sterne
Der Tatort aus München mit der Nummer 664. Die Hauptkommissare Batic und Leitmayr ermitteln im gehobenen Gastronomiebereich. Das es dort nicht ohne Eifersüchteleien vorgeht ist bekannt. Aber Mord? Doch, denn die beiden Tatort-Ermittler finden neben einem abgetrennten Finger, später auch die dazu gehörige Leiche. Gemordet wurde ein Unsympath und einige waren daran beteiligt und vielen war es auch durchaus Recht. Aber auch die Kommissare sind nicht ungefährdet in diesem nicht so ganz ernst zu nehmenden Tatort-Krimi. Durchaus sehenswert.
Ganz tolle Folge der Münchner Tatort Ermittler. Heute das erste Mal gesehen.
Und das 10 Jahre nach der Erstausstrahlung. SPITZE
Spitze! Münchner Tatort mit einer Menge Schmunzlern und Lachern. Ivo als kroatischer Küchenhelfer in Bestform. Absolut sehenswert.
war der taxifahrer, mit dem ivo den müllwagen verfolgte, thomas fritsch?
Schade, ich hatte wesentlich mehr Spannung und vor allem Esprit erwartet – aber ein Klassiker wie „Brust oder Keule“ ist nun mal unerreicht…! Stattdessen ein alternder homosexueller Sack, der den Hals nicht voll genug kriegt, und langweilige, reaktionäre Frauenfiguren – nee, dieser Tatort ist trotz des vielversprechenden Schauplatzes (und Batic undercover) überhaupt nicht meine Tasse Tee. Beziehungsweise, um es mit den Worten der Restaurantbesitzerin zu sagen: très banal.
Mir fällt auf, dass als Edgar Kaufmann, dem Hotelier aus der Folge, andauernd Helmut Berger als Schauspieler aufgeführt ist. Es ist aber ein anderer Schauspieler, der nur marginal Gesichtszüge von Helmut Berger hat. Ob hier kurzfristig umbesetzt wurde? Helmut Berger ist sicher ein schöner Mann gewesen, aber 2007 kam er glaube ich auch schon nicht mehr an die äußere Verfassung des Schauspielers heran, der tatsächlich zu sehen ist.
Der Schauspieler in „Der Finger“ heisst tatsächlich Helmut Berger und ist ebenfalls Österreicher, aber nicht mit dem seit den späten 60ern bekannten und mittlerweile verstorbenen gleichnamigen legendären Schauspieler, Visconti-Lebensgefährte und Dschungel-Camper identisch. Der hat leider nie in einem Tatort mitgewirkt.
@S.
Bitten diesen 1949 geborenen Helmut Berger (#281 Stahlwalzer/1993) nicht mit _dem_ Helmut Berger des Jahrgangs 1944 verwechseln!
Ich sage nur De Sicas ‚Der Garten der Finzi Contini’/1970 und Viscontis ‚Ludwig II.’/1973!
Aber leider auch ‚Inga Lindström – Svens Vermächtnis’/2011 …
Der weniger bekannte erste Berger war u.a. in der inoffiziellen TO-Folge #199a Atahualpa/1987 zu sehen, die nur in Ö lief.
Er hat einen ebenfalls schauspielernden – und bekannteren – Bruder namens Wolfram, der einem z.B. als Oberst Brandner in den 10 Episoden ‚Trautmann‘ (2000-2008) begegnet, den Polycarp Trautmann spielt Wolfgang Böck – sehenswert!