Tatort Folge 845: Nachtkrapp

Kurz und knapp – darum geht’s

Eine katholische Jugendgruppe aus der Schweiz erlebt in einem deutschen Schullandheim am Bodensee ein tragisches Ende ihres Ausflugs: Der junge Beat Noll wird entführt, missbraucht und ermordet im See aufgefunden. Für Kommissarin Klara Blum und ihren Kollegen Kai Perlmann beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der durch die Zusammenarbeit mit dem wenig kooperativen Schweizer Ermittler Matteo Lüthi zusätzlich erschwert wird. Als Hauptverdächtiger gilt schnell der kürzlich aus der Haft entlassene Kindermörder Holger Nussbaum – doch als die Kommissarin ihn festnehmen will, greift dieser zu drastischen Mitteln und entführt Blum in einen abgelegenen Bunker in den Schweizer Bergen…

Inhalt der Tatort-Folge „Nachtkrapp“

Nebelschwaden ziehen über den nächtlichen Bodensee, als ein Fischer eine grausige Entdeckung macht: Im dunklen Wasser treibt die Leiche eines Jungen. Kommissarin Klara Blum, die bereits seit zehn Jahren in Konstanz ermittelt, steht am Ufer und schaudert – nicht nur wegen der kühlen Morgenluft, sondern auch wegen der Erinnerungen an einen ähnlichen Fall vor Jahren. Die ernste Stimmung wird jäh unterbrochen, als ihr der selbstbewusste Schweizer Kollege Matteo Lüthi entgegentritt und sofort die Leitung des Falls an sich reißen will. „Dieser Junge gehört zu meiner Zuständigkeit“, beharrt er mit schneidender Stimme, obwohl der Tatort auf deutschem Gebiet liegt.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ermittlern gestaltet sich wie ein Tanz auf dünnem Eis – jeder Schritt könnte zum Bruch führen. Klara Blum wirkt angespannt, ihre Autorität wird offen in Frage gestellt, während Perlmann versucht, zwischen den Fronten zu vermitteln. Lüthi, der früher für den Schweizer Nachrichtendienst tätig war, behält Informationen für sich und arbeitet mehr gegen als mit den deutschen Kollegen.

In der bedrückenden Atmosphäre des Schullandheims befragt das Ermittlerteam die verstörten Jugendlichen der Schweizer Reisegruppe. Der bleiche Moritz sitzt zitternd auf seinem Bett, seine Augen gerötet von Tränen: „Es hätte mich treffen sollen“, flüstert er kaum hörbar. „Wir haben die Betten getauscht. Der Nachtkrapp hat ihn geholt.“ Diese kindliche Erklärung – der Nachtkrapp, eine im süddeutschen Raum bekannte Schreckfigur, die nachts umherstreifende Kinder entführt – lässt die Ermittler aufhorchen. Denn was, wenn der Junge Recht hat und ein anderes Opfer vorgesehen war?

Die Nachforschungen führen die Kommissare zu Holger Nussbaum, der nach 15 Jahren Haft wegen ähnlicher Taten wieder auf freiem Fuß ist. Wie ein düsterer Schatten hängt seine Vergangenheit über dem Fall, denn Klara Blum selbst hatte ihn damals überführt. Die Fahndung nach Nussbaum gleicht der Suche nach einer schwarzen Katze in einer mondlosen Nacht – er kennt jeden Winkel der Bodenseeregion und weicht den Ermittlern geschickt aus.

Während das Team auch den Diakon Franz Hobmann und die Leiter des Schullandheims, Herbert und Andreas Bogener, ins Visier nimmt, spitzen sich die Ereignisse zu. Als Klara Blum schließlich allein eine Spur zu Nussbaum verfolgt, ahnt sie nicht, in welche Gefahr sie sich begibt. Die Jagd nach der Wahrheit führt sie bis in die raue Einsamkeit der Schweizer Alpen, wo ein verzweifelter Mann zu allem bereit ist…

Hinter den Kulissen

Mit der 845. Tatort-Folge „Nachtkrapp“ feierte der Konstanzer Tatort sein zehnjähriges Jubiläum auf den Bildschirmen. Die gemeinsame Produktion des Südwestrundfunks (SWR) und des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) wurde unter der Regie von Patrick Winczewski in Konstanz und Umgebung, Baden-Baden, Kreuzlingen sowie im Säntisgebiet gedreht. Der Film führt das Ermittlerteam vom Bodensee, Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), in ihrem 19. gemeinsamen Fall an ihre Grenzen.

In den Gastrollen brillieren Roland Koch als eigenbrötlerischer Schweizer Ermittler Matteo Lüthi und Hansa Czypionka in der vielschichtigen Rolle des verdächtigen Holger Nussbaum. Der junge Elia Sager überzeugt als traumatisierter Moritz, der mit dem Aberglauben an den Nachtkrapp ringt – jene Kinderschreckfigur, die dem Film seinen Titel gab.

Bei der Erstausstrahlung am 7. Oktober 2012 verfolgten in Deutschland 8,26 Millionen Zuschauer das düstere Geschehen am Bodensee, was einem beachtlichen Marktanteil von 23,2 Prozent entsprach. In Österreich erreichte der Film 651.000 Zuschauer und damit 21 Prozent Marktanteil.

Nach der Ausstrahlung kursierten in Foren und Medien kontroverse Meinungen zur Folge. Während einige Kritiker die Handlung als überladen und unglaubwürdig bezeichneten, lobten andere die atmosphärische Umsetzung des sensiblen Themas. Besonders die mythologische Figur des Nachtkrapps – im süddeutschen und österreichischen Raum eine bekannte Kinderschreckfigur – sorgte für Gesprächsstoff. Der schwarze Vogel, der angeblich Kinder holt, die sich nach Einbruch der Dunkelheit noch im Freien aufhalten, diente als symbolische Ebene für die dunklen Abgründe des Falls.

Videos zur Produktion

Trailer

Besetzung

Hauptkommissarin Klara Blum – Eva Mattes
Hauptkommissar Kai Perlmann – Sebastian Bezzel
Annika Beck [Beckchen] – Justine Hauer
Matteo Lüthi [Thurgauer Kantonspolizei] – Roland Koch
Herbert Bogner – Hendrik Arnst
Anneke Bogner – Cornelia Schmaus
Franz Hobmann [Diakon] – Yves Raeber
Holger Nussbaum – Hansa Czypionka
Beat Noll – Jérome Humm
Moritz – Elia Sager
N.N – Young-Shin Kim
N.N – Michael Krabbe
u.a.

Stab

Drehbuch – Melody Kreiss
Regie – Patrick Winczewski
Regieassistenz – Janis Rebecca Rattenni
Erster Aufnahmeleiter – Rudolf Kurz
Continuity – Veronika Schmidt
Produktionsleitung – Dieter Streck
Kamera – Ralf Nowak
Kostüme/Kostümbild – Charlotte Graf
Maske/Maskenbildner – Kurt Zahel
Produktionsassistenz – Claudia Schindler
Ton/Filmtonmeister – Lutz Pape
Produzent – Uwe Franke
Ton/Filmtonassistenz – Till Ortner
Set-Aufnahmeleitung – Stefan Bock
Musik – Andreas Hoge

21 Kommentare

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  1. vor 13 Jahren

    Ist von tvspielfilm als grottenschlecht bewertet worden.

  2. vor 13 Jahren

    Habe die Vorpremière in Konstanz gesehen. Wirklich einer der besten Tatorte!

  3. vor 13 Jahren

    ich habe fast alle Tatorte gesehen und das war der schlechteste Tatort den ich je gesehen habe -(nicht was die Schauspieler betrifft)
    so konstruiert und gestellt

  4. moz
    vor 13 Jahren

    der letzte bulle vom bodensee

  5. vor 13 Jahren

    …fand ich gut inszeniert. gut umgesetzt. spannend.
    die ch-polizisten sind endlich ohne folklore dargestellt.


  6. Ende der Erstausstrahlung

  7. vor 13 Jahren

    Guten Morgen Zusammen.
    ich muss zugeben, ich schaue mir das Konstanzer Team mittlerweile sehr gerne an! Der Film gestern war spannend und gute Unterhaltung. Gerade, wenn man selbst Kinder hat, bleibt bei solchen Filmen immer ein fader Beigeschmack. Gudrun stimme ich insofern zu, dass Kinder ein einfaches Mittel sind um die Sympathien auf sich zu ziehen. Schade ist nur, dass im Fernsehen immer (oder fast), ein Happy-End hat. Wenn er den Jungen vor seinem Selbstmord noch umgebracht hätte – DAS wäre noch ein Paukenschlag gewesen….

  8. vor 13 Jahren

    Auch ich sehe mir immer gerne die Herrschaften aus Konstanz an und war gestern weder positiv noch negativ angetan. Es ist jetzt kein Muss die Folge gesehen zu haben schadet aber auch nicht.
    Muss Harry recht geben, dass die Schweitzer wirklich ohne Folklore dargestellt wurden und finde auch die Kinder-Thematik durchaus eine Überlegung wert. Versucht man sich so an die letzten Quoten zu klammern?

  9. vor 13 Jahren

    Langweilig und hanebüchen konstruiert.
    Bodensee-Tatorte sind einfach die schlechtesten und werden es auch bleiben.

  10. vor 13 Jahren

    schließe mich der beurteilung von „harry“ an.

  11. vor 13 Jahren

    die absolut perfekte TO – Produktion wird es wohl im gesamten TV – Leben nicht geben –
    obwohl das Bodenseeteam nicht unbedingt zu meinen persönlichen TO – Lieblingen gehört ,
    muß ich sagen : diese Produktion war einfach solide gemacht und somit gut und hat mir so ziemlich von Anfang bis Ende gefallen .
    Diesbezüglich weine ich meinen gezahlten GEZ – Gebühren sozusagen keine Träne nach .

  12. vor 13 Jahren

    Hier gab es nicht nur Ungereimtheiten, sondern auch intern-offene Fragen :
    Was tut denn nun der Schweizer Nachrichtendienst des Bundes (NDB), den es eigentlich ja erst seit Januar 2010 gibt ? (Zuvor war das die getrennte Aufgabe von „Analyse und Prävention DAP“ und des „Strategischen Nachrichtendienstes SND“)
    Ermitteln in China ?
    War das Erscheinen von Peter Jordan, der zuletzt den Bundesnachrichtendienst -Kontakt Uwe Kohnau (Batus Vorgesetzter] ein versteckter Hint, dass Perlmann/Blum fast nur fuer eine Statistenrolle agiert haben, um so etwas wie eine Schweizer „24“-version zu promoten?
    Schiebig und Lahm.
    Bitte nicht wiederholen. Perlmann/Blum sind ansonsten ein Klasse-team und das auch wenn Reto Flückiger auftauchte.
    Dabei hat alles gut angefangen. Satirisches Schmunzeln re: verdaechtige katholische Kirche, denen man persoenlich die Taeterrolle besser „gegoennt“ haette, als diesem Online-Klischee-Voyeurist. Eigentlich waren auch nur die *letzten 15 Minuten konstruiert, dann aber schlaegst fast 13x zuviel Unsinn: Der „Zufall“, dass unschuldiger Taeter den wirklichen „Damals“- und Heute-Taeter gekannt und gesehen hat, laesst keinen anderen Schluss zu als grober Unsinn. Wieso hatte Holger Nussbaum keine nassen Hosen, als er in das Taeter-Schiff stieg, was auch vom Timing ueberhaupt keinen Sinn machte, inklusive an-und ablegen. Da nun aber auch weder das Motiv oder das gestellte Alibi wegerklaert wurde, sowie ein unsinniges Foto enthuellt wurde, war extrem Schwachsinn, das man bei b-movies ueberlachen kann. Dann hatte Blum aber auch Muenzgeld fuer ein Telefon (im Touristengebiet ohne Karte) und wusste eine Telefonnummer von Tatverdaechtigen auswendig (oder hatte sie ein Buechlein mit ?). Noch aergerlicher war die angespielte Parodie auf „Schweigen der Laemmer“ von einem niemals klarer gewesenen Hauptverdaechtigen. Kippte also immer mehr in so ne Edgar-Wallace-Parodie um, mit einem komplett verzogenem Ende, wo auch noch unlogischerweise das Opfer beschuetzt wurde.
    Noch mehr: Die Assistentin von Matteo Lüthi wurde mit was ? bedroht. Offensichtlich keine Pistole, sondern eben nur [das kann man wirklich spoilern : ein Messer ! Muss danach so eine Beamtin nicht entlassen werden, wenn sie dagegen keine Standardgriffe hat.
    Den Rest von EdWood’schen Elementen erspare ich mir nun (starker Husten als Wiedererkennung in der Schweiz, Handys die man unter Wasser nicht orten kann, unberechtigte Kinderbetreuung auf deutschem Ermittlungsraum, fehlende Infrarot-Hubschrauber bei Nacht trotz NDB-Connections etc…) erspare ich mir hier, da ich Perlmann/Blum wirklich mag und ich die Vorherkommentare nicht verstehe, deren Faelle waren ueberwiegend gut und Perlmann kam hier leider zu kurz. 3 von 5, da wie gesagt, bis zu den letzten 15 minuten war alles annehmbar ;-
    ps: es ist uebrigens der Nachtrapp, *nicht NachtKrapp, den man nur so in Oesterreich kennt. In der Schweiz ist dieser Art boese Sandmann weitaus unbekannt und nur in Sueddeutschland nennt man in halt Nachtrapp, well anyway [nico, new york city]

  13. vor 13 Jahren

    Sehr interessant, der Kommentar ;-)
    Ich finde, ALLE neuen Tatorte sind zu konstruiert und wirklichkeitsfremd! Früher waren es Krimis, klar durchdacht, logisch aufgebaut!
    Heute sind es Psychostücke, warscheinlich auch zu viel geschnitten: muss ja in die 90 Minuten passen! Und Requisiteure sind wichtiger als Darsteller, die meist nicht komplett aufgeführt werden!
    Leute, macht wieder bodenständige Krimis, das andere gehört z.B. zu „Bloch“!

    q52

  14. vor 13 Jahren

    Für mich definitiv einer der besten Tatorte neuerer Zeit oder wann habe ich das letzte Mal die Pause-Taste gedrückt als ich aufs Klo musste??

  15. vor 13 Jahren

    Der Anfang des Films erinnert doch irgendwie an den ’schwarzen Mann‘, den sie vor einem Jahr gefasst haben.

  16. vor 13 Jahren

    Also der konstanzer tatort ist für mich echt der Bodensatz der Sonntag-Abend-Unterhaltung. Wer mir da wiedersprechen will, darf das gerne tun, aber da bin ich echt auf die Argumente gespannt.

  17. vor 13 Jahren

    Die absolute Grotte von Tatort. Ich habe selten einen so langweiligen Film mit ebenso langweiligen „Schauspielern“ gesehen. Man hätte ebenso 1 1/2 Stunden lang live aus dem Schnarchlabor senden können, wäre vielleicht unterhaltsamer gewesen. Wer denkt sich so einen Käse aus?
    W v.H.

  18. thi
    vor 10 Jahren

    Die Bewertungsfunktion ist ja echt fürn Arsch, wenn hier 90% der Kommentatoren nicht damit umgehen können.

    Ich fand die Folge spannend und interessant genug, mit kleineren Schwächen. Das mit dem Husten habe ich als Absicht verstanden, damit der Busfahrer sich besser an sie erinnert, falls er befragt wird. Ansonsten konnte ich der zugegeben etwas wirren Handlung ganz gut folgen. Die Entführung war dann irgendwann etwas zu viel des Guten, wurde dann ja auch schnell sein gelassen.

  19. vor 10 Jahren

    Komentaren überflüssig. Einfach nur klasse Tatort. 5 Sterne. Klasse.

  20. vor 10 Jahren

    Der Tatort Nummer 845. Konstanz-Bodensee. Ermittler: Hauptkommissare Blum und Perlmann (Deutschland) sowie Kommissar Lüthi (Schweiz). Ein beklemmender Fernseh-Thriller um Jungenmorde und sexuellen Abartigkeiten. Der Film in der Handlung, ein wenig unrealistisch dargestellt, hat aber leider Gottes reale Straftaten als Drehhintergrund. Aber so ist nun einmal Thriller-Unterhaltung und sollte es auch bleiben. Die Ermittler, emotionsgeladen aber nervenstark, stellen letztendlich den Täter und können ihm dennoch nicht habhaft werden. Kinder verschwanden seit Jahrhunderten plötzlich und unerwartet. Ob Märchen, Sagen oder Legenden. Ein Hoch auf die moderne Aufklärung. Ehrlich.

  21. vor 4 Jahren

    Leider gibt es hier keine Null-Sterne. Ich warne jeden, bitte nicht ansehen. Wirklich einer der schlechtesten Tatorte ever.

  22. vor 3 Jahren

    Ich bin immer wieder beeindruckt, wie gut Polizisten auf Kinder aufpassen können (Achtung, Ironie!)

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