Tatort Folge 191: Blindflug

Kurz und knapp – darum geht’s

Dichter Nebel über Frankfurt, und Flugkapitän Christian Beck setzt trotz dringender Warnungen zur Landung an – es sollte sein letzter Flug werden. Nur Stunden später liegt der für seine Affären berüchtigte Pilot erschossen in einem Flughafenhotel. Hauptkommissar Edgar Brinkmann nimmt die Ermittlungen auf und stößt schnell auf ein Netz aus Eifersucht und Intrigen: Beck hatte dem Chefsteward Günter Marbach die Freundin ausgespannt. Als die Stewardess Anita ebenfalls einem Gewaltverbrechen zum Opfer fällt und Marbach plötzlich verschwindet, führt die Spur in ein exklusives Antiquitätengeschäft – wo Brinkmann eine tödliche Überraschung erwartet…

Inhalt der Tatort-Folge „Blindflug“

„Tower an Flugnummer 731, negativ für Landung, sofort durchstarten!“ Die Worte des Fluglotsen verhallen ungehört im Cockpit. Durch eine Wand aus Regen und Nebel steuert Flugkapitän Christian Beck seine Maschine auf die Landebahn des Frankfurter Flughafens zu. Das typische Grinsen des Frauenhelden sitzt noch fest in seinem Gesicht – schließlich wartet in seinem Hotelzimmer bereits die attraktive Stewardess Anita. Was er nicht ahnt: In wenigen Stunden wird dieses Lächeln für immer erstarren.

Hauptkommissar Edgar Brinkmann steht fröstelnd im grellen Neonlicht des Hotelzimmers, das nun zum Tatort geworden ist. Seine müden Augen scannen die Szenerie, während draußen die Triebwerke startender Maschinen dröhnen. Der erfahrene Ermittler spürt: Dieser Fall wird ihm alles abverlangen. Da ist zunächst Chefsteward Günter Marbach, dessen Gesicht beim Verhör zwischen Trauer und unterdrückter Wut schwankt. Beck hatte ihm seine Freundin Anita ausgespannt – ein Motiv wie aus dem Bilderbuch. Doch Marbach beteuert seine Unschuld mit der Verzweiflung eines Mannes, der selbst nach Antworten sucht.

Die Befragung der Stewardess Anita gleicht einem Flug durch Turbulenzen. Ihre Aussagen schwanken wie eine Maschine im Sturm, ihre Hände zittern beim hastigen Anzünden einer Zigarette. „Ich habe nichts gesehen“, behauptet sie, doch ihre Augen erzählen eine andere Geschichte. Bevor Brinkmann sie ein zweites Mal befragen kann, stürzt sie vom Balkon ihres Apartments – Unfall, Selbstmord oder ein weiterer Mord?

Wie Kondensstreifen am Himmel ziehen sich die Spuren durch Frankfurts Unterwelt. Sie führen zu einem noblen Antiquitätengeschäft, wo Becks Ehefrau Doris sich ihre eigene Existenz aufgebaut hat. Zwischen wertvollen Möbeln und antiken Uhren bewegt sie sich wie eine Königin in ihrem Reich – unberührt von den Eskapaden ihres Mannes. Oder täuscht dieser Eindruck? Ihr Geschäftspartner Löbel umkreist sie wie ein Schatten, seine Blicke verfolgen jeden ihrer Schritte.

Als Marbach nach München flieht, verwandelt sich der Fall in eine Verfolgungsjagd quer durch die Republik. Zwischen den Häuserschluchten der bayerischen Metropole entwickelt sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nichts ist, wie es scheint.

Hinter den Kulissen

„Blindflug“ markiert als 191. Tatort-Episode einen Höhepunkt in der Ära des Frankfurter Ermittlers Edgar Brinkmann. Der am 29. März 1987 erstausgestrahlte Film des Hessischen Rundfunks vereint unter der Regie von Sylvia Hoffman, der damals führenden Krimiregisseurin des HR, ein Ensemble hochkarätiger Schauspieler.

In der Rolle des verdächtigen Chefstewards brilliert Uwe Ochsenknecht, der zu dieser Zeit dank „Das Boot“ (1981) und „Männer“ (1985) auf dem Höhepunkt seiner Popularität war. Seine intensive Darstellung eines Mannes am Rande des Abgrunds trägt den Film auch über längere Dialogpassagen. Susanne Uhlen verleiht der Stewardess Anita eine faszinierende Mischung aus Verletzlichkeit und Verschlagenheit. In einer bemerkenswerten Nebenrolle ist der frisch aus der DDR übergesiedelte Thomas Thieme als Taxifahrer zu sehen – sein erster Auftritt im westdeutschen Fernsehen.

Die authentischen Dreharbeiten am Frankfurter Flughafen stellten das Produktionsteam vor enorme logistische Herausforderungen. Kameramann Werner Hoffmann fing die hektische Atmosphäre des Flughafenbetriebs in dynamischen Bildern ein, während der innovative Soundtrack von Ralf Zang mit seiner Mischung aus Rock, Jazz und elektronischen Klängen der Zeit weit voraus war.

Die Ausstattung des Films bietet ein authentisches Zeitporträt der späten 80er Jahre, komplett mit überdimensionierten Schulterpolstern und gewagten Föhnfrisuren. Besonders die Szenen im Antiquitätengeschäft bestechen durch ihre detailverliebte Gestaltung. Der Fall „Blindflug“ entwickelte sich zu einem der meistdiskutierten Tatorte seiner Zeit und festigte den Ruf von Regisseurin Hoffman als Meisterin des atmosphärischen Kriminalfilms.

Videos zur Produktion

ARD Plus Trailer

Besetzung

Kommissar Brinkmann – Karl-Heinz von Hassel
Günter Marbach – Uwe Ochsenknecht
Christian Beck – Rüdiger Bahr
Doris Beck – Astrid Jacob
Anita Brückner – Susanne Uhlen
Frank – Christian Mey

Stab

Drehbuch – Sylvia Hoffman
Regie – Sylvia Hoffman
Kamera – Werner Hoffmann, Armin Alker
Szenenbild – Horst Klös
Musik – Ralf Zang

Bilder: HR/Kurt Bethke

4 Kommentare

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  1. vor 10 Jahren

    Herrvorragend spannend ohne Tadel……..ich hatte schon vor keine Tatort Sendungen mehr zu schauen.Grund:die letzten Folgen waren teilweise die Schauspieler nur schwer zu verstehen oder garnicht. Die Hintergrundmusik /geräusch war so laut das die Unterhaltungen einfach übertönt wurden.Die Tontechniker sollten sich mal auf die Unterhaltungen konzentrieren ! Zweiter Grund,teilweise nuscheln die Schauspieler,wenn dann auch noch Hintergrundgeräuche besser gesagt Vordergrundgeräusche/Musik ist kann man nur noch raten. Ermüdent…

  2. vor 9 Jahren

    Der Tatort mit der Nummer 191. Zuständig für die Frankfurter Mordkommission ist der Hauptkommissar Brinkmann, ein seriöser Polizeibeamter der alten Art. Dieser ermittelt zusammen mit seinen Kollegen in einem mysteriösen Mordfall. Ein Pilot wird ohne Vorwarnung in einem Hotelzimmer erschossen, ein möglicher Täter ist schnell ausgemacht, der wiederum schiebt die Schuld einem anderen zu, so unschuldig wie der Verdächtige selbst. Dann geschieht ein zweiter Mord, eine Stewardess muss dran glauben. Brinkmann fährt im Kreis auf einer falschen Spur. Das Ende überraschend und im Höchstmaß gemein. Ein Tatort-Krimi den man gesehen haben muss. Spannend und sehenswert bis zum ungläubigen Schluss und äußerst wiederholungswert.

  3. vor 8 Jahren

    Gehört neben Automord zu den besten Brinkmännern. Ach ja Tod fährt Achterbahn war ebenfalls spitze. Uwe Ochsenknecht spitzenklasse. Super Story klasse Ermittlung. Da lohnt es sich den Brinkmann einzuschalten wenn er denn mal wieder laufen würde. Spannend klasse super 4,7 Punkte

  4. vor 3 Jahren

    Affe Ochsenknecht 🙄
    Passt aber zu der Person den er spielt in diesen sehr mäßigen Tatort.

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