Kurz und knapp – darum geht’s
Als die Leiche der fünfzehnjährigen Silke Rupp auf einem Acker bei Hamburg gefunden wird, nehmen die Kommissare Stoever und Brockmöller die Ermittlungen auf. Schnell führt die Spur zu Thomas Bading, einem etwa 40-jährigen Geschäftsmann, der eine Vorliebe für minderjährige Mädchen hat – doch als die Ermittler ihn zur Rede stellen wollen, finden sie Bading selbst erschlagen in seiner Wohnung. Was zunächst wie ein klarer Fall aussieht, entwickelt sich zu einem komplexen Geflecht aus Geständnissen, Lügen und Unterschlagung in der Familienfirma, bei dem die Hamburger Kommissare feststellen müssen, dass manchmal selbst ein gelöster Fall kein glückliches Ende bedeutet. Wie sich die Geschichte entwickelt, ist am 4. August 1991 um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen.
Inhalt der Tatort-Folge „Tod eines Mädchens“
Graue Regenwolken hängen tief über der Hamburger Hafenstadt, als ein Bauer auf seinem Feld die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt. Das blasse Gesicht der Toten wirkt seltsam friedlich, fast als würde sie schlafen. Kriminalhauptkommissar Paul Stoever betrachtet die Szene mit zusammengekniffenen Augen. Sein Kollege Peter Brockmöller steht daneben, den Kragen hochgeschlagen gegen die feuchte Kälte. „Das ist kein gewöhnlicher Tatort“, murmelt Stoever. „Das Mädchen wurde hierher gebracht.“
Die Obduktion ergibt, dass die fünfzehnjährige Silke Rupp durch einen Stromschlag in der Badewanne ums Leben gekommen ist – doch der Fundort auf dem Acker lässt den Schluss zu, dass jemand ihre Leiche dort abgelegt hat. Die Klassenkameraden des Opfers berichten den Ermittlern, dass Silke sich gerne mit älteren Männern getroffen habe, zuletzt regelmäßig mit einem gewissen Thomas Bading, einem Kollegen von Ulrike Jahns Vater.
Stoever, dessen Vaterinstinkte bei Fällen mit Minderjährigen stets besonders ausgeprägt sind, kann seine Abscheu kaum verbergen. „Ein Mann, der sich mit Schulmädchen einlässt, hat schon verloren“, knurrt er, während Brockmöller besonnener bleibt. Die Ermittlungen der beiden führen wie feine Fäden durch das Netz aus Beziehungen um Silke herum. Ihre Freundin Ulrike Jahn hatte sich am Todestag ebenfalls mit Bading treffen wollen, aber dann abgesagt – eine Information, die die Kommissare aufhorchen lässt.
Als Stoever und Brockmöller Bading in seiner Wohnung aufsuchen wollen, erleben sie eine schockierende Überraschung: Wie ein zerbrochenes Spielzeug liegt der Mann auf dem Boden – erschlagen, das Blut bereits getrocknet. Die Jagd nach dem Mörder gleicht nun einem Puzzle, bei dem ständig neue Teile auftauchen. Die Ermittler suchen Antworten in der Badingwerft, einem Familienunternehmen, das vom verbitterten Vater Johannes Bading geführt wird. In den kalten, hallenden Werkshallen, wo das Metall unter Hammerschlägen klingt, beschreibt der alte Bading seinen Sohn als verzogenes, verantwortungsloses Kind, während die Arbeiter vielsagende Blicke tauschen.
Die Kriminaltechnik liefert indes den Beweis: Silke ist tatsächlich in Badings Badewanne gestorben. „Es war Pech, aber kein Mord“, erklärt der Techniker, „das Radio ist ins Wasser gefallen.“ Doch warum wurde die Leiche weggeschafft? Und wer hat Bading erschlagen?
Die Befragung im Hause Jahn bringt überraschende Wendungen: Erst gesteht Ulrikes Mutter den Mord an Bading, doch ihre Geschichte weist Unstimmigkeiten auf. Dann tritt Ulrike vor und behauptet, sie habe Bading mit einer Glaskaraffe erschlagen, nachdem sie erfahren hatte, was mit ihrer Freundin passiert war. „Er hat gelacht, als ich ihn nach Silke fragte“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme. Aber auch ihre Version passt nicht zu den forensischen Beweisen – die Tatwaffe wurde von Fingerabdrücken gereinigt, und die Uhrzeit des Todes stimmt nicht mit Ulrikes Aussage überein.
Wie ein dunkler Schatten über der ganzen Ermittlung liegt zudem eine überraschende Entdeckung: In der Firmenkasse der Badingwerft fehlt ein erheblicher Betrag. Johannes Bading will nach dem Tod seines Sohnes – seines einzigen Erben – die Firma an Manfred Meissen übergeben, einen langjährigen Mitarbeiter und Freund des verstorbenen Thomas. Als die Kommissare Meissen mit den Fakten konfrontieren, in einem Raum, in dem das Neonlicht wie kalte Wahrheit über allem liegt, ahnen sie bereits, dass die Aufklärung dieses Falls ihnen keinen Triumph bringen wird …
Hinter den Kulissen
Der Tatort „Tod eines Mädchens“ ist die 246. Folge der erfolgreichen Krimireihe und wurde vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) produziert. Für den erfahrenen Regisseur Jürgen Roland, der zuvor durch die legendäre Serie „Stahlnetz“ bekannt geworden war, markierte dieser Film den Einstieg in die Stoever-Reihe – er sollte insgesamt vier Fälle mit dem beliebten Hamburger Ermittlerduo inszenieren.
Gedreht wurde der Film im Frühjahr 1991 an verschiedenen Schauplätzen in Hamburg und Umgebung. Die Kulisse der Badingwerft entstand in einer tatsächlichen Werft am Hamburger Hafen, was dem Film eine authentische Hafenstadt-Atmosphäre verleiht.
In den Hauptrollen glänzen wie gewohnt Manfred Krug als knorriger Kommissar Paul Stoever (sein 15. Fall) und Charles Brauer als sein besonnener Kollege Peter Brockmöller (zum 12. Mal im Einsatz). Das Drehbuch stammt aus der Feder von Horst Bieber, der einen ungewöhnlich düsteren und moralisch vielschichtigen Fall entwickelte.
Die Erstausstrahlung erfolgte am Sonntag, den 4. August 1991, im Ersten Programm der ARD. Besonders bemerkenswert an dieser Folge ist das pessimistische Ende – anders als in vielen anderen Tatort-Episoden können sich die Ermittler nicht über ihren Erfolg freuen, da die Aufklärung des Falles sie menschlich tief berührt und erschüttert.
Nach der Ausstrahlung wurde in Fankreisen viel über die moralischen Grautöne dieser Folge diskutiert – insbesondere darüber, dass hier niemand wirklich unschuldig ist und selbst die Wahrheit am Ende keinen Trost bietet. „Tod eines Mädchens“ gilt unter Tatort-Kennern als eines der dunkleren Kapitel der Stoever/Brockmöller-Ära und zeigt exemplarisch, wie die Reihe in den frühen 1990er Jahren zunehmend auch gesellschaftliche Tabuthemen verhandelte.
Sön :)
Interessant, mal einen Tatort von 1991 zu sehen. Gut war, wie Stoever und Brockmüller überzeugend als Team zusammen arbeiteten. Keine Quotenfrau störte.
Die Mädchen, nun sie waren nicht unschuldig. Nur damals musste auch die 14-jährige von Schuld befreit werden, obgleich sie ihrem Liebhaber eine Karaffe mehrmals auf den Kopf schlug. Aber er war noch nicht tot. So ein Glück, dass der männliche Konkurrent kam, um die unschuldige Tat zu vollenden. Das Mädchen durfte nach Hause gehen…..
Gut gedrehter und solider Tatort mit der Nummer 246 aus Hamburg. Die beiden Hauptkommissare Stoever und Brockmöller ermitteln im angeblichen Mordfall eines jungen Mädchens, später kommt ihr älterer Liebhaber ebenfalls ums Leben. Ein haarsträubender Tatort-Krimi mit den akribischen hanseatischen Polizeibeamten, welcher nicht nur von der Liebhaberei „älterer“ Herren zu „zu jungen“ Mädchen handelt, sondern in dem es auch um Betrügereien und Gelddiebstähle innerhalb einer gut situierten Firma geht. Die Handlung etwas zu dick aufgetragen wie ich meine, aber noch ein sehenswerter Tatort-Streifen, mit Richtung zum Melodram, aus den anfangenden 1990iger Jahren.
Die Stärke dieses Tatort ist die Zeichnung der Figuren. Der althanseatische Unternehmer (Henning Schlüter), dessen Sohn, der der Seriosität seines Vaters so gar nicht gerecht wird und auf junge Mädchen steht, die schüchterne Jugendliche (Katja Studt), die andere, die es faustdick hinter den Ohren hat (Katja Woywood), die Mutter des schüchternen Mädchens, die schon die gleichen Erfahrungen mit dem Junior machte (Monica Bleibtreu). An und für sich ergibt sich die Handlung automatisch durch die extremen Figuren. Sehe ich immer wieder gerne.
If you have the opportunity, you should watch at least the last scene. Where Jürgen Roland shows us how you film a potentially boring scene: Stoever and Brocki interview the man they know is the murderer at his home where he was having his breakfast. While they talk and ask ever more difficult questions they drink his coffee and eat his bread, Stoever finishes it up with a banana and even asks for more marmelade. Stoever can be really annoying, chewing loudly, asking questions and then suddenly he makes a little joke as if he is a good friend. I love this!
Ein Klassiker aus Hamburg und eine wunderbare Zeitreise zurück ins Jahr 1991. Spannend und stark besetzt. Immer wieder gerne 4 Sterne