Kurz und knapp – darum geht’s
Ein dreijähriger Junge wird aus dem Garten seiner Eltern in einem noblen Münchner Vorort entführt und für seine Freilassung werden 100.000 DM Lösegeld verlangt. Entgegen der Forderung „keine Polizei“ schaltet der verzweifelte Vater Arthur Steinemann Kommissar Lenz und sein Team ein, woraufhin ein Polizeibeamter die Geldübergabe übernimmt. Doch was als Routinefall beginnt, endet in einer Tragödie: Der Entführer erschießt den Polizisten mit sechs Kugeln eines Revolvers. Als die Ermittler den Verdacht haben, dass der Mord eigentlich Arthur Steinemann galt, geraten sie in ein undurchsichtiges Netz aus familiären Intrigen und verborgenen Liebesbeziehungen…
Inhalt der Tatort-Folge „Roulette mit 6 Kugeln“
Angespannt starrt Kommissar Ludwig Lenz durch die Windschutzscheibe seines Dienstwagens auf das beschauliche Einfamilienhaus der Familie Steinemann, während Herbstlaub von den Bäumen rieselt und sich in den gepflegten Vorgärten der wohlhabenden Münchner Vorstadtsiedlung sammelt. Hier, wo sonst nur das Geräusch spielender Kinder zu hören ist, herrscht heute beklemmende Stille. Der kleine Martin, erst drei Jahre alt, wurde aus dem eigenen Garten entführt – ein Albtraum für jede Familie.
Lenz, der erfahrene Hauptkommissar mit dem messerscharfen Instinkt, spürt sofort, dass etwas an diesem Fall nicht stimmt. Sein Kollege Brettschneider ist pragmatischer: „Ein Standardfall, Ludwig. Entführung, Lösegeld, Übergabe, fertig.“ Doch Lenz kann seine Zweifel nicht abschütteln. Er sieht die nervösen Blicke zwischen Ruth Steinemann und ihrem Mann Arthur, bemerkt die Anspannung, die nicht nur der Sorge um den Sohn geschuldet sein kann.
„Ich möchte nicht, dass die Polizei eingeschaltet wird“, hatte Ruth Steinemann ihrem Mann eingeschärft, wie dieser kleinlaut zugibt. Eine merkwürdige Forderung für eine Mutter in Todesangst um ihr Kind. Lenz‘ Alarmglocken schrillen bereits, als Arthur Steinemann erklärt, dass er das Lösegeld von seinem Bruder Felix geliehen hat – ausgerechnet jenem Bruder, mit dem er seit Jahren im Streit um ein Grundstück liegt.
„Wieso leiht Ihnen Ihr Bruder 100.000 Mark, wenn Sie doch verfeindet sind?“, fragt Lenz mit hochgezogener Augenbraue. „Weil er im Gegenzug endlich die Erlaubnis bekommt, das gemeinsame Grundstück zu bebauen“, antwortet Steinemann, als wäre ein solcher Deal das Natürlichste der Welt. Die Ehe der Steinemanns gleicht einem brüchigen Fassadenputz, hinter dem sich tiefe Risse verbergen – Risse, die auch der kühle Herbstwind nicht verdecken kann, der durch die offenen Fenster des Einfamilienhauses weht.
Als ein Polizeibeamter die Geldübergabe übernimmt, weil Arthur Steinemann angeblich zu nervös ist, eskaliert die Situation unerwartet: Sechs Schüsse fallen in der Dunkelheit, der Beamte Seibold liegt tot am Boden, durchsiebt wie ein Schweizer Käse. Der Entführer ist mit dem Geld verschwunden. Die Fahndung nach dem Täter gleicht einem Stochern im Nebel – bis überraschend noch am selben Abend der kleine Martin wohlbehalten in einem Münchner Bierlokal gefunden wird, schlafend zwischen Maßkrügen und dem Stimmengewirr angeheiterter Gäste.
„Die Entführung war nur der Anfang, nicht das Ende“, murmelt Lenz, während er in seinem nüchternen Büro die Ermittlungsakten durchgeht. Wie Puzzleteile, die nicht zusammenpassen wollen, liegen die Fakten vor ihm: Eine distanzierte Ehefrau, die auffällig schnell zu einer Modemesse abreist. Ein Bruderstreit, der plötzlich beigelegt wird. Ein Entführer, der tötet, obwohl er sein Geld bereits hat.
Als Kriminalassistent Faltermayer von seiner Observierung zurückkehrt und meldet, dass Ruth Steinemann in auffälliger Vertrautheit mit ihrem Chef Karlo Bronner gesehen wurde, dämmert Lenz allmählich die grausame Wahrheit. „Der Beamte Seibold war die falsche Kugel im Revolver“, sagt er zu seinem Kollegen Brettschneider. „Das eigentliche Ziel war jemand anderes.“ Das Roulette mit sechs Kugeln ist noch nicht zu Ende gespielt…
Hinter den Kulissen
Der Tatort „Roulette mit 6 Kugeln“ ist der dritte Fall des von Helmut Fischer verkörperten Münchner Kommissars Ludwig Lenz. Der vom Bayerischen Rundfunk produzierte Krimi wurde von Juni bis Juli 1983 in München und Düsseldorf gedreht. Fischer, der durch seine Rolle als „Monaco Franze“ bayerische Fernsehgeschichte geschrieben hatte, bringt seine unverwechselbare Mischung aus bajuwarischem Charme und detektivischem Spürsinn auch in diese Tatort-Folge ein.
Neben Fischer als Kommissar Lenz spielten Willy Harlander als sein Kollege Brettschneider, Manfred Zapatka als Arthur Steinemann, Ilona Grübel als Ruth Steinemann und weitere namhafte Schauspieler in diesem fesselnden Krimi mit. Insbesondere die Darstellung der zerrütteten Ehe der Steinemanns sowie die komplexe Entwicklung der Charaktere wurden von der Kritik positiv hervorgehoben.
Die Erstausstrahlung am 16. Oktober 1983 im Ersten Programm der ARD erreichte 15,53 Millionen Zuschauer und einen beachtlichen Marktanteil von 52,0 Prozent – mehr als die Hälfte aller zu dieser Zeit vor dem Fernseher sitzenden Zuschauer verfolgte also die Ermittlungen von Kommissar Lenz. Es war der dritte von insgesamt sieben Fällen, die Ludwig Lenz im Münchner Tatort lösen sollte.
Die Handlung mit der Kombination aus Familienkonflikt, Entführung und Mordversuch fügt sich in die damalige Tatort-Ära ein, die sich stark auf zwischenmenschliche Dynamiken und gesellschaftliche Konflikte konzentrierte. Nach der Ausstrahlung kursierten unter den Tatort-Fans Diskussionen über die moralischen Abgründe des Falls und die Darstellung der familiären Zerrüttung, die exemplarisch für gesellschaftliche Umbrüche der frühen 1980er Jahre stand.
Der Tatort Nummer 151 aus München, mit Kommissar Lenz, der bei Oberinspektor Veigl in die Lehre gegangen ist, sowie seinen Kollegen von der Mordkommission. Lenz macht sich Sorgen um seine Kondition, hat gerade einen Vertrag mit einem Fitness-Center abgeschlossen, die schossen im damaligen Zeitraum wie Pilze aus den Böden. Ein absolutes Muß für damalige Polizeien. Dazwischen kommt ihm aber ein Fall von Kindesentführung, der für den Vater des Kindes einspringende Polizeiassistent wird bei Übergabe des Lösegeldes mit Kugeln geradezu zersiebt und Lenz ist am Ende. Im Laufe des Falles kommt heraus, daß die untreue Ehefrau und ihr neuer Lover hinter alledem stecken und bis zuletzt versuchen, den kinderlieben Ehemann aus dem Weg zu räumen. Meine Frau sah Anfang der 1980ziger Jahre Tatort-Lenz immer gerne und so lernte ich seine Fernsehfilme nach und nach kennen. Diesen Film heute sicherlich zum letzten Male. Ehrlich.
Gute Schauspieler, gut gespielt. Ein bißchen kontruierter Fall.
Der Zuschauer fiebert mit und freut sich am Ende über die Lösung.
Es hat den richtigen getroffen!
Ich kann diesen Tatort einfach nicht ernst nehmen, da ich gerade vorher Folge #148 (Blütenträume) gesehen habe. Am Anfang sitzt Schauspieler Manfred Zapatka als Kindsvater mit 100 Tsd. DM Lösegeld in der Tasche bei der Polizei und muss sich rechtfertigen, wo er das Bargeld her hat. Als Tatort-Fans sitzen wir lachend auf der Couch und wissen genau, wo Manfred das Geld her hat – nämlich aus Folge #148 mitgenommen, wo eben jener Manfred Zapatka als Hauptfigur die ganze Zeit mit haufenweise Falschgeld durch die Gegend lief.
Tatort von 1983. Beim Ansehen gefühlte 100 Jahre her, aber nett in die damalige Zeit hineinzufühlen. Und als Münchner freut man sich über alte Stadtansichten.
Zum Film: Dilettantische Polizeiarbeit beim Überbringen des Lösegeldes, aber dann nimmt der Krimi Fahrt auf und ist unterhaltsam.
Gesehen am 2.1.2018: Tatort der letzten Generation, wer sich heute über Logikfehler und Unwahrscheinlichkeiten auslässt, darf diesen Streifen besser auslassen. Es plätschert ruhig daher, Hektik kommt nur auf, wenn man den Zug Minuten vor der Abfahr wieder verlässt. Schon die Kameraführung ist eine sehr ruhige. Die Charakteren scheinen eher zufällig reingestolpert, so richtig glaubhaft ist da keiner…
Gestern gesehen. Ich fand ihn gut, finde sowieso die alten (logischerweise) besser. Aber warum musste der Vater das Lösegeld selber besorgen? Bzw. was wäre gewesen, wenn sein Bruder ihm tatsächlich nicht geholfen hätte?
Guter und spannender Tatort aus München mit einem tollen Helmut Fischer. Immer wieder gern gesehen
Ich freue mich schon darauf. Ein Klassiker, den ich noch nie gesehen habe
Schöner Fernsehabend um sich in einen anderen Zeitgeist zu versetzen.