Tatort Folge 1106: Der Elefant im Raum

Kurz und knapp – darum geht’s

Ein gediegenes Dinner auf dem Vierwaldstättersee wird zum Albtraum, als Rauch und Leuchtraketen den Speisesaal des Schiffes füllen und der Kapitän einem Herzinfarkt erliegt. Kommissar Reto Flückiger, selbst unter den Gästen, nimmt mit seiner erkälteten Kollegin Liz Ritschard die Ermittlungen auf und stößt schnell auf Verbindungen zwischen der Luzerner Elite, Waffengeschäften und einem zwielichtigen Newsportal. Als ein kritischer Kantonsrat tot aufgefunden wird und Flückiger selbst ins Visier der Medien gerät, führt die Spur immer tiefer in ein Netz aus Korruption und Intrigen – bis sogar sein eigener Chef unter Verdacht steht …

Inhalt der Tatort-Folge „Der Elefant im Raum“

Widerwillig begleitet Reto Flückiger seine Lebensgefährtin Eveline zu einem feinen Dinner auf einem Ausflugsschiff. Während draußen das dunkle Wasser des Vierwaldstättersees gegen den Schiffsrumpf schwappt, muss er sich drinnen mit der selbstgefälligen Elite Luzerns arrangieren. Skeptisch begutachtet der bodenständige Kommissar sein Bio-Wachtelei auf Wasabipüree. „Du schuldest mir was…“, raunt er seiner Freundin zu.

Lieber wäre Flückiger bei seiner kranken Kollegin Liz Ritschard, die mit hochroter Nase und fiebernd in ihrer Wohnung liegt. Hustend und schnupfend wird sie später dennoch zum Tatort eilen, in dicke Schichten eingepackt gegen die kühle Herbstluft, die vom See herüberzieht.

Doch noch ahnt Flückiger nicht, dass dieser Abend in einem Desaster enden wird. Plötzlich unterbricht der Kantonsrat Ineichen die Festreden mit unbequemen Wahrheiten über den Gastgeber Planker, wird unsanft aus dem Saal komplimentiert. Als Flückiger ihm folgt, stößt er auf einen vermummten Mann, der ihn gewaltsam in eine Kabine sperrt. Minuten später durchschneiden grelle Leuchtraketen die Dunkelheit des Speisesaals, Rauchschwaden füllen die Luft, Scheiben bersten. Wie Schatten tanzen die panischen Silhouetten der Gäste vor dem Hintergrund der erleuchteten Seepromenade. Der Kapitän ringt nach Luft, fasst sich an die Brust und bricht zusammen – jede Hilfe kommt zu spät.

Die Fahndung nach dem verschwundenen Ineichen gleicht der Suche nach einem Fisch im weiten See. Als seine Leiche am nächsten Morgen aus der Reuss gefischt wird, wendet sich der Fall. Aus dem vermeintlichen Täter wird ein zweites Opfer, aus dem Terroranschlag ein komplexes Verbrechen mit politischem Hintergrund.

„Ich wurde fotografiert“, berichtet Flückiger seiner Kollegin, nachdem er Ineichens Wohnung durchsucht hat. Tatsächlich tauchen die Bilder kurz darauf auf dem Online-Portal „Veritas News“ auf. Der Betreiber Frédéric Roux grinst süffisant, als Flückiger ihn zur Rede stellt: „Bei uns ist das eben ein bisschen anders als bei den Mainstream-Medien. Mir ist völlig egal, wer was schreibt. Wichtig ist nur die Information.“ Seine Augen funkeln dabei wie die eines Jägers, der seine Beute in die Enge getrieben hat.

Während Ritschard trotz ihrer Erkältung akribisch die Social-Media-Aktivitäten des toten Ineichen analysiert und dabei auf merkwürdige Verbindungen zu einem Kellner namens Christian Streuli stößt, gerät Flückiger immer stärker unter Druck. Als eine mit Schweinemasken verkleidete Gestalt in einem Video weitere Gewalt gegen die „gierige Elite“ ankündigt, verliert der sonst so beherrschte Kommissar die Nerven und wird gegenüber dem provozierenden Journalisten handgreiflich.

Die Schatten der Vergangenheit reichen weit: Hinter dem Fall verbirgt sich eine Geschichte um einen verzweifelten Mann, dem sein Lebenswerk genommen wurde, um dubiose Waffengeschäfte und um politische Verstrickungen, die wie ein unsichtbarer Elefant im Raum stehen – jeder sieht ihn, aber niemand traut sich, darüber zu sprechen. Selbst Flückigers Chef Eugen Mattmann scheint in die Affäre verstrickt, wie ein Dokument beweist, das auf seinem Schreibtisch wie eine Zeitbombe tickt.

In einem dramatischen Finale muss Flückiger eine folgenschwere Entscheidung treffen. „Man muss ein Zeichen setzen“, sagt er zu Ritschard. „Eins, das alle sehen.“ Damit legt er nicht nur sein Schicksal in die eigenen Hände, sondern auch das seiner langjährigen Kollegin…

Hinter den Kulissen

Mit „Der Elefant im Raum“ verabschiedet sich das Luzerner Ermittlerteam nach insgesamt 17 gemeinsamen Fällen vom Bildschirm. Die Abschiedsvorstellung wurde vom 9. November bis zum 7. Dezember 2018 an 23 Drehtagen in Luzern realisiert. Die Dreharbeiten fanden unter anderem am Nordwestarm des Vierwaldstättersees und an der berühmten Kapellbrücke statt.

In den Hauptrollen waren zum letzten Mal Stefan Gubser als Reto Flückiger und Delia Mayer als Liz Ritschard zu sehen, die seit 2011 gemeinsam in Luzern ermittelten. Unterstützt wurden sie von Jean-Pierre Cornu als Vorgesetzter Eugen Mattmann und Fabienne Hadorn als Kriminaltechnikerin Corinna Haas. In tragenden Gastrollen brillierten unter anderem Fabian Krüger als zwielichtiger Medienmacher Frédéric Roux, Aaron Hitz als verzweifelter Christian Streuli und Andrea Zogg als einflussreicher Regierungsrat Planker.

Regie führte Tom Gerber, der durch Arbeiten für die Serie „Der Bestatter“ bekannt ist. Das Drehbuch stammte aus der Feder von Felix Benesch und Mats Frey, die ein brisantes Thema aufgriffen: die Glaubwürdigkeit staatlicher Institutionen und die Problematik manipulativer Medien im digitalen Zeitalter.

Die Erstausstrahlung am 27. Oktober 2019 im Ersten erreichte beachtliche 7,39 Millionen Zuschauer in Deutschland und einen Marktanteil von 21,1 Prozent. Der Titel der Folge spielt auf die Redewendung „der Elefant im Raum“ an – eine Metapher für ein offensichtliches Problem, das von allen gesehen, aber nicht angesprochen wird.

Mit diesem Fall wurde nicht nur das Ende der Luzerner Ära des Schweizer Tatorts besiegelt, sondern auch der Weg frei gemacht für ein neues Ermittlerinnen-Duo aus Zürich: Carol Schuler als Fallanalytikerin Tessa Ott und Anna Pieri Zuercher als Kommissarin Isabelle Grandjean, die ab 2020 die Schweizer Tatort-Tradition fortführen sollten. Nach der Ausstrahlung diskutierten Zuschauer besonders über die kritische Darstellung der Medien und die moralischen Dilemmata der Hauptfigur Flückiger, die schließlich zu seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst führten.

Videos zur Produktion

ONE Trailer

SRF Trailer

ARD Trailer

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Hauptkommissarin Liz Ritschard – Delia Mayer
Polizeichef Eugen Mattmann – Jean-Pierre Cornu
Kriminaltechnikerin Corinna Haas – Fabienne Hadorn
Journalistin Sonja Christen der „Luzerner Zeitung“ – Mona Petri
Journalist Frédéric Roux von „Veritas News” – Fabian Krüger
Redakteurin von “Veritas News” – Linda Gunst
Industrieller Planker Senior – Andrea Zogg
sein Sohn, Planker Junior – Manuel Löwensberg
Bernhard Ineichen – Martin Hug
Kapitän Iten – Christoph Künzler
Kellner Christian Streuli – Aaron Hitz
Flückigers Freundin Eveline Gasser – Brigitte Beyeler
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Felix Benesch, Mats Frey
Regie – Tom Gerber
Kamera – Jan Mettler
Szenenbild – Reto Trösch
Schnitt – Isabel Meier
Musik – Adrian Frutiger

Bilder-Galerie zum Krimi aus Luzern

21 Kommentare

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  1. vor 5 Jahren

    War doch recht ordentlich. Ein wenig oberflächlich, in Teilen arg plakativ – da konnte sich der Film nicht recht entscheiden, ob er den „Filz“ oder die zweifelhafte Rolle einer bestimmten Sorte von Medien verfolgen sollte -, aber insgesamt doch recht spannend erzählt und weitgehend zügig vorwärtsgetrieben. Überhaupt haben die Schweizer für meinen Geschmack im Vergleich zu früheren Jahren zuletzt doch stark aufgeholt. Hat mir heute gut gefallen, 3,5 Sterne, zum Abschied aufgerundet.

  2. vor 5 Jahren

    Wo war der Elefant?
    Ich glaube mich tritt ein Pferd und wahrscheinlich sieht das kein Schwein. Da lachen ja die Hühner.
    Schlafende Hunde soll man nicht wecken und Hase und Igel hätten sich schon vorher gute Nacht sagen können.
    Den Drehbuchautor sollten die letzten Hunde in den Arsch beißen.

  3. vor 5 Jahren

    Bin eingeschlafen…

  4. vor 5 Jahren

    Puh! … träge Story …furchtbare Regie… künstliche Schauspielerei… …schlechter Ton… zu nett gemeint und das macht es so unerträglich!

  5. vor 5 Jahren

    Dagegen war letzte Woche „Angriff auf Wache 08“ Oscar-verdächtig!!!

  6. vor 5 Jahren

    Zum Abschied einer tollen Tatortreihe aus Luzern war dann doch mal Schmalhans Küchenmeister. Laue Story lauwarm umgesetzt mit abgegriffenen Stilelemente. Danke für viele gute Jahre, ich runde auf… Ade

  7. vor 5 Jahren

    für einen schweitzer TO doch recht unterhaltsam und mit gelegentlichen Spuren von Spannung versehen – einziger Kritikpunkt :
    Journalistin Sonja Christen der „Luzerner Zeitung“ – Mona Petri war etwas „übernuschelt “ man hätte da tontechnisch nochmal nacharbeiten können , damit man auch den Text versteht – ansonsten wunderschöne Abschiedskulisse mit “ Wilhelm Tell – Gewässer “ und Boot


  8. Ende der Erstausstrahlung

  9. vor 5 Jahren

    War ganz okay, aber etwas dick aufgetragen.

  10. vor 5 Jahren

    Ein Abschied und ich werde sie definitiv nicht vermissen. Zum Abschluss gab es ein Potpourri aus Versatzstücken, die eigentlich für einen guten Krimi passen würden. Auch in der 16. Folge macht man aber noch Anfängerfehler: Es wird einfach zu viel in den Plot reingeworfen, bis die losen Fäden schon Wollmäuse ansetzen… Aber halt da war ja noch was, die Abschiedsvorstellung muss ja auch noch gewürdigt werden… Fertig ist der Brei. Wirklich ganz übel.

  11. vor 5 Jahren

    Habe nur kurz reingeschaut und was ich gesehen habe, fand ich langweilig. Gut, dass es vorbei ist.

  12. vor 5 Jahren

    Leider konnte der Schweizer TO nur ganz selten sein zweifellos vorhandenes Potential entfalten. Immerhin wäre Luzern/Vierwaldstätter See eine schöne Gegend und Stefan Gubser kein schlechter Schauspieler. Alle 3 Krimis vom Bodensee (TO-Konstanz), in denen die Figur Reto Flückiger auftrat, haben mich mehr überzeugt (z.B. „Der Polizistinnenmörder“). Das schlechte Abschneiden des Luzerner TO hatte m.E. viel mit der Sprache/Synchronisation zu tun, das Drehbuch bzw. die Ausführung wirkten ebenfalls oft laienhaft.
    In der gegenständlichen Folge war die letzte Viertelstunde durchaus spannend, mit Anflug von philosophischer Gesellschaftskritik, verblieb aber letztlich doch in Oberflächlichkeit.
    P.S.: Wer der „Elefant“ im Raum war, blieb mir unklar. Habe ich etwas verpasst?

  13. vor 5 Jahren

    Habe wieder mal Lust eine TO-Kritik abzugeben. Der beste TO, der durch die CH gedreht wurde, obschon etwas zu überladen, da man sich nicht entscheiden konnte, ob man den FILZ als Aufhänger nehmen sollte oder doch etwa den sehr gut gemachten Enthüllungsjournalismus. Die Folge wurde ja bereits vor einem knappen Jahr abgedreht, sonst wäre sicher noch eine Klimademonstration oder eine Schweizer Greta eingebaut worden.
    Alles in allem eine gelungene Abschiedsvorstellung von Flückiger und Ritschard. Der Segeltörn am Ende war ja vor der Küste von Alassio/Albenga/Andora, wenn ich mich nicht irre. Mein Lieblingsstrand mit der Insel vor Alassio. Warum aber so weit weg und nicht auf dem 4-Waldstätter-See von LU ?

  14. vor 5 Jahren

    @der Fremde
    Die Redewendung ‚der Elefant im Raum‘ kommt aus dem angelsächsischen und soll wohl sinnbildlich dafür stehen, dass man etwas sieht, sich aber nicht traut, das laut zu äußern. In diesem Fall vermutlich für ‚Filz‘ und ‚Fake News‘ oder so.
    Siehe auch gleichlautenden Wikipedia-Eintrag.
    HTH :-)

  15. JSC
    vor 5 Jahren

    Im Grunde von der Idee her gar nicht mal so schlecht. Wirkte leider alles etwas unmotiviert. Mehr wie eine Pflichtübung der Darsteller. Die, wie gewohnt, schlechte Syncronisation hilft dann auch nicht.

  16. vor 5 Jahren

    @jokus:

    Danke für die Info, war mir bisher unbekannt … ;-)

  17. vor 5 Jahren

    Schade, das die guten Kommissare so ein Ende bekommen!
    Tolles Team aus Luzern!
    Schade das die nicht mehr ermitteln…

  18. vor 5 Jahren

    Schade, hatte mir von dieser Abschiedsfolge mehr versprochen, immerhin gab es schon spannende und toll gemachte Schweizer Folgen wie „Schmutziger Donnerstag“ (mitten im Karnevalstrubel geht ein Serienmörder um) – diese gehört absolut nicht dazu.

    Klischees, oberflächliche Behauptungen mit nicht nachvollziehbaren Reaktionen, kurz: schlechtes Drehbuch, schlechte Dialoge, schlechte Darsteller. Ein „Gewerbepolizist“ lässt ein Restaurant schließen, einfach so, und steigt zum Chef eines Rüstungskonzerns auf, auch einfach so, und hat selbstredend „Dreck am Stecken“. Der Polizeichef ist natürlich automatisch korrumpiert, weil er mit dem Konzernchef mal in der selben Studentenverbindung war. Die Zeitung lässt sich schmieren, logisch, überall ist Filz und Verschwörung, bloß warum und inwiefern? Klar doch, weil das „Schweinesystem“ nun mal so ist.

    Einen Tatort, der irgendwie systemkritisch sein will, aber dermaßen oberflächlich mit bloßen Tautologien arbeitet, kann ich nicht ernst nehmen.

    Schließlich der Oberhammer: Ein „Kopf muss rollen“, bloß weil ein Möchtegern Reporter-Fuzzi „Polizeigewalt gegen die freie Presse“ herumkräht ?? So einer wäre hierzulande schon mal wegen Behinderung von Ermittlungen aus dem Verkehr gezogen worden… Statt dessen lässt Flückiger sich wie ein ungezogener Schuljunge vorführen.

    Nee, eine ganz schlechte Abschiedsvorstellung – das haben Flücki und Ritschi nicht verdient.

    Einzig gelungen die Szene zum Schluss: „Schade, dass du keine Frau bist.“ „Nobody is perfect.“ Dafür den Stern.

  19. vor 5 Jahren

    Viele Anleihen von „Die Brücke“ dt/dk/se, die in der vergleichsweise kurzen Tatortsendezeit aber wohl nur von Brücke-Kennern entspr. verstanden werden konnten.

  20. vor 5 Jahren

    @Rezo Flägli: Schlecht kopierte „Anleihen“ von einem höchst spannenden Krimi-Mehrteiler macht’s aber auch nicht besser, im Gegenteil! Und Luzern ist ja, wie die Schweiz generell, auch sooo berühmt für ihre Seebrücken… ;-)

  21. vor 5 Jahren

    Hallo Momi,

    das ist die Isola di Bergeggi vor Spotorno, nicht vor Albenga,

    lg

    Schnoerpel

  22. vor 5 Jahren

    Hallo Momi,

    Frau Kommissar steht am Strand von Noli…..die Gebäude sind das linke Ende der Altstadt…….
    lg
    schnoerpel

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