Kurz und knapp – darum geht’s
Bei der Polizei Ludwigshafen geht ein mysteriöser Anruf ein: Der UFO-Forscher und Buchautor Lunik van Deeling sei ermordet worden, doch eine Leiche wird nicht gefunden. Während sein Verleger behauptet, van Deeling sei mit Außerirdischen verreist, weigert sich Kommissarin Lena Odenthal zunächst, an eine kosmische Verschwörung zu glauben und vermutet einen PR-Gag. Als kurz darauf eine Radiojournalistin, die über das Verschwinden des Ufologen recherchierte, tot aufgefunden wird, erkennt Odenthal, dass hinter der ganzen Geschichte handfeste irdische Motive stecken müssen. Als die Ermittlerin schließlich versucht, den wahren Täter mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, ahnt sie nicht, dass die Wahrheit über diese Begegnung der dritten Art selbst ihre rationale Weltsicht erschüttern wird…
Inhalt der Tatort-Folge „Tod im All“
Zornig stapft Kommissarin Lena Odenthal durch die kalten, hallenden Gänge des Ludwigshafener Polizeipräsidiums. Die nächtliche Stille wird nur vom Klacken ihrer Schuhe und dem leisen Summen der Neonröhren durchbrochen. „Mir geht das galaktische Gequacke auf die Nerven“, knurrt sie ihrem Kollegen Mario Kopper zu. Der anonyme Anruf, der über Satellitentelefon einging und den Mord an dem UFO-Forscher Lunik van Deeling meldete, scheint die sonst so nüchterne Kommissarin regelrecht aus der Fassung zu bringen.
Der Fall konfrontiert Odenthal mit ihrer größten Schwäche: ihrer kompromisslosen Rationalität, die ihr nicht erlaubt, an Dinge jenseits ihrer Erfahrungswelt zu glauben. Während rings um sie herum alle – einschließlich ihrer Freundin Johanna – bereit sind, zumindest die Möglichkeit außerirdischer Kontakte zu erwägen, bleibt Odenthal stur. „Ich brauche eine Leiche“, beharrt sie, als wären Tatsachen die einzige Währung in ihrem Universum.
Als das Team den vermeintlichen Tatort untersucht, sticht am Horizont ein futuristischer Wasserturm ins Auge, der wie ein fremdartiges Monument in der winterlichen Landschaft steht. Die seltsamen Lichter, die gelegentlich dort zu sehen sind, werden von den Anwohnern längst als UFO-Sichtungen gedeutet. Van Deelings Verleger Axel von Saalfeld, arrogant in seiner Luxusvilla thronend, tut das Ganze als außerirdische Entführung ab: „Mein Klient ist mit den Sternen verreist“, erklärt er mit süffisantem Lächeln.
Die Suche nach Antworten führt Odenthal und Kopper in ein schillerndes Milieu von UFO-Gläubigen und Profiteuren der kosmischen Sehnsucht. Wie Astronauten in einer fremden Galaxie bewegen sie sich durch stimmungsvolle Planetarien und dunkle Clubs, wo Nina Hagen ihr „Zero Zero U.F.O.“ in die grelle Nacht schmettert. Die Fahndung nach dem verschwundenen Autor gleicht der Suche nach einem Stern in der Milchstraße – scheinbar unsichtbar, doch mit enormer Anziehungskraft.
Die Ermittlung nimmt eine dramatische Wendung, als die Radiojournalistin Eva Bergmann ermordet aufgefunden wird. Ihre Kollegin Anke Engelke verrät Odenthal, dass Bergmann kurz vor ihrem Tod brisante Informationen über van Deeling recherchiert hatte. „Sie wollte eine große Story landen“, zitiert Engelke die Verstorbene, „etwas, das den Himmel zum Einsturz bringen würde.“
In einer schlaflosen Nacht wird Odenthal von einem bizarren Albtraum heimgesucht, in dem Nina Hagen als extraterrestrische Botin erscheint. Schweißgebadet erwacht die Kommissarin und beginnt zu begreifen, dass hinter dem kosmischen Schleier ganz irdische, finanzielle Interessen lauern könnten. Der Fall beginnt, wie Puzzleteile eines fremden Artefakts, langsam Form anzunehmen.
Hinter den Kulissen
Die für den Adolf-Grimme-Preis nominierte 350. Tatort-Folge „Tod im All“ wurde vom Südwestfunk (SWF) als eine seiner letzten eigenständigen Produktionen vor der Fusion mit dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) zum SWR realisiert. Gedreht wurde der ungewöhnliche Science-Fiction-Krimi hauptsächlich in der futuristisch anmutenden Bergwaldsiedlung bei Karlsruhe und dem angrenzenden Waldgebiet. Der markante Wasserturm, der im Film als getarntes Raumschiff fungiert, ist dort bis heute eine architektonische Besonderheit. Weitere Drehorte waren das Planetarium in Mannheim sowie die Originalräume des Radiosenders SWF3 in Baden-Baden.
In den Hauptrollen ermittelten Ulrike Folkerts als Lena Odenthal (ihre 11. Tatort-Folge) und Andreas Hoppe als Mario Kopper (seine 2. Folge). Eine besondere Besetzung gelang mit Dietmar Schönherr in der Rolle des verschwundenen UFO-Forschers – ein augenzwinkerndes Casting, da Schönherr 1965 als Kommandant Cliff Allister McLane in der ersten deutschen Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ berühmt geworden war.
Für authentische Atmosphäre sorgten prominente Gastauftritte: Die Moderatoren Anke Engelke, Ingolf Lück und Stefanie Tücking spielten sich selbst in ihren damaligen Rollen bei SWF3. Punkrock-Ikone Nina Hagen, die in den 1980er Jahren behauptete, selbst eine Begegnung mit Außerirdischen gehabt zu haben, trat sowohl in einer Konzertszene als auch in einer surrealen Traumsequenz auf.
Erstmals ausgestrahlt wurde „Tod im All“ am 12. Januar 1997 als erster Tatort des neuen Jahres im Ersten Deutschen Fernsehen. Drehbuchautor und Regisseur Thomas Bohn experimentierte mit dieser Folge bewusst an den Grenzen des Krimi-Genres und wollte laut eigener Aussage ausloten, „wieweit man innerhalb einer Krimi-Reihe gehen kann.“
Der ungewöhnliche Tatort mit seinem überraschenden Finale, bei dem ein Wasserturm als Raumschiff in den Nachthimmel entschwebt, sorgte bei Kritikern und Zuschauern für kontroverse Diskussionen. Dennoch – oder gerade deswegen – gehört er heute zu den bemerkenswerten Ausflügen der Reihe in genreüberschreitende Territorien. Nach der Ausstrahlung kursierten lebhafte Theorien, ob das Ende als surreale Vision der Ermittlerin oder als tatsächliche Begegnung mit Außerirdischen zu interpretieren sei – eine Debatte, die unter Tatort-Fans bis heute anhält.
witzig ;-
Eine der besten Tatort-Folgen. Ein wenig weit hergeholt, aber der Start des Raumschiffes stellt alles in den Schatten.
Der Tatort Nummer 350 aus Ludwigshafen mit den beiden Hauptkommissaren Odenthal (w) und Kopper (m) von der Mordkommission. Sie decken zwei Vertuschungsmorde auf und sind am Ende. Ich auch.
Tatort goes SciFi – ein Versuch, witzige Elemente mit Krimi zu koppeln. Für damalige Verhältnisse nicht schlecht gemacht. Diese Folge hat für mich selbst aber eine persönliche Bedeutung, weil ich als „Radiomacher“ den ehem. Sendekomplex von SWF3 (jetzt SWR3) auch von innen kenne. Der Audioschnitt erfolgte bei SWF3 damals (1996) wirklich schon digital, wurde aber noch auf analoge Bandmaschinen überspielt.
Vor 20 Jahren zum ersten Mal gesehen, finde ihn auch heute noch stark.
Volle Punktzahl!
Definitiv ein „All-time-favourite“.
Sollte mal wieder gesendet werden, gerade nachdem die aktuelle Episode mit ihren Anklängen an andere Genres ja ähnlich angelegt und ähnlich gelungen war („Waldlust“, mit einem Hauch von Poirot und Mystery/Suspense)!
Habe ihn vor ein paar Jahren schon einmal gesehen. Dieser Film nahm ein wenig Erich van Däniken aufs Korn, über den man in den 90ern noch mehr geredet hat. Der Tatort könnte von der Machart her in der Tat auch aus 2018 stammen und das meine ich nicht durchweg als Kompliment. Die Schlussszene ist … naja!
Ist auf jeden Fall der Beste aus Ludwigshafen!!!
Für alte SWF3 Höhrer ein MUSS!!!
Lustige Folge, anfangs etwas langatmig, danach wird es Spitze.
Ich habe mir diesen TO wieder einmal seit langer Zeit angesehen, aus 2 Gründen:
1.) natürlich wg. der Schluss-Szene (Start des Raumschiffs); @Peter: Ich stimme zu: der Start des Raumschiffes stellt alles in den Schatten!
2.) wg. der damaligen Frisur/optischen Erscheinung von Lena Odenthal –> kaum eine Komm./ein Komm. haben sich in den letzten 22 Jahre so sehr optisch verändert …
This TO has better colour and some computer animation. It’s a fun story but I think the end is a little over the top. It should have stopped with just that telephone call which would have kept us viewers in the dark.
Ein tolles Aufgebot an Mitwirkenden, klasse Effekte, Witz, Lena Odenthal noch schön burschikos… alles in allem ein sehr sehenswerter Tatort.
Der Schluss ist zwar in der Tat „over the top“, aber wirklich toll gemacht und in Verbindung mit den geheimnisvollen und ungeklärten Anrufen wahrscheinlich einfach mal so hinzunehmen :-).
Der Soundtrack hat mir auch sehr gefallen.
Ein echter Ludwigshafener Kultfall. Astronomie ist ein interessantes Thema. Ich bin für sowas deutlich offener als unsere Kommissarin Odenthal. Zusehen gibt es auch die junge Hübsche Anke Engelke und Ingolf Lück. Damals erfolgreich mit der Wochenshow auf Sat1. Schöner kultiger Tatort der einfach Spaß macht. Achso und Nina Hagen gröllt und grimasiert sich auch noch irgendwie rein. Haha. Kult
Die Polizistin am Anfang ist meine Mutter. Sehr witzig, das nach all den Jahren wieder zu sehen. 😁 Fun Fact: Sie war tatsächlich bei der Polizei. 😉
Am Anfang hat mir der Tatort nicht so gut gefallen, weil Lena Odenthal sich so massiv gegen die „Alien-Geschichte“ wehrt (nicht, weil ich an Aliens glaube, sondern ihre Art, wie sie deswegen rumschreit, hat mich gestört). Aber dann wurde es immer besser, und der Start des Raumschiffs am Ende war echt der Knaller. Sehr gut gemacht! Ich verstehe nicht, warum oben bei der Besetzung Anke Engelke, Ingolf Lück und Nina Hagen nicht erwähnt werden, dafür aber Dietmar Schönherr, den man im Film lediglich auf einem Foto sieht (wenn ich nichts verpasst habe).