Tatort Folge 677: Der Traum von der Au

Kurz und knapp – darum geht’s

Ein luxussaniertes Mietshaus im begehrten Münchner Viertel Au birgt ein düsteres Geheimnis: Im Keller liegt die Leiche des ehemaligen Hausmeisters Grassl mit schweren Kopfverletzungen, seine thailändische Frau Malee und ihr Sohn sind spurlos verschwunden. Während die Kommissare Batic und Leitmayr in einer heillos zerstrittenen Hausgemeinschaft ermitteln, wo fast jeder ein Motiv für den Mord gehabt hätte, verhält sich ihr Kollege Carlo Menzinger zunehmend rätselhaft. Als die Ermittlungen eine unerwartete Wendung nehmen, ahnt niemand, dass nicht nur der Mordfall, sondern auch die Zukunft ihres Ermittlerteams auf dem Spiel steht… Wie alles ausgeht, ist am 21. Oktober 2007 um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen.

Inhalt der Tatort-Folge „Der Traum von der Au“

Grauer Herbstnebel wabert durch die engen Gassen des Münchner Au-Viertels, als Kommissar Ivo Batic eine Dachgeschosswohnung besichtigt, die sein Herz höher schlagen lässt. Doch aus dem Immobilientraum wird schnell ein Albtraum: Im Keller des Altbaus wird die Leiche des ehemaligen Hausmeisters Grassl entdeckt. Sein Körper liegt verdreht wie eine zerbrochene Puppe am Fuß der Treppe, der Schädel weist massive Verletzungen auf. Für Leitmayr sieht es zunächst nach einem „ungebremsten Sturz“ aus – doch die Spuren erzählen eine brutalere Geschichte.

Die Ermittlung führt Batic und Leitmayr in einen Mikrokosmos menschlicher Abgründe. Das hinter historischer Fassade luxussanierte Mietshaus gleicht einem brodelnden Kessel voller Konflikte. Wie kostbare Perlen sammeln die Kommissare die Informationen, die ihnen die redselige Metzgerin Gerti aus dem Erdgeschoss zukommen lässt: Da ist der renditehungrige Hausbesitzer Peter Bachinger, der selbst im Haus wohnt und seinen Mietern mit unbarmherzigen Methoden kündigt. Der jähzornige Installateur Konrad Strobl trauert um seinen Vater und hasst Bachinger mit glühender Leidenschaft. Die wohlhabende Frau von Helmstedt empfängt regelmäßig wechselnde männliche Besucher. Pierre Traublinger und seine freizügige Gespielin Naomi führen eine unkonventionelle WG, während ein geheimnisumwitterter Professor zurückgezogen seine eigenen Kreise zieht.

„Er hat jeden hier im Haus bis aufs Blut gequält“, raunt Gerti den Kommissaren über den toten Hausmeister zu, dessen Blockwartmentalität ihn bei allen Bewohnern verhasst gemacht hatte. Grassls thailändische Frau Malee und ihr neunjähriger Sohn bleiben verschwunden – ein beunruhigendes Zeichen. Die Ermittler beauftragen ihren Kollegen Carlo Menzinger, nach den beiden zu suchen, doch der verhält sich merkwürdig distanziert und scheint von anderen Dingen abgelenkt zu sein.

Bei einer tumultartigen Hausversammlung, der die Kommissare beiwohnen, entladen sich die aufgestauten Spannungen. Als der wutentbrannte Strobl den Hausbesitzer Bachinger zusammenschlägt und als Mörder beschuldigt, nehmen ihn die Beamten fest. Im Gewahrsam randaliert er derart, dass er mit Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden muss – von wo er prompt flieht. In seiner Werkstatt finden die Kommissare überraschend die vermisste Malee und ihren Sohn, die sich dort aus Angst vor Bachinger versteckt hatten.

Die Autopsie offenbart ein unerwartetes Detail: Grassl litt an einer schweren Quecksilbervergiftung, die in den letzten Wochen besonders stark zunahm. Während die Ermittler noch rätseln, wie das Gift in seinen Körper gelangt sein könnte, explodiert Bachingers Auto in einem Feuerball, als er gerade einsteigen will. Alle Spuren deuten auf Strobl als Attentäter hin.

Als Pierre Traublinger unter Verdacht gerät und gesteht, Grassl im Zorn die Treppe hinuntergestoßen und ins Gesicht getreten zu haben, scheint der Fall gelöst. Doch sein Anwalt findet heraus, dass diese Gewalt nur tödlich sein konnte, weil Grassls Körper durch die Vergiftung bereits extrem geschwächt war. Und so führt die Suche nach dem wahren Mörder die Kommissare zu einer Person, die sie nie verdächtigt hätten – während Carlo Menzinger seinen beiden erstaunten Kollegen eine Entscheidung mitteilt, die ihr gemeinsames Berufsleben für immer verändern wird…

Hinter den Kulissen

„Der Traum von der Au“ markiert nach 45 gemeinsamen Einsätzen das Ende einer Ära: Es ist der letzte Fall des Oberkommissars Carlo Menzinger, verkörpert von Michael Fitz, der dem Münchner Ermittlerteam seit 1991 angehörte. Die vom Bayerischen Rundfunk produzierte Tatort-Folge 677 wurde im April und Mai 2007 in München und Umgebung gedreht und am Sonntag, den 21. Oktober 2007, erstmals im Ersten ausgestrahlt.

Unter der Regie von Tim Trageser und nach einem Drehbuch von Peter Probst spielt die Geschichte im Münchner Viertel Au, das in den frühen 2000er Jahren eine starke Gentrifizierung erlebte. Das Ermittlerteam bestand ein letztes Mal aus Miroslav Nemec als Ivo Batic, Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr und Michael Fitz als Carlo Menzinger. In Gastrollen brillieren Alexander Held als skrupelloser Hausbesitzer Peter Bachinger, Fritz Karl als aufbrausender Installateur Konrad Strobl und Johanna Bittenbinder als Metzgerin Gerti.

Die Erstausstrahlung des Films erreichte 7,75 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 21,3 Prozent für Das Erste. Kritiker lobten besonders die ungewöhnliche Mordmethode, die verblüffende Auflösung und die stimmungsvolle Verabschiedung der Figur des Carlo Menzinger. Die vielschichtige Darstellung der zerrütteten Hausgemeinschaft und der Gentrifizierungsprozesse im Au-Viertel machten die Folge zu einem gesellschaftlichen Spiegelbild ihrer Zeit. Noch heute diskutieren Fans über das überraschende Ende des langjährigen Ermittlertrios und die unerwartete Wendung, die Michael Fitz‘ Abschied vom Tatort mit sich brachte.

Videos zur Produktion

ARD Plus Trailer

ARD Trailer

Besetzung

Kriminalhauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Oberkommissar Carlo Menzinger – Michael Fitz
Metzgerin Gerti – Johanna Bittenbinder
Hausmeister Mikosz Michalowski – Volker „Zack“
Malee Grassl – Young-Shin Kim
Ton Grassl – Patrick Gehrhardt
Naomi – Vaile Fuchs
Frau von Helmstedt – Andrea Wildner
Dr. Stoll – Hubert Mulzer
Immobilienmaklerin Inga Uhl – Tina Bordihn
Polizeipathologe Dr. Simon Rössle – Jan Messutat
Anwalt – Gerhard Wittmann
Walter Strobl – Gerry Scott
Frau Silin – Soogi Kang
Ärztin im Krankenhaus – Julia Koschitz
Professor – Norbert Heckner
Pierre Traublinger – Dennis Grabosch
Hausbesitzer Peter Bachinger – Alexander Held
Handwerker Konrad Strobl – Fritz Karl

Stab

Regie – Tim Trageser
Kamera – Eckhard Jansen
Buch – Peter Probst
Musik – Andreas Weidinger

Bilder: BR/Bavaria/Erika Hauri

10 Kommentare

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  1. vor 12 Jahren

    Wie heißt das Lied ganz am Schluss ??

    Lg. Lisaaa

  2. vor 12 Jahren

    Frank Sinatra / That’s life

  3. vor 11 Jahren

    Ein echt guter Münchner Tatort mit einem sehr interessanten Thema.

  4. vor 9 Jahren

    Der Tatort Nummer 677 aus München, mit den beiden Hauptkommissaren Leitmayr und Batic: Mordkommission. Es geht um Nobel- Hobel-Wohnungen, welche sich in München der höhere Dienst innerhalb der Verwaltung nur mit Wohnberechtigungsschein und Wohngeldantrag leisten kann. Vorausgesetzt man ist kinderreich. Und es geht um Mord, heimtückisch, hinterhältig, nachhaltig. Diesen, eher wenig erscheinenden Tatort-Fernsehfilm, habe ich bislang zweimal gesehen. Der Kollege der beiden mutmaßlichen Hütchenspieler, Kommissar Menzinger, verabschiedet sich nach Quittierung des Dienstes. Der taucht aber ab und zu später mal wieder auf, glaub‘ ich. Persönlich halte ich die Handlung in diesem Tatort-Krimi für überzogen und die Spannung für eher mäßig. Aber wie die Realität zeigt: Möglich ist alles.

  5. vor 9 Jahren

    Geniale Idee der Mörderin. Quecksilber von der Gesichtscreme in die Wurst. Da muss man erst mal darauf kommen. ?

  6. vor 9 Jahren

    Eine bewusst langsam und ruhig erzählte Vorstadtgeschichte auf dem schmalen Grat zwischen Idyll und Abgrund. In der Wekstatt des Hauptverdächtigen meint man öfter mal Meister Pumuckl hinter den Regalen vorbeihuschen zu sehen. Getragen wird die Geschichte von jeder Menge kauzigem Humor bei der Interaktion der Kommissare untereinander und mit den Verdächtigen, ohne dass es zynisch würde. Liebhabern des Schnellen, Hektischen und Coolen sei von diesem angenehmen Stück Unterhaltung ausdrücklich abgeraten. Für mich 4 Sterne.

  7. vor 9 Jahren

    Ein wunderbarer Tatort aus München !

  8. vor 5 Jahren

    Ja ich freu mich auf die Wiederholung…mit Leiti und Ivo…schon der
    Titel macht Lust auf mehr…“Der Traum von der Au“…phantastisch…
    auch Karl Valentin stammt aus der Au…!!

  9. vor 5 Jahren

    Da kann man dem Drehbuch Autor nur gratulieren, die Idee mit dem Quecksilber in der Creme gegen die Sommersprosen ist mehr als nur genial und allein dafür gibt es schon 5 Sterne in diesem Münchner Highlight Batic Fall.

  10. Bea
    vor 4 Jahren

    Einfach super – es passt einfach alles. Unübertroffen wieder mal Batic und Leitmayr. Und was man von der damaligen Au sieht, das ist sehr wertvoll. Der Bayerische Tatort ist und bleibt der Beste!

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