Tatort Folge 676: Unter uns



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Tatort Folge 676: Unter uns 5 4

Ein Arbeitsloser erschießt im Tatort „Unter uns“ aus Frustration einen Mitarbeiter der Arbeitsagentur und flüchtet mit einer Geisel. Die Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) aus Frankfurt müssen in dem Krimi aber nicht nur den Mann stellen: Sie stoßen parallel auf das traurige Schicksal eines kleinen Mädchens, so dass der Tatort „Unter uns“ auch viel von einem Sozialdrama hat.

Wolfgang Kunert steckt im Tatort „Uns uns“ in einer schwierigen Situation. Einst hatte er als Klempnermeister in Frankfurt seinen eigenen kleinen, aber erfolgreichen Handwerksbetrieb besessen. Dann musste der Unternehmer aber immer häufiger auf längst ausstehende Zahlungen seiner Kunden warten. Zusammen mit der verweigerten Kreditvergabe durch seine Bank hatten diese Zahlungsverspätungen dazu geführt, dass Kunert Insolvemz anmelden musste. Neben seiner Arbeitslosigkeit muss der Klempnermeister außerdem verkraften, dass seine Ehefrau Karin die Scheidung angekündigt hatte.

Als Kunert im Tatort „Unter uns“ schließlich für seinen Termin beim Arbeitsamt mehrere Stunden warten muss und ihm seine Vermittlerin Heidi Glanz dann auch noch keine guten Nachrichten überbringen kann, nimmt der Frust bei ihm überhand. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit seiner Arbeitsvermittlerin greift der wütende Arbeitslose zu einer Waffe. Als ein Kollege von Frau Glanz der bedrohten Frau helfen will, schießt Kunert auf ihn. Der Mitarbeiter wird getroffen und verblutet bald, da niemand sich traut, ihm zu helfen. Kunert ist in der Zwischenzeit mit Frau Glanz als Geisel geflohen.

Die Fahnder Sänger und Dellwo übernehmen im Tatort „Unter uns“ die Aufgabe, nach dem flüchtigen Mörder und seiner Geisel zu suchen. Eine Ortung von Kunerts Handy bringt die beiden Polizisten jedoch nur zum leeren Wagen des Handwerkers, wo er auch das Mobiltelefon zurückgelassen hatte. Der Klempnermeister und die Arbeitsvermittlerin selbst sind verschwunden.

Parallel zu der Suche nach den beiden werden Sänger und Dellwo im Tatort „Unter uns“ noch in einen zweiten Fall hineingezogen. Beide leben in Frankfurt in derselben Nachbarschaft und treffen dort auf das achtjährige Mädchen Ronja, welches gerade erst in die Gegend gezogen ist. Ronja berichtet, dass sie in einer der Wohnung ein kleines Mädchen beobachtet und auf der Suche nach einer Spielgefährtin an der Tür geklingelt habe. Laut den Bewohnern der Wohnung lebt dort aber überhaupt kein Mädchen. Sänger geht dieser Beobachtung im Tatort „Unter uns“ nach und findet heraus, dass die kleine Ronja Recht hatte.

Die Familie Winterberg, welche in der besagten Wohnung lebt, hat tatsächlich eine achtjährige Tochter namens Lena, die die Eltern jedoch vor der Öffentlichkeit verbergen. Sowohl Lenas Vater als auch ihre Mutter ist arbeitslos, beide leben von Hartz IV und kümmern sich auch nicht um die beiden halbstarken Söhne. Lena ist es jedoch viel schlimmer ergangen, weil das Mädchen seit mehreren Jahren eingesperrt und nur spärlich ernährt wurde. Kommissarin Sänger gelingt es im Frankfurter Tatort „Unter uns“ schließlich, das die Kleine zu befreien – viel später hätte die Ermittlerin aber nicht kommen, weil Lena furchtbar abgemagert war und in ihrer Not schon die Tapete oder ihre eigenen Haare gegessen hatte.

Die Tatsache, dass Eltern ihr eigenes Kind so sehr vernachlässigen können, schockiert Sänger und Dellwo. Trotzdem dürfen sie sich nicht ablenken lassen und müssen weiterhin nach dem flüchtigen Kunert suchen. Immerhin ist es Arbeitsvermittlerin Glanz in der Zwischenzeit gelungen zu fliehen. Doch der frustrierte Klempner läuft weiterhin frei herum und scheint in seiner Wut auch noch zu weiteren Gewalttaten bereit zu sein…

 
Die am 14. Oktober 2007 erstausgestrahlte Tatort-Folge 676 „Unter uns“ beeinhaltet gleich zwei sozialkritische Handlungsstränge: der einst erfolgreiche Unternehmer, der durch Pech alles verloren und jetzt auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hat, und die Hartz IV-Empfänger, welche sich nicht um ihre eigenen Kinder kümmern. Das Drehbuch zu dem Krimi hatte Kathrin Bühlig verfasst, umgesetzt wurde der Tatort von Regisseurin Margarethe von Trotta.

Besetzung
Kommissarin Charlotte Sänger – Andrea Sawatzki
Kommissar Fritz Dellwo – Jörg Schüttauf
Dr. Scheer, Staatsanwalt – Thomas Balou Martin
Jan Gröner, Kriminalassistent – Sascha Göpel
Ina Springstub, Kriminalassistentin – Chrissy Schulz
Christiane von Basedow – Iris Böhm
Karin Kunert – Franziska Walser
Wolfgang Kunert – Michael Brandner
Bea Bubitz – Ulrike Krumbiegel
Heide Ganz – Lena Stolze
André Winterberg – Stefan Jürgens
Ines Winterberg – Susanne-Marie Wrage
Servicetechniker – Martin Bross
Ronja Kubitz – Charlotte Lüder
Wirtin in Dellwos Stammkneipe – Maria Happel
Ärztin – Therese Affolter
Filialleiter Bank – Pascal Ulli
Gerlinde Nickel – Traute Hoess
Eva, Dellwos Freundin – Sascha Ö. Soydan
Rudi Fromm, Leiter Mordkommission – Peter Lerchbaumer
Bankangestellte – Anna von Berg

Stab
Buch – Katrin Bühlig
Regie – Margarethe von Trotta
Ton – Michael Busch
Kamera – Axel Block
Requisite – Susan Grünefeldt
Szenenbild – Börries Hahn-Hoffmann
Maske – Gabi Große Keul
Kostüme – Katharina Schnelting
Schnitt – Elke Herbener
Produktionsleitung – Uli Dautel

Bilder – HR/Bettina Müller


15 Meinungen zum Tatort Folge 676: Unter uns

  • Hubert Lasch • am 14.10.07 um 22:05 Uhr

    Wir waren durch das Thema sehr aufgewühlt. Hoffentlich hat der Film einige die es betrifft, erreicht. Vieleicht kann man uns noch die Sängerin nennen von dem Lied “ Sometimes i fell like a motherless child „. Danke !


  • Tom • am 15.1.08 um 0:56 Uhr

    Einer der besten „Tatorte“, die ich je gesehen habe. Und das waren schon einige in den letzten 15 Jahren…

    Die Fälle verhungerter Kinder in Deutschland – mitten unter uns! – die kurz nach Ausstrahlung dieses Films ans Tageslicht kamen, zeigen, dass das Drehbuch von „Unter uns“ keine Sekunde lang „überfrachtet“ oder „an den Haaren herbeigezogen“ war, wie es einige selbsternannte „Kritiker“ unmittelbar nach der Sendung geschrieben haben. Die Schilderung des fast verhungerten Mädchens und der familiären Umstände drumherum war extrem realitätsnah, und die schauspielerische Umsetzung durch Sawatzki und Schüttauf – gerade auch was die Erschütterung betrifft – war spitzenklasse.

    Dieser „Tatort“-Folge müsste man mitsamt ihren Darstellern einen Medienpreis verleihen.


  • Bianca Neve • am 29.9.08 um 22:35 Uhr

    Hallo!
    Dieser Tatort war wirklich sehr gut.
    Vielleicht könnten Sie mir die Sängerin nennen von dem Lied ” Sometimes i fell like a motherless child “. Danke !
    Bianca Neve


  • Rogier • am 11.4.10 um 21:31 Uhr

    Leider wahr diese Sendung nicht zu sehen wegen keine ORF2-Europe Rechte via Astra?! Das ist doch blöd!


  • Lombardo • am 4.5.12 um 14:45 Uhr

    Spannend, interessant und bewegend. Ein Tatort Highlight der letzten zehn Jahre.
    Das Ermittlerduo Dellwo/Sänger war für mich das beste Team des letzten Jahrzehnts.

    Die Trauer und die Tränen von „Frau Sänger“ zum Schluss des Filmes, sind so
    realitätsnah, dass man fast mitweinen möchte.


  • hexe-hermy • am 29.12.12 um 21:41 Uhr

    Dieser Tatort ergreift mich jedes mal wieder. Am liebsten würde Ich sagen „geht rein ,da ist ein Kind ,was Hilfe braucht ! warum klaubt ihr dem Mädchen denn nicht !“ aber es ist ja nur ein Film !?
    Obwohl die Realität oft sehr nah ist in dieser heutigen Zeit . Wir müssen alle unsere Augen und Ohren offen halten !!!


  • hexe-hermy • am 29.12.12 um 21:43 Uhr

    Natürlich 5 Sterne !


  • Vati • am 30.12.12 um 10:30 Uhr

    Sehr guter Tatort…nah an der Wirklichkeit. In dieser heutigen Zeit wird es wohl noch viele verschwundene Kinder und alte Menschen geben. Wir sollten alle mehr die Augen und Ohren offen halten.


  • Oskar • am 18.5.14 um 14:09 Uhr

    Dieser Tatort war so nah an der Realität, dass er mich heut noch immer bewegt. Grandiose Schauspielerleistungen. Würde mich wünschen, dass er mal wiederholt wird.


  • Michael • am 13.8.14 um 13:13 Uhr

    Meine damalige Freundin (heute ist sie meine Frau) spielt als Polizistin mit. Sie nimmt am Ende die Jungs fest.


  • Cathrin • am 20.11.14 um 3:00 Uhr

    Ich kann mich noch erinnern, als ich vor ein paar Jahren eine Wiederholung des Filmes geschaut habe und er mich sehr aufgewühlt hat. Jetzt suche ich verzweifelt nach einer Seite auf der ich den „Tatort“ noch einmal anschauen kann – finde aber leider nichts.


  • Norbert • am 21.11.14 um 23:19 Uhr

    Diese Folge lief zum letzten Mal am 12.11.2013 auf SWR. Mit Glück kann ich sie von OTR (OnlineTVRecorder.com) bekommen. Leider nicht mehr in HD- oder HQ-Qualität.


  • stärnli • am 9.1.15 um 17:15 Uhr

    diese zwei kommissare waren für mich die besten, ich vermisse sie so. können sänger + dellwo nicht wieder eingesetzt werden? so zurückkehren aus ihrem gemeinsamen urlaub? das wäre so cool.


  • Dirk • am 25.4.16 um 18:18 Uhr

    Der Tatort mit der Nummer 676 aus Frankfurt. Die beiden Hauptkommissare Sänger (w) und Dellwo (m) haben alles Hände voll zu tun, in diesem schon klassischen und packenden Tatort-Drama, in dem sie an zwei verschiedenen aufrüttelnden Fällen zu ermitteln haben. Es ist einer der Tatort-Spielfilm der beiden Mordermittler, welcher mich persönlich am meisten mitgenommen hat. Ein tragischer Kriminal- und Polizeispielfilm aus dem Jahre 2007 mit einer hervorragenden schauspielerischen Leistung.


  • sab • am 24.1.18 um 23:48 Uhr

    Für mich der beste Tatort, den ich je gesehen habe – warum ? Ganz einfach : noch nie hat mich ein Tatort zum Weinen gebracht. Ein Drama im Zenit der emotionalen Intelligenz. Von wegen Sozialstaat und das System sei schuld.
    Wir alle sind das System. Der sogenannte Sozialstaat war schon vor zehn Jahren durch die rotgrüne Abrisskeule ruiniert. Und wir alle haben es geschehen lassen. Jetzt, zehn Jahre nach der Erstausstrahlung ,sitzt die AFD im Parlament. Mir fehlt in den aktuellen Drehbüchern die sozialkritische Tiefe. Deshalb interessieren mich die neuen einfach nicht mehr. Sie sind platt politisch korrekt, vor allem wenn irgendwelche Flüchtlingsthemen verwurstet werden. Ich will aber nicht erzogen, sondern berührt werden. Denken kann ich alleine.


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