Kurz und knapp – darum geht’s
Eine Bankfiliale in Ludwigshafen wird zum Schauplatz eines dramatischen Überfalls, bei dem ausgerechnet Kommissarin Lena Odenthal als Kundin vor Ort ist. In einem Moment der Panik wird die Ermittlerin durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt und fällt ins Koma. Als sie erwacht, quälen sie nicht nur posttraumatische Belastungsstörungen, sondern auch vollständige Erinnerungslücken an den Überfall. Während ihr Kollege Mario Kopper und der Beamte vom Raubdezernat Viereth nach dem flüchtigen Täter fahnden, beginnt Odenthal auf eigene Faust zu ermitteln – und verdächtigt bald einen Polizeikollegen. Als die Kommissarin ihren Verdacht verfolgt, gerät sie erneut in Lebensgefahr…
Inhalt der Tatort-Folge „Flashback“
Ungeduldig steht Lena Odenthal in der Bankfiliale, das Handy am Ohr, während ihr Flieger in einer Stunde abhebt. Ihre Urlaubsvorfreude weicht wachsender Nervosität, während die Schlange am Schalter kaum vorankommt. Ihrem Kollegen Kopper gibt sie noch Anweisungen, wo er ihren vergessenen Reisepass finden kann, als plötzlich die Telefonverbindung abbricht – ein unheilvolles Vorzeichen.
Die Glasscheiben der Eingangstüren zittern, als zwei maskierte Männer mit schweren Waffen die Bank stürmen. Grelles Neonlicht spiegelt sich in den Schweißperlen, die den verängstigten Kunden auf der Stirn stehen. Odenthal reagiert instinktiv und schiebt ein kleines Mädchen in den Schutz der Toilette, bevor sie selbst in den Kassenraum zurückkehrt. Einer der Täter pfeift leise „The Girl from Ipanema“, während er die Situation kontrolliert – eine surreale Melodie inmitten des Terrors.
Die Kommissarin, deren Beruf die Täter nicht kennen, beobachtet, wie sich die Situation zuspitzt. Als einer der Bankräuber mit zwei Angestellten im Tresorraum verschwindet, wird sein Komplize zunehmend nervöser. Seine Hand mit der Waffe zittert bedrohlich, während draußen Polizeisirenen aufheulen – Kopper hat den Abbruch des Telefonats richtig gedeutet und Verstärkung alarmiert.
„Mama!“, ruft das kleine Mädchen plötzlich nach seiner Mutter, und die fragile Ruhe zerbricht. Ein Schuss fällt im Tresorraum, der Bankräuber verliert vollends die Nerven. Odenthals Versuch, ihn zu beruhigen, scheitert. Als sie schützend auf das Kind zustürzt, trifft sie die Kugel am Hinterkopf. Blut sickert langsam über die kalten Fliesen, während eine Explosion den Raum erschüttert.
Während Odenthal im Krankenhaus mit dem Tod ringt, gleicht die Fahndung nach dem flüchtigen Täter für Kopper und Viereth einem Puzzlespiel mit fehlenden Teilen. Die Zeugenaussagen widersprechen sich, als hätte jeder einen anderen Überfall erlebt. Einzig die Beute von fünf Millionen Euro ist real, ebenso wie die tiefe Besorgnis Koppers um seine Kollegin und Freundin.
Die sterile Kälte des Krankenhauszimmers wird für Odenthal zur zweiten Heimat. Nachdem sie aus dem Koma erwacht, bleiben ihre Erinnerungen an den Überfall wie hinter einer undurchdringlichen Nebelwand verborgen. „Es ist, als würde ich durch ein Fenster sehen, das jemand mit schwarzer Farbe überstrichen hat“, beschreibt sie frustiert ihrem Psychologen. Doch vereinzelte Fragmente kehren zurück – ein Blick, eine Geste, eine Melodie.
Der Verdacht keimt in Odenthal: Der Bankräuber kannte sie. War es ein bekannter Krimineller? Oder gar ein Kollege? Sie verdächtigt Hauptkommissar Scheßlitz, den Ehemann einer hochschwangeren Bankangestellten, die den Überfall überlebt hat. Schulden, ein verdächtig schnelles Auftauchen am Tatort – für Odenthal Indizien, die ihre männlichen Kollegen ignorieren. Eine Konfrontation mit dem Ehepaar führt zu einer Frühgeburt bei der jungen Frau und zu Odenthals Suspendierung.
Geschwächt, isoliert und von Selbstzweifeln geplagt, geht Odenthal dennoch weiter ihrer Spur nach. „Ich verdächtige Polizisten, nur weil ich mir selbst nicht mehr vertraue“, gesteht sie sich ein. Nach einem mysteriösen Autounfall, bei dem sie überzeugt ist, beschossen worden zu sein, zweifeln selbst ihre engsten Kollegen an ihrer Zurechnungsfähigkeit. Doch in einer Welt aus brüchigen Erinnerungen und erschüttertem Vertrauen folgt Odenthal ihrem Instinkt – und stößt auf eine Wahrheit, die tödlicher ist als ihr Gedächtnisverlust…
Hinter den Kulissen
„Flashback“ ist der 507. Film der Tatort-Reihe und wurde unter der Regie von Matthias Glasner für den Südwestrundfunk produziert. Für Ulrike Folkerts als Lena Odenthal war es bereits der 26. Fall, während Andreas Hoppe als Mario Kopper zum 17. Mal ermittelte. Die Erstausstrahlung erfolgte am 11. August 2002 im Ersten Deutschen Fernsehen.
In diesem außergewöhnlichen Tatort-Film zeigt sich Ulrike Folkerts von einer selten gesehenen verletzlichen Seite. Die Schauspielerin, die sonst als tough und unerschütterlich bekannt ist, musste eine durch Trauma und Gedächtnisverlust geschwächte Ermittlerin verkörpern. In den Gastrollen glänzen Jürgen Vogel als maskierter Bankräuber und Justus von Dohnányi als Kollege vom Raubdezernat.
Regisseur Matthias Glasner, der mit diesem Film sein „Tatort“-Debüt gab, brach bewusst mit vielen Sehgewohnheiten der Krimireihe. „Der Zuschauer nimmt Filme zunehmend atmosphärisch wahr“, betonte er in einem Interview. „Geschichtenerzählen löst sich auf in einen Fluss von Menschen, Blicken, Gedanken, Emotionen, Farben.“ Das surreale, klinisch-weiße Ambiente der Krankenhausszenen steht dabei in starkem Kontrast zu den hektischen Bildern des Banküberfalls.
Bei der Erstausstrahlung verfolgten 8,08 Millionen Zuschauer den Film, was einem beachtlichen Marktanteil von 26,1 Prozent entsprach. Kritiker lobten besonders die intelligente Dramaturgie und den frühen Überraschungseffekt, als die vermeintliche Hauptfigur des Antagonisten bereits nach 15 Minuten durch eine Explosion stirbt. „Flashback“ gilt unter Fans als einer der besten Odenthal-Tatorte, der nach einem actionreichen Einstieg zu leisen Tönen wechselt und die Auflösung bis kurz vor Schluss geheim halten kann.
Der Tatort Nummer 507 aus Ludwigshafen. Ein Tatort-Drama um die Hauptkommissarin Lena Odenthal sowie Klopper und Viereth. In diesem Fall ist alles ein wenig mehr oder weniger dick aufgetragen. Die Einsteigergeschichte mit der Urlaubsreise, der Bankraub, Lenas schwere Verletzungen, ihr Gedächtnisverlust, die Suspendierung, und so weiter und so fort. Diese ganzen unlogischen Handlungsabläufe sollten durch brutale Szenen und verbalen Ausbrüchen auch noch einen pseudo-spannenden Ablauf suggerieren und bewirkte genau das Gegenteilige. Bei mir fällt diese Tatortverballhornung durch, gesellschaftliche menschliche Schicksale sollten einfach der medienwirksamen Effekthascherei dienen. Nee, so nicht. Und bis heute zeigt die Tatort-Kommissarin, nach ihren schweren Verletzungen, noch vollen Einsatz. Gut so.
Ganz einfach gute Story für einen guten Tatort. Schnelle Genesung der Kommissarin eigentlich nicht möglich. Aber in Filmen und Romanen soll man ja über solche „Nebensächlichkeiten“ hinweg sehen können. Auflösung des Banküberfalles jedoch sehr gut und überraschend.
Es war keine Fehlgeburt, sondern allenfalls eine Frühgeburt. Das ist ein Unterschied!