Tatort Folge 198: Voll auf Hass



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Tatort Folge 198: Voll auf Hass 4 4

„Voll auf Hass“ sind sie, die Rechtsradikalen, die dem Türken Mehmet Bicici in diesem Hamburger Tatort das Leben zur Hölle machen. Die Hauptkommissare Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Brauer) decken während Ihrer Ermittlungen nach und nach Zusammenhänge zwischen dem Skinhead- bzw. Neonazimilieu (der End-Achtziger Jahre) und Schutzgelderpessern auf.

Alles könnte so schön sein, in diesem Hamburger Tatort: Mehmet Bicici ist überglücklich. Schon vor Jahren ist der Türke aus seinem Heimatland nach Deutschland, genauer Hamburg, gekommen, um hier ein besseres Leben zu führen und sich seinen Traum zu verwirklichen. Und nun hat er es endlich geschafft: Er hat sein eigenes Restaurant eröffnet. Doch schon bald nach der Eröffnung tauchen finstere Gestalten bei ihm auf und verlangen voll auf Hass Schutzgeld. Entweder Mehmet zahlt oder er und seine Familie bekommen große Schwierigkeiten. Aber Bicici lässt sich von den Schlägern nicht einschüchtern. Er bleibt hart und vergisst den Vorfall schnell wieder. Zu viel hat er mit der Vorbereitung der abendlichen Feier zu tun: Sein Sohn wird sich verloben! Man ahnt, dass zu dem Anlass auch einige ungebetene Gäste am Tatort erscheinen werden – darunter die Hamburger Tatort-Ermittler Stoever und Brockmöller.

Erdal Bicici, der Sohn des Restaurantbesitzers Mehmet, und seine Verlobte geben ein Fest für die Liebe. Ein Grund zur Freude, möchte man meinen. Doch einige der Gäste sehen das anders. Warum? Die Braut, Dagmar Lobeck, ist eine Deutsche. Und so prallen schon zu Beginn des Festes die Kulturen aufeinander. Vor allem Dagmars Vater ist gegen die Verbindung. Doch dann bekommt auch der Brautvater andere Sorgen: Denn plötzlich fällt eine Truppe Skinheads über das Restaurant und die Anwesenden her. Die kahlköpfigen jungen Männer in Bomberjacken und Springerstiefeln sind voll auf Hass und schlagen brutal zu. Nachdem sie wieder abgezogen sind, ist der Tatort verwüstet, es gibt mehrere Verletzte und einen Toten – den Bräutigam Erdal Bicici.

Die Kommissare Stoever und Brockmöller nehmen die Ermittlungen am Tatort auf. Und zunächst wirkt der Fall klar: Rassismus, Ausländerhass, Deutschland den Deutschen, Hass – das scheinen hier die Tatmotive zu sein. Speziell gegen Türken kommen solche Vergehen in Hamburg zu dieser Zeit häufiger vor. Die Szene ist voll auf Hass. Aber schon bald glaubt Stoever, dass die Skinheadtruppe von Dritten benutzt wurde und Brockmöller findet eine Spur zu der Schutzgeldorganisation, die versucht hat, Mehmet Bicici zu erpressen. Doch wie lässt sich erklären, dass Bicici offensichtlich mit den Erpressern kooperiert?


Der Hamburger Tatort „Voll auf Hass“ ist eine Produktion des NDR. Zum ersten Mal ausgestrahlt wurde er am 8. November 1987 im Ersten Programm der ARD. Die Tatort-Folge 198 spielt im Hamburg der späten Achtziger Jahre und war von seiner Thematik her damals durchaus brisant. Als die Folge im Jahr 1993 wiederholt wurde, kam es zu einem nie dagewesenen Zwischenfall in der Tatort-Geschichte: Die Ausstrahlung wurde nach nur 40 Minuten wegen massiver Zuschauerproteste vom Sender abgebrochen. Grund für die Proteste: Nur wenige Tage zuvor waren bei dem ausländerfeindlichen, sogenannten Solinger Anschlag fünf Asylbewerber getötet worden.

Besetzung
Djamchid Soheili (Mehmet Bicici) · Tayfun Bademsoy (Erdal Bicici) · Sabahat Bademsoy (Shirin Bicici) · Heike Faber (Dagmar Lobeck) · Ulrich Pleitgen (Gerhard Lobeck) · Johanna Liebeneiner (Lili Lobeck) · Mario Irrek (Kralle) · Luc Hoffmann (Leo) · Gerhard Olschewski (Martin Fuhrmann) · Engin Akcelik (Yüksel) · Jan Fedder · Peter Lakenmacher (Manfred Schürmann) · Helmut Zierl (Michael Roeder) · Georg Blumensaat · Lutz Reichert (Meyer II) · Jan Aust (Polizist) · Adalbert Tiegelkamp (Polizist) · Bernhard Dübe · Wolfgang Feustel (Wirt) · Heinrich Dohmes (Lagerarbeiter) · Frank Meyer-Brockmann

Stab
Drehbuch – Bernd Schadewald
Regie – Bernd Schadewald
Kamera – Jochen Radermacher, Charles Fürth
Schnitt – Anya Cox · Monika Schweser
Musik – Ingfried Hoffmann
Produktion – NDR


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7 Meinungen zum Tatort Folge 198: Voll auf Hass

  • Friedrich Nahrgang • am 7.2.08 um 0:11 Uhr

    Besonders schrecklich finde ich bei dieser Folge die Szene, wie die Skinheads in das Lokal stürmen und alles kurz und klein schlagen und einer fröhlichen Feier ein jähes Ende bereiten. Als ich diese Folge erstmalig 1987 sah, war mir fast übel geworden.
    Seit fast sieben Jahren wohne ich jetzt in Hamburg und hatte bei einer Wiederholung dieser Folge entdeckt, dass man die Außenaufnahmen von dem hier in dem Film türkischen Restaurant vor dem Eingang eines portugiesischen Restaurants direkt an einem Zugang zur S-Bahn-Station Stadthausbrücke gedreht hatte. In dem Restaurant hatte ich einige Male gegessen. Leider gibt es das nicht mehr.


  • Detlef Gierke • am 20.8.09 um 19:58 Uhr

    Dieser „selbsternannte Klassiker“ aus dem Jahre 1987 kann kein Staub ansetzen.
    Er wird ideologisch zweckmäßig eingesetzt – oftmals vor Wahlen. Das Drehjahr spielt dann keine Rolle mehr – er ist ständig „aktueller Brennpunkt“.


  • don rolando • am 25.11.12 um 20:47 Uhr

    einer derjenigen Tatorte, bei welchem die Komissare nur Nebenrollen spielen…starke Produktion


  • scheylock • am 13.8.15 um 12:12 Uhr

    AgitPro und, Indoktrination vom Feinsten. Schade, Stoever/Brocki gehören zu meinen Lieblingskommissaren.


  • Dirk • am 3.7.16 um 18:08 Uhr

    Der Tatort mit der Nummer 198 aus der Hansestadt Hamburg. Die beiden Hauptkommissare Stoever und Brockmöller ermitteln in einem der besten Polit-Thriller im Jahr 1987. Die beiden Profis ermitteln im Zuge rechtsextremer Untaten im politischen Lagern und bewegen sich auf dünnem Eis, denn ihre Gegner sind keinesfalls Amateure auf dem Gebiet der Angst essen Seele auf. Organisiert und gut durchstrukturiert zudem agitationsmäßig geführt und bandenvorbildlich ausgebildet, bieten sie diesen beiden Tatort-Kommissaren erhebliches Paroli, wodurch diese jene beiden sich wiederum heraus gefordert fühlen. Noch heute ein Tatort zum hinschauen, sehenswert, wiederholungswürdig.


  • Henning • am 14.10.17 um 23:03 Uhr

    Eine ziemliche Schwarz/Weißmalerei, wenngleich Stöver im Drehbuch versucht, eine differenzierte Betrachtungsweise aufzubauen. Unabhängig von der Geschichte gibt es einige sehr gute schauspielerische Leistungen, unter anderem von Djamchid Soheili, den man Ende der 80er häufiger in TV-Produktionen sah. Sein eindringliches Spiel bleibt im Gedächtnis. Im Gegensatz zu Tayfun Bademsoy , der bis heute gut im Geschäft ist und eigentlich auch allen anderen, ist dieser Schauspieler von der Bildfläche verschwunden. Was ist aus ihm geworden?


  • wolko • am 23.7.18 um 18:15 Uhr

    Immer aktuell und sehr gut.
    Toll auch die „Toten Hosen“ beim Konzert in der Fabrik.


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