Kurz und knapp – darum geht’s

In einem Stuttgarter Park werden nacheinander drei Obdachlose brutal ermordet, weshalb die Polizeiführung eine Sonderkommission unter Kommissar Ernst Bienzle einrichtet. Während die Hinweise zunächst auf einen computerfixierten Einzeltäter deuten, gerät ausgerechnet Bienzles langjähriger Kollege und Freund Horlacher wegen seines seltsamen Verhaltens und einer heimlichen Beziehung zu einer jungen Obdachlosen in Verdacht. Als Bienzle beginnt, die Verbindungen zwischen Horlacher und den rechtsradikalen Kreisen um den Bruder der „Luxuspennerin“ Charlotte zu durchleuchten, gerät sein Kollege in tödliche Gefahr…

Inhalt der Tatort-Folge „Bienzle und der Mord im Park“

Mit müdem Blick streift Kommissar Bienzle durch den herbstlichen Stuttgarter Park, als ein streunender Hund seine Aufmerksamkeit erregt und ihn direkt zu einem grausigen Fund führt – der dritten Leiche eines Obdachlosen innerhalb weniger Wochen. Der Polizeipräsident reagiert mit der Einrichtung einer Sonderkommission, deren Leitung Bienzle übernehmen soll. Die neue Kollegin Hanna Mader, eine akribische Computerexpertin mit stets korrektem Auftreten, bildet den denkbar größten Kontrast zu Bienzles eher intuitiver Ermittlungsarbeit. Während sie mit peniblen Listen und Datenbanken die Ermittlungen zu strukturieren versucht, bevorzugt Bienzle den direkten Kontakt zu den Menschen auf der Straße.

Der graue Himmel über Stuttgart wirkt wie eine schwere Decke, unter der das Misstrauen zwischen der Polizei und den Obdachlosen im Park nur noch beklemmender erscheint. Mit jedem Gespräch, das Bienzle führt, werden die Schicksale der Menschen am Rand der Gesellschaft greifbarer – besonders jenes der jungen Charlotte Fink, die mit ihrem gepflegten Äußeren und ihrer gebildeten Sprache zwischen den übrigen „Pennern“ hervorsticht wie ein exotischer Vogel im Schwarm der Stadttauben.

„Wollen Sie wissen, wer der Mörder ist?“, flüstert Charlotte eines Abends bei Bienzles Lebensgefährtin Hannelore, als sie unangemeldet vor deren Tür steht, „vielleicht trägt er ja eine Uniform.“ Diese Andeutung trifft Bienzle umso härter, als er schon länger das seltsame Verhalten seines Kollegen Horlacher beobachtet – dessen zunehmender Alkoholkonsum, seine unkontrollierten Ausbrüche, die blauen Flecken im Gesicht seiner Frau Doris. Die Ermittlungen gleichen einem Gang durch ein Labyrinth aus Loyalitätskonflikten und persönlichen Beziehungen, bei dem jede neue Erkenntnis Bienzle tiefer in die moralischen Grauzonen führt.

Während Andreas Kerbel, der zunächst als Hauptverdächtiger festgenommen wurde, in seiner penibel aufgeräumten Wohnung mit Blick auf den Park ein beunruhigendes Überwachungssystem eingerichtet hat, offenbart sich langsam ein komplexeres Netz aus Beziehungen. „Es gibt Dinge, die man tut, ohne zu wissen warum“, gesteht Horlacher seinem Freund Bienzle in einem seltenen Moment der Offenheit, kurz bevor die Situation eskaliert. Die nächtlichen Schatten im Park werden zu stummen Zeugen, als Charlottes Bruder mit seinen rechtsradikalen Freunden zuschlägt und Horlachers Körper in lodernden Flammen aufgeht – ein Fanal der Gewalt, das die Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschwimmen lässt.

Hinter den Kulissen

Der Tatort „Bienzle und der Mord im Park“ ist die 309. Episode der Krimireihe und wurde vom Süddeutschen Rundfunk unter der Regie von Hartmut Griesmayr produziert. Die Dreharbeiten fanden im Herbst 1994 in Stuttgart und Umgebung statt, wobei besonders die Parkszenen im Stuttgarter Schlossgarten für die beklemmende Atmosphäre des Films sorgten.

In der Hauptrolle verkörpert Dietz Werner Steck den eigenwilligen Kommissar Ernst Bienzle – es ist bereits sein vierter Fall in der Tatort-Reihe. An seiner Seite agieren Wolf-Dietrich Sprenger als Kollege Horlacher und Bettina Kupfer in der Rolle der Charlotte Fink. Die Nebenbesetzung wird komplettiert durch Ruth Szczepanski als Computerexpertin Hanna Mader und Rita Russek als Bienzles Lebensgefährtin Hannelore.

Bei der Erstausstrahlung am 7. Mai 1995 im Ersten Deutschen Fernsehen erreichte der Film 6,77 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 23 Prozent entsprach – für die damalige Zeit ein beachtlicher Erfolg. Bemerkenswert ist, dass die Episode auf dem 1992 erschienenen Roman „Gute Nacht, Bienzle“ des bekannten Drehbuchautors Felix Huby basiert, womit es sich bereits um die dritte Verfilmung einer literarischen Bienzle-Vorlage handelte.

Nach der Ausstrahlung wurde besonders die authentische Darstellung der Obdachlosenszene und die differenzierte Behandlung des Themas Alkoholismus in Polizeikreisen von Kritikern gelobt. 2008 erschien eine Neuauflage des Romans bei Fischer unter dem Titel „Bienzle und der Tote im Park“ als Teil eines Doppelbandes, was das anhaltende Interesse an den Fällen des Stuttgarter Kommissars unterstreicht.

Besetzung

Hauptkommissar Ernst Bienzle – Dietz Werner Steck
Computerexpertin Hanna Mader – Sissy Höfferer
Polizeipräsident – Elert Bode
Kommissar Arthur Horlacher – Wolf-Dietrich Sprenger
seine Ehefrau Doris Horlacher – Ruth Wohlschlegel
Täter Andreas Kerbel – André Hennicke
Hannelore Schmiedinger – Rita Russeck
Peter Fink – Marco Hofschneider
Charlotte Fink – Claudia Schmutzler
Alfons Schierle – Walter Schultheiß
Günter Gächter – Rüdiger Wandel
Nestele – Oscar Heiler
Mägerle – Martin Schleker
Mike – Zacharias Preen
Axel – Fabian Harloff
Anna – Anke Hartwig
u.a.

Stab

Drehbuch – Felix Huby
Regie – Dieter Schlotterbeck
Kamera – Hans Schalk, Wolfgang Breuning
Szenenbild – Stefan Schaaf
Musik – Büdi Siebert

Bilder: SWR