Polizeiruf 110: Heilig sollt ihr sein!



  18 Meinungen
Polizeiruf 110: Heilig sollt ihr sein! 2 18

Die 16-jährige Larissa, die ihren Eltern fest versichert noch Jungfrau zu sein, ist im neuesten Polizeiruf 110 „Heilig sollt ihr sein!“ schwanger. Als sie unter dramatischen Umständen stirbt, werden die Hauptkommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) mit der Aufklärung der schier unglaublichen Tat beauftragt …

Der Fernsehkrimi „Heilig sollt ihr sein!“ – eine Produktion des rbb – wird am Sonntag, den 3. Mai 2020 um 20.15 Uhr im Ersten Programm seine Erstausstrahlung erleben. Der Polizeiruf stellt den bereits neunten gemeinsamen Einsatz des Ermittlerduos um Lenski und Raczek für die deutsch-polnische Mordkommission in Świecko dar.

Inhalt der Polizeiruf 110-Folge „Heilig sollt ihr sein!“

Die junge Larissa Böhler ist verzweifelt. Das unscheinbare Mädchen mit dem schulterlangen, dunkelblonden Haar ist gerade 16 Jahre alt, selbst noch nicht erwachsen und schon schwanger. Dabei hatte sie keinen Sex. Ihre Eltern Simon und Nikola sind nach der bestätigten ärztlichen Diagnose höchst beunruhigt, verbringen schlaflose Nächte und spekulieren, wer der Vater des Kindes sein könnte. Wurde ihre Tochter vergewaltigt? Wird sie jetzt unter Druck gesetzt, wird ihr mit Gewalt gedroht? Larissa verneint. Eine Schwangerschaft, entstanden allein durch die Macht Gottes, wie ist das möglich? Weder Vater noch Mutter können und wollen dieser Vorstellung Glauben schenken.

An einem frühen, kalten Morgen schleicht sich der schwangere Teenager im Polizeiruf „Heilig sollt ihr sein!“ heimlich aus dem Elternhaus. Die Schülerin stellt sich auf eine Brücke, die über die Oder führt, nur der Griff am Geländer hält sie noch am Leben. Larissa will nicht sterben, doch hat sie eine Wahl? Ein Junge reißt sie aus ihren Gedanken, und stellt sich ihr als Elias vor. Sie kennen sich nicht, dennoch spricht er beschwichtigend auf Larissa Böhler ein, gibt vor, von dem Ungeborenen und seiner wundersamen Entstehung zu wissen. Dieses Kind, ein Junge, sei etwas Besonderes, Schützenwertes.

Eine Woche später in einem Krankenhaus in Frankfurt an der Oder. Das von ihrer Verzweiflungstat abgehaltene Mädchen liegt auf einem OP-Tisch, bereits lokal anästhesiert und vorbereitet für den bevorstehenden späten Schwangerschaftsabbruch nach der 20. Woche; wie die vorherigen Untersuchungen ergeben haben, weist der Fötus eine Trisomie 18 auf. Das Baby würde mit schwersten Behinderungen geboren und die ersten Tage nach der Geburt höchstwahrscheinlich nicht überleben.

Als Larissa einen Moment lang unbeobachtet ist, betritt Elias den Raum. Er zieht sich die Jacke aus, streift sich Einweghandschuhe über und macht sein Smartphone für eine Videoaufzeichnung startklar. Er fixiert die Handgelenke der 16-Jährigen und greift nach dem steril verpackten Skalpell. Böhler, die zu begreifen beginnt, was der etwa gleich alte Junge plant, schreit. Elias setzt die Klinge auf der gewölbten Bauchdecke an: „Du musst ruhig bleiben. Wir dürfen ihn auf keinen Fall verletzen.“ Larissa Böhler brüllt weiter um Hilfe, doch das Klinikpersonal hört sie nicht.

Am Tatort eingetroffen, sind die beiden Hauptkommissare Olga Lenski und Adam Raczek entsetzt. Der Täter hat dem Mädchen das Kind im rbb-Krimi „Heilig sollt ihr sein!“ tatsächlich aus dem Leib geschnitten und ihr anschließend in die Arme gelegt, bevor er verschwand. Das zeigen die Videoaufzeichnungen, die kurz darauf im Internet veröffentlicht werden. Das Baby, das eigentlich keine Überlebenschancen haben sollte, ist zwar schwach – aber kerngesund. Es zeigt keinerlei Missbildungen und ist bestens entwickelt. Ein Wunder? Der behandelnde Arzt Professor Delmen hat hierfür keine Erklärung. Die Kindesmutter ringt derweil mit dem Tod, denn sie hat bei dem laienhaften Eingriff des Täters viel Blut verloren.

Ein blutverschmiertes Hemd und ein Pullover im Mülleimer des OPs sowie das bewusste Auftreten von Jonas Fleischauer – der sich selbst Elias nennt – im Videomaterial bringen die Kripo von der deutsch-polnischen Grenze Schritt für Schritt auf die Spur des Mannes, der nun als Mörder gesucht wird. Denn Larissa Böhler ist zwischenzeitlich an den Folgen des Kaiserschnitts gestorben.

Jonas sieht sich laut Videobotschaft als Gesandter Gottes, dessen Auftrag es war, das zum Tode verurteilte Kind zu retten. Der Prophet Elias ist dem christlichen Glauben gemäß, so erklärt es der streng katholisch erzogene Kommissar Raczek seiner ungläubigen Kollegin Lenski, in der Lage, über Leben und Tod zu entscheiden. Warum nur sollte es ausgerechnet dieses Kind sein?

Während die verschiedenen Auffassungen zu den biblischen Geschichten und Glaubenssätzen zu Reibereien bei den beiden ermittelnden Kommissaren im Polizeiruf 110 „Heilig sollt ihr sein!“ führen, taucht Raczeks Mutter plötzlich vor dessen Wohnungstür auf. Seit fünf Jahren hatten Agnieszka Raczek und Adam keinen Kontakt, nun drängt sich die alte Frau ihrem Sohn geradezu auf, kocht für ihn, macht ungefragt die Wäsche. Die Wahrheit kommt bald auf den Tisch: Sie hat Krebs. Die Medienberichte über den jungen Mann, der sich selbst als Wunderheiler erkannt haben will, stoßen bei der sterbenskranken Agnieszka auf Interesse. Wenn sie den leibhaftig gewordenen Propheten berührt, kann er vielleicht ihre Krankheit heilen. Adam schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

Der Gerichtsmediziner Dr. Marian Kaminski obduziert indessen den Leichnam von Larissa und stellt zur Überraschung aller fest: Das Hymen ist unbeschädigt, und das umliegende Gewebe im Genitalbereich bestätigt, dass der Teenager noch niemals Sex hatte …


Der neunte Fall des Ermittlerduos Lenski und Raczek innerhalb der Polizeiruf-Reihe wurde im Zeitraum vom 5. November bis 5. Dezember 2019 in Frankfurt an der Oder, Berlin sowie in Słubice in Polen gefilmt.

Der Exorzismus, so wie er in dem Kriminalfilm dargestellt wird, ist in Polen wahrhaftig weit verbreitet. Nicht nur in kleinen Kirchen auf dem Dorf, sogar in großen Stadien werden regelrechte „Befreiungsgottesdienste“ abgehalten, um Gläubigen den Teufel auszutreiben. Die Priester, die dazu befähigt sind, sind äußerst angesehen.

Autor der Geschichte ist Hendrik Hölzemann, der ebenso für den ersten Fall des neuen Saarbrücker Tatort-Teams um Schürk und Hölzer verantwortlich ist: Die Folge „Das fleißige Lieschen“ feierte erst am 13. April 2020 seine TV-Premiere im Ersten. „Heilig sollt ihr sein!“ ist Hölzemanns erster Beitrag zur Polizeiruf 110-Serie.

Die Redaktion von Tatort-Fans meint …

Sabine (40 J. | Kinoliebhaberin)

Puh, der Krimi bewegt sich knapp am Rande dessen, was (er)tragbar erscheint für dieses TV-Format. Eine jungfräuliche Empfängnis, ein Kaiserschnitt unter Wahnvorstellungen, routinierter Exorzismus in Polen, eine Krebsdiagnose und zu guter Letzt zwei Geiselnahmen. Der Plot ist proppenvoll, hallelujah. Mittelprächtig.

Gerald (40 J. | IT-Nerd)

Das Thema für diesen Polizeiruf ist ungewöhnlich aber gut und spannend umgesetzt. Hätte ich auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Die „OP“ ist unvorstellbar und grausam, Lenskis Gesicht spricht Bände. Ich empfehle, diesem Krimi eine Chance zu geben. Harte Kost aber richtig gut gemacht!

Trailer zur Tatort-Produktion



Polizeiruf-Besetzung

Hauptkommissarin Olga Lenski – Maria Simon
Hauptkommissar Adam Raczek – Lucas Gregorowicz
Inspektor Karol Pawlak – Robert Gonera
Komisarz Wiktor Krol – Klaudiusz Kaufmann
Polizeihauptmeister Wolfgang Neumann – Fritz Roth
Rechtsmediziner Dr. Marian Kaminski – Tomek Nowicki
Magda Fleischauer – Anna Grycewicz
ihr Sohn Jonas Fleischauer („Elias“) – Tom Gronau
Simon Böhler – Shenja Lacher
seine Ehefrau Nikola Böhler – Julia Krynke
die Tochter Larissa Böhler – Paraschiva Dragus
Jugendliche Sammy Fauler – Kyra Sophia Kahre
ihr Bruder Justin Fauler – Viktor Nilsson
Prof. Delmen, behandelnder Arzt von Larissa – Harald Schrott
Agnieszka Raczek, Mutter von Adam – Małgorzata Zajączkowska
Pater Anselm – Maciej Robakiewicz
u.a.

Polizeiruf-Stab

Drehbuch – Hendrik Hölzemann, nach einer Idee von Matthias Glasner
Regie – Rainer Kaufmann
Kamera – Klaus Eichhammer
Schnitt – Nicola Undritz
Szenenbild – Justyna Jaszczuk
Ton – Ludwig Bestehorn
Musik – Richard Ruzicka

Bilder-Galerie zum Krimi aus Frankfurt


32 Meinungen zum Polizeiruf 110: Heilig sollt ihr sein!

  • Der Fremde • am 21.4.20 um 13:43 Uhr

    Nach Durchsicht des og. Plots kann ich mir zunächst nicht vorstellen, wie ein in der 20. Schwangerschafts-Woche zur Welt gebrachtes Kind „kerngesund“ sein soll. Da bin ich schon sehr gespannt, wie das wissenschaftlich erklärt werden wird …


  • Brodesser • am 3.5.20 um 21:14 Uhr

    Eine Unverschämtheit
    Schwachsinn ist garnichts dagegen


  • Vera Warschun • am 3.5.20 um 21:14 Uhr

    So ein Schwachsinn muss sich keiner anschauen


  • Günther • am 3.5.20 um 21:15 Uhr

    Ermittlerteam eigentlich recht gut – Story maximal unglaubwürdig – Untertitel muss nicht sein – abgeschaltet.


  • sigi beltz • am 3.5.20 um 21:28 Uhr

    Zum kotzen, polnische Untertitel


  • Silvia Conermann • am 3.5.20 um 21:50 Uhr

    Nach der 20. Sw. heißt es glaube ich
    Aber das Baby ist so propper, das passt überhaupt nicht


  • Alehalo • am 3.5.20 um 21:51 Uhr

    Eine Mutter blöder als die andere. Soviel religiösen Fanatismus, soviel göttliche Dummheit. Kein Thema für mich.


  • Patrick Dawson • am 3.5.20 um 21:51 Uhr

    Ich möchte keinen zu nahe treten, aber diese Story beleidigt alles, was mir an einem Krimi wichtig ist.
    Mehr Unsinnigkeiten in einem Film ist mir derzeit nicht bekannt.
    Eine religiös verstrahlte, alte und definitiv analog lebende Mutter recherchiert in den E-Mails ihres Sohnes (Kommissar) und verschickt diese weiter. Datensicherheit bei der grenzüberschreitenden Deutsch-Polnischen Polizei? Ich habe bewusst ein Beispiel vom Ende des Films benannt, da alle Schwachstellen aufzuzählen würde dieses Forum sprengen. Danke an wen auch immer, dass auch hier ein Ende gefunden wurde.


  • TO_Stju • am 3.5.20 um 21:57 Uhr

    Einfach nur Klasse! Thema echt Mystery-mäßig, Topp gespielt, krasse Figuren. Mal echt was anderes für TO/PR110 Verhältnisse, aber echt gelungen. Seit etlichen Wochen und Monaten das Beste am Sonntagabend. Schaue ich direkt nochmal auf ONE!


  • Thorsten • am 3.5.20 um 22:05 Uhr

    Eigentlich finde ich den Polizeiruf meistens besser als Tatort. Aber der Frankfurter Polizeiruf ist sowieso einer der schwächeren, und das heute war polnisch-katholischer Dünnpfiff. Gefühlt zwei Drittel in polnisch finde ich auch ein bisschen extrem.


  • Attila • am 3.5.20 um 22:09 Uhr

    Also, ja, ich ich habe dieses deusch-polnisches Kommissariat nie gemocht, es ist so, wie es in Polizeiruf dargestellt wird, völlog unrealistisch.
    Doch diese heutige Folge war auch daran gemessen komplett blödsinn.
    Sabine schrieb, die heutige Folge sei „knapp am Rande“. Ich sehe es auch so, ich glaube sogar, dass es schon die falsche Seite des Randes ist.


  • Der Fremde • am 3.5.20 um 22:12 Uhr

    „Religiöser Wahn“ ist m.E. ein sehr interessantes Thema. Meine og. Zweifel an der „Kerngesundheit“ eines in der 20. Schwangerschaftswoche geborenen Kindes konnte der PR zwar leider nicht entkräften, doch fand ich das Thema der religiösen Verblendung als ziemlich authentisch dargestellt (vielleicht bis auf die Geiselnahme am Schluss, die wirkte auf mich ziemlich unglaubwürdig).
    Es gibt schon einiges scheinbar Unerklärliches auf unsere Welt, da versuchen eben manche, dieses „Vakuum“ (der scheinbaren Unerklärlichkeit) auf ihre Weise zu füllen. Offenbar recht erfolgreich, sonst würde es nicht so viele religiöse Menschen geben.
    Ich bin definitiv nicht religiös und glaube daher, dass sich alle Tatsachen bei vollständiger Kenntnis von deren Voraussetzungen erklären lassen. Das Problem hierbei ist halt, dass bei komplizierten Konstellationen subjektiv in der Regel nur ein Ausschnitt der objektiv gegebenen Voraussetzungen bekannt ist. Aus philosophischer Sicht ein Grund-Dilemma des Menschen …


  • Winfried Vorbeck • am 3.5.20 um 22:13 Uhr

    Mir waren da zu viel Ungereimtheiten drin, vielleicht habe ich aber auch wesentliche Dinge nicht verstanden.

    Der Täter läuft mehrfach unentdeckt durch die Intensivstation; hoffentlich ist das nicht nur mein Wunsch, dass sowas eigentlich unmöglich ist. Und wie kam er in die Zelle dieser Frau? Das Kind war nach der Frühgeburt sofort geschätzt mehrere Monate alt. Und das sollte abgetrieben werden?

    Die Ermittler waren ungewöhnlich und übertrieben emotional. Lenski brach mehrfach fast in Tränen aus.


  • Daniel • am 3.5.20 um 22:16 Uhr

    Der letzte Polizeiruf mit diesen beiden war ja schon schlecht, aber dieser ja noch schlechter!Das junge Mädchen hat erst keinen Bauch und auf dem op Tisch könnte man denken,sie bekommt Zwillinge!
    Die tätowiererin passte auch überhaupt nicht darein abgesehen von dem Muttermal,ganz schlechte Geschichte!
    Schade das die beiden Kommissare so verheizt werden,obwohl das super Schauspieler sind!


  • Attila • am 3.5.20 um 22:44 Uhr

    Ach, und noch was. Im katholischen Glauben heißt es, Maria, Jesu Mutter, wurde ohne Erbsünde empfangen, und so ist ihre Empfängnis als unbefleckt bezeichnet.
    Der Begriff hat also mit dem Jungfrauengeburt Jesu, ca. 15-16 Jahre später, nichts zu tun. Es war nicht der größte Blödsinn der heutigen Folge, aber sicher der eine, der den meisten Zuschauern nicht ausfällt.
    Wenn man es lernt, hatte doch vielleicht einen Sinn, die heutige Folge zu schauen ;-)


  • Wolfgang Boschan • am 3.5.20 um 23:21 Uhr

    Liebes Tatortteam, diese Sendung von heute Abend war das allerletzte,was ich jemals gesehen habe. Vielleicht das nächste Mal nicht so viele deletatische Fehler. Ein bisschen bessere Faktenrecherche wäre gut. Auf jeden Fall seit Ihr einen Zuscher los


  • FrankP • am 4.5.20 um 0:07 Uhr

    Auch dieser Polizeiruf hat die Grenzen mal wieder überschritten. Die schwangere Jungfrau, die wundersame Heilung des Babys, der frei zugängige Operationssaal oder den selbst beigebrachten Kaiserschnitt lassen den Exorzismus relativ untergehen. Wichtiger scheint ja zu sein, dass Kommissar Raczek endlich ein Familienleben hat und dieses Familienleben passend zur religiösen Handlung entsprechende Probleme aufweist. Wer will das wissen? Und warum können deutsche TV-Polizisten ihre Wohnung nicht tapezieren? Na ja, war auch ziemlich realistisch, dass man seine kranke Mutter zur Geiselnahme mitnimmt. Sorry. nicht nur die Geiselnahme war dümmlich. Olga, Du warst mal meine Lieblingskommissarin. Trenn Dich von Adam oder Du kommst auf die Blacklist.


  • herbert2 • am 4.5.20 um 6:03 Uhr

    Ich schlisse mich da auch manchen an mit der Aussage, das das Format bedeutend besser ist als der Tatort.
    Seit gestern wurde das wiederlegt. Also am Sonntag auch kein Polizeiruf 110 mehr.
    Was soll der Blödsinn? Es gibt auch in unserer Kultur noch Leute die an was Glauben.


  • Frank • am 4.5.20 um 7:52 Uhr

    Das einzig gelungene war die Erzählung der Nebenhandlung zwischen Raczek und seiner krebskranken Mutter. Der Rest war grausam anzusehen. Schon am Anfang reibt man sich verwundert die Augen, Polizeieinsatz und -sperrung weil eine junge Frau von einer Brücke springen will, Jonas alias Elias geht aber unter der Absperrung durch zu der Frau, kein Polizist hindert ihn daran oder ist überhaupt zu sehen. Dann erschleicht sich Elias den Zugang in einen OP, aus welchem das gesamte Ärzte- und Pflegerteam wegen eines Notfalls verschwindet. Da fragte ich mich schon, was der Autor geraucht hat. Zwar scheint er immer wieder mal auch Sauerstoff zugeführt zu haben, bevor er den nächsten Zug genommen hat, aber das Ganze führte zu einer unerträglichen Vermischung von religiöser Mystik und Wirklichkeit. Ein Experiment auf das ich gerne verzichtet hätte.


  • Hanz W. • am 4.5.20 um 8:07 Uhr

    So an die 80 Minuten ist der Film steil in die Kurve gefahren, hat sie aber trotz mancher haarsträubender Passagen stets haarscharf gehalten. Bis er am Schluss dann leider doch noch hochkant aus selbiger geflogen ist, das war dann doch mindestens eine Umdrehung zu viel.
    Durchaus gelungen, wie in diese Welt aus Glaube, Aberglaube, Wahn Einblick genommen und der Frage nachgegangen wurde, wo eben Glaube aufhört und der Wahn beginnt. Das hatte durchaus seine Faszination, obwohl ein „klassischer“ Kriminalfall ja nicht dargestellt wurde, auf der Sachebene war ja von Anfang an alles klar. Über manche Logiklöcher konnte man hinwegsehen: der Wonneproppen, der nach der 20. Woche(!) zur Welt gebracht wurde, die stets offenen Türen in Krankenhaus und Gefängnis etc. … vielleicht sollten die ja auch einen transzendenten Anklang geben, mit dem der Film ja auch immer wieder kokettiert hat. Gewünscht hätte man sich, dass die Herkunft der psychischen Deformationen des Jungen noch ein wenig genauer beleuchtet wurden, aber insgesamt war das bis dahin in Ordnung.
    Die Nummer mit der Geiselnahme, in die dann auch noch die Mutter des Kommissars gestolpert ist, war dann allerdings (mir) die wirklich eine Umdrehung über dem Limit. Ich weiß nicht, ob ggf. dieses tätowierte Mädel nicht auch eine biblische Anspielung sein oder ob die Figur so was wie einen „satanischen“ Touch auch noch einführen sollte. Oder ob es einfach den abschließenden Knalleffekt brauchte. Es war jedenfalls so überflüssig wie die Mutter, die sich an den „Propheten“ geschmissen hat: Das war echter Schmarrn. Wie gesagt: bis zur 80. hätte ich vier Sterne vergeben, so werden’s leider nur glatte 3.


  • Feuernebel • am 4.5.20 um 9:51 Uhr

    @Der Fremde und @Winfried Vorbeck, zur Frage des Gestationsalters des Babys:
    Es ist nicht die Rede davon, dass die Mutter in der 20. SSW ist, sondern dass es sich um einen Spätabbruch handelt, der NACH der 20. SSW ausgeführt werden soll. Bei medizinischer Indikation darf in Deutschland bis zum Einsetzen der natürlichen Geburt die Schwangerschaft straffrei abgebrochen werden. Medizinische Indikation bedeutet nicht, dass das Kind wegen einer Behinderung abgetrieben wird (denn das ist nicht erlaubt), sondern dass das Leben und/oder die körperliche ODER seelische Gesundheit der Mutter nur durch einen Abbruch gewahrt bleiben. Wenn die Mutter also nach der Beratung sagt, sie könne psychisch kein behindertes Kind ertragen, darf sie es rein rechtlich gesehen abtreiben, auch wenn sie schon in der 40. SSW ist (solange die Wehen noch nicht eingesetzt haben).
    In welcher SSW das Baby im PR auf die Welt kommt, ist also nicht klar, es kann auch deutlich älter sein.
    Ich habe ein körperbehindertes Kind und wurde in der Schwangerschaft eingehend über die rechtliche Situation in Deutschland aufgeklärt.


  • Jo E • am 4.5.20 um 12:41 Uhr

    Dieser Polizeiruf war das Schlimmste, was ich seit Längerem gesehen habe. Einen Stern zu vergeben ist genau genommen einer zu viel. Eine durch und durch dilettantisch konstruierte, unlogische und schlecht umgesetzte Story. Ein paar Punkte: Welches Wunder hat den nun das Kind im Bauch der jungen Mutter beschert? Warum will sie von der Brücke springen? Wie kann ein Kind in dieser Größe von einem Laien aus dem Bauch geschnitten werden bzw. wie und warum hätte das Kind abgetrieben werden sollen, wo es doch gesund war? Welche Rolle spielt die wildgewordene Frau mit der angespitzten Zahnbürste? Wie kann „Elias“ so einfach in ihre Zelle? Wie dumm (Entschuldigung) stellen sich die Polizisten an, diese nicht außer Gefecht zu setzen? Usw. usf. Man hatte den Eindruck, hier wurde vielerlei Nonsens eingebaut, nur um das Ganze irgendwie am Laufen zu halten. Um die Zeit voll zu bekommen (so hatte man ständig Gefühl), musste dann noch die Mutter des Kommissars unter Berücksichtigung aller Klischees und denkbaren Stereotypen ins Geschehen eingeschoben werden (z. B. hatten sie 5 Jahre keinen Kontakt (???); sie hat eine Krebserkrankung; sie leitet interne Ermittlungsunterlagen an die Presse….). Und dass sie dann auch noch dem Täter an den Hals springt (es handelt sich um einen polizeilichen Einsatzort!!!) in dieser entsetzlich geistlosen Schlussszene und Sohnemann und Polizei stehen da wie eine Kuh wenn’s donnert. Das einzig wirklich Interessante an diesem verunglückten Polizeiruf wurde dann doch nicht aufgelöst: wer war den nun der Vater des Kindes?


  • Jo E • am 4.5.20 um 12:44 Uhr

    Entschuldigung, in meinem vorherigen Post sollte nur ein Stern vergeben werden.


  • Karin L. • am 4.5.20 um 13:25 Uhr

    Es spart sich eine Menge Geld, die Drehbücher des Polizeiruf von den Drehbuchautoren der uns in diesem Frühjahr in Begeisterungsstürme ausbrechenden Tatortfolgen schreiben zu lassen.
    Erwarte den nächsten Polizeiruf 110 schon mit großer Ungeduld.


  • joe • am 4.5.20 um 14:01 Uhr

    Ich könnte mir vorstellen, das das Mädchen (Rollenname: Sammy Fauler) als Racheengel oder bibl. als Gabriel mit dem Richtschwert fungieren sollte.
    Dafür war die Szene aber noch harmlos gestaltet. Das bibl. Feuer, und was da noch so alles im Alten Testament erwähnt wird, fehlte….


  • Volker Meyer • am 4.5.20 um 15:45 Uhr

    Ja TO oder SF oder Mystery….gruselige >Story!


  • Andy • am 4.5.20 um 18:18 Uhr

    Äußerst gelungen fand ich die kurze Verhörszene zu der der Pflichtanwalt hinzukommt. Hier konnte jeder ungeschminkt die hässliche Fratze der Juristen sehen, was leider auf viele zutrifft.


  • Nicole • am 4.5.20 um 19:56 Uhr

    Ich habe selbst nach dem 2. Mal schauen so einiges nicht verstanden. Ich habe die Rolle der Tätowiererin nicht kapiert- ich dachte da gibt es noch eine Auflösung ( das sie die Mutter ist wegen dem Leberfleck?) Wie kam die Schwangerschaft zustande? Ohne Sex? Was war mit dem Bruder von dem Tätowierten Mädchen? Warum tötet sie ihn? Und wo war generell der Zusammenhang zum Rest der Geschichte? Solche Storys mag ich nicht- größtenteils ohne Sinn! Aber die Schauspieler waren alle Top!


  • Till Schneider • am 5.5.20 um 3:28 Uhr

    Das Drehbuch dieses Polizeiruf ist so herrlich hirngefickt, dass es schon fast wieder gut ist. Überall knirscht es im Gebälk der religiösen Kreuz- und Quer-Bezüge, so dass der Zuschauer (nein: ich) nur noch gackernd mitfiebern kann, was für einen bizarren Höhepunkt sie wohl als nächstes draufsetzen. Es hätte ewig so weitergehen können mit diesen aneinandergepappten Strenggläubigen-Standardmotiven bzw. -Schablonen, ohne dass es wirklich hätte langweilig werden können, aber man merkte halt dauernd: Das ist alles unter höchster Hirnverrenkung zusammengepuzzelt. Ernst nehmen konnte man’s nicht, aber lustig war’s. Es gab sogar was Glaubwürdiges, nämlich den Strang „Adam Raczek und seine Mutter“, den @Frank zu Recht gelobt hat.

    Schauspielerisch top: Anna Grycewicz alias Magda Fleischauer, die Mutter von „Elias“ Fleischhauer, trumpft mit einer ganz köstlichen Mimik und ebensolcher Sprachmelodie auf. Sie war die Beste. Danach kamen für mich Kyra Sophia Kahre alias „Jugendliche Sammy Fauler“, Tomek Nowicki alias Rechtsmediziner Dr. Marian Kaminski (ein komödiantisches Talent!) und Harald Schrott alias Prof. Delmen (der ist sowieso immer gut).


  • alter Fan(tm) • am 5.5.20 um 21:23 Uhr

    ich fand diesen PR110 keinesfalls “ danebengeraden “ – war schon irgendwie ein bischen was zum gruseln – halt mal was ganz anderes – aber wenn man weiß , welch spezielles Verhältnis unsere polnischen Nachbarn zur Religion haben – ich konnte am Ende doch irgendwie alles mehr oder weniger nachvollziehen


  • Der Fremde • am 7.5.20 um 16:19 Uhr

    @ Feuernebel: Danke für die Info; die Annahme, dass die Verhinderung des Schwangerschaftsabbruchs und Durchführung des Kaiserschnitts NACH der 20. SSW und daher in einem (wohl wesentlich) späteren Alter des Fötus stattfand, macht diesen Punkt nun doch plausibler …


  • Nelly! • am 24.5.20 um 9:32 Uhr

    Olga Lenski war immer eine meiner liebsten Kommissare. Bis sie in dieses polnisch deutsche Dingsbums gewechselt hat. Seitdem nervt der schlecht gelaunte Kollege Adam und der unsympathische Cheff immer mehr. Und dann kam heute noch Adams Mama dazu, noch nerviger, leider. Damals hatte Olga diesen netten Motorrad-mit- Beiwagen Kollegen, das war eine tolle Konstellation! Es wäre schön, wenn Olga wieder versetzt werden könnte und dann ein sympathischeres Umfeld bekäme, denn Maria Simon ist nach wie vor toll!


Schreiben Sie Ihre Meinung.

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

1 2 3 4 5
Tatort Sendezeiten

Ihr findet uns unter
Neue Tatortfolgen
Weitere Folgen
Kommissarübersicht
Stadt Archiv