Tatort Folge 1130: National feminin



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Tatort Folge 1130: National feminin 3 30

Es geht Schlag auf Schlag. Gerade vier Wochen ist es her, dass Hauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) ihren zweiten gemeinsamen Fall „Krieg im Kopf“ (Tatort-Folge 1126) lösten, nun geht es im Jagdgalopp weiter:

„National feminin“ ist im neuesten NDR-Tatort der Titel eines Blogs, in dem eine Studentin der Rechtswissenschaft den modernen Feminismus hinterfragt und die „Aufgabe der deutschen Frau“ mit rechtsradikalem Gedankengut mixt. Als Marie mit aufgeschnittener Kehle im Wald gefunden wird, kommen gleich mehrere Täter in Frage.

Der Kriminalfilm aus Göttingen, Tatort-Folge Nummer 1130, wird am Sonntag, den 26. April 2020 um 20.15 Uhr im Ersten Programm der ARD erstmals ausgestrahlt.

Inhalt der Tatort-Folge „Nation feminin“

„In wen bist du verknallt?“, will David Lindholm selbstbewusst wissen. Die Hauptkommissarin und alleinerziehende Mutter Charlotte neigt verlegen den Blick am Frühstückstisch, bevor sie sich fängt und ihrem Sohnemann ein schlichtes „Quatsch“ erwidert. Sie lächelt dabei kaum merklich, und doch weiß der Achtjährige genau, wie recht er hat. Das betörende Parfüm, die Ermittlerin aus Hannover bereits seit Tagen jeden Morgen vor Dienstbeginn aufträgt, ist ihr liebstes. Was sie David nicht erzählen möchte, nicht einmal sich selbst eingestehen will: Es ist für Nick. Für den charmanten Ehemann ihrer Kollegin Anaïs Schmitz.

Der Anruf, der auf dem Mobiltelefon der Kommissarin eingeht, reißt sie aus ihren verliebten Gedanken an jenen Mann, mit dem sie unverhofft im Büro einen zarten Kuss austauschte. Schmitz ist am Apparat, der Fund einer Leiche im Göttinger Stadtwald erfordert ihr sofortiges Kommen. Am Tatort eingetroffen, nimmt sie Anaïs bereits in Empfang und teilt Charlotte Lindholm im Fall „National feminin“ die ersten Untersuchungserkenntnisse mit:

Das Opfer ist eine Frau Anfang Zwanzig, die ohne Papiere oder Handy auf einem blutdurchtränkten Moosbett liegt. Das Fahrrad, das 300 Meter entfernt von der Leiche liegt, scheint ihres zu sein: das rechte Hosenbein ist noch hochgekrempelt. Der Rechtsmediziner Nick Schmitz macht vor Ort bereits die Leichenschau, als ihn Charlotte und seine Frau Anaïs erreichen. Er erklärt, dass weder Hände noch Arme Abwehrspuren aufweisen. Auch gibt es keinerlei Anzeichen für einen Vergewaltigungsversucht. Ein tiefer Schnitt in die Kehle hat ihr Leben beendet. Die KTU, die den Tatort bereits untersucht hat, konnte keine brauchbaren Indizien sammeln – der zwischenzeitliche Regen und der Hund der Joggerin, die die Leiche im Wald fand, sämtliche Spuren vernichteten.

Kurz bevor sich das Team zunächst wieder trennt, findet ein Mitarbeiter der Kriminaltechnik ein deaktiviertes, nasses pinkes Handy in der Umgebung. Nick tauscht uneindeutige Blicke mit Charlotte, bevor er zu seiner Anaïs geht und ihr mehrere Küsse gibt. „Schönen Hochzeitstag“, flüstert er ihr lächelnd zu. Charlotte Lindholm schaut betreten weg – und wünschte, sie wäre an der Stelle ihrer Kollegin.

Da zieht ein mit einer Kapuze verhüllter Mann auf einem Rad Lindholms Aufmerksamkeit im NDR-Tatort „National feminin“ auf sich. Als der Vermummte von der Kriminalbeamtin angesprochen wird, flieht der. Ein Mörder, der den Tatort ein zweites Mal aufsucht? Möglich. In der Zwischenzeit konnte das Opfer als die 23-jährige Marie Jäger identifiziert werden, die in einer vierköpfigen WG lebte. Und die hübsche Jura-Studentin hatte einen Stalker. Vor zwei Wochen erst erstattete sie eine Anzeige gegen Unbekannt, die Personenbeschreibung war zudem äußerst vage. Handelt es sich vielleicht um den Mann, der soeben vor der Polizei flüchtete?

Wie sich im Fall „National feminin“ herausstellt, war Jäger Teil einer jungen nationalistischen Bewegung in Göttingen. Die angehende Juristin führte einen Blog namens „National feminin“, in dem sie die Thesen ihrer Mentorin Professor Dr. Sophie Behrens propagierte. Auch die WG-Mitglieder Felix und seine schwangere Freundin Pauline sowie Sven brennen für das rechtsradikale Gedankengut; jetzt, da Marie umgebracht wurde, geben sie die Schuld den vermeintlich „frauenverachtenden Migranten“ und wettern gegen die Staatsgewalt. Im Verhörraum provozieren sie insbesondere die dunkelhäutige Hauptkommissarin Schmitz, für die Lindholm kurzerhand Partei ergreift. Die Äußerungen der ausländerfeindlichen Studenten gehen der feinfühligen Fahnderin gehörig an die Nieren. Überhaupt ist Charlottes Gefühlswelt im Augenblick alles andere als stabil, denn der sympathische Nick schwirrt ihr noch immer wild im Kopf herum.

Die Ermittlungen im Mordfall führen zur renommierten Jura-Professorin Behrens, die kurz vor ihrem Karriereaufstieg in das Bundesverfassungsgericht steht. Durch ihre Kritik am modernen Feminismus wurde sie zur regelrechten Ikone der jungen Bewegung, die von der Wohngemeinschaft um Marie Jäger und Felix Raue ins Leben gerufen wurde. Die beiden Kommissarinnen Schmitz und Lindholm finden im Tatort bald heraus, dass Jäger nicht nur Behrens Assistentin war, sondern auch deren Geliebte. Die mit einer Frau verheiratete Professorin hält es mit der Treue nicht allzu genau.

Behrens und Lindholm kennen sich aus früheren Tagen, als die Hauptkommissarin mit David schwanger war. Die Juristin ist bis heute scharfzüngig und anstrengend, und schnell geraten die beiden selbstbewussten Frauen wieder aneinander. Allerdings übt Sophie auch eine gewisse Anziehungskraft auf Charlotte aus. Hat sie aus verschmähter Liebe Marie umgebracht, als die die Affäre vor kurzem beendete? Die Beamtin geht ihrem Verdacht nach – und stößt prompt an ihre Grenzen, als sie erfährt, bis in welche Kreise Prof. Behrens ihre exzellenten Kontakte pflegt.


Der dritte Fall von Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz war in knapp fünf Wochen im Kasten: im Zeitraum vom 26. September bis 10. November 2019 wurde der TV-Krimi gedreht. Als Kulissen dienten Göttingen, Hamburg sowie Nienhagen.

Die Redaktion von Tatort-Fans meint …

Sabine (40 J. | Kinoliebhaberin)

Dieser Tatort des NDR schwingt die Moralkeule gehörig, und zwar – leider – allzu deutlich. Das Thema ist aktuell und sollte unbedingt behandelt werden, gewiss, doch gefällt mir diese überzeichnete Art der Inszenierung nicht. Wer hier böse und wer gut ist, wird dem Zuschauer bei jeder kleinsten Gelegenheit unter die Nase gerieben. Davon abgesehen ist Charlottes „Flirtschule für Anfänger“ für den Plot vollkommen überflüssig. Fazit: Gute Idee, schlecht umgesetzt.

Gerald (40 J. | IT-Nerd)

Also positiv an diesem Krimi ist, dass Lindholm und Schmitz endlich normal miteinander umgehen, der erste Fall ging in eine ganz andere Richtung. So langsam findet sich das Team und das beruhigt die Nerven. Was das mit Nick soll weiß ich nicht. Zur Story lässt sich sagen, dass man das Thema Rechtsradikalismus bei Jugendlichen nie aus dem Fokus verlieren sollte. Dieser Tatort behandelt das Thema gut und es ist wichtig, ihn zu schauen. TOP!

Tatort-Besetzung

Hauptkommissarin Charlotte Lindholm – Maria Furtwängler
Hauptkommissarin Anaïs Schmitz – Florence Kasumba
Generaldirektor Gerd Liebig – Luc Feit
Rechtsmediziner Nick Schmitz, Mann von Anaïs – Daniel Donskoy
Kriminaltechniker Jochen Kunkel – Roland Wolf
Polizist Leon Ciaballa – Jonas Minthe
Verfassungsrichterin Dr. Sophie Behrens – Jenny Schilly
Dr. Behrens‘ Lebensgefährtin Eva – Heike Trinker
WG-Mitglied Marie Jäger, Assistentin von Dr. Behrens – Emilia Schüle
WG-Mitglied Felix Raue, Leiter der „Jungen Bewegung Göttingen“ – Samuel Schneider
seine Freundin Pauline Gebhardt – Stephanie Amarell
WG-Mitglied Sven Ulbrich – Leonard Proxauf
Tom Rebeck – Jascha Baum
Charlottes Sohn David Lindholm – Oskar Netzel
Student Jonas mit Farbattacke – Zio Tristan Mundry
Prof. Bernhard Noll – Stephan Bissmeier
Polizeibeamtin – Melanie Adler
Ärztin – Elmira Bahrami
Elloglu – Alexa Benkert
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Florian Oeller, nach einer Vorlage von Daniela Baumgärtl
Regie – Franziska Buch
Kamera – Bella Halben
Szenenbild – Iris Trescher
Schnitt – Benjamin Hembus
Ton – Tim Stephan
Musik – Johannes Kobilke

Trailer zur Tatort-Produktion



Bilder-Galerie zum Krimi aus Göttingen


44 Meinungen zum Tatort Folge 1130: National feminin

  • Oheim Petri • am 26.4.20 um 18:04 Uhr

    Da es in Göttingen nur linksradikale gibt, bekommt der Tatort schon mal ungesehen 1 Stern. Nach dem Anschauen wird er vermutlich noch mal nur 1 Stern bekommen – es sei denn es stellt sich heraus, dass dies die letzte Folge mit Hauptkommissarin Anaïs Schmitz sein wird, dann gibt es auf jeden Fall einen Sonderstern dazu!


  • Schnarrer • am 26.4.20 um 20:49 Uhr

    Ich finde es immer ein schlechtes Vorbild und umweltschädlich, mit Kaffeebecher zum Mitnehmen rumzulaufen. Diese nicht aber ansonsten sammel ich diese am Straßenrand und in der Natur auf.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rotraud Schnarrer


  • Richter • am 26.4.20 um 21:23 Uhr

    Hurra da schwingt sie wieder , die Staatlich angeordnete Nazikeule…


  • Jürgen • am 26.4.20 um 21:23 Uhr

    Also den TO finde ich gar nicht mal schlecht !

    Das Fanatiker Thema ist aber absolut Scheisse – jede Art von Fanatismus – egal ob Feminismus ; Links oder Rechts extremismus ; Islamismus oder jede Art von Religionsfanatismus gehört schon im Keim erstickt und man sollte diesem gehirnlosem Dreck keinen Platz geben ( auch nicht im TATORT )
    Jetzt glauben sicher wieder einige – das wäre das wahre Leben – ist aber nur ein Drehbuch !

    Wenn es ein normales Krimi Thema wäre – wäre es sogar ein guter TO !


  • Tagaryen • am 26.4.20 um 21:45 Uhr

    Recht spannend, deutlich besser als der letzte Göttingen-TO. Verzichtet weitgehend auf Holzhammerklischees. Hippe Rechtsradikale, auch der gönnerhafte Antirassismus Lindholms bekommt sein Fett weg. Das Ende mit den wahnhaften Abonderungen, die man jeden Tag in den „sozialen“ Medien findet, war effektiv.

    Allerdings, ob ich unbedingt eine sympathische, intelligente Version von Alice Weidel gebraucht hätte…

    Und den Subplot, in dem Lindholm scharf auf den Mann ihrer Kollegin ist (und er auf sie), finde ich immer noch höchst überflüssig. Mal ganz abgesehen davon, dass die unwiderstehliche Anziehungskraft des Jüngelchens nicht wirklich rüberkomt. Aber der Vollzug ist sicherlich nur eine Frage der Zeit. Ich „liebe“ Dreiecksgeschichten… Dafür gibt`s einen ganzen Stern Abzug, sonst wären es 4 geworden.


  • spiderman916 • am 26.4.20 um 21:47 Uhr

    Das Thema Rechtsextremisten hat mir im Tatort noch nie gefallen, dazu war er noch fast so langweilig wie der vom letzten Sonntag.


  • Maren • am 26.4.20 um 21:47 Uhr

    Endlich mal wieder ein grandioser Tatort!! Großartig!
    Und seine Aktualität lässt einem das Blut in den Adern gefrieren…
    Danke.


  • Winfried Vorbeck • am 26.4.20 um 21:51 Uhr

    Ich kann den Vorbericht bestätigen: die Braunen waren besonders braun, Gut und Böse besonders deutlich zu erkennen. Auch war es wieder mal ein Krimi, bei dem die Kommissare weiter ermittelten, nachdem sie vom Fall abgezogen wurden. Sogar Verhöre wurden vorgenommen.

    Aber ansonsten fand ich den Tatort stark. Gute schauspielerische Leistung und die Handlung fand ich auch gut. Mir hat der Tatort gefallen – zum ersten Mal seit einigen Wochen.


  • Der Fremde • am 26.4.20 um 22:03 Uhr

    Wow, ein ausgezeichneter TO! Dennoch gibt es einen Stern Abzug, da es in diesem Format leider von vornherein klar war, dass keinesfalls ein „Ausländer“ der Täter sein darf, weil dies im TO-Universum offenbar undenkbar und somit quasi naturgesetzlich ausgeschlossen ist. Bis auf diesen Makel der beste Lindholm-TO seit langer Zeit!


  • Churchi • am 26.4.20 um 22:08 Uhr

    Langweilig und zäh wie ein Kaugummi!


  • Anne • am 26.4.20 um 22:10 Uhr

    Ich fand den Tatort gut. Thema auch, weil es -leider- hochaktuell ist. Auch der tweet (?) am Schluss, die Ermittlerinnen auf der heimischen Terrasse zu besuchen ist ja leider real. Lindholms Alleingang und diverse andere Filmgriffe (Fremdgehen u.a) sind okay. Sehr gut fand ich die Musik und so manchen Schnitt war sehr gelungen.


  • Henning • am 26.4.20 um 22:11 Uhr

    Die Schaffung der fiktiven Bewegung der „femininen nationalen“ und ihrer Protagonisten war ein Drahtseilakt für die Macher des Films. Dadurch, dass man sie (die Bewegung) auf die akademische Ebene hob, verließ man die übliche Strategie des „Lächerlichmachens“ bestimmter Richtungen und hat zwei Dinge erreicht: sie konnte, weil sie eben nicht nur aus „Dummbolzen“ bestand, als durchaus gefährlich verkauft werden. Denn wenn die Zuschauer das Gefühl haben, sie sehen „ein Käfig voller Helden“ als Sonntagsdrama, tun sie die Geschichte als unrealistisch ab und die beabsichtigte Message ist sofort dahin. Andererseits lief man natürlich Gefahr, dass der eine oder andere Zuschauer diese Leute und ihre Meinungen sogar sympathisch finden konnte… was natürlich gaaaar nicht ging. Also hat man einen Typen wie den durch reichlich Haargel gescheitelten Ulbrich dazu genommen, der im Stile eines minderbemittelten Bomberjacken-Faschos die Kommissarin Schmitz wüst beschimpft („Halt die Fresse“ oder „Afrika braucht dich“). Und das empfand ich wie auch die Lösung des Falls als so plump, dass ich die vorherigen Bemühungen, nicht allzu stigmatisierte Figuren zu schaffen, als beinahe gescheitert ansehe. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass eine Professorin mit den Thesen der Frau Behrens nicht nur keine störungsfreie Vorlesung mehr halten könnte (da würde die AstA schon für sorgen), sondern erst recht keine Chance mehr hätte, Bundesrichterin zu werden (da würden noch viele andere für sorgen).
    Für die Kommissarinnen kann ich mir gar keinen guten Verlauf ihrer Beziehungen vorstellen, wenn Frau Lindholm weiter in den Herrn Schmitz verknallt ist. Da sind die Drehbuchautoren gefordert :-). Anais Schmitz ist mittlerweile die interessantere Figur von den beiden Ermittlerinnen.


  • Mika R • am 26.4.20 um 22:11 Uhr

    Sehr guter TO der mal die Nation hoffentlich wachrüttelt – super Schauspiel auch von Anaïs.


  • alter Fan (tm) • am 26.4.20 um 22:16 Uhr

    was leider wieder zu erwarten war : alles was ich nicht mag : übermäßig politisch angeturnte Story – rechts böse – links gut – der Mörder konnte natürlich dementsprechend auch niemand mit Migrationshintergrund sein – Maria Furtwängler wirkt in ihrer Rolle immer unglaubwürdiger – dazu absolut unangepasste nervige Szenenmusik ; ich dachte das wäre ein aus dem Internet runtergeladener Mollakkord Loop , der da ständig “ aufgeblasen “ wurde ; spannungsfrei bis ans Ende ; ellenlange “ Fachsimpeleien “ – und wieder mal eine absolute Nuschelorgie vom besten – das highlight an diesem TO : die endzeitgeile Tatort Abspannmusik von Klaus Doldinger – die wurde Gott sei Dank noch nicht “ experimentell modifiziert „


  • Nico • am 26.4.20 um 22:41 Uhr

    Einer der schlechtesten Tatort Filme, die ich bisher gesehen habe.
    Ganz schwach


  • Smokie • am 26.4.20 um 23:53 Uhr

    Möchte nun nicht den Versuch beginnen, Pro- und Kontra der Handlungsabläufe, zu deuten. Dafür waren u.a. zu viele Randthemen (Beispiel: gepflege, zweckorientierte Seilschaften nach dem Studium) implementiert. Was mir ganz einfach an diesem Tatort gut gefiel, war die schauspielerische Leistung der Akteure. Gut gemacht!


  • Till Schneider • am 27.4.20 um 0:20 Uhr

    Dieser linksideologische Volkserziehungs-Tatort ist einzigartig holzschnittartig geraten und verdient daher volle fünf Sterne. Sogar das allgemeinste und privateste aller Mordmotive, die Eifersucht, wurde hier spezifisch politisch interpretiert bzw. umgebogen (vgl. die klassische feministische Parole aus den Siebzigern: „Das Private ist politisch“). So was muss man erstmal hinkriegen, ohne lachen zu müssen. Aber dafür hab ich mich schlappgelacht. Allein schon die Betroffenheits-Mimik der Kommissarinnen und ihres hornbebrillten Vorgesetzten (?) war köstlich, ach was: kostbar.

    Die Absurditätsdichte dieses Zeitgeist-Flickenteppichs ist jedenfalls so unvergleichlich hoch, dass ich mir vorgenommen habe, ihn genau auf seine Zusammennäh-Art hin zu untersuchen, bis ins kleinste Detail. Mein Vorredner @Henning liefert schon mal eine ausgezeichnete und sehr feinsinnige Einführung; mal sehen, was bei mir rauskommt. Dazu werde ich mir das Opus nochmal ansehen müssen, aber mit zwei, drei Bier wird’s schon gehen, denke ich.


  • Karin L. • am 27.4.20 um 0:30 Uhr

    Endlich mal wieder ein spannender und unterhaltsamer Tatort, von der ersten bis zur letzten Minute. Dazu noch ein aktuelles Thema, das in diesen Tagen von Corona noch verstärkt auftritt mit rechtslastigem Populismus und nicht zuletzt dem rechtsextremen Terror, der seinen Ursprung in den Hass- und Hetztiraden einschlägig rechtsradikaler Sekten findet. Hier in Anspielung auf die Identitäre Bewegung und ihre staatsfeindlichen Aktionen. Ein Highlight des Tatort – Jahres, da bin ich mir sicher. Nach extrem schwachen Filmen in den letzten Wochen, wo man verzweifeln konnte am traditionellen Sonntag Abend.


  • Ebs • am 27.4.20 um 1:29 Uhr

    Abgesehen davon das ich diesem TO eine sehr gute Leistung der Schauspieler zuschreiben muß, war die Story ja schon sehr politisch brisant und ich finde es klasse wie mutig sich hier die Drehbuchautoren und Regisseure dem Thema rechtem nationalistischem Denken widmen und auch die Methoden dieser gefährlichen Strömung aufzeigen, mit den Ängsten der Menschen ihr Feindbild: die „gefährlichen Migranten welche für den Untergang der deutschen oder europäischen Kultur sorgen“ populär zu machen und dadurch für eine Stimmung zu sorgen, die die Wahlergenisse einer AfD hierzulande erst möglich gemacht haben.
    Fünf Sterne für diese überzeugende Leistung des ARD Tatort Teams!


  • Tom_Muc • am 27.4.20 um 6:34 Uhr

    Bei dem Satz einer , wie im Schülertheater überagierenden Furtwängler, „ich tue das auch für Dich“ , hatte ich den ersten Reflex . (nein, noch keinen Würg-Reflex, sondern einen Ausschalt-Reflex)

    Wie die Geschichte weiterläuft, war klar.Denn Überraschungen gibt es bei der ARD nicht.
    Es darf schließlich nicht sein, was der moralinsauere Meinungs-Mainstream nicht vorgibt.
    Man darf dem ARD-Zuschauer doch an einem kuscheligen ARD-Abend Linksradikalität nicht zumuten, und schon gar nicht, dass am Ende gar der Täter aus dem linksextremen Millieu stammen könnte. Neeeeiiiiiiin , das geht nicht ! Das gibt es doch bei uns nicht !

    Und so habe ich irgendwann für mich entschieden, diesen Tatort als Comedy zu sehen , oder als eine Arbeit von irgendeinem YouTuber, der auch mal Lust darauf hatte, einen Film zu drehen, so richtig mit allem Drum und Dran … für richtiges Fernsehen … oder die Arbeit einer Gewinnerin eines Amateur-Regiewettbewerbs oder oder oder … ja, oder eben als das, was es war: ein Tatort mit Frau Furtwängler -und schon sank meine Erwartungshaltung, ich konnte mich entspannen, und einfach nur diesem unwürdigen Schauspiel(im wahrsten Sinn des Wortes) folgen.

    Wäre dieses holzschnittartige, klischeeüberladende, schwarz-weiß-angestrichene, schubladeske, politisch einseitig urteilende öffentlich-rechtliche Meinungs-Belehrungsstück nicht auch von Gebühren finanziert , und hätte der ÖR Rundfunk nicht den Auftrag zur Neutralität, wären diese
    90 unverfroren ideologisierenden Minuten unbedeutend.

    So aber muss ich die Frage stellen:
    Für wie unkritisch, naiv, indoktrinierbar wird man als Zuschauer eigentlich gehalten ?

    Wirklich „mutig“ wäre es gewesen, wenn der Täter tatsächlich aus dem Linksextremen Millieu gekommen wäre.
    Mit einem guten, intelligenten Drehbuch wäre es dennoch möglich gewesen, auch die Rechten
    klar und kritisch darzustellen.
    Aber das wäre wahrscheinlich zu viel verlangt , und – davon bin ich nach diversen Interviews , die ich von ihr gelesen und gesehen habe, überzeugt, ein solches Drehbuch hätte Frau Furtwängler höchstwahrscheinlich abgelehnt.

    Die ARD ist also wieder mal den Weg des geringsten Widerstands gegangen –
    schade um die schöne fachliche Herausforderung , der sich ein Regisseur mit diesem Stoff
    hätte stellen können.


  • Tom_Muc • am 27.4.20 um 6:42 Uhr

    @Till Schneider
    immer wieder ein Vergnügen, Ihre Zeilen zu lesen.


  • Frank • am 27.4.20 um 9:00 Uhr

    Das Thema Rechtsradikalismus heute ist für mich elementar zu betrachten. Warum soll ich links zum Thema machen, die AfD mit 20% Wählerstimmen und die bekannten Splittergruppen gehören nicht der linken Seite an. In den Kritiken hier kommt die Gespaltenheit der Republik gut zum Ausdruck (Thüringen Wahl lässt grüssen). Die alten Bundesländer können gut mit der linken Partei leben und hält die AfD für absolut inakzeptabel, und in den „neuen“ Ländern ist es genau umgekehrt. Natürlich kommt vieles eher platt rüber, mich störte mehr, dass Nebenhandlungen keinen Sinn ergaben, so der Unfalltod von Jonas Noll. Aber ich finde auch die Rolle der Lindholm gut. Zugegebenermassen hat man ihr mit der Schmitz eine fast schauspielerisch freie Person an die Seite gestellt, so wird aus wenig viel. Unter dem Strich ein guter Tatort mit schönem Spannungsaufbau. Zwar gebe ich den vorigen Kritiken Recht, natürlich war klar, wer der Täter ist, aber wo war das Motiv? Das kam dann allerdings sehr billig, das Leben im Smartphone löste auch dieses Rätsel. Aber das Thema zog sich ja wie ein roter Faden durch den Streifen und sei damit verziehn.


  • Stoscho • am 27.4.20 um 9:20 Uhr

    Der Titel „national feminin“ klingt spannend, aber der Film war eher mäßig. Teilweise zu vorhersehbar. Allein Jenny Schily als Charakter der Richterin fand ich interessant. Die restlichen Charaktere inklusive der Kommisarinnen eher mäßig. Sehr gut war die Diskussionen um das ist mein wunder Punkt, und das meiner… Da hätte man mal mehr drauf eingehen sollen. Ist man natürlich nicht. Drei Punkte sind insgesamt angemessen.


  • arte-Versteher • am 27.4.20 um 9:49 Uhr

    @Stoscho
    „Sehr gut war die Diskussionen um das ist mein wunder Punkt, und das meiner… “

    Diese 45 Sekunden waren in der Tat der einzige Lichtblick. Würde es mal jemand schaffen, daraus anderthalb Stunden Fernsehfilm zu machen, wäre das sicher sehenswert. Prognose: In der Tatort-Reihe leider sehr unwahrscheinlich.


  • Hanz W. • am 27.4.20 um 9:57 Uhr

    Man war ja auf das Schlimmste gefasst: Diese Kombination von Thema und Kommissars-Team hat ein Desaster erwarten lassen, offen schien eher die Frage, ob ein eher amüsantes oder ärgerliches. Insgesamt hat dann dieser Tatort doch halbwegs die Kurve gekriegt, ohne freilich voll überzeugen zu können. Das Problem beim Thema „Rechtsextremismus“ im Tatort (o.ä.) ist ja sehr häufig – wie schon vielfach, auch von mir, angemerkt – der „aufklärerische“ Impetus, vulgo: dass dem geneigten Zuseher in jeder, aber auch wirklich jeder Szene, jedem Dialogfetzen klargemacht werde, was „gut“, was „böse“ sei. Erziehungsfernsehen halt, das einem völlig unabhängig vom Inhalt als solches unangenehm aufstößt.
    Gestern schien mir immerhin der Versuch unternommen, da ein wenig zu differenzieren. Schon die Protagonistin (die dann allerdings aussteigen wollte und ermordet wurde), hatte ja durchaus sympathische Züge, und interessant – wenn auch natürlich vollkommen unrealistisch – war auch die Figur der Professorin. Und damit der handelsübliche Neo-Nazi nicht fehlt, hat man halt den Ulbrich als klassischen Vollpfosten mitlaufen lassen. So weit, so gut, auch diesen Vater-Sohn-Konflikt – wenn auch fast schon wieder eins zu viel – habe ich mir noch eingehen lassen. Und die Verknalltheiten der nach außen so toughen Frauengestalten sollten wohl – insbesondere bei der Lindholm – das gelegentlich allzu Sprechomatenhafte abmildern. Ist ok., kann man machen. Auch die Lindholm und die Schmitz – hat deutlich an Facetten gewonnen – waren schauspielerisch nicht gar so eingeschränkt, wie in der letzten Episode.

    Dennoch war ich, wie gesagt, nicht ganz überzeugt. Zwischendrin kamen recht regelmäßig Sätze von einer derartigen Holzhammerhaftigkeit, dass anzunehmen ist, die hat Frau Furtwängler höchstpersönlich ins Drehbuch geschrieben. Dazu ist nach meinem Eindruck die Geschichte nur selten wirklich in Fahrt gekommen, weil sie sich – vielleicht die Kehrseite der zumindest versuchten Differenzierung – auch wiederum ein wenig verzettelt hat, alles, was ich oben als positiv angeführt habe, konnte man auch als verzögerndes Element sehen: die lesbische(n) Beziehung(en). Der Generationenkonflikt. Die dienstlich-private Verquickung von Professorin und Generalstaatsanwalt etc. Dazu waren die drei Hanswursten aus der rechten Szene eher ein wenig treudoof-naiv als wirklich gefährlich.
    Was mir – davon abgesehen – verstärkt auffällt: Derzeit riskieren in gefühlt jedem 2. TO die Ermittler „ihren Job“, um – Heldentum! – den Fall aufzuklären. Liebe Drehbuchschreiber: gern auch mal wieder ein anderes Agens!

    Insgesamt akzeptabel, insbesondere nach den Vorab-Befürchtungen, drei Sterne glatt.


  • Momi • am 27.4.20 um 10:42 Uhr

    Das Beste war der Spruch der Kleinen von Lindholm „Ich bin nicht verknallt – aber Du bist verknallt“ – „Immer wenn Du dieses Parfüm brauchst, bist du verknallt“ – Wie wahr ein Kindermund sein kann.
    Sonst war der TO ein Gezerre von links-rechts-feministisch-macho-istisch vom rötesten zum braunsten Gesindel. Was sich doch hinter so Fassaden alles verbergen kann und es auch in der Realität tut. Es war mühsam den TO zu schauen, denn man musste als Zuschauer MITDENKEN (die meisten wollen das nicht, wie es scheint).
    Gut dass Lindholm und Schmitz sich bei der Arbeit wenigstens gefunden haben – oder funkt da etwas dann der Nick Schmitz wieder dazwischen. Bin gespannt auf den nächsten Tatort mit Maria Furtwängler (TOP wie immer) und Florence Kasumba (SPiTZE!)


  • Bruno • am 27.4.20 um 11:07 Uhr

    Auch wenn es Für und Wider gab; das Team Lindschmitz war um Längen besser als die ersten Folgen. Schade nur, dass wieder einmal ungestraft das Klische der Seilschaften bedient wurde, die der Polizei (die selbstverständlich immer alles besser weiß) ans Bein pinkeln will.
    Über die schauspielerischen Fähigkeiten von Furtwängler / Kasumba muss nicht diskutiert werden.
    Mich hat aber auch Jenny Schilly überzeugt, die so ganz am Rande zeigte, dass auch in homosexuellen Paarbeziehungen fremdgegangen wird.

    Irgendwo hier in den Kritiken wurde moniert, dass mit Marie eine junge, sympathische Frau gezeigt wurde, die eben nicht nur als rechtsextrem oder radikal verteufelt werden konnte, sondern einfach eine andere Einstellung zum Leben hatte.
    Wer hier will eindeutig sagen können, welche Einstellung die richtige ist?


  • Christian • am 27.4.20 um 14:20 Uhr

    Endlich wieder ein Nazi-Tatort und natürlich alle Klischees der rechten Szene voll erfüllt. Ich wusste auch nach zwanzig Sekunden schon dass der Täter garantiert aus der eigenen Truppe kam und es kein Linker war…. Bestes politisches Erziehungsfernsehen.


  • ven • am 27.4.20 um 14:58 Uhr

    Ich bin eigentlich kein Tatortfan, habe allerdings etwas mehr Freizeit dieser Tage, die Pandemie war nicht eingeplant.

    Ich fand diesen Tatort aufgrund seines Themas, die neue Rechte, durchaus interessant, gäbe es Corona nicht, der allgemeine rechtsruck der Gesellschaft wäre meines Erachtens das größte gesellschaftliche Problem unserer Zeit.

    Entsprechend brauchen wir eine Befassung mit dem Thema in den Medien, das ist hier in Verbindung mit einem Krimi passiert, und irgendwie ist dabei beides ein Stück weit gescheitert.

    Die besten Szenen haben die junge Ermordete und ihr linker Freund in dem kurzen Interview, zwei Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten die sich zuhören und auf einander eingehen. Wäre das Ganze kein Krimi mit anderem Fokus, man hätte auf der Basis eine Menge machen können.

    Da das Ganze aber immer noch als Krimi konzipiert ist, müssen wir uns wohl damit begnügen. Also bleibt ein Rechtentrio das man gekonnt unsympatisch darstellt und ein zur Selbstjustiz greifender Linker mit Schweigegelübte(?), eine Richterin mit höchst fragwürdigem Lebenswandel und einen schönes Beispiel für den Filz den es auf höheren ebenen nicht nur vermutlich gibt, einen unnötig verstorbenen linken Farbbeutelwerfer, und natürlich ein Mord aus Eifersucht, denn den letzten Schritt das als kalkulierten politischen Mord zu gestalten um eine Märtyrerin zu schaffen war wieder zu viel des Guten.

    Ich will ferner gar nicht auf das Ermittlerteam und die Dreieckslovestory im Hintergrund eingehen, irgendjemand hat damit sicher Großes vor und ist hoffentlich schnell damit fertig.

    Das alles fügt sich nur mäßig gut zu einer flüssig daherspielenden Geschichte oder gar einem Krimi zusammen, einzig realistisches Highlight bleibt dann die Twitterkanonade aus der Echokammer am Schluss.

    Ach ja, irgendjemand hier hat sich über die rechts links Darstellung beklagt: rechts böse – links gut…Rechts böse ist schon richtig und wie auch sonst, den rechten Rassismus kann man nur böse darstellen, weil er es ist. Warum ein Farbbeutelwerfer der vor der Polizei davonläuft und ein linker Blogger der zur Selbstjustiz greift jetzt als gut dargestellt gelten, das erschließt sich mir nicht.


  • Alehalo • am 27.4.20 um 15:11 Uhr

    Ob rot oder braun, schwarz, weiß, gestreift , das ist mir eigentlich egal. Ich bin erwachsen, mich kann kein Film mehr erziehen. Es war ein Krimi, ich wurde unterhalten und damit ist das Ziel erreicht.


  • Gottlieb • am 27.4.20 um 15:20 Uhr

    Tom_Muc • am 27.4.20 um 6:42 Uhr
    Schließe mich Ihnen an.

    An Gerald: Was ist eigentlich mit dem Linksextremismus, darf man den denn aus den Augen verlieren? Und ist es hinzunehmen, daß antifaschistische Banden legale Organisationen oder auch Einzelpersonen in vielen Bundesländern nach Belieben terrorisieren können, ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen? Wäre das nicht einmal ein Thema für den Tatort? Da kpönnte man doch auch einmal die verlogene politische Moral der Obrigkeit vorführen.


  • Wolfgang • am 27.4.20 um 17:59 Uhr

    Ich dachte die Zeit ist vorbei beim Tatort mit diesen bekloppten Filmen über Auslandtouristen.


  • herbert2 • am 27.4.20 um 19:22 Uhr

    Man merkt einfach immer mehr das hier der Sonntagabend leider für Politische Meinungsbildung hergenommen wird.
    Bei aller Brisanz des Themas, es gibt noch anderes in Deutschland.
    Man merkt das inzwischen leider auch an der Kommentarfunktion hier.
    Der wesentliche Punkt für die Bewertung war, das immer mehr gekünstelte von der Hauptkommissarin Lindholm die inzwischen eine Nebenrolle einnimmt. Und diese den ganzen Film nur mit Persönlichen Befindlichkeiten ausfüllt.
    Sie kann mehr


  • Till Schneider • am 28.4.20 um 1:54 Uhr

    Danke für die Blumen, @Tom_Muc. Mir wiederum gefällt in Ihrem Kommentar besonders der Begriff „schubladesk“. Den werde ich mir merken. Öffentlich-rechtliche Rührstücke „gegen Rechts“ sind per se schubladesk, weil sie halt müssen. Und sie sind nicht das einzige Schubladeske in diesem Land.

    „So aber“, schreiben Sie außerdem, „muss ich die Frage stellen: Für wie unkritisch, naiv, indoktrinierbar wird man als Zuschauer eigentlich gehalten?“ Tja, würde ich darauf antworten, Sie sehen doch an etlichen Kommentaren, dass die ARD damit nicht falsch liegt. Jedenfalls bei weitem nicht durchgängig. Gute Nacht.


  • stephan_muenchen • am 28.4.20 um 12:31 Uhr

    Dieser Tatort wird für immer und ewig die Benchmark sein – die Benchmark im Bereich „Größte Anhäufung an sozialkritischen Klischee’s in einem einzigen Tatort“. MannMannMann, was war da alles geboten:
    Rechte Szene mit typischen rechten Stereotypen (ich sage nur: der charismatische pseudointellektuelle Seelenfänger, die blind folgende schwangere Mitläuferfreundin, die mit rechter Haarfrisur ausgestattete Dumpfbacke)
    Linke Szene mit typisch linken Stereotypen (ich sage nur: Kapuzenpulli, Blogger)
    Hellhäutige von Betroffenheit verzehrte Kommissarin
    Dunkelhäutige über den Dingen stehende Kommissarin
    Hellhäutige Kommissarin hat was mit Mann der dunkelhäutigen Kommissarin… oder auch nicht
    Lesbische angehende ältere Verfassungsrichterin, die mit ihrer juristischen Vertreterin verheiratet ist und sich in eine deutlich Jüngere verliebt
    die „gute“ junge Rechtsradikale, die so vernünftig daher kommt und sich nicht nur mit der linken Szene zum vollkommen unbefangenen Austausch trifft, sondern sich dann sogar in den linken Blogger verliebt – und sich damit als bi herausstellt
    Die Kommissariatskollegen, die – kurz vorm obligatorischen Burnout w/ typischer Überlastung stehend – aus reinem Idealismus gleichzeitig auftauchen, um das entscheidende Indiz zu suchen
    Die Polizei als ewig hinterhinkende Institution, wenn es um IT-Dinge (hier verschlüsselte Programme) geht.
    Der Oberstaatsanwalt, der natürlich die rechte Gesinnung abschirmt und die Kommissare vom Fall abzieht
    Die Kommissare, die trotz offiziellem Verbot natürlich weiterermitteln
    Feminismus und politische und gesellschaftliche Auslegungen und Interpretationen in alle Richtungen
    Und am Schluss, dass es den unsympatischsten aller Rechten tatsächlich dank der Genialität der Kommissarinnen als Täter erwischt.

    Mit Sicherheit habe ich noch einige weitere Dinge vergessen.

    Im Ernst: meine Aufzählung beschreibt genau das große Problem dieses Göttingen-Tatorts. Er ist von Anfang an an seinem eigenen Anspruch, alle aktuellen Themen dieser Welt gleichberechtigt zusammenzubringen, gescheitert und hat die an und für sich ja durchaus interessante Grundstory hinter dem Verbrechen damit jegliche Wirkung genommen. Heraus gekommen ist ein durchaus bemühtes Schauspielerensemble, das aber keine Chance hatte, aus diesem verqueren Drehbuch etwas sinnvolles und fesselndes herauszuholen.
    Ich finde das umso bedauerlicher, da ich die Grundkonstellation der beiden Ermittlerinnen ausgesprochen spannend und mit Furtwängler und Kasumba wirklich toll besetzt finde. Es braucht da nicht diesen sinnlosen roten Faden mit dem „wasauchimmerzwischendenbeiden“ Techtelmechtel zwischen dem Mann von Anais und Lindholm. Das hat mich schon beim letzten Fall total gestört, weil einfach nicht in die Handlungen passend.

    Für mich ist „National feminin“ einer der schlechtesten Tatorte der Reihe und bekommt seine zwei Sterne von mir nur, weil die Schauspieler wirklich toll agiert haben.


  • Tom_Fechtner • am 28.4.20 um 13:28 Uhr

    Nach dem ganzen Corona-Hype war es natürlich mal wieder Zeit für antifaschistische Volksaufklärung. Allerdings wäre selbst Goebbels diese Art von Propaganda zu plump gewesen. Man muss sich fragen, was der Ex-AfDler Bernd Lucke wohl dazu sagt, wenn dargestellt wird, wie eine „rechte“ Dozentin im Hörsaal referiert. Im wahren Leben wäre sie gar nicht erst dazu gekommen. Überzeichnete Charaktere, dumpfe Klischees und eine vollkommen unglaubwürdige einseitig dargestellte Story. Klar, ein Tatort soll unterhalten und muss nicht zwangsläufig realitätsbezogen sein. Aber dann doch bitte ohne „politische Botschaften“. Die braucht kein Mensch.

    Da lob ich mir den auf ONE wiederholten Film „Ende der Geduld“. – Basierte ja im Gegensatz zu „National-feminin“ auch auf einer wahren Begebenheit.


  • Smokie • am 28.4.20 um 23:41 Uhr

    @Tom_Fechtner
    1. Im vergangenen Jahr, als dieser Tatort irgendwann gedreht wurde, gab es die Corona-Krise noch garnicht. Ergo, wo ist der eindeutige kausale Zusammenhang?
    2. Da Sie hier großmundig ausgerechnet Goebbels aufführen, schlägt jedoch dem Faß den Boden weg. Dieser 1,65 m Hüne, war einer der übelsten Schreibtischtäter des sogenannten Dritten Reiches. Mit so einem Widerling stellt man keine Vergleiche an.


  • Alehalo • am 29.4.20 um 0:43 Uhr

    @Smokie
    Ihr Kommentar verdient 5 Sterne


  • Till Schneider • am 30.4.20 um 1:08 Uhr

    Wusstet Ihr eigentlich, was Maria Furtwängler herself über „National feminin“ sagt? Nämlich in diesem Interview auf ARD online:

    daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/national-feminin-interview-maria-furtwaengler-100.html

    Auszug: „Für mich ist dieser Film ein schönes Beispiel für einen sehr diversen Frauenfilm. Dieser Film gehört den Frauen.“ Ach so, nur denen. Na dann weiter: „Wir haben die jungen Frauen und ältere Frauen, die gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Ich finde es schön, dass sich alle Frauen einer eindeutigen Zuschreibung entziehen.“ Und später: „Alle Figuren (…) sind nicht eindeutig stark und gut oder eindeutig schlecht, sondern spannende, ambivalente Frauenfiguren jenseits von holzschnittartiger Charakterisierung.“

    Ich wiederhole: j e n s e i t s v o n h o l z s c h n i t t a r t i g e r C h a r a k t e r i s i e r u n g . Jetzt wisst Ihr, wie’s wirklich ist.


  • Till Schneider • am 30.4.20 um 1:14 Uhr

    … ach so, ich muss das ja noch erklären: Auch wenn der Film „einzigartig holzschnittartig“ geraten ist, wie ich oben behauptet habe, ist er es eben doch nicht. Denn seine Frauenfiguren sind eben nicht holzschnittartig. Also kann auch der Film nicht holzschnittartig sein. Logo.


  • Nogo Cologne • am 30.4.20 um 17:05 Uhr

    wieder was gelernt beim Tatort (Lindenstrasse mti Toten)

    – der Mörder ist immer der Rechte
    – das Problem sind weisse junge Männer (Deutsche)
    – 9 Jährige Buben fragen ihre Mama vor dem Schlafengehen „Mama du schaffst das doch mit den Faschos“

    Ich frage mich ernsthaft in welchem Paralleluniversum die Leute leben müssen, die so einen Quark und diesen Umerziehungsfilm ERNST nehmen. Allerdings auch wie schwach und verlogen dessen Produzenten sein müssen


  • Herbert von Karavan • am 1.5.20 um 22:25 Uhr

    Wenn ich die Kommentare hier lese ist mir eines klar: Das Thema Rechtsextremismus sollte noch viel öfter Thema im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sein. Liebe besorgte Bürger, lasst euch doch mal neue und vor allem gute Argumente einfallen. Euer Meinungsmache-Umerziehungs-Nazikeule und was sonst noch immer – Gefasel wird langsam langweilig.


  • Herberhausen • am 3.5.20 um 21:21 Uhr

    Schlecht, schlechter, Lindholm (und jetzt auch noch „Schmitz“).


  • Nelly! • am 18.5.20 um 22:10 Uhr

    War ok, hatte nicht den Drang auszuschalten, yeah! Es macht den Anschein, als das Charlotte noch zum Teamplayer wird (schock), und mir gefällt das Team sogar ziemlich gut (ich meine inklusive der Männerkollegen).
    Das Liebesdingen nervt mich immer noch, der Typ ist doch völlig unpassend! Wäre doch mal cool, für Charlotte einen guten Typen herzuschreiben, anstatt dieser Mist, der dann irgendwann die Beziehung zu Frau Schmitz versaut, die ja mittlerweile zum Glück recht gut ist. Blöd! Bin schon im Vorfeld pissed :( Hoffe, die Schreiber sind kreativer, bitte!


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