Polizeiruf 110: Starke Schultern



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Zwischen einer anberaumten Supervision im Büro und dem 15. Hochzeitstag von Hauptkommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke) ermitteln er und seine ehrgeizige Kollegin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) in einem Fall von Brandanschlag auf René Ottmann, einem erfolgreichen Industriellen aus Magdeburg.

Der Polizeiruf 110 „Starke Schultern“ wird am Sonntag, den 25. März 2018, um 20.15 Uhr im Ersten Programm erstmals gesendet.

Inhalt der Polizeiruf-Folge „Starke Schultern“

Auch das noch. Die Magdeburger Hauptkommissarin Doreen Brasch ist genervt. Nicht nur die oft zurückhaltende, unterwürfige Art ihres Ermittlungspartners und Paragrafenreiters Köhler geht der Fahnderin tierisch auf die Nerven, jetzt hat ihr Chef Lemp außerdem einen Polizeipsychologen ins Haus bestellt: Niklas Wilke soll in einer Supervision den Kriminalbeamten dabei helfen, die eigenen Stärken und Schwächen sowie die der anderen Teammitglieder zu erkennen, damit die Zusammenarbeit zukünftig besser funktioniert. Besonders in der Kommunikation zwischen Brasch und Köhler hapert es nämlich gewaltig. Brasch prescht vor, sie ist der dynamische Part im Team. Die, die den Ton vorgibt. Köhler ermittelt auf analytische und ruhige Weise. Er gilt als ein hervorragend ausgebildeter Polizist und ist ein sehr sozialer Mensch. Man könnte meinen, die zwei würden einander perfekt ergänze – doch das Gegenteil ist der Fall.

Dirk Köhler hat ein Privatleben. Jemanden, der auf ihn wartet, wenn er schließlich nach einem langen Tag die Schreibtischlampe im Büro ausknipst. Damit trifft er Brasch, die einsam ist, unbewusst. Ihr mittlerweile erwachsenes Kind redet nicht mehr mit der Fahnderin. Einen Mann an Braschs Seite gibt es nicht, vielleicht auch, weil sie häufig kühl und unnahbar wirkt. Sie gibt sich als Einzelgängerin mit harter Schale; was dahinter steckt, das kann man lediglich vermuten.

Im Polizeiruf „Starke Schultern“ kommt Doreen Braschs emotionale, verletzliche Seite kurz zum Vorschein, als sie Ihren Vorgesetzten Lemp bei einer wichtigen Untersuchung in der Klinik hängen lässt. Sie hat den Termin verschwitzt. Uwe Lemp hatte seiner Mitarbeiterin zuvor unter vier Augen von dem Schatten in der Lunge erzählt, der überprüft werden müsse. Doreen Brasch wird durch ihren Fauxpas in der Magdeburger Klinik an ein Ereignis aus der Vergangenheit erinnert. Damals vergaß sie ihren verletzten Sohn einfach in der Notaufnahme, nachdem sie zum einem Tatort geeilt war. Das Ereignis nagt an ihr; das heute zerrüttete Verhältnis zu ihrem Kind macht der allein stehenden Kommissarin mehr zu schaffen, als sie nach außen für gewöhnlich zeigt.

Abseits der psychologischen Gespräche mit Wilke haben Brasch und Köhler im Fall „Starke Schultern“ einen Brandanschlag aufzuklären:

René Ottmann befand sich im Obergeschoss seiner Villa, als eine unbekannte Person unten ins Wohnzimmer einbrach, dort den Teppich mit Benzin tränkte, anzündete und die Tür wieder schloss. Das geschah gegen drei Uhr morgens. Ottmann zog sich lediglich eine leichte Rauchvergiftung zu, da er noch wach war und angeblich im Bett Videos schaute. Das war sein Glück. Hätte er geschlafen, wäre er wahrscheinlich erstickt und verbrannt.

Nun liegt es im Polizeiruf-Fall „Starke Schultern“ an den beiden Hauptkommissaren, das Motiv für den Anschlag sowie die Täter zu ermitteln. Brasch und das Anschlagsopfer Ottmann merken bei einer ersten Befragung zur Tat allerdings sofort, dass sie einander nicht mögen. Über die Identität des Besuchs, den der wohlhabende Inhaber des Industriebaus Ottmann den Indizien nach in der Tatnacht bei sich hatte, schweigt sich das Opfer aus. Überhaupt scheint der Bauunternehmer nicht mit offenen Karten zu spielen. Doreen Brasch ist skeptisch.

Die Recherchen ergeben, dass René Ottmann verwitwet ist. Seine Frau Janina kam vor Jahren bei einem Lawinenunglück ums Leben. Auch Ottmann selbst war im Eis verschüttet, überlebte aber. Im Umfeld des Unternehmers tauchen im Laufe der Untersuchungen einige Verdächtige mit einem Motiv auf. Es zeigt sich, dass Ottmann mit vielen Menschen aneckt. Darunter auch mit seinem früheren Freund Paul Wettiger, der derzeit mit seinem zweiten Schlaganfall im Krankenhaus liegt. Die Firma von Wettiger, Ex-Juniorpartner von René, wurde schließlich von Industriebau Ottmann geschluckt. Etliche Leute wurden entlassen. Die zwei Bauunternehmer sind heute verhasste Feinde.

Auch Uwe Schneider, ein ehemaliger Mitarbeiter Wettigers, der im Zuge der Fusion von Ottmann nicht übernommen wurde, hätte ein Mordmotiv. Seine junge Frau erwartet ein Kind, und Schneider steht nun als mehrfach vorbestrafter Gewalttäter plötzlich ohne Job da. Als ihn Brasch und Köhler im Polizeiruf 110 zur Rede stellen wollen, überwältigt Uwe Schneider den Hauptkommissar und flüchtet mit dessen Dienstwaffe. Dirk Köhler ist wütend über sein Versagen und entsetzt, was Schneider mit seiner Pistole nun anstellen könnte: Plant er damit einen neuen Anschlag auf Ottmann?

Der grüne Polo, den die Nachbarn in der Tatnacht des Brandanschlags vor der Villa Ottmanns gesehen haben, gehört aber nicht zu Schneider, sondern zur Familie Dietrich, wie sich herausstellt. Und Susan Dietrich, die Frau eines Juweliers, ist die Schwester der verstorbenen Janina Ottmann. Ein Zufall? Carsten, der Sohn der Dietrichs, hält engen Kontakt zu seinem Onkel. Darüber hinaus macht Brasch bei einer Observation eine erstaunliche Entdeckung: Susan Dietrich stattet ihrem Schwager René, verkleidet wie ihre Schwester, einen nächtlichen Besuch in seinem Anwesen ab. Was geht hier vor?


Nach „Endstation“ und „Dünnes Eis“ ist der Polizeiruf 110 „Starke Schultern“ der dritte Einsatz des neuen Teams Brasch und Köhler. Letzterer löste 2015 den Kommissar Jochen Drexler (Sylvester Groth) ab, der in fünf Fällen an der Seite der selbstbewussten Brasch ermittelte.

Die Dreharbeiten zum Fall „Starke Schultern“ dauerten vom 16. August bis 19. September 2016 und fanden in Magdeburg und Umgebung statt.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (38 J. | Kinoliebhaberin)

Ein Krimi im klassischen Stil. Viele Vernehmungen, viele zwielichtige Figuren, eine rätselhafte Frau. Lediglich die Probleme des Magdeburger Teams sind „neumoderner“ Art und werden mit der obligaten Supervision bekämpft. Ein Polizeiruf zum Schauen und Vergessen.

Gerald (38 J. | IT-Nerd)

Schön ist, dass man als Zuschauer mal mehr über Köhlers Privatleben erfährt und die Ehefrau sieht, sogar mit kleinem Überraschungseffekt. Sonst war der Polizeiruf spannend und besser als so mancher Tatort. Doreen Brasch ist eine interessante Figur, die Zusammenarbeit mit Köhler dürfte noch spannend werden.

Polizeiruf-Besetzung

Hauptkommissarin Doreen Brasch – Claudia Michelsen
Hauptkommissar Dirk Köhler – Matthias Matschke
Kriminalrat Uwe Lemp – Felix Vörtler
Polizeipsychologe Niklas Wilke – Steven Scharf
Rechtsmediziner – Niels Bormann
Axel Dietrich – Sebastian Rudolph
Susan Dietrich / Janina Ottmann – Ursina Lardi
der Sohn Carsten Dietrich – Bruno Alexander
René Ottmann – Thomas Loibl
Marco Gorecki – Markus Lerch
Paul Wettiger, ehemaliger Geschäftspartner von Ottmann – Hans-Heinrich Hardt
sein Sohn Nils Wettiger – Henning Nöhren
Uwe Schneider – David Korbmann
Pari Schneider – Maya Haddad
Claire Köhler, Ehefrau vom Kommissar – Bettina Stucky
u.a.

Polizeiruf-Stab

Drehbuch – Josef Rusnak, Idee von Stefal Rogall
Regie – Maris Pfeiffer
Kamera – Stefan Unterberger
Casting – Mai Seck Casting (Agentur Komparsenzirkel)
Szenenbild – Florian Langmaack
Kostüm – Manuela Nierzwicki
Schnitt – Horst Reiter
Musik – Sebastian Fillenberg

Bilder-Galerie zum Krimi aus Magedeburg


9 Meinungen zum Polizeiruf 110: Starke Schultern

  • Karin • am 25.3.18 um 20:28 Uhr

    Ich schreibe jetzt mal ganz platt, irgendwie turnen mich die dauernd wiederkehrenden Probleme der Kommissare mit sich selbst in jedem Tatort-Polizeiruf ab.

    So dass ich gar keine Motivation verspüre, mich in den eigentlichen Fall hineinzudenken.

    Nachdem ich jetzt gerade auf dem Klo war, schalte ich um auf ARTE, da läuft „Die vier Söhne der Katie Elder“.
    Da weiss man, was man hat.

    Zwei Punkte, Anfang war ja ganz brauchbar.


  • Thorsten • am 25.3.18 um 20:46 Uhr

    Sehr zähe Angelegenheit. Kam mir wesentlich länger vor als 90 MInuten. Und warum spielt diese furchtbare Ursina Lardi gefühlt in jedem zweiten öffentlich-rechtlichen Film mit? Erpresst die irgendeinen Intendanten?


  • Hanz W. • am 25.3.18 um 20:54 Uhr

    Immerhin weniger schlimm als befürchtet. Sogar ganz interessant aufgebauter Fall, der aber sehr in den Hintergrund getreten ist. Und eigentlich gehen mir die Binnenprobleme der Ermittler in der Regel ziemlich auf die Nerven. Ein paar schon sehr platte Psychokniffe wie diese sogenannte „Familienaufstellung“ haben dann noch ein übriges getan, um das ganze schon sehr Richtung Vorabendniveau zu bringen. Die Figur des Bauunternehmers war ja ganz interessant, auch gut gespielt, am Ende aber halt doch recht oberflächlich, und das trifft auch auf die Juweliersfamilie zu. 2,5 Sterne, zu einer Aufrundung kann ich mich diesmal nicht durchringen.


  • alter Fan • am 25.3.18 um 21:44 Uhr

    na ja – nichts , was einen direkt vom Fernsehsessel reisst , aber auch nichts zum Ärgern – wie schon die “ Vorkommentatoren “ äußerten – zu viel nervige “ Innenpolitik “ des Ermittlerteams . 2,5 reale Sterne


  • Der Fremde • am 26.3.18 um 8:30 Uhr

    Matthias Matschke kann mehr, wie er z.B. in „Professor T.“ oder als Ermittlungspartner von „Helen Dorn“ zeigte. Die sonst bei ihm hervorragende Mimik/Physiognomie kam zumindest in dieser Folge nicht wirklich zum Tragen. Überhaupt scheint die Figur des „Dirk Köhler“ nicht so recht zu ihm zu passen, aber vielleicht wird diese in Zukunft ja noch weiterentwickelt …


  • Frank • am 26.3.18 um 9:42 Uhr

    Das positive Vorweg: Der Täter ist nicht schon am Anfang gefunden und der Polizeiruf kommt ohne Gesellschaftskritik daher. Zumindest fast, denn unter vielen „Schulidgen“ besetzt der reiche Immobilienkönig den ersten Platz. Manche Fäden verlaufen ins Leere, wie etwa der Auftritt von Ottmann bei seinem ehemaligen Partner im Krankenhaus, der kurz danach verstirbt. Neben den wirklich nervenden Beziehungen zwischen den Ermittlern, fällt die Oberflächligkeit der Beziehungen auf. Gerade der Schwerpunkt dieser Folge wird unzureichend ausgeleuchtet. Die Familienaufstellung zwischen den Ermittlern soll dann dem Zuschauer klarmachen, was das Drehbuch nicht geschafft hat. Aufgerundete 1,5 Sterne


  • Wolles • am 26.3.18 um 9:53 Uhr

    Zum einschlafen


  • arte-Versteher • am 26.3.18 um 12:02 Uhr

    Hätte Drehbuchautor Josef Rusnak mit der Hauptdarstellerin Claudia Michelsen vor vielen, vielen Jahren eine Familienaufstellung gemacht, wären die beiden heute vielleicht noch verheiratet. Der Fall war konstruierter Mumpitz.


  • CarstenH • am 31.3.18 um 18:16 Uhr

    Bei diesem TO-Team stimmte wieder gar nichts. Schlechte Story, die Schauspieler überzeugen nicht, die dargestellten Figuren sind unsympathisch und ihre privaten Probleme interessieren mich deshalb auch einfach nicht. Umso schlimmer ist, dass genau wie in früheren Folgen privates extrem in den Vordergrund geschoben, ständig gezetert, aneinander vorbeigeredet und heimlich hinter Türen oder auf Treppen mitgehört wird. Auch ein einberufener Psychologe macht es nicht besser. Sorry aber der Funke springt nicht über, es interessiert mich nicht was diese Kommissare für Probleme haben sondern nervt nur und fast permanent. Ich habe beschlossen die nächste Folge vorab zu schenken. Dieses Team wird auf absehbare Zeit für mich verzichtbar sein, was dann wiederum auch völlig OK ist :-)


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