Tatort Folge 043: Gefährliche Wanzen



Erscheinungsjahr: 1974
Kommissar: Lutz
Ort: Tatort Stuttgart


  4 Meinungen
Tatort Folge 043: Gefährliche Wanzen 4 4

Im Tatort „Gefährliche Wanzen“, der vierte Fall für Kommissar Eugen Lutz (Werner Schumacher), wird der Ermittler nach Karlsruhe versetzt – und gerät dort auf Anhieb mit seinem neuen Vorgesetzten aneinander. Dieser, ein Besserwisser, wie er im Buche steht, nörgelt unaufhörlich an der Arbeitsweise des Hauptkommissars herum. Und dabei besitzt Lutz die Frechheit, seine Jausebrote ausgerechnet im Büro des Chefs zu verspeisen. Das ist sicher kein guter Start für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Zunächst einmal gilt es aber, in der Tatort-Folge 043 „Gefährliche Wanzen“ einen spannenden Fall von Industriespionage zu knacken:
Aus dem Atomreaktor in Karlsruhe sind geheime Dokumente und Konstruktionspläne verschwunden, und zwar schon mehrfach. In den Labors und den Büro einer Ölraffinerie werden zur gleichen Zeit Wanzen, also kleine Minispione, entdeckt.

Kommissar Lutz, der die Untersuchungen im Fall „Gefährliche Wanzen“ übernommen hat, vermutet zunächst, dass es sich um einen militärischen Spionageakt handeln könnte, da Spuren offensichtlich ins Ausland führen. Aber schon bald muss der Ermittler feststellen, dass es sich um einen Fall von Wirtschaftskriminalität handelt, bei dem handfeste wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen…
Der Tatort-Routinier Theo Mezger („Raumpatrouille“) führte im Lutz-Krimi „Gefährliche Wanzen“ die Regie, der bekannte Drehbuchautor Wolfgang Menge („Ein Herz und eine Seele“) verfasste das Skript. Menge entwickelte ein Drehbuch, das geschickt alle paar Minuten ein neues Szenario darbietet, so dass der Zuschauer am Ende kaum mehr weiß, mit was für einer Art von Kriminalfall er es eigentlich im Tatort „Gefährliche Wanzen“ zu tun hat.

Auffällig ist auch die ausgesuchte, erstklassige Besetzung dieser Tatort-Folge bis in die kleinste Nebenrolle: Wolfgang Preiss ist als Chef eines Industrieunternehmens zu sehen, Werner Kreindl spielt einen ehemaligen Polizisten, Claus Theo Gärtner einen Kriminellen, der aus der Justizanstalt ausbricht, und Günther Ungeheuer einen undurchsichtigen Wirt, der ein Geheimnis zu haben scheint. Eine Überraschung ist der Auftritt des renommierten Regisseurs Rolf von Sydow als Chemiker Dr. Benz, der seine Rolle überzeugend darstellt.

Die Erstausstrahlung des SDR-Krimis „Gefährliche Wanzen“ war am 29. September 1974 im Ersten zu sehen.

Besetzung
Kommissar Lutz – Werner Schumacher
Oberrat Dr.  Magold – Helmut Stange
Wöhrle – Werner Kreindl
Witkowski – Günther Ungeheuer
Bechtold – Peter Drescher
Dr.  Alfred Benz – Rolf von Sydow

Stab
Regie – Theo Mezger
Kamera – Justus Pankau
Buch – Wolfgang Menge
Szenenbild – Jürgen Schmidt-Oehm


5 Meinungen zum Tatort Folge 043: Gefährliche Wanzen

  • Manuela • am 24.3.13 um 18:39 Uhr

    Zwei Strafgefangene sind aus der Strafanstalt Bruchsal ausgebrochen. Kurz darauf
    verunglückt einer der Beiden tödlich mit einem gestohlenen Fahrzeug, während man am nächsten Tag die Leiche des anderen, eines gewissen Erwin Scholl, vor einem Polizeirevier auffindet. Er ist überfahren worden, allerdings schließen die Umstände seines Todes einen Unfall aus.

    Kommissar Lutz, den einer seiner Vorgesetzten einmal in Anspielung auf seine
    zahlreichen Versetzungen einen “Wanderpokal” genannt hat, ist nach Karlsruhe
    versetzt worden, wo er es mit einem besonders ignoranten und übellaunigen Vorgesetzten zu tun hat, was Lutz allerdings mit Gelassenheit und seinem
    gewohnten Eigensinn kontert.

    Während seiner Nachforschungen erfährt Lutz, dass Scholl sich kurz vor seinem
    Tod in der Nähe einer Ölraffinerie aufhielt. Für den Werkschutz dieses
    Unternehmens ist der ehemalige Kriminalist Wöhrle zuständig, der Scholl damals
    hinter Gitter brachte, inzwischen jedoch wegen Gewalttätigkeit aus dem
    Polizeidienst entlassen wurde.

    Durch einen Zufall entdeckt Kommissar Lutz, dass in der Raffinerie Abhörgeräte
    installiert wurden und kommt einem großangelegten Fall von Industriespionage auf die Spur.

    Seine Ermittlungen führen Lutz zu dem zwielichtigen Herrn Wittkowsky, der ein
    Lokal namens “Rheinterrassen” führt sowie zu dem Chemiker Dr. Alfred Benz,
    der eindeutig mehr Geld für elegante Garderobe und seinen schnellen Wagen
    ausgibt als er in seinem Beruf verdient. Dass Fräulein Melchinger, die Geliebte
    dieses Herrn, im Kernforschungszentrum arbeitet, alarmiert Lutz noch zusätzlich.

    “Gefährliche Wanzen” ist eine rundum gelungene Folge: sehr spannend und überaus prominent besetzt.

    Als besonderes Kabinettstück hat Regisseur Theo Mezger für die Rolle des Dr.
    Benz – welch sprechender Name für einen Mann, der gern rasant Auto fährt –
    seinen großen Kollegen Rolf von Sydow vor die Kamera geholt, der seine Rolle
    mit sichtlichem Vergnügen verkörpert.
    Allein die Szene, in der er seiner “Herzdame” (gespielt von Margot Lenonard, deren Stimme vielen durch ihre Synchronisation unter anderem für Marylin Monroe,
    Brigitte Bardot und Diana Rigg in “Mit Schirm, Charme und Melone” bekannt sein
    dürfte) klarzumachen versucht, was Industriespionage bedeutet ist wunderbar anzuschauen.
    Sie ist so herrlich naiv und je mehr er vorgibt, gar nicht an den Unterlagen aus ihrer
    Abteilung interessiert zu sein, desto mehr drängt sie sie ihm auf bis er am Ende genau das bei ihr erreicht hat, was er will.


  • scheylock • am 23.2.15 um 0:36 Uhr

    Klasse, und mit Theo Gärtner als Scholl! Mehr davon, bittäää!


  • M.K. • am 23.2.15 um 0:54 Uhr

    Und ‚Bienzle‘ alias Dietz-Werner Steck ist auch kurz dabei, als Wachmann der Raffinerie.

    Schade um den KAD-Opel. Immerhin durfte er vor seinem traurigen Ende noch ein paar coole Drifts hinlegen.


  • Dirk • am 23.2.15 um 12:00 Uhr

    Gestern, in der Nacht, schaute ich mir den Tatort Nr. 043 auf SWR, 23:00 h, an. Könnte sein, daß ich ihn damals bei der Erstsendung gesehen habe, in Erinnerung war er mir nicht mehr. Ein Spielfilm dieser Serie, der es nicht verdient hat, in Vergessenheit zu geraten. Die Handlung bis heute aktuell, spannend, logisch und zum Mitdenken. Hervorragende Schauspieler, gute Dialoge, realistische Handlungen. Die Personen waren alle real vorgestellt, selbst der Firmen-Chef war für die damalige Zeit bis ins Kleinste charakterisiert. Etwas überspitzt aggressiv vielleicht der Vorgesetzte von Kommissar Lutz. Wahrscheinlich wollte er einen eigenen Favoriten platzieren. Das sich ein gestandener Kriminalbeamter, erfolgreich und ohne Makel, dieses gefallen läßt, wäre auch Anfang der 1970iger Jahren eher als unwahrscheinlich anzusehen gewesen. Wer diesen kleinen Anfangs-Kriminellen auf dem Gewissen hat, blieb letztlich dahingestellt. Der alte Opel, schon alltagsmäßig deutlich gezeichnet und dem Film-Tod preisgegeben, sowie der schicke BMW, noch heute ein Hingucker, wiesen jedoch keine Unfallschäden auf. Dieser Film war feinste Spielfilmunterhaltung, im Industriemilieu der 1970iger Jahren. Ich war überrascht, daß ich sogar Nuancen zu meinem späteren schulischen und beruflichen Werdegang feststellen konnte, einschließlich Ausbildung innerhalb der chemischen Industrie. Hätte ich dieses als damaliger Mofa-Fahrer meinen Kameraden im Schachverein visioniert, die hätten gefragt: “ Was hast Du geraucht ? „


  • scheylock • am 23.2.15 um 17:24 Uhr

    Ja, genau, der TO war Spitze! Ich schwärme heute noch. Das Buch ist von Wolfgang Menge, unübertroffen ist der. Den habe ich schon als Teenager wegen seiner Rundfunksendung „Adrian und Alexander“ verehrt. Radio leise gestellt und Ohr am Lauti, weil ich eigentlich schlafen sollte.

    Bitte mehr von solchen wunderbaren TO. Bienzle habe ich übrigens nicht entdeckt, Theo auch nur, weil ich ihn aus alten Berliner Zeiten kannte.


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