Tatort Folge 078: Drei Schlingen



Mi 16.07. 23:40 Uhr WDR

Erscheinungsjahr: 1977
Kommissar: Haferkamp
Ort: Tatort Essen


  2 Meinungen
Tatort Folge 078: Drei Schlingen 5 2

Für 25 Jahre weggesperrt: Die Tatort-Folge 078 „Drei Schlingen“ aus dem Jahr 1977, zugleich Kommissar Haferkamps elfte Ermittlungsarbeit, wurde gleich nach der Erstausstrahlung in den so genannten Giftschrank [Verlinkung] verbannt. Hier landen seit jeher Tatort-Episoden, die seit ihrem Fernsehdebüt nicht mehr wiederholt werden dürfen. Im Fall von „Drei Schlingen“ hatten sich zahlreiche Zuschauer über die offen gezeigte Brutalität bei der Sendeanstalt ARD beschwert. Auch die Aussage, Epileptiker würden zu Gewalttaten neigen, hinterließ beim Tatort-Publikum einen schalen Beigeschmack.

Erst im Jahr 2002 wurde die Folge erneut durch einen Jugendschutzbeauftragten überprüft und für Wiederholungen freigegeben; im Mai 2003 wurde der Tatort „Drei Schlingen“ dann ein zweites Mal gezeigt. Als die Episode 2010 erneut beim WDR wiederholt wurde, schnitt man den Satz über Epilepsiekranke in einer neuen, überarbeiteten Version heraus.


Zur Handlung:
Ein Geldtransporter ist auf den Straßen Essens unterwegs. Eigentlich handelt sich um eine einfache Routinefahrt, als plötzlich ein Unfall die Aufmerksamkeit von Wachmann Werner Fink auf sich zieht. Eine junge Frau wird von einem Auto angefahren, das Opfer landet schwer verletzt auf der Straße. Fink darf den Transporter zwar nicht verlassen, entschließt sich aber entgegen der Vorschriften und steigt aus, um dem Unfallopfer zu helfen. Er kann nicht mitansehen, wie die Frau hilflos verblutet. Über Funk ruft er einen Krankenwagen herbei.

Kaum ist der Wachmann jedoch zu der vermeintlich Schwerverletzten geeilt, wird er unvermittelt von der jungen Frau attackiert! Mit einem gezielten Karateschlag außer Gefecht gesetzt, wird Fink schließlich von einem maskierten Mann erschossen. Der Täter und die Frau setzen sich in den Geldtransporter und ergreifen die Flucht. Ihr Täuschungsmanöver ist geglückt. Finks Kollege Horst Schießer, der während des Überfalls in einer Bankfiliale beschäftigt war, findet den sterbenden Mann.

Kurze Zeit später wird ein weiterer Mann tot aufgefunden. War es Mord oder Selbstmord? Bei ihm wird ein Drittel des erbeuteten Geldes aus dem Transporter gefunden. Hauptkommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) von der Kripo Essen, der mit der Aufklärung des Geldraubs im Tatort „Drei Schlingen“ beauftragt wird, verfolgt die Spur, die ihn in einen Judoclub führt. Der Tote war Mitglied des Clubs.

Bei seinen Ermittlungen stellt Haferkamp fest, dass auch Schießer dort aktiv ist. Die Frau und der Autofahrer, die den Unfall simulierten, gibt dem Kommissar jedoch noch Rätsel auf – wie gelang es ihnen, den Wachmann so überzeugend zu täuschen? Sie müssen eine Stunt-Ausbildung haben, schlussfolgert der Fahnder aus Essen. Als Heinz Haferkamp die Identität der „Komplizin“ endlich aufdeckt, erlebt er eine Überraschung …


Die erste – und vorerst letzte – Ausstrahlung der Tatort-Folge „Drei Schlingen“ lief im deutschen Fernsehen am 28. August 1977 im Abendprogramm der ARD.

Besetzung
Heinz Haferkamp – Hansjörg Felmy
Kreutzer – Willy Semmelrogge
Werner Fink – Andreas Seyferth
Horst Schiesser – Traugott Buhre
Peter Rieger – Helmut Wildt
Gerda Fink – Simone Rethel
Sekretärin – Roswitha Dost
Frau Küppers – Else Quecke
Müller – Lutz Hochstraate
Ingrid Haferkamp – Karin Eickelbaum
Priester – Hans Beerhenke
Lu Lay – Marie Luise Marjan
u.a.

Stab
Buch – Karl Heinz Willschrei
Bauten – Jochen Schumacher
Kamera – Josef Vilsmeier
Produktion – Werner Kliess
Kostüme – Paul Seltenhammer
Regie – Wolfgang Becker

Bilder: WDR


10 Meinungen zum Tatort Folge 078: Drei Schlingen

  • Liese • am 24.3.10 um 16:20 Uhr

    Leider kommt der erst so spät. Hätte ich schon gerne gesehen.


  • Gudrun Eussner • am 26.3.10 um 19:01 Uhr

    Die Tatort-Krimis mit Hansjörg Felmy sind einfach super! Ja, die guten Sachen kommen in den Sendern sehr oft sehr spät, leider!

    Mit anderen älteren und alten guten Filmen ist es ebenso, da geht’s fast immer erst nach Mitternacht los.


  • krümel • am 26.3.10 um 20:46 Uhr

    Dem letzten Kommentar kann ich mich nur anschließen. Aber warum das so ist, wird man wohl nie begreifen…


  • Gudrun Eussner • am 27.3.10 um 16:49 Uhr

    Ich zergrüble mir manchmal den Kopp darüber. Vielleicht könnte dies eine Erklärung sein: Die heute verantworlich sind für die Krimis, für den Tatort und andere, Polizeiruf 110 etc., die müßten sich doch fragen, warum es ihnen nicht gelingt, so wie früher spannende Drehbücher einzukaufen. Oder wollen sie die Krimi-Fans indoktrinieren mit ihren Vorstellungen? Es gibt doch kaum noch einen Krimi, in dem nicht die Grenzen zwischen Kommissaren, Tätern und Opfern verschwimmen, der Kommissar findet seine Nichte tot vor der Haustür, die Kommissarin nimmt das Kind des Opfers mit zu sich nach Hause und ähnliche Kuschelvarianten. Ich habe auf meiner Website darüber mehrere Artikel geschrieben. Einfach mal googlen.

    Wenn sie die alten Krimis früher bringen, fragen nicht nur Nachteulen wie ich, sondern viele Fans, was aus unseren geliebten Krimis geworden ist. Wenn ich Buch/Regie und die Besetzung der „Kommissar“-Krimis sehe, erblasse ich vor Neid.

    Gestern nacht war Thomas Crown ist nicht zu fassen, der Originalfilm von 1967, große Klasse! Ende des Films? Um 2:10 Uhr! Wer kann sich das leisten, so lange aufzubleiben?

    Heute abend kommen gleich zwei gute Tatorte, ikke freu ma schonn!


  • Anselm • am 27.3.10 um 18:28 Uhr

    Dieser Tatort war der erste „richtig“ Alte, den ich gesehen habe und man spürt förmlich den alten Hauch. Menschen betreten einen Raum und mindestens 30 Sekunden überfliegt die Kamera die dort aufgehängten Nacktbilder von Frauen, vor allem weil auch der Unterleib deutlich sichtbar ist.

    Auch sonst Äußerungen vom Stil „Bier und Fußball, das muss die Frau schon durchgehen lassen“, würde wohl heute nur noch der „Böse“ sagen :) Insgesamt macht mir der Film Lust auf mehr (und das nicht wegen der Aktaufnahmen) sondern einfach, weil man wirklich eine Zeitreise unternimmt.

    Anselm


  • Gudrun Eussner • am 28.3.10 um 0:03 Uhr

    Ja, genau, da gibt es soviel zu sehen, wenn ich allein an die Mode, die „Farah Diba“-Frisuren und an die alten Autos denke!

    Und die Leute rauchen! Das sage ich als Nichtrauch, das sich aber nix verbieten lassen will. So wie unsere Gesellschaft verkommen auch die Tatort-Krimis zu Lehr- und Verbotsstücken für jedermann, zu Transportmitteln für Guti-Ideologie.


  • Dirk • am 13.4.15 um 21:24 Uhr

    Gerade habe ich ihn noch einmal gesehen, den Tatort Nummer 078 mit der damaligen Kommissar – Ikone Haferkamp, ohne hierbei seinen Freund Kreutzer zu vergessen. Da sowieso nur einmal gesehen, wußte ich gar nicht, daß dieser Spielfilm von 1977 an für 25 Jahre mit einem Sendeverbot belegt worden war. Es gab mit Sicherheit Kriminalfilme in damaliger Zeit, welche, aufgrund von Szenen, gesellschaftspolitisch eher indiziert hätten sein müssen, als dieser Fan-Tatort aus dem Jahre 1977. Was war wohl der eigentliche Grund dieser drastischen Maßnahmen? Ich meine es herausgefunden zu haben!! Vico Torriani mit seinem legendären Filmauftritt. Danach war er für immer erpressbar, nur mit einem rigorosen Fernsehverbot konnten die Sender diesem entgegentreten. Aber einmal zurück zum Tatort. Mit Spannung und innerer Freude habe ich ihn mir angeschaut, wobei ich persönlich das Revier aus dieser Sicht nicht ganz so kennengelernt habe. Unvergessen die Szenen mit Frika und Bierchen , fehlte nur noch das Sol-Ei und das Mettwürstchen, aber mit Senf. Und dann eine Zigarette, ohne sich umdrehen zu müssen. Aber zu dieser Zeit packte ich auch schon meine Koffer in Richtung Norddeutschland. Sicherlich sehenswert für wirkliche Anhänger des alten Essener Tatort, dürfte aber eher über DVD erreichbar sein. Moin, Moin.


  • Insa • am 17.7.19 um 1:23 Uhr

    Hallo ! Vielleicht weiss ja jemand, wer die Filmmusik gespielt hat bei der Folge „Drei Schlingen“ von 1977 mit Hans-Jörg Felmy als Kommissar Haferkamp. Ein Song könnte von Jethro Tull gewesen sein. Aber von wem sind die anderen Musikstücke ? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.Viele Grüsse von Insa


  • Henning • am 17.7.19 um 1:35 Uhr

    Eines vorweg: Der Film hatte den „Giftschrank“ nicht verdient, dafür war er zu gut. Zu brutal? Nicht korrekt genug wegen des Satzes mit den Epilepsiekranken? Nun, ich habe heute die Fassung gesehen, wo dieser Satz bereits der Überarbeitung zum Opfer fiel. Bleibt die Brutalität. Die einzige Szene, über die man streiten kann, ist jene, in der Schiesser den 3. Täter vom Balkon aus stranguliert. Allerdings gab es zu dieser Zeit schon etliche US-Western, die ähnliche Szenen enthielten und damals waren ja sowieso alle Kinder schon um 20 Uhr im Bett, nicht wahr? Der Darsteller des Fink, Andreas Seyferth jedenfalls, muss sehr gekränkt gewesen sein, hat er doch in einem weiteren „Giftschrank“-Tatort (mit Kommissar Veigl) mitgespielt und so blieb ihm durch die Verbannung gleich zweier Tatorte mit seiner Mitwirkung doch ordentlich Präsenz verwehrt. Die Darsteller bringen durchweg klasse Leistungen, unter ihnen ragt besonders Traugott Buhre hervor, den man danach wohl nie wieder so sportlich sah und der mit der Tiefe seines Spiels andeutet, warum er so ein erfolgreicher Theaterschauspieler gewesen ist. An der Stelle, an der Haferkamp ein Licht aufgeht mit dem Torriani-Kurzfilm musste ich richtig lachen. Genial, das so einzubauen. Torrianis Flirt mit dem Barmann bringt mich…

    … zurück zum Thema Giftschrank. Ich vermute, es gab andere Gründe, die diesen Film unter Verschluss brachten als die Gewalt, die es wie erwähnt in anderen Filmen so ähnlich schon gab. Das könnte zum Beispiel der recht offene Umgang mit dem Thema Homosexualität gewesen sein, auch in Bezug auf die beiden Räuber. Wir reden über die 70er und den damaligen öffentlich-rechtlichen Verwaltungsrat und ich glaube, ich liege gar nicht so falsch mit meiner Einschätzung. Toller Film, tolle Geschichte, super Schauspieler, 5 Sterne für den „Zweikampf“-Spezialisten Haferkamp.


  • Gunter F. • am 17.7.19 um 2:03 Uhr

    Einfach ein klasse Film, jegliche Kritik kann man sich sparen.


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