Tatort Folge 125: Das Zittern der Tenöre



Erscheinungsjahr: 1981
Kommissar: Greve
Ort: Tatort Lübeck


  1 Meinung
Tatort Folge 125: Das Zittern der Tenöre 5 1

In dieser Tatort-Folge löst Kriminalhauptkommissar Horst Greve (Erik Schumann) aus Lübeck seinen ersten Fall und bringt dabei die Tenöre eines kleinen Gesangvereins ganz schön zum Zittern.

 

Der liebenswerte, aber ein wenig verschrobene Rentner Otto Fintzel genießt seinen Lebensabend in der norddeutschen Kleinstadt Endwarden. Eines Tages beschließt er dem allgemeinen Energiespartrend zu folgen und etwas für die Umwelt zu tun. Er will seinen Dachboden isolieren. Dafür muss er diesenallerdings erst einmal entrümpeln – es ist eine Menge Kram zusammengekommen in all den Jahren. Unter einen Zeltplane macht er einen interessanten Fund: den alten Lederkoffer seines Bruders Julius Fintzel.

Meine Güte, denkt sich Otto, an den hatte er ja schon ewig nicht mehr gedacht. Julius war 1944 im Zweiten Weltkrieg gefallen. Zuvor war ein ein „Hundertfünfzigprozentiger“ und hatte ordentlich Karriere unter den Nazis gemacht. Er saß bei der Kreisleitung und hatte überall seine Finger im Spiel. Zudem hatte Julius eine Sammelleidenschaft. Was der wohl alles aufgehoben hat? fragt sich Fintzel, verschiebt die Antwort aber auf später. Den Inhalt des Koffers will er sich lieber in Ruhe anschauen. Vielleicht ist ja etwas Wertvolles dabei. Wenigstens hat er jetzt eine nette Anekdote für seine Jungs vom Männergesangverein Germania.

Doch als Fintzel den Herren am Abend vergnügt von seinem spannenden Fund berichtet, reagieren die Tenöre alles andere als belustigt. Und nach Fintzels Ankündigung den Koffer am nächsten Tag zu öffnen, verfinstern sich die Mienen zusehends. Was ist denn bloß los mit meinen Freunden? fragt sich Fintzel und ahnt nicht, das er mit seiner Mitteilung „Das Zittern der Tenöre“ ausgelöst hat. Offensichtlich haben die Herren plötzlich Angst vor etwas.

Jeder einzelne der Tenöre scheint zu befürchten, dass der Koffer einen Teil ihrer eigenen Vergangenheit preisgibt – etwas, das lieber in Vergessenheit geraten soll. Und natürlich möchte jeder einzelne wissen, was nun wirklich in dem Koffer ist. Einer der Tenöre versucht das Geheimnis auf eigene Faust zu lüften. Er überlebt es nicht. War es Mord?

Da taucht ein weiterer Protagonist am Tatort auf: Es ist der Lübecker Kommissar Greve, der sich als alter Bekannter des Opfers ausgibt. So getarnt bittet er den Gesangsverein um seine Aufnahme in denselben. Es kommt sogar zu einem Vorsingen, wobei der Kommissar allerdings nicht überzeugen kann. Währenddessen versuchen mehrere Mitglieder des Gesangsvereins mit verschiedensten Mitteln den Koffer in ihren Besitz zu bringen. Alle scheitern. Und dann taucht bei der nächsten Vereinssitzung schon wieder dieser Greve auf – in seiner Hand hat er den alten Lederkoffer …

 

„Das Zittern der Tenöre“ ist der einzige Fall, in dem der Lübecker Kommissar Horst Greve ermittelt. Diese Tatort-Folge ist eine Produktion des NDR und sie wurde zum ersten Mal am 31. Mai 1981 in der ARD ausgestrahlt. Der Ort der Handlung, Endwarden, ist fiktiv. Das Thema des Tatorts ist ein schwieriges: Es geht um die (Nicht-)Aufarbeitung persönlicher Schicksale und größerer Zusammenhänge der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Die Kritiker beurteilen diesen Versuch, das Unerzählbare erzählen, verschieden. Für die einen ist es eine gelungene Darstellung des Nachkriegsschweigens, die anderen kritisieren die thematische Ausarbeitung dieses komplexen Themas im Tatort als zu kurzgegriffen. Wie dem auch sei: Spannend und unterhaltsam ist die Tatort-Folge „Das Zittern der Tenöre“ in jedem Fall.

 

Regie: Hans Dieter Schwarze
Buch: Hansjörg Martin
Produktion: NDR


2 Meinungen zum Tatort Folge 125: Das Zittern der Tenöre

  • Dipl.-Päd. Fred Maurer • am 2.3.08 um 19:02 Uhr

    Die alten „Tatort“-Krimis sind noch immer sehenswert, jedenfalls einige, z. B. „Reifezeugnis“ von 1977 oder eben die vor ein paar Wochen ausgestrahlte Folge „Das Zittern der Tenöre“: Sie war spannend, hatte (fast heute noch) einen brisanten zeitgeschichtlichen Bezug – und kam ohne zur Schau gestellte Gewalt aus.
    Solche Krimis möchte man öfter sehen (ein Tipp an die Fernsehsender und ihre preiswerten, wertvollen ‚Konserven‘ in ihrer ‚Asservatenkammer‘).
    A. Maurer


  • Dirk • am 6.10.15 um 17:28 Uhr

    Der Tatort Nummer 125. Ein Hauptkommissar Greve aus Lübeck ermittelt in einer dörflichen Mittelstandsburg. Was meint der da herausfinden zu können. Ja, wenig in dieser Zeit. Diesen Tatort habe ich tatsächlich in Erstsendung gesehen und nun zum zweiten Mal. Das Kopfschütteln über diese Langweiligkeit ist geblieben, damals wie heute. Die Jungs im Fernsehfilm sollten wohl den Wechsel von Generationen aufzeigen, total daneben. Die Youngtimer fehlten, wahrscheinlich schon in den Pups der Großstädte geflüchtet. Die damaligen Gegebenheiten in diesen Ortschaften kannte ich persönlich, hatte Freunde und Bekannte dort. Dieser Tatort hätte 15 bis 20 Jahre früher spielen können. Aber in den 80zigern?? Den Mittelstands-Rekord, den KHK Greve im Tatort fuhr, den hatte der Vater eines damaligen Freundes auch. Der war Chemiefacharbeiter in einer Großstadt und verlieh seinen Wagen auch an seinen Sohnemann.


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