Polizeiruf 110: Söhne Rostocks



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Begraben unter einem Toten: Hauptkommissar Bukows (Charly Hübner) erschrockener Gesichtsausruck spricht Bände. Der blutbesudelte Sterbende fällt bei der Routinekontrolle eines Wohnhauses dem Polizisten unvermittelt in die Arme, als der das Garagentor öffnet – zwischenzeitlich flüchtet der vermeintliche Mörder hinaus in die Nacht. Was ist im Polizeiruf 110 „Söhne Rostocks“ zuvor geschehen?

Die Erstausstrahlung des TV-Krimis „Söhne Rostocks“ ist für Sonntag, den 19. Januar 2020 um 20.15 Uhr im Ersten Programm der ARD angesetzt. Im 21. Fall von Bukow und seiner Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) werden neben den Mordermittlungen erneut die Geschehnisse aus der Polizeiruf-Folge „Für Janina“ aus dem Jahr 2018 aufgegriffen. Der inhaftierte Guido Wachs meldet sich hierin überraschend bei König.

Inhalt der Polizeiruf 110-Folge „Söhne Rostocks“

Ein über Funk eingehender Notruf führt Kriminalhauptkommissar Alexander „Sascha“ Bukow (Charly Hübner) zu einer Rostocker Villa. Michael Norden, ein millionenschwerer Jungunternehmer, öffnet dem Polizisten am späten Abend die Tür – Bukow erkennt den bekannten Bürger der Hansestadt gleich. Die zwei Männer überprüfen im Krimi „Söhne Rostocks“ umgehend die Alarmanlage, die zwar zu funktionieren scheint, aber nicht angeschlagen hat. Von einem Einbruch will der Gründer der erfolgreichen Zeitarbeitsfirma „RODI-Time“ ebenfalls nichts wissen. „Hm, komisch“, denkt der Kommissar und sieht sich in dem noblen Anwesen um. Doch Einbruchspuren findet er tatsächlich keine.

Sascha Bukow will sich gerade von Norden verabschieden, als die beiden ein Gepolter aus der Garage hören. Mit der Waffe im Anschlag öffnet der Ermittler langsam das Tor – als ihm plötzlich ein Mann mit blutüberströmten Gesicht entgegenwankt, vornüber kippt und Bukow regelrecht unter sich begräbt. Der geschockte Hausbesitzer, der den Sterbenden zu kennen scheint, steigt in seinen schwarzen Porsche und rast davon. Dem bewegungsunfähigen Fahnder bleibt nichts anderes übrig, als Michael Norden hinterherzurufen, er solle bleiben. Vergebens, der Firmenchef ist über alle Berge.

Als Hauptkommissarin Katrin König am Tatort eintrifft, um ihren Kollegen zu unterstützen, gibt es bereits erste Ergebnisse zur Identität des Toten: Frank Fischer, 36 Jahre, ist in Bukows Armen gestorben. Anders als der kennt König den flüchtigen Norden allerdings nicht: mit der Boulevardpresse hat sie nichts am Hut. Sascha Bukow hingegen weiß im Polizeiruf „Söhne Rostocks“ zu berichten, dass der Firmeninhaber bekannt sei für seine schnellen Autos und attraktiven, jungen Begleiterinnen. Warum ist der Self-made-Millionär vom Ort des Geschehens einfach abgehauen? Spätestens jetzt, nach der Überwindung des ersten Schocks, hätte er zurückkommen müssen. „Der weiß doch, dass er sich verdächtig macht, wenn er solange wegbleibt“, rätselt König, „da ist irgendwas ziemlich schiefgelaufen.“ Bukow erwidert ein Brummen zur Bestätigung.

Michael Norden wird Probleme haben, sich in der Umgebung Rostocks zu verstecken, schließlich sei er so bekannt wie ein bunter Hund, konstatiert Kriminaloberkommissar Anton Pöschel bei der Teamsitzung zum Fall „Söhne Rostocks“ am nächsten Morgen. Die Spur führt zur ehemaligen Jugendliebe Nordens, Beate Hövermann, mit der er vor 20 Jahren eine Beziehung führte. Hövermann, Norden und Frank Fischer waren schon zu Schulzeiten gute Freunde gewesen. Beates rebellischer 17-jähriger Sohn Jon, den die geringverdienende Mutter alleine großzieht, wurde angeblich von Michael gezeugt, doch der leugnet die Vaterschaft bis heute. Mit einer einmaligen Zahlung von fünftausend Euro hat der wohlhabende Geschäftsmann versucht, seine Ex abzuwimmeln. Überhaupt gilt der Unternehmer als unsympathisch, jähzornig, gierig und narzisstisch: Der Mann hat mehr Feinde als Freunde.

Weder Beate noch Nordens aktuelle zehn Jahre jüngere Freundin Alexandra Viegel kann (oder möchte?) Informationen über den Verbleib des Flüchtigen liefern. Und dabei ist immer noch vollkommen unklar, warum Fischer im NDR-Polizeiruf eigentlich sterben musste.

Ein Jogger findet den verlassenen Porsche in einem kleinen Waldstück am Rande Rostocks, darüber hinaus gibt es jedoch keine weiteren Hinweise, wo sich der Tatverdächtige mittlerweile aufhalten könnte. Ein ehemaliger Geschäftspartner Nordens, der Immobilienhändler Stefan Larges, berichtet den Kommissaren Bukow und König bei ihrem Besuch in seinem Haus allerdings, dass der Flüchtige ihn vor kurzem aufgesucht und Geld verlangt habe. Offenbar habe sich der prämierte „Jungunternehmer des Jahres“ bei der Börse verzockt. Larges blockte jedoch ab. In einem Tobsuchtsanfall verwüstete Michael Norden daraufhin das Wohnzimmer seines früheren Freundes. Kommt Norden aufgrund seines unberechenbaren Temperaments als Mörder in Frage? Die Indizien verdichten sich gegen ihn.

Zeitgleich zur laufenden Fahndung gerät Katrin König erneut in Bedrängnis: Ein Fall, der vor zwei Jahren aus dem Ruder lief, zieht Folgen nach sich. Guido Wachs, der seine Inhaftierung der Falschaussage Königs zu verdanken hat, meldet sich aus der JVA – in Briefform. Dessen Anwalt steht unvermittelt in der Bürotür und übergibt der Kommissarin einen großen Umschlag von Wachs. Fünfzehn lange Jahre soll der Kriminelle wegen ihr im Knast sitzen, und er appelliert an das schlechte Gewissen der Kriminalbeamtin. Und das scheint Früchte zu tragen …


Markus Busch, der Drehbuchautor des Polizeirufs aus Rostock, war in der Vergangenheit bereits für den NDR-Tatort „Borowski und das Fest des Nordens“ (Tatort-Folge 1025) verantwortlich. Selten schreibt Busch 0815-Kriminalgeschichten, und so hebt sich auch die Story vom gefallenen Self-made-Millionär im 21. Fall von Bukow und König vom Üblichen ab. Die Spannungskurve ist gemäßigt, stattdessen setzen Autor Busch und Regisseur Christian von Castelberg auf die Darstellung von Tilmann Strauß, der den Geschäftsmann Norden spielt. In der ersten Szene des Films noch adrett gekleidet, mit sorgsam gegeltem Haar, verkommt der Unternehmer im Laufe seiner Flucht zunehmend, er kokst, zieht sich die Kapuze tief ins Gesicht, ist unrasiert und sicher nicht gut duftend. Hochmut kommt eben vor dem Fall.

Die Drehzeit zum NDR-Krimi „Söhne Rockstocks“ dauerte vom 19. Februar bis 20. März 2019. Als Drehorte wurden Rostock und Hamburg genutzt.

Die Redaktion von Tatort-Fans meint …

Sabine (40 J. | Kinoliebhaberin)

Ich mag die Rostocker. Bukow ruht mehr denn je in sich, kauft sich für seine große Liebe sogar neue, blankpolierte Lederschuhe. König ist hingegen verunsichert, verängstigt, verloren; sie übernachtet im Kommissariat, versteckt den Flachmann in der Briefablage. Der finale Dialog der beiden signalisiert: Es kommt noch mehr, und ich bin gespannt! Der Fall an sich ist „joa“, nicht mehr.

Gerald (40 J. | IT-Nerd)

Dieser Polizeiruf vom NDR ist ehrlich etwas langgezogen und man weiß nicht, warum Michael Norden eigentlich das tut, was er tut. Kein üblicher Krimistoff. Trotzdem funktioniert das Team Bukow und König wie immer, auch wenn sie dieses Mal die Rollen tauschen. Die Folge ist durchschnittlich und sicher ist es kein verschenkter Fernsehabend, da die Qualität der Rostocker insgesamt immer recht hoch ist. Ruhig einschalten!

Musik im Polizeiruf

Cassandra Wilson – “Sign of Judgment”

Polizeiruf-Besetzung

LKA-Analystin Katrin König – Anneke Kim Sarnau
Kriminalhauptkommissar Alexander „Sascha“ Bukow – Charly Hübner
Leiter der Mordkommission Henning Röder – Uwe Preuss
Kriminaloberkommissar Anton Pöschel – Andreas Guenther
Kriminaloberkommissar Volker Thiesler – Josef Heynert
Michael Norden, Inhaber der Firma „RODI-Time“ – Tilmann Strauß
seine Freundin Alexandra Viegel – Romina Küper
Jon Hövermann – Oskar Belton
Jons Mutter Beate Hövermann – Katharina Behrens
Stefan Larges, Ex-Geschäftspartner von Norden – Germain Wagner
Natalia Grummer – Trang Le Hong
u.a.

Polizeiruf-Stab

Drehbuch – Markus Busch
Regie – Christian von Castelberg
Kamera – Martin Farkas
Schnitt – Dagmar Lichius
Szenenbild – Sonja Strömer
Ton – Thorsten Schröder
Musik – Eckart Gadow

Trailer zur Polizeiruf-Produktion



Bilder-Galerie zum Krimi aus Rostock


19 Meinungen zum Polizeiruf 110: Söhne Rostocks

  • Garbak • am 19.1.20 um 21:53 Uhr

    war gar nicht schlecht, hat mir gut gefallen. Bukow und König top!


  • Garbak • am 19.1.20 um 21:54 Uhr

    4/5 Sterne


  • Henning • am 19.1.20 um 22:00 Uhr

    Der Rostocker Krimi wird erneut von den beiden interessanten Hauptfiguren getragen – Bukow und König. Man hat auch nach schon längerer Zeit nicht das Gefühl, dass ihre Geschichte auserzählt ist.


  • Hanz W. • am 19.1.20 um 22:01 Uhr

    Keine Offenbarung, aber auch keine Enttäuschung. Die ganz spannende Grundidee ist zwischendrin schon arg in die Länge gezogen worden, und die ganzen Zusammenhänge habe ich nur oberflächlich verstanden, aber vielleicht war das ja auch gewollt. Dafür war der interne Nervfaktor diesmal gering (ist ja nicht immer so in Rostock), und die König mit den neuen Facetten gefällt mir sehr viel besser. Das war als Team gut anzusehen. Glatter Durchschnitt, nicht mehr, aber auch nicht weniger, 3 Sterne glatt.


  • spiderman916 • am 19.1.20 um 22:08 Uhr

    Hat mir sehr gut gefallen ! 4 bis 5 Sterne hierfür!


  • tortart • am 19.1.20 um 22:58 Uhr

    Hat mir gut gefallen.
    Zusammenspiel Bukow/König wieder einmal klasse.
    Ein Stern Abzug aber dafuer, das der Film mittendrin ein wenig Kaugummi hatte.
    Werde mir den Film aber nochmal in der Mediathek anschauen.


  • Karin L. • am 19.1.20 um 23:09 Uhr

    Na ja, solide. Etwas lang. Und wieder diese Leier mit den Ermittlern, die selber mehr als ein Problem haben. Soll in Rostock wohl ein roter Faden sein.


  • Michael Kaufmann • am 19.1.20 um 23:17 Uhr

    Kommt in meine Sammlung, aber Kult wird diese Folge sicher nicht. Irgendwie unbefriedigend.


  • Till Schneider • am 20.1.20 um 1:59 Uhr

    Jetzt könnte Bukow wirklich langsam mal zur Tat schreiten. Frau König wartet doch nur darauf, dass er sie in die Arme nimmt … aber nein, er traut sich nicht. Dafür ist er wohl zu knorrig. Oder sie zu burschikos. Oder beides. Na ja, solche Typen und Konstellationen gibt’s, man kann sie auch mal zeigen, und insofern ist es okay. Nur, mein Romantikerherz verlangt hartnäckig nach Erfüllung … ach! Vielleicht in der nächsten Folge?


  • Alehalo • am 20.1.20 um 2:12 Uhr

    Ohne die beiden Kommissare wäre die Folge sternenlos.


  • GB • am 20.1.20 um 3:10 Uhr

    Langweilig von Anfang bis Ende. Handlung bemüht konstruiert, null Spannungsbogen. Schade.


  • Der Fremde • am 20.1.20 um 9:10 Uhr

    Auch ich mag das Rostock-Duo. Neben dem TO-Dortmund-Duo Faber&Bönisch überzeugen mich Bukow&König von den Charakteren der Hauptdarsteller am meisten, außerdem gefällt mir die jeweils horizontale Erzählweise der privaten Geschichten.
    Zu der letzten Rostock-Folge („Dunkler Zwilling“) schrieb ich: „… ohne ehrliches Bereuen ist es m.E. jedenfalls nicht ausreichend, einen „dicken Haken“ unter den damaligen Vorfall zu setzen …“. In der gegenständlichen Folge scheint nun das „ehrliche Bereuen“ von Fr. König zu den Vorfällen in der Folge „Für Janina“ zu beginnen. Das finde ich gut so und eine gute Basis für die Zukunft.

    @ Till Schneider: Im Gegensatz zu Faber&Bönisch steuern Bukow&König m.E. schon in Richtung Zweisamkeit, wenngleich auch vielleicht nicht extra-romantisch, weil beide nicht die Typen dafür sind.. Beide haben halt Narben aus ihrer privaten Vorgeschichte, deswegen dauert es hier länger, weil beide keine neuerlichen Verletzungen gebrauchen können …


  • Frank • am 20.1.20 um 9:18 Uhr

    Vertauschte Welten: Der häufig ach so fertige und mit sich selbst beschäftigte Bukow wird zum ruhiger verständnisvollen Ermittler. Die gradlinige König verliert sich völlig, trinkt und schläft im Büro und kann sich nicht in die Ermittlung einbringen. Ja, die Geschichte zwischen den Beiden wird und muss weitergehen. Der Schlusssatz der König: „Ich habe Angst“, lässt den nächsten Schritt erwarten. Daneben verkommt die Handlung fast zu Beiwerk. Das Thema Hochmut kommt vor dem Fall und die Vater-Sohn Geschichte werden gut erzählt. Im Gegensatz zu den beiden Ermittlern sind die Beweggründe der Personen nicht so detailliert auserzählt, das muss es aber auch nicht. Die eher düstere Umgebung trägt die Geschichte dennoch. Ob ein PR aber hauptsächlich von den Ermittlern leben sollte, muss jeder selbst beurteilen.


  • Monika • am 20.1.20 um 19:40 Uhr

    Warum sind die immer noch per sie? Das ist für mich so…. Finde gar kein passendes Wort dafür.


  • alter Fan • am 20.1.20 um 20:22 Uhr

    als Liebhaber spannender und realitätsnaher Krimis ( halt total altmodisch und immer noch am alten Zopf hängend ) bin ich bei diesem Rostock PR absolut auf meine Kosten gekommen – ich frag mich nur , wie man einen solchen Charakter , wie Charly Hübner als Schlipsträger in einer Sinnlosproduktion wie “ Das Taem “ – entfremden kann . Stellenweise ist der Polizeiruf inzwischen der “ bessere Tatort “ geworden .
    Ich mag dieses Rostock PR Team absolut . Wünsch mir in diesem Zusammenhang nur : bitte keine hochintellektuellen zeitgemäßen Experimente . Also freu´mich in diesem Sinne schon auf die nächste Folge .


  • Holly • am 20.1.20 um 21:00 Uhr

    Todlangweilig! Hätte ich nur früher abgeschaltet…


  • Colorwriter • am 21.1.20 um 16:17 Uhr

    Solide Leistung.

    König, Bukow &. Team unterhalten Bestens.

    Das Spannende, wenn auch leider etwas wirre Drehbuch bringen einen Stern Abzug.


  • CarstenH • am 21.1.20 um 22:06 Uhr

    Wie gewohnt düsterner und nordisch-herber Polizeiruf aus Rostock. Gesucht wird ein flüchtiger, neureicher Amokläufer, der sich verzockt hat und bei der Flucht durch die Hansestadt auch noch seinen bis dahin unekannten Sohn trifft. Verschrobene Geschichte, in der wie immer wenigstens eine weitere fortlaufende Geschichte eingewoben ist. Wird die Selbstjustiz von Herrn Buckow und Frau König den beiden noch zum Vehängnis? Wann kommt das sich seit einigen Folgen aufbauende Knistern zwischen den beiden zur brennenden Leidenschaft? Ich befürchtet, dass auch diese beiden Erzählstränge, genau wie der Kollegenbetrug an Buckow und das Fluchttrauma von Frau König aus den ersten Folgen im Nichts enden werden. Bis dahin bleibt es aber spannend.


  • wolko • am 22.1.20 um 17:40 Uhr

    Wie gewohnt hervorragend.
    König und Bukow sympathisch und echt.


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